August


25.August 2011


Gehauen und gestochen (…und gewürgt)

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 es gibt Dinge, über die nicht mal ich scherzen würde und kann. Ja, tatsächlich.

 

 Mord, beispielsweise.

 

 Fieser, brutaler Mord.

 

 Nö, darüber macht man keine Witze. Noch dazu wenn die Presse ihrer Berichterstattungspflicht endlich mal bis in die kleinste Einzelheit nachkommt.

 

 Nö, nicht um Auflage zu machen! Um zu INFORMIEREN. Was’n sonst?

 

 Tatort: Halle an der Saale.

 

 „Wo sonst?“ werden die Neunmalklugen unter euch jetzt sofort fragen. Ich aber rufe euch zu: Warum nicht Köthen oder Bitterfeld? – Da, nun ja, leben Opfer und Täter zuhauf.

 

 Diesmal aber, am 15.August anno 2011, sollte es Halle sein.

 

 "Am Morgen des Tat-Tages hat der Angeklagte aus der Bratröhre eine Bratpfanne geholt und diese mit Wucht gegen den Hinterkopf seiner Frau geschlagen.“ – So der Staatsanwalt.

 

 Schlimm! Gaaanz schlimm!! – So ich.

 

 Noch schlimmer aber, und da danke ich noch mal all den Vorkämpfern für die Pressefreiheit, denn ohne sie würden wir das hier nie erfahren haben: Der Stiel der Bratpfanne brach im Verlauf der Tat ab.

 

 ´ne Ostpfanne???

 

  Der Mörder in spe gab aber nicht auf, er war (und ist) ein Mann der Tat. – Er begann zu würgen. Und zwar seine Frau.

 

 Genau, liebe Genossinnen und Genossen: In der Ehe mordet sich’s am entspanntesten.

 

 Nun aber wurde deutlich, was viele in der alten Bonner Republik nicht ahnten: Der Ossi an sich ist auch als Mörder ein Amateur.

 

 Denn „unser Mann“ kam mit Würgen nicht ans Ziel. Der wahre Ossi aber weiß zu improvisieren. Und zu zitieren, denn nun biete ich ein Zitat aus der Tageszeitung „Volksstimme“: „Als das Würgen nicht ausreichte, habe er eine Keramik-Blumensäule neben sich ergriffen und diese auf den Kopf der Ehefrau geschmettert. Auch die Säule ging zu Bruch. Er griff zu einer Glasschale auf dem Tisch und schlug diese auf den Hinterkopf der 52-Jährigen.“

 

 Was bleibt? a) Schade um die Keramik-Blumensäule! (Was ist das eigentlich?) Und b) Wo bekommt man so eine stabile Glasschale her? Aus dem Nachlaß…?

 

 Darüber jedoch möchten uns die Herren Journalisten nicht informieren. Sie konzentrieren sich Nebensächlichkeiten wie diese – „Volksstimme“ live:

 

 „Ich wollte die Sache dann beenden", so S. "Ich ging in die Küche und holte ein Messer (Klingenlänge 19 Zentimeter) aus dem Messerblock." Beim ersten Stich sei er von der Bekleidung "abgerutscht". "Ich habe dann ihre Bluse hochgehoben und noch zweimal dort zugestochen, wo ich das Herz vermutete." – Wahrscheinlich irgendwo am Knie… Hallenser!!!

 

 Schluß, aus, Sense! Bzw. Messer.

 

 Was aber verschweigt die in Magdeburg beheimatete „Volksstimme“ uns, den wißbegierigen Lesern, die aus der Lektüre etwas lernen, etwas mitnehmen möchten? – Sie verschweigt das zutiefst Menschliche, das der Tat irgendwie innewohnte, aber nur in der „Leipziger Volkszeitung“ zur Sprache kam, die damit zum „Sprachrohr des Mörders“ wurde:

 

 „Ihre letzten Worte waren: Wolfgang, ich habe Durst! – Da hat sie mich zum ersten Mal seit zehn Jahren wieder mit meinem Vornamen angesprochen…“

 

 Ach, Wolfgang…

 

 Soviel Aufwand für ´ne kleine Zärtlichkeit, ´ne verbale Liebkosung, ´ne näckische Einladung zum, dann leider leichenfledderischen, Liebesspiel.

