August


27.August 2010


Bindungs-Angst

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender.

 

 mich überrascht ja im Allgemeinen nicht mehr viel. Naja, Liebe vielleicht. Aber ansonsten?

 

 Ich, der ich in der Heldenstadt wohne, die sich selbst untertunnelt, um vier Minuten Fußweg zu sparen und sich irgendwann U-Bahn-City nennen zu dürfen, sollte eigentlich gegen jede Art von Perplexität gewappnet sein.

 

 Doch dem ist nicht so.

 

 Denn gestern klappte mir beim Radiohören das schlechtrasierte Kinn nicht nur runter, sondern es krawummte sich regelrecht klaftertief in den Boden!

 

 „Wieso, weshalb, warum?“ höre ich euch fragen.

 

 Und da, wer nicht fragt, dumm bleibt, möchte ich euer Fragen mit Bildungszuwachs belohnen:

 

 „Der Stuttgarter Hauptbahnhof soll an den Flughafen angebunden werden.“

 

 Rattatazong!

 

 Wumm!

 

 Pardauz!

 

 DAS KANN DOCH NICHT WAHR SEIN!

 Aber es kam in den Nachrichten des Deutschlandfunks und stand nicht etwa in der Leipziger Volkszeitung. Also gehen wir mal davon aus, daß es stimmt.

 

 Diese Stuttgarter! „Irre!“ – Was soll man sonst noch dazu sagen?

 

 Kein Wunder, daß nun Tausende im Schwabenstädtele protestieren… Denn, mal ehrlich, wer möchte das schon? – Einen an den Flughafen angebundenen Bahnhof…?

 

 Wie soll das überhaupt gehen? – Überall Fallstricke in der Stadt? Seile, ja Taue durch die ganze City?

 

 Macht man an den Enden Knoten in die Bindfäden oder verschweißt man die Stricke? Keine Ahnung…

 

 DAS wird ein technologisches Meisterwerk!

 

 Und wenn dann jemand am Bahnhof zieht, rutscht der Flughafen gleich ein Stückchen mit zur Seite!

 

 Da möchte man nicht gerade im Landeanflug sein… Huch, die Landebahn ist weg! Weggezogen. Hätten wir den Flughafen mal nur nicht an den Bahnhof angebunden…

 

 Scheren sollen übrigens im Garten Stutt derzeit fast ausverkauft sein. Viele sind gegen das Anbinden.

 

 Alles kleine schwäbische tapfere Schneiderlein.

 

 Wie will die Bollezei das später mal verhindern?

 

 Also, ich bin baff!

 

 Und das will was heißen…

 

 Immerhin kenne ich einen Stuttgarter ganz gut. – Das sind schon Teufelskerle… Aber sowas!

 

 Und das Tollste habe ich mir für den Schluß aufgehoben: Wenn jemand am Flughafen zieht, verrutscht der Bahnhof…

 

 Stuttgart nimmt sich den Strick!

 

 Schwäbelnde Grüße von einem, der nun nie mehr Schwäbe-Bahn fahren wird:

 

Jürgen




12.August 2010


Das ist die Höhe!

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 ich weiß, daß man solche intimen Details eigentlich nicht hinausposaunt, aber wir kennen uns ja nun schon einige Tage… Deshalb hier und jetzt frei heraus:

 

 Es sind 15 Zentimeter!

 

 Das klingt jetzt nicht besonders viel, bedeutet mir aber eine Menge.

 

 Und bringt ALLES durcheinander.

 

 „Ha, nur 15!“ höre ich euch schon spöttisch rufen. – Das aber tut mir weh, ja, es verletzt  mich. Zutiefst.

 

 Denn die Frage ist doch, wie so etwas passieren kann: 15 Zentimeter!!!

 

 Wie, bitteschön, können Bauarbeiter soooo dooooof sein, meine Terrasse 15 Zentimeter höher zu legen???

 

 Jetzt ist a) das Geländer laut irgendeiner DIN-Norm zu niedrig und schleift  b) die Markise fast auf dem Boden…

 

 Und c) wurde die ganze Scheiße vom Auftraggeber, der nichts weniger als mein Vermieter ist, nicht abgenommen.

 

 Es wird zu „Nacharbeiten“ kommen. Nein, nicht nur Autos können tiefergelegt werden. Auch Terrassen. Nachdem sie höhergelegt wurden…

 

 Ich faß es nicht.

 

 Herrje, es gab in der letzten Woche auch richtig schöne Ereignisse, beispielsweise das gemeinsame nächtliche Musizieren mit Herrn R. auf dem Burghof der Burg Bodenstein. Das war sogar RICHTIG schön.

 

 Das eine oder andere Squash- oder Tennis-Spiel brachte mir Erbauung. Manch Mahl Ergötzung. Manch Buch Zerstreuung. Manch Frau mich in Wallung.

 

 Und dann das: 15 Zentimeter.

 

 Jetzt beginnt ein Rechtsstreit. Um meine Terrasse. Die ja nicht meine ist, sondern nur von mir gemietet. Ich darf also nicht mal mitstreiten.

