November


29.November 2007


Venix nähmenen

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

der Deutsche wird immer bescheidener. Die Deutsche auch? – Anderes Thema.

 

 Aber es stimmt eben wirklich: Jetzt werden schon elfte und dreizehnte Plätze bejubelt und mit dem Prädikat „In der Spitzengruppe vertreten“ versehen! Ein Versehen? Mehr wohl ein Über-Sehen der Realitäten. Oder haben einige Redakteure einfach den Über-Blick verloren?

 

 Fakt ist, daß die (getesteten) deutschen Grundschüler in der Iglu-Studie, die die Lesefähigkeiten und das Textverständnis bewertete, unter 45 Länder am Ende des ersten Drittel einliefen: Platz elf. – Für ´ne Sportförderung würde das nicht ausreichen…

 

 Und dann entblödete sich gestern ein Kommentator im Deutschlandfunk, der in den landesweiten Jubel einstimmte, nicht, hervorzuheben, daß unsere Knirpse noch vor denen Schwedens stünden. Toll! Vor Schweden! Unglaublich!!

 

 Vielleicht sollten wir aber alle dabei bedenken, daß die kleinen Schwedinnen und Schweden mit ihren rund zehn Jahren bereits SCHWEDISCH lesen können. Und verstehen! Sogar sprechen! Eine Fremdsprache!!!! – Mein Gott, diese Skandinavier…

 

 Chantal-Mercedes und Ülmüz, also die typischen Vertreter aus den deutschen Grundschulen, sähen da aber alt aus. Gaaaanz alt. Beinahe wie zwölf! Schwedisch! Noch nicht mal das Synonym mit den Gardinen würden die kennen…

 

 Bei Kindern aus „bildungsfernen Schichten“, also Arbeiterkindern, sähe es übrigens etwas schlechter aus als bei denen aus bildungsnahen, wurde verkündet. Zu gut deutsch heißt das doch: Arbeiter sind blöde! Daß das mal einer im öffentlich-rechtlichen Rundfunk so explizit ausspricht, hätte ich auch nicht gedacht. Vielleicht mangelte es ihm an Textverständnis?

 

 Nicht ganz unerwähnt möchte ich hier aber lassen, daß ein gewisser Herr Rösler und ich bereits in unserer gemeinsamen Schulzeit, also in den zwölf Jahren Wissen-Saugen, unseren ersten (und einzigen!) schwedischen (!!!!!) Hit komponierten. Und texteten. Soviele Ausrufungszeichen, wie jetzt kommen müßten, gestattet mir der Webmaster leider nicht.

 

 Ja doch, ihr Lümmel, hier ist es, das sozialkritische Machwerk, welches W. und ich noch heute, absolut auswendig und synchron, darbieten können:

 

Venix nähmenen,

fuinix knappenen.

Etse fuikale.

Vesse nänänä.

 

 In Schweden bereits ein Klassiker. Selbst unter Viertklässlern. Gut, da hapert es denn doch noch ein wenig am Textverständnis, aber nur durch diesen Trick der damals noch nicht mal „MelanKomiker“ heißenden jungen deutschen Genies schoben sich heutzutage die germanischen McDonald’s-Dumpfbacken vor die des Nobelpreis-Landes.

 

 Iglu – ein Triumph, der auf Leistungen aus W.s und meiner Kindheit zurückgeht!

 

 Daß wir damals Schweden auch gleich noch vom Kapitalismus befreien wollten, steht auf einem anderen Blatt… Und vor allem: Wer kann das lesen? – Und verstehen!

 

 Dazu ist jetzt sowieso keine Zeit, denn wir alle müssen nun erstmal wochenlang stolz sein. Stolz sein auf unsere jungen Bildungs-Heroen, denn die Fünfzehnjährigen wurden ja bei Pisa auch medaillenverdäc size=htige Dreizehnte. Und dabei ging es bloß um Naturwissenschaften.

 

 Ich bin stolz auf diese Pubertierenden! Und mal ehrlich: Hätten diese überaus schlauen Rangen auch noch richtig lesen können, wäre ihnen auch ein Platz unter den ersten Zehn zuzutrauen gewesen…

 

 Ich aber mache mich jetzt zum Sieger und gleichzeitig: Finnisch.

 

 End-gültige Gr&ße von

 

Jürgen




26.November 2007


Gut bestollt

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 ich finde es cool, uncool zu sein. Nö, nicht mit dem Trend gehen, aber auch wieder nicht dagegen antrampeln, sondern ihn ad absurdum führen. Wer jetzt fragt „Wohin führen?“, kann gleich aufhören zu lesen. Und tschüß!

 

 Seit September beispielsweise offerieren die Nahrungsmittel-Erwerbs-Boutiquen wiedermal Weihnachtsstollen. Und mit dieser Formulierung par excellence umschiffe ich gekonnt die Stolle-oder-Stollen-Klippe.

 

 Der Nahrungsmittel-Industrie auf den Leim zu gehen und das Zeug nun vom Spätsommer bis weit in den März hinein zu fressen, wäre sicher uncool. Ich differenziere das Ganze, indem bei mir daheim schon seit Wochen, aber maximal bis Ende November, jenes Weihnachtsnaschwerk zum Verschnabullieren auf den Teller gelangt. Herr R. kann ein Lied davon singen. Und nicht nur davon.