 

 Wir werden es nie mehr erfahren.

 

 Was wir aber wissen: Über sowas macht man keine Scherze! Man liest und genießt! Und lernt daraus.

 

 Wie Wolfgangs Tochter.

 

 Denn dieser wird von den wahrheitsfanatischen Journalisten auch noch die Möglichkeit gegeben, sich mit einem verbalen Fanal an die Öffentlichkeit zu wenden.

 

 Und sie, die Tochter von Opfer und Opferer, nutzte diese einmalige Chance. Knallhart rechnete sie mit dem mörderischen Vater ab: „Ich weiß, es hätte nicht sein dürfen, aber ich kann meinen Vater verstehen."

 

 Und über sowas sollte irgend jemand Witze machen?

 

 Keinesfalls

 

Jürgen




16.August 2011


Meer geht nicht!

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 ich war immer kurz davor… SOOOOOOO kurz davor!!!

 

 Aber es hat nicht sollen sein.

 

 Tja.

 

 Das war am vergangenen Wochenende mein dritter Anlauf in diesem Jahr, um mal wieder die Ostsee in Augenschein zu nehmen. Nein, natürlich fahre ich dazu nicht privat gen Norden. Himmel!

 

 Ich warte, bis mich musikalisches Engagement in diese Gegend verschlägt, um dann, verschlagen, wie ich bin, persönlichen Nutzen daraus zu ziehen. – Ein Filou!!!

 

 Doch auch diesmal ging’s schief…

 

 Wie bereits im April, als ich mich mit Herrn R. gen Ostsee kämpfte. Damals, naja, es war April, schien sogar sowas ähnliches wie die Sonne. Doch, ach, wir waren spät dran, bauten nur schnell all die Tonverstärkungs- und -verbesserungs-Utensilien auf, boten lustige und zu Herzen gehende Lieder feil, konsumierten den einen oder anderen Apfelkorn (Herr R.!!) und brausten noch gegen 1 Uhr morgens wieder gen Leipziger Tieflandsbucht, da eben jener Apfelkorn-Konsument am nächsten Tag seinem Ingenieurs-Hobby nachgehen mußte.

 

 Was hätte ich der See den Anblick unserer beider Alabaster-Körper gegönnt…

 

 Zweiter Versuch. 23.Juli. Diesmal mit Herrn D.

 

 Wir kamen spät, aber pünktlich. Und es schiffte dermaßen, daß wir nicht umhin konnten, uns schon im Auto über die griesgrämig dreinblickenden Urlauber in ihren quietscheentengelben Allwetter-ich-nenn’s-mal-Anoraks lustig zu machen.

 

 Die Leute trugen dann unsere Mugge als auch das Wetter mit Humor, waren hinterher nur ein bissel traurig, daß ihre Autos während des Parkvorgangs in die Wiese eingesunken und somit nicht in der Lage, sich selbst zu befreien, waren…

 

 Ostsee-Wetter…

 

 Auch am nächsten Tag. Denn in jener Nacht konsumierte zwar Herr D., also der andere Herr D., nicht ich, den Apfelkorn, während ich lüstern grüne Götterspeise mit Nillesoße vertilgte, doch immerhin nahmen wir, ein, zwei Kilometer vom Meer entfernt, die eine oder andere Mütze Schlaf.

 

 Am nächsten Morgen aber … regnete es. Von oben!!! Immer noch…

 

 Was will man an einem verschlammten Strand…? – Ab nach Hause!

 

 Am vorigen Freitag aber wollte ich es wissen: Ostsee ich komme!!!

 

 Um 5 Uhr in der Früh bestieg ich den Boliden: In Leipzig war es schon hell, und ein Sonne-Wolken-Gemisch zierte den Himmel. Was’n Himmel…

 

 Als ich aber kurz vor 9 Uhr nahe Rostocks vor der zu bespielenden Kita aufschlug, splatatterte es nur so von oben herab. Ja! Regen! Noch kein Schnee…

 

 Und dabei hatte ich ab halb 11 frei. – Strandtag!!!

