Juli


27.Juli 2011


Aller guten Dinge…

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 manchmal hat der eine oder andere „Melankomiker“ schon wahrsagerische Fähigkeiten, beispielsweise Herr R., genannt W.

 

 Dieser Musikus kam doch, als wir uns vor vielen, vielen Jahren – Huch, 14! – „gründeten“, neben meinem Spruch von denen mit „der Aura der Aurora“ auf die Formulierung mit den „Drei lustigen Zwei“.

 

 „Sinnlos, aber dafür charmant“, dachte ich damals und nahm es als eine Anspielung auf  etwaige schizophrene Anflüge meinerseits hin. Dann hätte die Zahl ja wieder gestimmt.

 

 Irgendwann aber ging mir auf, daß ich mitnichten schizophren bin. Der ganze Unfug spielt sich bei mir in ein und derselben Birne sowie in ein und demselben, zugegebenermaßen göttergleichen, Körper ab.

 

 Nun aber, Jahre später, zeigt sich: W. kann in die Zukunft schauen. Hoch lebe er! Und lange! Und noch länger!!!

 

 Denn am Sonnabend gab es sie zum ersten Mal in einem normal-langen „Melankomiker“-Programm von drei Stunden: „Die (anderen) Melankomiker“.

 

 Diesmal also in der Besetzung mit Norman Daßler und mir. Wir hatten uns extra die Küstenregion ausgesucht, um bei gescheiterter Veranstaltung sofort ins Wasser gehen zu können.

 

 Mußten wir aber nicht, denn die „Damenwahl“, samt einiger neuer Titel aus dem „LUSTige OBJEKTE“-Programm, das am 5.Oktober Premiere haben wird, wurde umjubelt. Sogar vom Publikum…

 

 Wer hätte das gedacht? – Ich.

 

 Und somit ist ab jetzt wahr geworden, was Herr R. vor 14 Jahren voraussagte: Wir sind jetzt „Die Drei lustigen Zwei“. – Irre.

 

 In wechselnder Besetzung werden mal Herr R. und mal Herr D. neben und mit mir musizieren. Immer mit MIR! Das sind so kleine Prioritäten, die ich gesetzt habe.

 

 Und nie alle ZUSAMMEN! Soweit kommt’s noch… Gage durch drei??? Aber hallo!!!

 

 W. ingenieurt derzeit soviel wie nie zuvor, will Deutschland aus den Schulden rausreißen. Ganz allein… Somit fehlt es ihm ein bissel an Zeit, seinen alten jungen Freund (Mich!) immer und immer wieder auf der Bühne zu unterstützen bzw. sich in meinem Glanz, in meiner Strahlkraft zu sonnen.

 

 N. benötigt ganz einfach Geld.

 

 Scherz!

 

 Nö, Herr D., also der andere Herr D., nicht ich, gitarriert, akkordeoniert, mandoliert, singt, tanzt, steppt und jongliert in einzigartiger Art und Weise, daß es eine Freude ist. Teilweise überlege ich, ihn hinter eine Spanische Wand zu stellen, damit die Aufmerksamkeit des Publikums sicher wieder allein auf mich richten kann.

 

 Doch Einhalt: Diese Gefahr besteht natürlich nicht, da das mit dem Steppen, Tanzen und Jonglieren mir nur so rausgerutscht ist. Diese drei künstlerischen Highlights biete allein ich im Programm an. – Teilweise unbemerkt vom Publikum…

 

 Ich steppe, tanze und jongliere innerlich. – Ja, ich bin ein Tausendundeinssassa!

 

 So, und nun freut euch aufs neue „MelanKomiker“-Programm am 5.Oktober, dargeboten von N. und mir.

 

 Und, um der Frage zuvorzukommen: Ja, auch mit W. wird es wieder ein neues Programm und neue Lieder geben. Er weiß zwar noch nichts davon, aber das jubele ich ihm schon unter.

 

 Ich fahre jetzt also zweigleisig, obwohl ich keine Lokomotive bin.

 

 Fahren Lokomotiven und Züge eigentlich zweigleisig? Oder impliziert „Gleis“ schon zwei Schienen-Stränge?

 

 Da strenge ich mich jetzt aber mal mächtig an, denke drüber nach und mutiere, clever wie ich bin, zur Drahtseilbahn.

 

 Aus luftiger Höh’ grüßen euch „Die Drei lustigen Zwei“ samt

 

Jürgen




17.Juli 2011


Tor-Wart

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 das Tor war wie vernagelt!

 

 „Ha, jetzt kommt er uns auch noch mit dem Mädchen-Fußi!“ denkt ihr, meine Herzchen, und irrt.

 

 Denn vor dem Tor stand der Tor. Und das bin im Zweifelsfall immer ich. Euer Halbgott…

 

 Das Tor war das meiner Garage. Und in der Garage stand mein Auto. Es war 22 Uhr am Montagabend.

