Oktober


29.Oktober 2008


Bloß bloß

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 ich mache mich heute mal nackig. Oder „nacksch“, wie’s der Sachse als solcher formulieren möchte. Ich als euer kleiner Entblößer!

  

Jaha, da raunt es im Netz! Da klickt die Oma nebst der Enkelin! Da riskiert selbst Papa einen neidischen Blick! Und dann ist sie da:

 

Die große Enttäuschung.

 

 Immerhin eine GROSSE, aber auch das ist, wie alles im Leben, relativ.

 

 Nun kömmet das Wehklagen nicht etwa ob körperlicher Makel meinerseits in die weiten Sphären unseres blauen Planeten, sondern ob meiner Unpolitizität.

 

 Nacktsein ohne Hintergrund – wo gibt es denn sowas?

 

 Ich lerne ja seit fast 20 Jahren, daß ich, wenn ich in (un-)seligen DDR-Zeiten einen Badesee betrat (Wenn ich mich recht erinnere, lief ich teilweise sogar übers Wasser! - Als kleiner J.!), Protest übte. An der Diktatur! Nacktbaden war Protest!

 

 Ich dagegen meinte immer, ´s wäre einfach schöner, ohne diese Dreieickbadehose im See herumzuschwimmen. Und vor allem ging es mir natürlich darum, ANDERE bar jeder Kleidung zu sehen. Die Weiber halt.

 

 Ja, so war ich. Manchmal BIN ich sogar noch so, was einen gewissen W. zu sportlichen Übungen verleitet, denn dann schüttelt er sofort seinen Kopf.

 

 IN SPIEGEL-online gibt es gerade wiedermal eine „Dokumentation“ zum Nacktsein in der Tätärä. Der Schweine-MDR sendet dann dazu die 45-Minuten-Reportagen. Immer wieder. Und dann nochmal.

 

 Wir waren ein Volk von Widerständlern! Entblätterte Helden!

 

 Nur ich nicht. – Ich wollte Spaß… Und gucken.

 

 Ich Ferkel.

 

 Übermorgen fahren W. und ich übrigens ans Meer, um dort die Herbst-Tristes  aus den Ostseebädern zu verjagen. Singender- und bekleideterweise.

 

 Vielleicht stürze ich mich aber auch mal heldenhaft in die saukalten Fluten… Ohne Klamotten. Herr R. fotografiert mich dann dabei, und die Fotos … vernichten wir gleich wieder. Um euch zu ärgern!

 

 Das wird Protestwellen hervorrufen. Protest-Tsunamies!

 

 Wer aber mich (und vielleicht sogar Herrn R.) wirklich nackt sehen möchte, der kann das immer und immer wieder auf den Bühnen dieser Welt, Europas, Deutschlands, Sachsens, ja sogar Leipzigs erleben. Denn jede Mugge ist für uns eine Seelen-Striptease.

 

 DA machen wir uns nackig. – Und die Leute lachen…

 

 Anstatt zu protestieren!

 

 Die Sitten verkommen immer mehr. An ihnen nackt der Zahn der Zeit. – Wahnsinniges Wortspiel! ICH BIN DER GRÖSSTE!!!!!

 

 So. Jetzt schalte ich den Pomputer aus, werfe mir ein Garnitürchen über die Blößen und verlasse das Haus. Der Weg ist das Ziel. Und der Herbst ist das Letzte.

 

 Stier-nackige Grüße vom bloßen

 

Jürgen




16.Oktober 2008


Bahn-diten!

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 was war ich heute früh kurz nach 7 Uhr froh, daß ich nicht auf die Umweltschützer gehört habe!

 

 GOTTSEIDANK!!!!

 

 Denn diese sind es doch, die das Auto immerzu verdammen und unsereinen in die Bahn verfrachten möchten.

 

 Ich aber dieselte wie immer im Pkw zum Ort der morgendlichen Kinderlieder-Darbietung in Richtung Berliner Umland. Zwei Augen aufs Verkehrsgeschehen sowie zwei Ohren aufs Deutschlandfunk-Programm fixiert.

 

 Gut, für den Verkehr hätte auch ein Auge gereicht, aber das mit den beiden Ohren machte ich intuitiv richtig. Denn es erschallte (erscholl? – erschull!) eine Verkündigung, die mich abrupt anhalten und meinen fahrbaren Untersatz kurz, aber heftig und vor allem dankbar sowie inniglich – küssen ließ.

 

 Ja. Ich knutschte mein Auto! Denn es hatte mich vor Unbill bewahrt.

 

 Im Zug hätte ich um diese Zeit nie und nimmer, ja sogar nimmerer sitzen mögen.