 

 Diesen aber verbrachte ich dann in der Dunkelkammer (Die im Norden sagen „Gastraum“ dazu… - Diese Schelme!) der Pension mit Gaststätte „Eiche“ in Kessin. Oh, da muß jeder mal hin: „XXL-Essen zu XXS-Preisen!“ – Das überzeugt…

 

 Dort nahm ich mit dazustoßenden Freunden, die in Warnemünde URLAUB machen wollten (Im August!!! – Im Regen-Monat!!!), einen Milchkaffee, während draußen die Welt unterging. Dann schickte ich sie wieder in ihr Hotel, um dem Meer dabei zuzusehen, wie es überläuft…

 

 Ich aber stakte zu jenen anderen Freunden, die mir Kost und Logis boten, um dort im Wintergarten gegen 13 Uhr das erste Bier zu konsumieren. Ja, um 13 Uhr… Ok., wir wollten uns noch gegenseitig warnen: „Bloß nicht schon so früh am Tag mit Alkohol anfangen! Das ist nicht gut!“, aber da es dermaßen von außen und oben auf das Wintergarten-Dach trommelte, verhallten unsere Warn-Schreie ungehört.

 

 So soffen wir den ganzen Tag und den Abend durch. Was mitnichten stupide war, denn wir wechselten zweimal den Trinker-Standort. Gegen 18 Uhr begannen wir, in der Kneipe für Umsatz zu sorgen, und nach 22 Uhr war es die Hausbar der Nachbarn meiner Freunde, die uns Obdach gewährte.

 

 Ostsee – Fuck off! – Sowas benötigt man nicht, wenn man richtige Freunde hat!!!

 

 Dann kam leider der Sonnabend. Der erste regenfreie Tag an der Ostsee seit mehr als 30 Jahren. Oder so…

 

 AN! DEN! STRAND! – Tja, da kenn’ ich Nix!

 

 Aber leider war ich um halb 10 für die Einschulungsfeier der Grundschule gebucht, und anschließend harrte dann noch eine private Einschulungs-Feier meiner Gesänge.

 

 Und draußen tobte der Hochsommer… Über 10 Grad Celsius!!

 

 PLUS!!!!

 

 Aber ich bin, ihr wißt es, ein Arbeitstier. Der Blaumann ist meine zweite Haut. Ach, was sag’ ich: meine erste!

 

 Und so versang ich meine Zeit, während der Tag versank.

 

 Ich aber versank dann auch: in den Polstern meines Boliden, denn der kannte nur ein Ziel – Sachsen. Heimat!

 

 Die Abendsonne vor Augen trollte ich mich. Weg vom Meer. Von meiner blauen Sehnsucht… Das Einzige, was ich sich wellen sah, war mein Haar. – Singular…

 

 „Warum, warum nur nutztest Du nicht den so so so so sonnigen Sonntag, um der See Deinen Körper zu offerieren?“ werdet ihr nun berechtigterweise fragen. – Der Job. Das Pflichtbewußtsein. Meine DDR-Sozialisation…

 

 Denn am Sonntag brachte ich Glückseligkeit in in der Lausitz schlagende Kinderherzen. Gegen 17 Uhr aber war der Auftritt beendet. Noch schien sie, die Sonne.

 

 JETZT!

 

 JETZT ABER!

 

 ZUM STRANDE!!!!

 

 Nix wie „Ostseestrand“ ins Navi eingegeben und schon mal losgebraust. Vorsichtshalber bereits ohne Klamotten, um dann, vor den Wellenbergen, keine Zeit mit Enthosen und Enthemden (In meinem Fall „Ent-T-Shirten“) zu vergeuden…

 

 Dann aber kam er: der Schock. „Ankunftszeit 22.11 Uhr“ konnte ich auf dem Navi-Display lesen.

 

 Da ist es doch schon dunkel! Da finde ich das Meer doch wieder nicht!!

 

 Was soll ich Meer sagen bzw. Meer schreiben: Es wird ein Ostsee-loses Jahr.

 

 Ob das dem Meer gut tut. Wer weiß? – Meer weiß, aber Meer kann nicht sprechen…

 

 Nicht meer… - Ok., blöder Kalauer, aber das mußte sein.

 

 Ich geh’ mich jetzt duschen und schütte mir dabei ab und an ein paar Salzkörnchen ins Sänger-Mäulchen. Auch so kann man Strandfeeling erzeugen.

 

 Hat mal jemand ´ne Qualle für

 

Jürgen




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