Januar


13.Januar 2011


Radio Oliver

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 ja, sie sind erbaulich. Sie – das sind in diesem Fall die Reisen zu musikalisch’ Spiel, die ich gemeinsam mit Herrn R. unternehme.

 

 Nach Rostock verschlug es uns am vergangenen Samstag, und W. selbst saß am Steuer! Was nichts anderes bedeutet, als daß ich auf dem Beifahrersitz fläzte.

 

 „Was fläzt er denn? Warum fläzt er denn? Fläzte er lange, unser kleiner Liebling?“ höre ich euch nun fläzungs-entwöhnt, wie die Rechtschaffenen unter euch gewiß und leider sind, fragen.

 

 1. Er, also ich, fläzte sich, also mich. 2. Er, also ich, fläzte aus Prinzip. 3. Nein, es war kein langes, es war ein eher abrupt und kurzfristig beendetes Fläzen. Denn:

 

 DIE TANZWUT PACKTE DIE AUTO-BESATZUNG!!!

 

 Ja, leset und staunet!

 

 Und verstehet!

 

 Denn es ist ganz einfach: Irgendwann hinter Dessau verschlug es „Radio Brandenburg“ in unser Autoradio.

 

 Nachdem ich zwei Musiktitel eben jenen Senders ohral in mich aufgenommen hatte, verblüffte ich den lenkradumklammernden W. mit folgender Feststellung nicht im Geringsten, denn auch er zuckte bereits leicht: „Diese Titel sind alle twistbar!“

 

 Genau! Genau so war es!!!

 

 Wir probierten es sofort aus… Und es funktionierte!

 

 Jedes Lied, das „Radio Brandenburg“ spielte, ließ sich twisten. Im Sitzen!!! Mal langsamer, mal schneller, aber immer TWISTBAR!!!

 

 Unglaublich!

 

 Noch unglaublicher aber, was dann geschah: Es erklang – „Let’s twist again“!

 

 Das war der Beweis!!!

 

 Wir lachten uns – sitz-twistend – scheckig, ohne auch nur die Hautfarbe zu wechseln. Mein Gott, was wir für verborgene (Klamotten!) Talente haben… DAMIT können wir, wenn unsere Gesangs-Karriere in ein, zwei Jahrhunderten ihren Zenit überschritten hat, immer noch schier unglaublich viel Kohle verdienen: Scheckig lachen, ohne die Hautfarbe zu wechseln.

 

 Doch zurück zum Haupt-Act! Denn nun twisteten wir durch. Sogar „Karat“ läßt sich twisten!! – Ein Teufels-Tanz!!!

 

 Lag es an uns? Lag es am von Oliver erfundenen Tanz? War es eine Laune der Natur??

 

 Die Lösung abrupte in unser Leben: Es lag am Sender.

 

 Denn kaum verließ uns in Höhe Güstrow „Radio Brandenburg“, fiel der Zauber in sich zusammen.

 

 Die „Ostseewelle“ übernahm den UKW-Bereich. Und enttäuschte. Ein Scheiß-Sender!!

 

 Schon der erste Titel, ein Gemisch aus Akkordeon und Background-Ahahaha-Gesinge: untwistbar!

 

 Ich stolperte regelrecht. Im Sitzen!

 Herr R. geriet mit den Beinen ins Lenkrad und ins Grübeln…

 

 Das wiederum fand ich liebenswert. Also das mit den Beinen.

 

 Und nun frage ich euch: Wie kann es sein, daß ein Sender, der ja für uns, die Menschen, ach was, die VERBRAUCHER, sendet, musikalischen Müll offeriert? Denn „untwistbar“ ist ein Synonym für musikalischen Müll.

 

 Wir sind ratlos. Selbst ich!

 

 Übermorgen, also am Sonnabend, bitten wir in Leipzig ab 20 Uhr wieder zur Twist-Party. Für die Katholiken unter uns auch gern ohne Gummi. Jeder, wie er’s mag bzw. vor dem Herrn rechtfertigen möchte.

 

 Aber Achtung: Twist ist ansteckend!

 

 Das wissen W., Oliver und

 

Jürgen




06.Januar 2011


Devotionalien-Magnet

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 wie, bitteschön, ist DAS denn gekommen??? Eben noch wurde ich mit ´ner Medaille und 20 DDR-Mark für „Vorbildliche Nachbarschaftshilfe“ ausgezeichnet, weil ich der alten Frau Beylich immer winters so schön die Kohlen aus dem Keller nach oben getragen habe, obwohl ich ein durchaus schmächtiger Knabe war, - und schon bin ich: Haus-Ältester.

 

 Was für eine Karriere!