 

 Ich darf nur mit eingezogenem Kopf unter der Markise hocken und ab und an übers zu niedrige Geländer vier Stockwerke nach unten rasseln.

 

 Krawumm!

 

 Ein Bäcker backt. Ein Koch kocht. Ein Chef scheffelt. Nur der Bauarbeiter, dem reicht es nicht, einfach nur zu bauen. Er baut auch gleich noch Mist.

 

 Er will hoch hinaus. 15 Zentimeter.

 

 Mir ist schwindelig!

 

 Holt mich hier raus!

 

 Legt mich tiefer!

 

 Erledigte Grüße von

 Jürgen


03.August 2010


Zuzug

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 er hat es getan. Er, der Ingenieur unter den Multi-Instrumentalisten, der Grandseigneur der Liedermacher-Zunft, das zweitälteste Mitglied der Erfolgs-Band „Die MelanKomiker“, der ehemalige stellvertretende FDJ-Sekretär der Klasse 7a: W.

 

 Er hat mir, schon wieder, das Leben schwer gemacht. Durch einen Umzug.

 

 Himmel, was konnte ich mit filigranen Wortspielen über seinen Heimatort Laue herziehen, wie konnte ich die Lauer auf der Lauer liegen lassen, laue Lüftchen ums Gehöft R. beschreiben und viele andere, mir die lästige Auftritts-Zeit vertreibende, Dinge mehr. Doch: vorbei.

 

 Herr R. ist mir (wiedermal) gefolgt und residiert nun wie ich in Leipzig. Mist!

 

 „Doch nicht etwa auch im Stadtteil der Wohlsituierten und Besserverdienenden, in Gohlis, wie Du, vergötterter Jürgen?“ werdet ihr fragen.

 

 „Noch nicht!“ lautet meine verzweifelte Antwort, denn wenn Herr R. erst einmal im Umzugs-Fieber ist, kann man einen weiteren Wohnungswechsel, näher ran an mich, in den nächsten vier Wochen nicht ausschließen.

 

 Leipzig-Lindenau ist’s, wohin sich die zwei bis drei W.-Fans, die ich, um das hier mal ganz deutlich zu sagen, a) nicht verstehen kann und b) zutiefst bedaure, nun pilgernderweise aufmachen müssen, um einen Lidschlag vom Meister zu erhaschen.

 

 „Lidschlag“ bedeutet hier nun aber nicht, daß Herr R. ihnen aufs Auge faustet. So isser nun wirklich nicht. Dafür ruft er dann mich… W.-Fans abstrafen. Herrlich!

 

 Zusammenfassend kann ich also nun sagen, daß wir jetzt eine rein Leipziger Rock’n’Roll-Band sind, mein (nun ja, nun doch) Freund und ich.

 

 Sollte jemals jemand Autogramme von uns wollen, ist es nun für ihn wesentlich einfacher als vorher.

 

 Danke, Herr R.!

 

 Ich selbst durfte sein neues Domizil noch nicht sehen, geschweige denn betreten. Wahrscheinlich ist er noch damit beschäftigt, die Geldpakete, die ich ihm nach jedem unserer Auftritte IN BAR rüberreichen muß, im Verdikt der Gemächer, im Zimmergeflecht seines Barock-Schlosses zu verstecken.

 

 Das allein sollte schon drei bis vier Kemenaten füllen. Und er bekommt IMMER nur 500er Scheine…

 

 Ich bin zu gut.

 

 Zu ihm.

 

 Und vor allem: Seine Behausung scheint, im Gegensatz zu meiner, a) dicht zu sein und wird b) nicht von Handwerkern tangiert.

 

 Nun gut, meine heute auch mal wieder nicht, aber ich bin guter Hoffnung, daß ich im nächsten Jahr wieder aufs sich bislang immer noch in der Rekonstruktion befindliche Terrässchen darf.

 

 Lindenau aber steht kopf!

 

 Ein Prominenter lebt nun mitten im Stadtteil. Feuerwerke und Böllerschüsse sind seitdem an der Tagesordnung.

 

 Die Arbeitslosigkeit im Stadtteil hat 100 Prozent erreicht, denn keiner, nicht einer möchte auch nur ein Sekündchen gemeinsamen Wohnens mit dem Promi W. verpassen.

 

 Ein Star in Lindenau!

 

 Der zweitgrößte Star der ganzen, ganzen Welt.

 

 Und noch immer wispern sich die Lindenauer, ungläubig den Kopf schüttelnd, zu: „Er kennt Jürgen…!“

 

 Da aber widerspreche ich energisch und betone: Sollte er noch näher an meinen bewohnten Baustellen-Bereich in Gohlis heranziehen, dann, und wirklich erst dann, wird er mich richtig kennenlernen!

 

 Leipzig, wir sind jetzt zu zweit!

 

 Auf vorsichtshalber schon gepackten Koffern sitzend, grüßt

 

Jürgen




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