 

 Soweit, so normal. Normal war auch, daß ich vom Balkon der Nachbarn herunter noch zum Biere geladen wurde, als ich zwei Minuten vorher, vom Squash kommend, auf den Hof brauste. Erst schüchtern ablehnend, dann aber doch durstig zustimmend, laberte ich gen Balkon im zweiten Stockwerk, dabei meine Sporttasche und ´nen Wasserkasten aus dem Auto wuchtend.

 

 Schnell noch das Schlüsselbund geschnappt, mit dem entsprechenden Metallgebilde das Garagentor geöffnet, Auto rein, Tor zugedrückt, und ab ins…

 

 Ja, wie kommt man ins Haus, wenn das Schlüsselbund noch im Auto auf dem Beifahrersitz liegt?

 

 Nur gut, daß ich den Autoschlüssel in der Sporthosen-Tasche hatte. Ja, da kenn’ ich nix. Ich bin ein Filou!

 

 Nur schlecht, daß der Garagenschlüssel am Schlüsselbund herumlungerte, mir also mein Autoschlüssel nichts nutzte. Naja, „nichts“ ist übertrieben: Ich konnte mit ihm durch das Tor hindurch mein Auto öffnen und wieder verschließen. Ja, nennt mich Zauberer…

 

 Ok., ich kam nicht an mein Schlüsselbund. Was tun?

 

 Erstmal eine ADAC-Karte zerwürgen, denn mit der versuchte ich – WIE IM FERNSEHEN! – das massive Tor zu öffnen. Wie ein Profi! Nur leider nicht erfolgreich. Mein Nachbar, ja, der mit dem Bier (Und der Oboe!), half. – Ein Versager!

 

 Da aber fiel es mir ein: Meine Haushaltshilfe! Jaha, ich hab’ sowas, bin ja auch schon ein bissel gebrechlich…

 

 Sie hat ´nen Haus- und Wohnungsschlüssel. Und wohnt nicht weit weg. Ich habe die Adresse und die Telefon-Nummer. Juhu!

 

 Leider befinden sich beide, sorgsam notiert, auf einem Zettel, der an meinem Kühlschrank an-magnetisiert ist, denn unser Putzvertrag ist noch ziemlich neu. In mein Handy-Telefonbuch hat’s die Nummer noch nicht geschafft.

 

 Naja, man kann nicht immer Glück haben im Leben.

 

 Darf man nach 22 Uhr noch den Grundstücksverwalter anrufen, um ihn um einen zusätzlichen Garagenschlüssel anzubetteln? Man darf!

 

 Er aber darf sein Handy um diese Zeit schon ausgeschaltet haben…

 

 Hat er auch.

 

 Naja.

 

 Schlüssel-Notdienst… - Oje, da hört man schlimme Sachen…

 

 Mittlerweile in der Nachbarswohnung im Telefonbuch blätternd, entschied ich mich für die annoncierte 28-Euro-Sofort-Türöffnung, noch dazu ´ne Firma hier direkt aus Leipzig-Gohlis.

 

 Die wollten mir helfen. Für 134 Euro. Ich lehnte ab. Nicht mal dankend.

 

 Ha! Es gab noch etliche andere Firmen, die das Sprengen einer verschlossenen Pforte für um die 30 Euro feilboten.

 

 Gelesen, gewählt.

 

 Die gleiche Stimme am Telefon, der gleiche Preis. 134 Euro.

 

 Nicht mit mir!!!

 

 Nächste Nummer.

 

 Gleiche Stimme, gleicher Preis und: „Sie bekommen um diese Zeit immer mich! In der Nacht gibt es nur mich!“

 

 Ich kotzte, fluchte und nahm ihn. Winselnd.

 

 Wartend trank ich auf des Nachbarsbalkon dessen Billig-Bier… Ja! ICH, der ich gleich verarmen würde, wurde von ihm mit einem Bier namens „Spaten“ abgefertigt. Er dagegen trank „Spaten-PREMIUM“… - Mit diesem Musiker-Ehepaar bin ich fertig. Denen half auch nicht, daß sie mir zu erklären versuchten, mein Bier käme aus dem Kühlschrank, das seine nicht…

 

 Ausreden…

 

 ´ne halbe Stunde später war der Schlüssel-Gott da. Nicht der vom Telefon, sondern sein Sklave. Aber ein sympathischer…

 

 „Wenn wir Glück haben“, meinte er, „geht das ruckzuck!“

 

 Wir hatten kein Glück.

 

 Das Garagentor ist, zugegebenermaßen, massiv. Seine Werkzeuge waren es, überraschenderweise, nicht. Sie verbogen sich. Eins nach dem anderen. Ich bog mich mit. Vor (verzweifeltem) Lachen.

