Dezember


31.Dezember 2010


Gott wartet im Park!

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 Weihnachten steht vor der Tür! Nur noch 51 Wochen, dann klopft es schon wieder an derselben und unser „Draußen bleiben!“ wird mit einem „Ho, ho, ho!“ beantwortet.

  size=2nbsp;Am Unfalltag selbst hatten die Kinder viel Spa

 Nun aber mal ganz ehrlich: Weihnachten steht noch gar nicht vor der Tür. Es ist noch ca. 100 Meter entfernt. Luftlinie.

 

 Und da Weihnachten schon sehr alt ist, und die Luftlinie die letzten rund 20 Meter steil bergauf (3.Etage!) verläuft, benötigt es halt seine Zeit, DAS Weihnachten.

 

 Denn Weihnachten ist sächlich. Wäre es männlich, stünde es schon hinter der Tür, wäre es weiblich, wäre es noch einkaufen oder würde die Tür fest im Griff haben, um damit Türannei auszuüben.

 

 Aber Weihnachten MUSS sächlich sein, da es ja um Sachen geht. Und um die Sache. Die Besinnlichkeit.

 

 Ich selbst ertrage das wie das ganze Restjahr meist besinnungslos. Denn: Ich besinne mich nicht. Sinnlos finde ich viel besser.

 

 Macht auch mehr Spaß.

 

 Obwohl das Leben ja kein Tralala ist.

 

 Nee, isses nicht!

 

 Aber ein Hopsasa!

 

 Und was für eins!

 

 Auch 2011.

 

 Obwohl uns da schon wieder Weihnachten droht.

 

 Ich aber verrate euch heute mal, daß dieses Fest wie alle anderen nicht schon immer da war, sondern daß sich irgendwann irgend jemand die ganze Chose ausgedacht hat. – Sicher so’n vorsintflutlicher Marketing-Fuzzi.

 

 Und wie die Deppen so sind, machten irgendwann alle mit. Deswegen „feiern“ wir ja hierzulande mittlerweile auch „Hello, Wien!“ und klatschen der Nicht-mehr-Geliebten am Valentinstag Blumen ins Antlitz.

 

 Ja, es gibt Alternativen, aber das Ganze ist nicht leicht… Man müßte selbständig denken und fühlen bzw. selbst ständig denken und fühlen.

 

 Besinnlich sein, wenn einem besinnlich zu Mute ist. Blumen nur dann der Partnerin gegen die Brust drücken, wenn man wirklich gerade verliebt ist bzw. die Brust es wert ist. Wien verbieten.

 

 Mit Ostern klappt das doch schon ganz gut, denn hierzulande wird ganzjährig rumgeeiert. Da benötigen wir keinen festen Termin.

 

 Was geht mir sonst noch auf die Nerven? Genau: „Guten Rutsch! Aber nicht draußen auf der Straße…“

 

 Das habe ich in den letzten Tagen ungefähr siebenhundert Mal  gehört, und ihr glaubt gar nicht, wie entgeistert einen die „Lustig-Wünschenden“ anschauen, wenn man nach dieser originellen Bemerkung in brüllende Lachkrämpfe ausbricht, wie ich das zu pflegen tue: „Aber nicht draußen! Irre! Wahnsinn! DAS ist SOOOO lustig! Wie kommen Sie denn auf solche Brüller??? Sie sind mir ja einer(r)! Uuuuuuuuuuunglaublich! Ich schrei mich ins Nirwana!“

 

 Dann räuspere ich mich kurz, schüttle das Haupt und schreite wortlos von dannen.

 

 ICH KANN ES NICHT MEHR HÖREN!

 

 Sinnlose, und vor allem sinnlos dahingeplapperte Wünsche! Herrgott, was könnten wir schön schweigen und/oder an Sex denken… Nee, wir plappern.

 

 „Herr Gott“ ist übrigens auch falsch, denn Gott heißt Gabi. Und Gabi wird ja wohl kein Mann sein. – Wäre das also auch geklärt.