 

 Bei der Scheiß-Armee gab es „Stuben-Älteste“. War ich nie!

 

 Bei meinen, nun, nennen wir es mal „Beziehungen“, war ich stets der Wohnungs-Älteste. Da sei Gott vor!

 

 In der Band, im Rock’n’Roll-Ensemble „Die MelanKomiker“, bin ich Band-Ältester. Schon aus Prinzip, denn der Band-Älteste kriegt die Weiber… - Ein Scherz.

 

 Oder auch nicht.

 

 Manchmal, aber wirklich nur manchmal, fange ich an, die wirren Blicke der Kassiererinnen in den Getränkemärkten dieser Welt zu verstehen, mit denen sie beim Kauf einer Flasche Bier auf meinen freundlich vorgezeigten Personalausweis reagieren. Ich finde das aber besser so herum, als wenn man peinlicherweise in dem Moment, in dem Lippen und Leber, die beiden großen „L“ in meinem Leben, bereits intensiv nach alkoholischer Benetzung gieren, mit der Frage nach der Volljährigkeit konfrontiert wird.

 

 Der kluge Mann zeigt vor. Ausweis-Exhibitionismus…

 

 Was hat man überhaupt davon, Haus-Ältester zu sein?

 

 Bekomme ich nun tagtäglich Devotionalien durch die Mitbewohner vor meinen Etablissement-Eingang drapiert? Werde ich auf Händen getragen? Fleht man mich an, nie und nimmer an Umzug zu denken?

 

 Das alles geschieht ja bereits. Dafür muß ich doch nicht dem Ältestenrat vorstehen. Zumal ich im Rat nur einen dulde: mich.

 

 Liebesdienste, wenn’s sein muß auch ohne Liebe, - das wäre mal ´ne feine Idee. Vielleicht könnten meine Mitbewohner ja zusammenlegen, um mir auch außerhäusiges „Personal“ zuzuführen? Da wäre ich tolerant, denn Toleranz ist mein zweiter Vorname.

 

 Auch täglich zur Aufstehens-Zeit gegen 12 Uhr dargebotene Mitbewohner-Choräle mir schmeichelnden Inhalts könnten mich durchaus erbauen.

 

 Wäre es geschichtlich nicht zu belastet, hätte ich auch gegen „Heil dir!“-Rufe nichts einzuwenden.

 

 Jenen, denen es unangenehm ist, mir face to face ihre Bewunderung kund zu tun, steht ja immer noch die Möglichkeit der anonymen Geldspende zur Verfügung.

 

 Ich aber, ja, auch um mich mache ich mir den einen oder anderen Gedanken, ich aber muß mich nun mäßigen. Denn ich bin ja im Haus auch der Einzige, der stets zwei Stufen gleichzeitig beim Treppensteigen nimmt. Also raufzu. Runterzu (Ein herrliches Deutsch!) hüppse (Noch deutscher!!!) ich dann auch mal vier bis fünf Stüfchen in einem Satz.

 

 Und eben dabei entgeht mir gewiß die eine oder andere verbale Liebkosung der mir gewogenen Mit-Behauser.

 

 Wenn ich es recht überlege, vernahm ich derer bislang nicht eine bis keine.

 

 Und, da werdet ihr mit mir einer Meinung sein, es kann nur an meinem irrsinnigen Tempo gelegen haben, daß Schmeichel-Chöre ob meiner mir im Haus bislang noch nicht die Trommelfelle netzten.

 

 Wie dem auch sei: Ich möchte mich des Postens würdig erweisen. Schon, um mich auf Kommendes vorzubereiten: Straßenseiten-Ältester, Straßen-Ältester, Stadt-Ältester, Oliven-Öl-Tester.

 

 Genau. Darauf läuft es hinaus: Ich höre auf mit dem Gesangs-Wahnsinn. Die Jahre fordern ihren Tribut.

 

 Ich werde Öltester.

 

 Auf Dioxin.

 

 Also testen. Auf Dioxin testen. – Himmel, wie schreibt man das unzweideutig…?

 

 „Auf Dioxin testen“ klingt ja beinahe wie „Auf Koks ficken“, und Letzteres würde ich a) nie schreiben und b) nie tun. Ich alter Braunkohle-Fetischist…

 

 Irgendwie entgleitet die Wortmeldung der meinem Alter angemessenen Würde.

 

 Ich sollte Rat suchen. Zweit-Ältesten-Rat.

 

 Mal sehen, was Herr R. zu all dem sagt, für den ich ja der Zweit-Jüngste in der Hardrock-Combo bin.

 

  Ölige Grüße von

 

Jürgen




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