18.November 2007


Weltmeisterer

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 eine  Frage, die mir immer und immer wieder nicht gestellt wird, ist die: Wie sieht sie eigentlich aus, Jürgens Welt?

 

 Nun gut, wenn ihr mich so drängt, kann ich sie ja heute, sozusagen als Sonntags-Rede, mal beschreiben:

 

 Vor allem ist sie rund! Nö, nicht so oben und unten abgeplattet wie Vati Erde bzw. angespitzt wie ein Rugby-Ball. Dann könnte sie nämlich nicht so vor mir her kullern, was ich dann mit Kuller-Augen beobachtetetete. Tetete. – Ich kann nämlich laaaange gucken.

 

 Und was ich nicht noch alles kann: Wahnsinnig werden, um  nur mal ein Beispiel zu nennen. Gestern abend war es wieder soweit. Immer, wenn ich vom unwichtigen Fußball-Länderspiel im ZDF mal zur ARD rüberzappte, mußte ich sie sehen: Massen von entlaufenen Heim-Insassen, die in einer Großraumzelle den „Musikantenstadl“ zelebrierten. Unglaublich, was da so an niederem IQ zusammenkommt. Auf und vor der Bühne. Irre! Substantivistisch gemeint. Total irre. Und: Man muß es gesehen haben, um es zu glauben. – Vor allem: Auch diese Menschen beanspruchen Sozialleistungen!!!

 

 Mit dem Glauben ist es aber nicht weit her in meiner Welt. Das sei schon gleich mal gesagt. Denn ich glaube, wenn überhaupt, erstmal nur an mich. Und da ich mich relativ gut kenne, ist dieser Glaube sehr fragil. Gut, ich glaube auch an Herrn R., aber das werde ich ihm niemals mitteilen, um Größenwahnsinn seinerseits vorzubeugen. Denn ICH weiß, wie schwer es ist, mit Größenwahnsinn zu leben.

 

 Obwohl es sich ja sooo schlecht wiederum nicht lebt, in meiner Welt. Klar, der eine oder andere Euro mehr könnte durchaus auf seiner Rückseite die Inschrift „Dem Jürgen seiner“ tragen, die eine oder andere Frau dagegen sollte sich beim Tätowieren dieser Inschrift das zweite „r“ schenken. Eigentlich kann sie sich die ganze Tätowiererei schenken, denn ich will gar nicht besitzen. Nur mal spielen…

 

 Doch da geht’s mir im Verkehr der Geschlechter wie beim Squash: Keiner spielt mit mir. Und wenn doch, verlieren die meisten. Weil ich einen so komischen Stil habe. Und hier verbitte ich mir das „e“ nach dem „i“. Unorthodox – ja das trifft’s.

 

 Damit habe ich’s im Squashclub trotz eines nahezu methusalemischen Alters wieder in die Gruppe der besten Fünf geschafft und kämpfe tapfer gegen den Abstieg aus der Elite-Klasse.

 

 Was die Frauen betrifft, hat die Ründe (tolles Wort) meiner Welt aber den Nachteil, daß sie die Weiber haltlos werden läßt: Da purzelt einfach alles durcheinander. Und Mann glaubt gar nicht, was das für Spaß macht! Jedenfalls mancher. Mann. Ich schon. Obwohl – auf die Dauer… Andererseits: Was soll’s?

 Habe ich schon erwähnt, daß meine Welt enge Grenzen hat, an die ich immer wieder stoße? Nö? Dann jetzt: erwähn. Und gegen diese Grenzen knalle ich stets dann mit voller Wucht, wenn ich wieder mal nicht damit rechne, daß andere sich selbst ankotzen und die gesamte Welt brechmittelgleich finden.

 

 Herrje, was habe ich nicht schon, einfach nur freundlich und lustig parlierend, in schier zugehämmerte Blödgesichter geschaut, denen einfach ALLES im Leben zuviel und vor allem NICHTS angenehm ist. Aber wichtig sind sie! Meinen sie. Und "Die da oben" sind an allem schuld!

 

 Da ist einem die eigene Lebensfreude schier peinlich. Zumal bei mir ja noch das Über-mich selbst-Lachen hinzukommt, also eigentlich immer Grund zum Amüsement gegeben ist, denn ich kleckere, stolpere, vergesse und betrete Fettnäpfchen ohne Ende. – Ein Naturtalent!

 

 Übrigens: Meine verschwundene Hose ist immer noch nicht wieder aufgetaucht! Ein temporäres Wunder!

 

 Ich jedoch gebe die Hoffnung nicht auf, denn auch der verschwundene raspelnde Teil meiner Parmesan-Reibe fand sich, nach monatelanger Abwesenheit, urplötzlich wieder ein. Auf dem Bücherregal. Gaaaanz oben drauf. Da muß ich hüpfen, um ranzukommen! Selbst Auf-den-Zehenspitzen-Stehen reicht da nicht. Surreal!

 

 So betrachtet, ist in meiner Welt das häufige Zusammensein mit W. wie ein Urlaub vom strudelnden Alltag. Denn Herr R. ist, und das ist gut so, bodenständig. Wo er sitzt, da sitzt er. Wichtig ist nur, daß all seine Instrumente rings um ihn herum ERREICHBAR plaziert sein müssen.

 

 Und eine Hose vermißt er auch nicht. Gottseidank ist er aber gnadenlos albern und schier unsäglich bekloppt (jedenfalls, wenn’s drauf ankommt, also er mit mir zusammen ist), denn sonst hätte W. ja einen Hauch von Vollkommenheit. Und ob sich Vollkommenheit mit Verkommenheit, also er sich mit mir, so gut verträgt…?

 

 Keine Angst, wir vertragen uns. Erst letztens haben wir uns vertragen, als wir unsere Boxen vor dem Auftritt auf die falsche Bühnenseite schleppten. Immer diese Kalauer…

 

 Nun aber zum Ärgsten in meiner Welt, denn - ihr alle befürchtet es, und das zurecht -, es wird darin auch wieder neue Lieder geben. Keine Angst: Herr Rösler repariert daran so lange herum, bis sie einigermaßen erträglich sind. Aber angedroht seien sie schon mal. Fürs neue Jahr, denn in diesem spielen wir gnadenlos noch die alten, gut abgehangenen, die sicher auch noch 2008 für viele die „Lieder der Lieder“ sein werden. Also zumindest für W. und mich.

 

 Ach so, natürlich nur, wenn ich die Welt 2008 noch erlebe. Und da hoffe ich verschärft auf die uns immer wieder versprochene Erd-Erwärmung. Wann kommt sie endlich? Mir jedenfalls ist kalt. Draußen.

 

 Aber ich geh’ heute nicht raus. Denn es ist Sonntag, und es ist November. Und das ist nicht meine Welt! Trotzdem meistere ich sie.

 

 Weltmeisterliche Grüße von

 

Jürgen

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