 

 Wieso? Also ich selbst erlebte heute in einem Bekleidungsgeschäft, wie die beiden Überschminkten hinter der Kasse die Köpfe in den Nacken legten und Botschaften entlang einer gewundenen Treppe gen Himmel schickten. Leider verstand ich fast nichts, doch am Ende konnte ich ganz deutlich “Danke, Gabi!“ vernehmen.

 

 Meine sofortige Frage „Gott heißt Gabi?“ wurde verwirrt zur Kenntnis genommen, aber auch ich wäre mit Herrschaftswissen arg geizig und würde nicht jedem Dahergelaufenen teilhaben lassen.

 

 Ich aber war ein Dahergefahrener! Und so weiß ich’s nun: Gott heißt Gabi.

 

 In diesem Sinne: Gott wartet im Park!

 

 Und: Grüß Gabi!

 

 Laßt uns 2011 wieder mehr zusammen machen, wünscht sich

 

Jürgen




23.Dezember 2010


Die Guten und die Besen

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 mein Pomputer war krank. Ein Virus! Oder zwei… Geiz ist nicht meine Stärke…

 

 Was aber meine Stärke ist, wisset es: Tatkraft!

 

 Und mit eben dieser wollte ich ihm in den letzten Tagen an den Kragen: dem Schnee. Der weißen Pest!

 

 Mußte aber feststellen, daß nicht alle Ingenieure sich auf solch hohem Bildungs-Niveau bewegen wie der meine…

 

 Denn, und nun haltet euch fest, jetzt kommt’s: Mehr als nur eine Sinnlos-Konstruktion bietet uns der Handel feil.

 

 Ja.

 

 Jaha!!

 

 Heute nur ein Beispiel: der Schneebesen.

 

 Alles schien so einfach… Es flockte vom Himmel, und ich dachte, alter Exhibitionist, der ich bin: Dir werd’ ich’s zeigen, du Schnee!

 

 Da ich vielseitig bin, fiel mir rechtzeitig ein, daß ich ja nicht nur den Exhibitionisten, sondern auch einen flotten Feger überzeugend darzustellen vermag.

 

 Das Utensil war flugs erworben, wenn mich die Verarbeitung der Borsten auch stutzen ließ…

 

 Gebogen, relativ aluminiumhaltig und oben zusammen-, ich nenn’s mal –geschweißt.

 

 Machte rein ingenieurstechnisch den Eindruck von viel Knowhow…

 

 Als ich aber damit übers verschneite BMWchen fegte, erwies sich der Besen als das, wofür manche die Demokratie halten: eine Fehlkonstruktion.

 

 Schlimme Kratzwunden auf dem Autodach, der Schnee aber: wie neu!!!

 

 Da blieb erstmal nur eins: Das Auto verbinden.

 

 Dann aber schritt ich sofort energisch zur Tat und entsorgte … den unnützen Besen. Besen, Besen, sei’s gewesen!

 

 Nun liegt er in seiner Kammer und wartet auf Boris. Auf daß dem jemand einen tute.

 

 Ich aber verwehe immer mehr. Und verzweifle. Am Ingenieurwesen. Solch ein unpraktisches Gerät hätte ich mir selbst ausdenken und dann auch herbei-klöppeln können.

 

 Selbstgeklöppelte Schneebesen können nicht schlechter funktionieren als maschinell gefertigte!

 

 Das ist ein Satz wie in Stein gemeißelt bzw. ge-ingelt!

 

 Das ist mein Satz!

 

 Satz und Sieg! Ohne Heil!

 

 Es leben die Guten und die Besen, ruft

 

Jürgen




09.Dezember 2010


Aus gutem Grind!

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 draußen tobt Mütterchen Frost gemeinsam mit der Schlampe Schnee, und bei mir drinnen toben Kausalketten, bzw. es taute.

 

 „Huch, was möchte er uns denn heute verklausulieren?“ höre ich euch gespannt aufstöhnen.

 

 Und ihr stöhnt, wie immer im Zusammenhang mit mir, zurecht.

