Juli


22.Juli 2010


Säcke!!! Fiese Säcke!!!!!

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 endlich Ruhe! Kein Schwein, respektive kein Bauarbeiter auf meiner Terrasse. Und die Sonne scheint!

 

Juhu!!

 

 Ok., ich kann das nicht nutzen, denn die Terrasse wurde unzugänglich gemacht, aber nachdem in den letzten beiden Tagen rings um sowie in meinem Wohnbereich gepreßlufthämmert wurde, was der Preßlufthammer nur hergab, ist ein bißchen Stille ganz angenehm.

 

 Zumal sie vollkommen unerwartet kommt.

 

 Denn eigentlich sollte heute und morgen die ganze Sache in Sack und Tüten gepackt werden. Terrasse fertig, Jürgen ruhiggestellt…

 

 Aber heute früh – ich war seit 7 Uhr auf den Beinen, um pünktlich 8 Uhr, wenn’s denn wieder preßlufthämmert, die Wohnung, die Stadt, das Land und vielleicht sogar den Planeten verlassen zu können – erschienen die lauthalsen Gesellen einfach nicht.

 

 Nö, Bescheid gesagt hat keiner niemandem.

 

 Aber: Auf Nachfragen kam raus, daß es ja regnen könnte…

 

 Himmel!!!! Ich habe eine zur Hälfte aufgerissene und mit seltsamen Planen abgedeckte, nicht betretbare Terrasse, auf deren anderer Hälfte sich arglos sinnloses Baumaterial tummelt. Die angrenzenden Zimmer liegen im Halbdunkel, da die Plane zwar immens laut im Wind flattert, ansonsten aber für Dämmerzustände im Wohnbereich sorgt.

 Ich Depp dachte, wenn wir am Sonntag von unserer Kurz-Tournee an die Ostsee zurückkommen, könnte ich meine Bude mal wieder nutzen. Wozu auch immer. Seit 14 Tagen lebe ich in Baubereitschaft. Mit Gerüst. Einbrecher-freundlich. Und nun endlich auch abgedunkelt.

 

 Ich bin eigentlich auch ein Bauarbeiter. Denn auch ich möchte tagsüber in meiner Wohnung sein, da ich abends arbeite. Wenn sie denn mal überraschenderweise bei mir vorbeischauen, dann aber immer zu jener Zeit, in der ich ganz gern wohnte…

 

 Ich kann gut wohnen. Aber SO wohne ich nicht gern.

 

 Vor 14 Tagen begann das Drama und war auf vier Tage veranschlagt. Weltgewandte Bürgerinnen kamen ob meiner Gutgläubigkeit, daß es vier, maximal fünf Tage dauern könnte, bis wieder Terrassen-Time für mich ist, nicht aus dem Kopfschütteln heraus. – Jetzt nicken sie. Wissend.

 

 Werde ich Weihnachten zusammen mit meinen Terrassen-Bauern feiern. Weihnachten 2011? Was schenke ich? ´ne Uhr? ´nen Kalender? ´nen Besucher-Gutschein für mein Zimmer in der Psychiatrie???

 

 Ich hasse!

 

 Immer noch!

 

 Und immer mehr!

 

 Ich werde zur Sau!

 

 Holt mich hier raus!

 

 Asyl!!!!

 

 Gern auch bei ´ner Frau…

 

 Verdunkelte Grüße von

 

Jürgen




15.Juli 2010


Bob schwänzt!

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

- das Wetter. Nö, dazu werdet ihr von mir kein Lebens-, aber auch kein Sterbenswörtchen hören. Dieser Scheiß-Winter war so lang, daß mindestens drei 30jährige Kriege in ihn hineingepaßt hätten. Plus dem Sechs-Tage-Krieg im Nahen Osten! Da werden wir uns doch wohl nicht über 70 Grad Celsius aufregen…

 

 70 Grad sind schön! Denn sie verteilen sich auf zwei Tage. Tja, in Leipzig läßt sich’s aushalten. Leipzig liegt ja auch nicht in einem ICE!

 

 Worüber könnte ich mich denn sonst noch aufregen, wenn nicht übers Wetter? – Richtig: Ich muß mich nicht aufregen.

 

 ICH REGE MICH NÄMLICH SCHON AUF!

 

 SEIT VIER TAGEN!!!

 

 U N D   W I E ! ! ! !

 

 Hach, das tat gut...

 

 Denn mein Aufregen hat einen ungewöhnlichen Grund. Was sag’ ich, bzw. was schreib’ ich, einen außergewöhnlichen: Ich vermisse die Bauarbeiter!!!