 

 Mein Nachbar, der welcher das teure Bier nur so in sich hineingeschüttet hatte, gab gute Ratschläge… Beflügelt vom Premium-Getränk! Anstatt sich zu schämen…

 

 Als alle Werkzeuge, und derer waren es viele, verbogen waren, griff der Torist zum Bohrer. Seitlich ran ans Schnappschloß und schwupps!

 

 „Seitlich ran“ klappte sehr gut. „Schwupps“ fiel aus.

 

 Die Turm-Uhr schlug 23.30 Uhr. Ich hatte immer noch meine durchgeschwitzten Sportsachen an, sah darin zwar wie immer toll aus, roch aber wohl nicht mehr ganz so gut. „In drei, vier Tagen bin ich ranzig!“ schoß es mir durch den Kopf.

 

 Der Torero wollte nun direkt bohren. Von vorn. Er wollte es wissen!

 

 Er bohrte. Und bohrte. Und bohrte. Und dann … fummelte er im Loch rum, stöhnte, verkrümmte sich (Ich wollte ihm schon ein Taschentuch reichen.), doch dann … war’s wieder nix. – „Ich komm nicht ran!“ erklärte er, durchaus verzweifelt, seinen Interruptus.

 

 Dann brachte er die Variante mit dem Schloß-Aufbrechen ins Spiel. Würde mich aber noch mal 50 Euro für ein neues Schloß kosten… Bin ich ein Schloß-Herr???

 

 Mein Premium-Nachbar, dem nun langsam schwante, wie sehr er mich verletzt hatte, versuchte sich durch die Bemerkung, er hätte irgendwo noch ein Schloß und könne es doch mal suchen, wieder bei mir einzuschleimen. Ich aber zeigte ihm die leicht ranzige, aber durchaus schon kalte Schulter.

 

 Konsequent bis in den Tod – anders kenne ich mich nicht…

 

 Dann aber kam’s! Bei keinem von uns Dreien, aber beim Tor. Mein Noch-Nachbar (Ich werde die Familie aus dem Haus ekeln…) und ich warfen uns mit aller Macht gegen den Garagen-Eingang-Versperrer, während der Herr der Tore mit allerm, was er hatte, im mittlerweile mittels eines größerer Bohrers zu Tunnelgröße ausgefriemelten Bohrloch fummelte.

 

 Schwupps!

 

 Mitternacht!

 

 Und das Tor war auf.

 

 Sogar die Bohrschäden hat der liebe Mann wieder verkittet.

 

 Stolz und mit meinen 134 Euro fuhr er ins Nächtle.

 

 Ich aber suchte mein Schlüsselbund auf dem Beifahrersitz meines Autos und … fand es. Alles andere hätte mich entmannt. Und das schafft sonst nichts und niemand…

 

 „Wohnung ich komme!“ denkend sowie des Nachbars Flehen „Willste noch ´n Bier auf den Schreck?“ geflissentlich überhörend, stürmte ich durchs Treppenhaus, erschloß meine Gemächer und konnte endlich duschen.

 

 Und  nachdenken.

 

 Ich werde meinen Nachbarsleuten verzeihen. Wenn sie mich in einem ihrer vielen, vielen Urlaube (Musiker…) ihre Blumen gießen lassen.

 

 Mal sehen, ob sie auf den Deal eingehen.

 

 Wer selbst PREMIUM ist, muß kein Premium trinken…

 

 Depremiumierte Grüße vom Schlüsselkind

 

Jürgen




02.Juli 2011


Rock ’n’ geh

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 ich weiß, daß ihr gleich fragen werdet, ob ich nicht noch andere Probleme habe, aber ich möchte es trotzdem mal ansprechen:

 

 Gestern wurde ich, ohne zu lauschen, Ohrenzeuge beim Treffen zweier Passanten. „Wie geht’s?“ fragte der eine. Und der andere saß im Rollstuhl.

 

 Nun erlebte ich zwar, daß die Konversation der beiden völlig unbelastet dahinschlumperte, fragte mich aber trotzdem, ob das nicht schon Diskriminierung war. In unserer auf political correctness bedachten Zeit, war ich auf ein „Wie rollt’s?“ gefaßt.

 

 Naja, abwarten – wir sprechen (und hören) uns in zehn Jahren wieder…

 

 Im Deutschlandradio Kultur ging es heute früh in einer zweistündigen Diskussion zum Frauenfußball ja u.a. auch darum, daß die Mädels sich nicht mehr als MANNschaft bezeichnen sollten, sondern lieber als Team oder Elf.

 

 Das machte mich erst sprachlos und dann rollig.

 

 „Team Thaler“? „Die Elfen“?

 

 „Und sonst so?“ fragt

 

Jürgen




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