 

 Stöhnet und staunet:

 

 Es ergab sich vor vielen, vielen Jahren, daß der Einzug in die Leipziger Wohnung durch den Kauf eines Kühlschranks gekrönt wurde. Niemand konnte ja damals ahnen, daß Oma Dauerfrost im Dezember 2010 das Zepter des Handelns in ihre Griffel nehmen würde, um Kühlschränke lächerlich zu machen – das unnötigste Möbel an sich…

 

 Und der Kühler kühlte!

 

 Außen rot, innen kalt, nachts ein bissel laut – was ist das? Auf diese profane PISA-Frage wußten alle Kinder in dieser Welt, so sie denn über Lese-Kompetenz verfügten, nur eine Antwort: Jürgens Kühlschrank. In bestem Deutsch. Ok., bis auf die deutschen Rangen, denn bei denen hieß es: dem Jürgen sein Kühlschrank.

 

 Nun aber muß ich gestehen, daß es sich beim Kühlschrank nicht nur um einen solchen, sondern um eine Kombination aus Kühl- und Gefrierschrank handelt.

 

 Ich konnte sodann also nicht mehr nur meinen Blick einfrieren lassen.

 

 Und ich fror ein. Jahrelang! Minusgrade im zweistelligen Bereich – das ist meine Welt!

 

 Nach vielen, vielen Jahren aber, im Frühjahr des nun zu Ende gehenden Jahres 2010, packte mich der Übermut: Ich wollte verzehren!

 

 Und ich verzehrte! Mich. Nach meinem Gefrier-Gut. Denn ich kam nicht mehr ran…

 

 Zugefrorene Schubladen, „gepolstert“ von (fast) meterdickem Pack-Eis hinderten mich am Zugriff auf solche Schmeckerchen wie Fertig-Pizza oder abgelegte Haustiere…

 

 Hund, beispielsweise, soll sich ja bei -18 Grad Celsius ewig halten…

 

 Ja, ein kleiner, böser Scherz! Denn wir alle wissen: Die Katze steht dem in nichts nach! – Gleichberechtigung der Rassen! So soll es sein. - Diskriminieren ist nicht mein Ding!

 

 Essen aber auch nicht, denn, wie geschrieben, ich bekam keines der eiskalten Fächer mehr auf.

 

 Vorfreude bestimmte nun Frühling, Sommer und Herbst. Dann aber, mit dem ersten Frost dieses, nennen wir ihn beim Namen: Scheißwinters, riskierte ich es.

 

 Ich fing an abzutauen.

 

 Ich könnte ja, vermutete ich schlau, die befreite Ware solange auf dem nicht minder frostigen Balkon aufbewahren, während ich dann den angetauten Kühlkomplex gänzlich vom Pack-Eis befreie.

 

 Gesagt, getaut.

 

 Leider entfiel mir beim televisionären Belagern der Couch, daß es im unteren Gemach meiner mehr-etagigen Behausung taute.

 

 Stunde um Stunde hatte ich nachgeschaut, aber es ging nicht richtig voran.

 

 Dann schaute ich mal drei Stunden nicht – plötzlich schwamm die Küche.

 

 Eine bodenlose Frechheit!

 

 Da ich keine Putzfrau zur Hand hatte, wischte ich, zugegebenermaßen filigran, selbst. Und zwar auf. Und zwar alles.

 

 Nebenbei brach ich noch Scholle um Scholle aus dem Südpol-Double, welches mich immer noch nicht an meine einstmals ihm gutgläubig einverleibten Nahrungsmittel ließ.

 

 Dann aber - ihr ahnt es, denn wahre Helden scheitern nicht – war es geschafft.

 

 Pizzen, Hamster, Hunde und Giraffen (Ha!) waren befreit, die Küche seit langem wiedermal gewischt und trocken.

 

 Wer will, der kann!

 

 Blöd nur, daß ich am nächsten Morgen, immer noch mit leichtem Völlegefühl ob des „Hund-süßsauer“, in der eigenen Küche stolperte.