 

 Denn per Rundfunk wurde mir Folgendes mitgeteilt: „Die Bahn gibt bekannt, daß heute sowie in den nächsten Tagen im ICE-Verkehr mit Abstrichen zu rechnen ist.“

 

 Saubande!

 

 Schamloses Geschmeiß!

 

 Wann und wie, ja vor allem beim WEM Abstriche gemacht werden – ich möchte es nicht wissen. Und schon gar nicht miterleben. Selbst die simple Ankündigung solcher Volksgesundheits-Kontrollen verursacht bei mir Gänsehaut. Nach innen!

 

 Was denken sich denn Mehdornröschen und dessen geschiente Gehilfen eigentlich? Daß der Fahrgast alles mit sich machen läßt? Daß mittlerweile jeder alle Hemmungen abgestreift hat wie so’n Streifenhörnchen?

 

 Gut, Letzteres setzt sicht mit der Steigerung der Debilitätsrate im Volk immer mehr durch. Also das Hemmungslose, nicht das Streifenhörnchen. Aber ein paar G’schamige wie unsereins sind immer noch übrig.

 

 Ich möchte nicht, daß in aller Öffentlichkeit Abstriche gemacht werden.

 

 Das geht mir gegen den Strich!

 

 Für mich jedenfalls ist der Zug mit der Bahn abgefahren.

 

 Ekelig!

 

 Mit den Lippen sein acht Jahre altes Auto liebkosend, grüßt unabgestrichen

 

Jürgen




15.Oktober 2008


Schieß drauf!

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 euer aller Liebling, wie ich mich mal synonymisieren möchte, hat sich lange nicht richtig aufgeregt!

 

 Denkt ihr…

 

 Aber er hat, gemeinsam mit einem gewissen gewissenhaften Herrn R., nur ziemlich viel gesungen in den letzten Tagen. Da blieb zum schriftlichen Aufregen kaum Zeit.

 

 Aber: ICH HABE MICH AUFGEREGT!!!!!!!!!!!!!!!!!!! ICH REGE MICH IMMER NOCH AUF!!!!!!!!!!!!

 

 Die Verblödung der Welt schreitet dermaßen schnell fort, daß aus den Sieben-Meilen-Stiefeln wohl schon Sieben-Werst-Stiefel geworden sein müssen!

 

 Sollte man vielleicht meinen. Ich aber weiß, daß ein Werst, so gewaltig dieses alte russische Längenmaß auch klingen mag, nur schlappen 1066,8 Metern entspricht. Was wiederum 500 Saschen gleichkommt. Beim Russen. Saschen gibt’s…

 

 Da eine Meile aber, wie wir alle wissen, 1609,344 Meter lang ist, sind Sieben-Werst-Stiefel gegenüber den altbekannten Sieben-Meilen-Stiefeln keine wirkliche Steigerung.

 

 Weichen wir auf Sieben-Marathon-Stiefel aus. Genau! – Mit diesen Schuh-Monstern an den Füßen schreitet die Verblödung voran.

 

 Und alle, die diese Verblödung vorantreiben, gehören – geschossen.

 

 Nicht etwa „er“-schossen, nö, geschossen.

 

 Das habe ich aus Kriminalromanen gelernt.

 

 Beispiel? – Bütteschön:

 

 Im eigentlich wirklich geilen und mehr als lesenswerten Krimi „Verdammnis“ von Stieg Larsson (Lesetip: „Verblendung“, „Verdammnis“, Vergebung“ – alle vom nach der Fertigstellung verblichenen gleichen Autor Stieg L.) übersetzte eine gewisse Wibke Kuhn auf Seite 258 unbedarft: „Ein Mann … sieht aus, als wäre er in den Kopf geschossen worden … er rührt sich nicht.“

 

 Wer, hochgeehrte Herrschaften, würde sich denn noch rühren, wenn er jemandem in den Kopf geschossen worden wäre? Das tut dem Geschossenen doch weh!

 

 Und wer möchte eigentlich jemand anderem in den Kopf geschossen werden?

 

 Und vor allem: Paßt der Geschossene überhaupt IN den Kopf des Beschossenen?

 

 Vielleicht aber in den Bauch? Denn Silke legt auf Seite 289 nach: „Zweifellos hätte … Hannes Westberg, der während der Krawalle in Göteborg 2001 in den Bauch geschossen worden war, nicht überlebt, wenn man Jagdmunition verwendet hätte.“

 

 Auch hier bleibt unerwähnt, in wessen Bauch der arme Hannes gefeuert wurde. Aber immer noch besser, man schießt mit Hannes als mit Jagdmunition…

 

 Verlage haben ja auch Lektoren. Scheinbar nicht „HEYNE“. Oder wurden deren Lektoren wehrlosen Bürgern in den Kopf geschossen???