 

 Nun werdet ihr kleinen Schäkerchen sicher die botox-glatte Stirn unter Zuhilfenahme beider Hände runzeln und altklug wispern: „Bislang gingen ihm doch Bauarbeiter immer und immer maßlos auf den Sack…“

 

 Ich aber antworte euch: „Maßlos“ und „Sack“ gehören nicht in einen Satz. Nicht wirklich.

 

 Aber ich antworte weiter: Diesmal war ja geplant, daß die Saftärsche BEI MIR bauarbeiten. Bei MIHIER!!!

 

 Denn’s waidwunde Terrässchen sollte abgerissen und durch ein wasserdichtes gleicher Bauart ersetzt werden.

 

 Eigentlich war der ganze Bau-Akt für April geplant, damit’s Jürgelchen seinen Alabaster-Körper im Sommer auf dem wasserdichten Bauwerk den Ferngläsern der Nachbarschaft feilbieten kann. Ging aber nicht: Wetter…

 

 Dann kam eine Trockenzeit – leider hatte da das Bauarbeiter-Volk andere Termine.

 

 Noch danner aber war es soweit: Bob und seine Kumpels hätten gekonnt! Nur standen da für den Verwalter der Hausbesitzer, die für mein Mietobjekt monatlich horrende Summen aus mir herauspressen, just drei Wochen Urlaub an. Andererseits aber wollte er die Werkeleien am Terrassen-Objekt aber auch mitverfolgen, um für wahre Dichte zu sorgen bzw. die Kosten nicht ausufern zu lassen. Als „wachsames Auge“ sozusagen…

 

 Ein Interessen-Konflikt.

 

 Doch geschickt gelang es ihm, den Konflikt zu lösen. – Er fuhr in den Urlaub. Die Bauarbeiten wurden auf Anfang Juli vertagt.

 

 Anfang Juli: Sonne, Hitze, Verwalter ent-urlaubt – alles gut? Nö, die Bobbeles hatten keine Zeit.

 

 Juhu!

 

 Vorige Woche aber hieß es: „Jetzt geht lohos!“

 

 Ich wurde verpflichtet, den Freibereich zu räumen. Ein Gerüst wurde ans Haus geklatscht. Seit Freitag habe ich Terrassen-Verbot. Und Montag sollte es losgehen. Für drei, maximal vier Tage.

 Eine Kennerin der Handwerker-Szene (und der Industrie!), die mit mir sogar mal hiesigen Wohnbereich teilte, lächelte milde ob meines Optimismus’, als ich ihr vom Vier-Tage-Bau erzählte: „Du glaubst auch alles!“

 

 Ich glaubte! Bis Montagmorgen. Denn an diesem Tag verriegelte und verrammelte ich die Bude, verließ, ein von Herrn R. komponiertes Lied pfeifend, Haus und Hof und verbrachte bei herrlichem Sonnenschein einen Tag am See.

 

 Heimkehrend rechnete ich mit Schuttbergen vom weggesprengten ehemaligen Liege-Objekt…

 

 Erst dachte ich: Himmel, die haben ja schon aufgeräumt! Du immer mit deinen Vorurteilen…

 

 Dann aber bemerkte ich: Die Schlawiner waren gar nicht erschienen…

 

 Und vor allem bemerkte ich, daß meine Wohnung, wenn richtig Sommer ist und ich alle Fenster geschlossen halten muß sowie die Markise nicht öffnen kann, durchaus 50 Grad Celsius aushalten kann. In jedem Zimmer! Tolle Wohnung…

 

 Auch vom Verwalter wurden die Kollegen mit der Kelle vermißt, erfuhr ich am Telefon.

 

 Dienstag: Die Bauarbeiter sagten für diesen Tag ab… Das Wetter wäre zu unsicher, denn Regen könnten sie nicht gebrauchen, wenn sie das Haus bis aufs Gemäuer aufbrächen…

 

 Regen??? – Wetter online sowie alle Wetterberichte, außer der für Island, sagten einen solchen nicht voraus.

 

 Wir waren verzweifelt. Der Verwalter und ich.

 

 Und so geht das nun jeden Tag: Bob kommt nicht, ich kann die Bude nicht lüften, kann die Terrasse nicht nutzen, haben keinen Sonnenschutz und werde neuerdings vom Verwalter auch nicht mehr informiert…

 

 Die gute Nachricht: Das Gerüst steht noch!

 

 Wer also bei mir einsteigen möchte: Nur zu!

 

 Ich werde ignoriert. Und komme um vor Hitze! Die Terrasse vor Augen! Aber ich darf sie nicht nutzen! Alle Möbelchen, die mir einst als Liegestatt und Speisenablage dienten, sind zwischengelagert. Die Pflanzen dümpeln in einer lichtlosen Ecke.