 

 Jetzt lebte das Parkett!

 

 Und das hatte ich gar nicht eingefroren, denn ich hielt es seit langem für tot.

 

 War es aber nicht, denn es bäumte sich auf.

 

 Solch einer Situation muß Mann sich gewachsen zeigen. Und ich bin ein Mann!

 

 Also zeigte ich mich gewachsen: Ich wartete ab. Tag um Tag.

 

 Mittlerweile stolperte ich nicht mehr über den Parkett-Wildwuchs, denn ich hatte die wuchernde Fläche mit einem Kasten Volvic-Wasser markiert. Ja, ich bin ein erfindungsreicher Hundertsassa…

 

Das Wunder aber blieb aus.

 

 So orderte ich denn doch Handwerker, die sich darauf verstehen sollten, kleinere Gebirgsbildungen im unteren Küchenbereich zu glätten.

 

 Und jetzt kommt’s: Alles ging glatt!

 

 Binnen einer Stunde war die Lauffläche ausgebessert und geglättet.

 

 Handwerker, die wahrlich handwerkern! Chapeau!

 

 Sie baten mich beim Verlassen meines Wohnobjekts nur, noch für zwei Stunden etwas Schweres aufs ausgebesserte Quadrat zu plazieren.

 Gebeten, getan! Ein Riesen-Blumentopf beschwerte nun nicht etwa sich, sondern den Küchenboden.

 

 Was war ich froh.

 

 Zwei Stunden später aber auch in Eile, denn Kinder harrten des Nachmittags meines Gesangs.

 

 Beim Schließen der Wohnungstür aber schoß es mir durch den Kopf: „Zwei Stunden!“ Länger sollte ich das Neu-Parkett nicht belasten…

 

 Und eben da waren die zwei Stunden um.

 

 Flugs, ach was, flügser raste ich zurück, schnappte das Ziergrün im Behälter, raste damit ums Eck ins Eßzimmer, „warf“ ihn sozusagen in gebückter Haltung an seinen angestammten Platz neben dem Schrank fürs Geglas zurück und richtete mich, in Eile, stolz, befriedigt, aber leider auch ruckartig auf.

 

 Krawumm! Und ratsch!

 

 Und aua!

 

 Blut!!!

 

 Von oben!

 

 Ich dachte erst, jetzt würde es nicht mehr nur vom Himmel schneien, sondern gar bluten, dann aber fiel mir ein: Meine Wohnung hat ja eine Decke!

 

 Clever, oder?

 

 Vom Himmel konnte all das Blut also nicht kommen, schoß es mir durch den Kopf.

 

 Und genau aus dem schoß es auch darselbst, das Blut.

 

 Ich hatte mittels einer in Gemächthöhe befindlichen Schrankleiste beim Aufrichten die Schwarte perforiert. Meine!

 

 Und das nur, weil ich vor sieben Jahren nach Leipzig gezogen bin…

 

 Spätschäden!

 

 Kausal-Ketten.

 

 Mittlerweile vergrinde ich. Obenrum.

 

 Am Unfalltag selbst hatten die Kinder viel Spaß: „Guck mal der Onkel singt, und oben läuft es aus ihm heraus!!!“

 

 „Und was, bitteschön, will er uns nun damit sagen?“ werdet ihr ungeduldig zitternd fragen.

 

 Nun hier ist sie, die Quintessenz: Umzüge verursachen Hirnschäden, und Kühlschränke führen zu Blutschande!

 

 Mehr habe ich nicht zu sagen.

 

 Das sagt alles!

 

 Gleich fahre ich, trotz all des Schnees, zum Singen nach Dresden. Aber was soll schon passieren? ´ne Narbe habe ich schon, und sollte ich auf der Autobahn einschneien, kann ich, während all die unvorbereitet ins Schnee-Wirrwarr geratenen anderen Autofahrer den Hungertod sterben, immer noch an ´nem leckeren frischen Stück Grind knabbern…

 

 Ja, alles hat einen Sinn!

 

 Sinnige Grüße von

 

Jürgen




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