 

 Um es mal richtig besserwisserisch zu formulieren: Gebt dem Dativ eine Chance! Schießt IHM und IHR in Kopf oder Bauch, aber nicht IHN und SIE!

 

 Verbietet menschliche Geschosse! Und schaßt saublöde Übersetzerinnen. Schießt sie ins Hirn! In wessen auch immer. Platz ist da noch in vielen…

 

 Ich aber gebe mir jetzt den Gnadenschuß, lese weiter in dem geilen Buch und hoffe, daß nicht wieder mit Menschen geballert wird.

 

 Euer Ballermann

 

Jürgen




06.Oktober 2008


Krisen-Fest

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 natürlich sind auch Herr R. und ich stets und ständig in der Krise. Immerzu!

 

 Nein, nicht etwa in der Finanzkrise, die ringsum tobt, denn „Reichtum“ ist unser zweiter Vorname. Oder doch nur meiner…?

 

 Aber eine Krise hat uns dennoch fest im Griff: die Sinn-Krise.

 

 Hat das alles überhaupt noch Sinn? Das tägliche Aufstehen, das sich Plagen (beim Essen…), das Freundlichsein gegenüber Menschen, denen man am liebsten NIE begegnet wäre, das Kümmern um den Kummer? Dies Gute-Laune-Verkaufen mit Gesang?

 

 Antworten darauf nun der Reihe nach:

 

 Natürlich hat das tägliche Aufstehen KEINEN Sinn, denn abends (Herr R.) bzw. morgens (meine Wenigkeit) klatschen wir das müde Haupt ja doch wieder aufs unaufgeschüttelte Kissen. Liegenbleiben wäre also unbedingt besser und effizienter.

 

 Doch auch hier lugt das große ABER schon um die Ecke, denn ab und an sollte sich ja mal jemand dazulegen und dafür gehört das Kissen schon aufgeschüttelt…

 

 Zum Plagen: Solange es nur beim Essen ist – gern immer mal wieder (ich) bzw. regelmäßig und teilweise noch fünf Minuten vor dem Auftritt (ohne Namens-Nennung… Ha!).

 

 Zur Freundlichkeit: Wie Mann in den Wald hineinruft, so schallt es schon lange nicht mehr heraus. Denn mit dem Wald scheint auch das Echo vor die Hunde bzw. die Wölfe zu gehen. Armes Echo! Trotzdem versuchen W. und ich es immer wieder mit Charme-Offensiven, die zumindest einem von uns, und hier spreche ich mal ausnahmsweise nicht von Herrn R., auch jedesmal gelingen.

 

 Oder auch nicht.

 

 Dann aber tröstet mich W. - Denn dafür bezahle ich ihn ja fürstlich, indem ich ihn an unseren Auftritten teilhaben lasse.

 

 Kümmern um den Kummer? Da könnte unsereins ja gleich im Kümmel verkümmern oder in der Kummerkammer kungeln.

 

 Was geht mich fremder Kummer an? – Viel. Denn Kummer ist mein dritter Vorname (Wieviele habe ich eigentlich noch…?), und Namens-Vettern gegenüber soll man immer Anteilnahme heuch…, äh, zeigen.

 

 Nur die Sorgen W.s lassen mich kalt. Wie Hundeschnauze. Denn ich weiß: Die einzige Sorge eines gewissen Herrn R. ist Herr D.!

 

 Wir beide sollten nach Sorge und Elend ziehen, jene beiden hübschen (Fast-)Kur-Orte im Sachsen-Anhaltinischen.

 

 Und dann machen wir gegenseitig Besuchsreisen. Ins Elend und ins Sorgenzentrum.

  

 Ob das Gute-Laune-Verkaufen-mit-Gesang noch einen Sinn hat, könnt wiederum nur ihr beantworten. WIR jedenfalls brauchen (ohne zu!) einfach das Geld.

 

 Vor allem ich! Denn W. hat ja genug. An mir.

 

 So. Fertig geschrieben. Die Sinnkrise bewältigt, aber dabei immer auf die Finanzkrise geschielt. Mit SOLCHEN Augen! Weinenden…

 

 Da hilft nun nur noch eins: Krisbrei mit Zucker und Zimt!

 

Und schon schmeckt das Leben wieder nach Frühling. Und nach Lust und Liebe! Gut, ein ganz klein wenig auch nach W., aber das kommt daher, daß er immer meinen Löffel mitbenutzt.

 

 Breiige Grüße von

 

Jürgen




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