 

 Und nichts tut sich!

 

 Morgen spielen wir open air am Leipziger Palmengarten. ´s soll warm werden. Heiß. Schön…

 

 Nur wenn ich gegen 1 Uhr oder so nach Hause komme, in die festverrammelte Bude, singe ich gleich weiter: Das Lied von den zehn  kleinen Bauarbeitern…

 

 Welt, was habe ich dir getan????

 

 Erbauliche Grüße von

 

Jürgen




01.Juli 2010


Public Phönix

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 diese Frage wird heutzutage viel zu selten gestellt: „Was ist denn heut’ bei Findigs los?“

 

 Und weshalb wird eben dieses Fräglein so überaus selten aufs Tapet gebracht? – Weil keine Sau mehr weiß, was bei Findigs los ist. Und bei Bauer Lindemann!

 

 Gut, Erwin hat nach seinem Lottogewinn sicher zusammen mit dem Papst diese berühmte Boutique in Wuppertal aufgemacht.

 

 Aber können es sich Findigs leisten, da einzukaufen???

 

 Das scheint alles keine Sau mehr zu interessieren.

 

 Aber Horst heißt jetzt Christian. Naja. Der bärbeißige Mann mit dem Unterbiß isses jedenfalls nicht geworden. Und kämpfte mit den Tränen…

 

 Was für ein Theater! Was für ein Schauspiel! Was für ein Public Viewing!

 

 Denn ich publicviewte Präsidentenwahl. Gestern abend. Im sommerlichen Leipzig. Im Restaurantchen. Auf’m Freisitz. Mit Großbildschirm.

 

 Und auf dem lief, wie wohl eigentlich immer (Ich kenn’ mich da nicht aus, denn Fußball gucke ich brav und bieder daheim…), Phönix. – Der Ereigniskanal.

 

 Ich finde, daß das eigentliche Ereignis jenes war: Die meisten Public-viewing-Kisten lieferten Phönix.

 

 Dafür wurde das gemeinsame Fernseh-Gucken beim Bier nicht erfunden! Aber es machte Spaß! All die Hackfressen…

 

 Und vor allem: ´s lief ohne Ton! Das nimmt den Wichtigtuern viel, wenn nicht gar alles, von dem was ihre „Persönlichkeit“ ausmacht. Sie werden zu ziemlich albern angezogenen und verkniffenen Herrschaften undefinierbaren Alters, die man wirklich nicht ernst nehmen kann.

 

 Und wie die gucken. „Unentspannt“ wäre untertrieben…

 

 Man möchte ihnen das zurufen, wozu uns Riesenschilder entlang der Autobahn immer mal wieder, ausrufungszeichenbestückt, aufrufen: „Runter vom Gas!“

 

 Mein im Hauptberuf als Nachbar und im Nebenberuf als Öböist agierender Freund Sch. wies mich darauf hin, was das für eine blödsinnige Forderung sei. Herr R. und ich aber hatten das bereits zusammen auf der Autobahn erkannt und (in Gedanken) durchgespielt: Sofort hinter dem hirnrissigen Plakat nehmen alle Piloten den rechten Fuß hoch und belassen ihn in der Schwebe. Für immer.

 

 BMW und Honda Civic rollen gemütlich aus, verkeilen sich, wenn’s gut läuft, ineinander – und dann heißt es abwarten. Und: Runter vom Gas!

 

 Das kann sich Stunden, Tage, Wochen, ja sogar … Wie heißt gleich diese andere Maßeinheit? … Lichtjahre hinziehen.

 

 Schildbürger!

 

 DA sollte Christian als Erstes mal eingreifen. – Kann er aber nicht, weil er erstmal ein paar Tage lecken muß. Wunden.

 

 Wunden über Wunden!

 

 „Wunden gibt es immer wieder!“ wußte schon Katja Ebstein zu singen. Und wer die Entwicklung ihrer Nase im Verlauf von Katjas Leben genauer beobachtet hat, wird ihr rechtgeben.

 

 Warum W. nicht als Präsidenten-Kandidat vorgeschlagen wurde, ist mir ein Rätsel. Für mich ist er ja der Präsident unserer Band. Mein Präsident!!!

 

 Und ich muß es wissen. Denn ich bin und bleibe die Band-Kanzlerin und der Innenminister der „MelanKomiker“ in einem.

 

 Den Wink-August macht jetzt Christian. „Winke, winke!“ aber ruft

 

Jürgen

 

PS. Wie, um Himmelswillen, geht’s dem kleinen Pfennig????




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