 

 Ab dem ersten Advent aber ist Ruhe im Stollen! Nix mehr mit Rosinen-Bombern. Erst im März taue ich die Christbaum-Süßigkeit wieder auf, um sie bis in die ersten Sommertage hinein Waldemar und mir bei den ach-so-kräftezehrenden Proben zu kredenzen. Und wenn W. auch ansonsten ein gaaaanz lieber und friedfertiger ist: Hier schlägt er sowas von zu… Unglaublich. Vor allem: Man sieht es ihm nicht an!

 

 Anderes Beispiel für meine coole Uncoolness? – Bütteschön: Die Tulpe, in der DDR ja noch ein rarer Frauen-am-Frauentags-Beglücker, der eigentlich nur an eben jenem 8.März gehandelt wurde, ist auf dem Weg zur Ganz-Jahres-Pflanze! Seit vierzehn Tagen wird sie bereits wieder in Straußform dem geneigten Farbenfreund offeriert. Wahrscheinlich wurde es ihr in der Zwiebel zu langweilig.

 

 Nun gibt es sie also, noch vor der Eröffnung des Weihnachtsmarktes, wieder en masse zu kaufen. Uncoole beugen sich dem und ballern ihre Bude nun bis in den späten Mai hinein mit bierglasähnlichem Blühwerk zu. Klar, auch ich bin schon betulpt. Und am 24.Dezember stelle ich ´nen extra-großen Strauß in meinen Wohnbereich. Lametta drauf und fertig!

 

 Dann aber ist Sense, was ja der Tulpe natürlicher Feind ist. Im Frühling gucke ich schon mal nach den ersten Weihnachts-Sternen, um meiner Zeit voraus zu bleiben.

 

 Irgendwann holt sich das Jahr auf diese Weise selbst ein – und ich werde wieder jünger! Manchmal fühle ich mich schon wie 49. Sogar an Sex denke ich ab und an bereits wieder, warte aber sicherheitshalber noch ein paar Jährchen ab, in denen ich das Rad der Geschichte zurückdrehen und dabei engagiert in die Speichen greifen werde. – Ich glaub’, ab Ende 30 mach’ ich’s wieder. Hoffentlich habe ich nix verlernt…

 

 Kann natürlich sein, Herr R. weigert sich, diese hübsche Nebentätigkeit mit mir wieder aufzunehmen… Schwupps! sähe ich wieder alt aus. Aber irgendwie mache ich den schon geil…

 

 Vielleicht probiere ich aber auch mal Frauen aus. Soll aber meistens zu Komplikationen führen, hört man. Andererseits: Vielleicht verarschen mich die Kerle, die mir dies berichten, auch einfach nur, um die Weiber für sich allein zu behalten?

 

 Darüber sollte ich, bei einem fetten Stück einer meiner Stollen (Wieder um die Klippe rum!), mal nachdenken. Vielleicht in der Weihnachtszeit, während ich, Freesien ums Haupt gewunden, die Kugeln an die Tulpen hänge? Dabei, an einer leckeren frische Weihnachtsgurke knabbernd, „Alle Vögel sind schon da“ summend.

 

 In nicht mal mehr einem Monat werden die Tage wieder länger! Yeah! Wollen wir das aber wirklich? Durch die längeren Tage dauert und dauert es dann ja auch, bis endlich wieder Frühling ist und wir glücklich vor dem ersten Strauß frischer Astern sitzen können. Dann aber natürlich gut bestollt.

 

 Warum Fußballer sich dieses Weihnachtsgebäck unter die Schuhe schrauben, stellt aber zumindest einen vor ein unlösbarer Rätsel:

 

Jürgen




24.November 2007


Wenn Gerda und Kai schmelzen…

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 lohnt es sich heutzutage überhaupt noch, sich zu binden? Eigentlich nicht, denn die ersten drei Plätze auf der Rangliste der Traumpaare des Universums sind ja ein für allemal vergeben an Nastenka und Iwanuschka (Gold), Gerda und Kai (Silber) sowie Schnattchen und Pitti (Kobold). Selbst Eva und Adam hatten da keine Chance mehr, auf die Medaillenränge vorzustoßen. Vergnatzt mümmeln sie seitdem irgendwo zwischen Rang zehn und 100 an ihrem Apfelsaft.

 

 Nun bin ich schon so selbstbewußt, mir, mit wem auch immer gepaart, einen Platz unter den ersten Zehn zuzutrauen. Sooooo häßliche Frauen kann es gar nicht geben. – Ich weiß: Ein Brüller…

 

 Aber was dann: An die Medaillen ist kein Rankommen mehr, und Mann dümpelt ohne Aussicht auf Beförderung zwischen Rang vier und zehn hin und her. Eine kleine Hoffnung böte die versprochene, aber (leider) immer und immer wieder verschobene Erd-Erwärmung, denn diese würde die ganze Geschichte von Gerda und Kai ad absurdum führen. Silber lockte!

 

 Schon aber meldet sich ein gewisser Herr R. aus dem Hintergrund, verweist auf seine auch von mir besuchte SILBER-Hochzeit und meldet ungeniert Ansprüche an. Samt Gattin G., die ja eigentlich Gattin A. ist. – Da fängt doch die Disqualifikation schon an, wenn sich der Vorname nicht mal eindeutig abkürzen läßt. Fazit: Die Beiden sind leider raus dem Rennen.

 

 Könnte nicht einfach ich selbst nebst meiner besseren Hälfte antreten? Da ich durchaus schizzo veranlagt bin, genügte bei der Hotel-Reservierung für die Preisverleihungs-Gala auch ein Einzelzimmer. Was das dem Staat wieder spart. Oder dem Stadl?

 

 Aber dann kommt doch noch diese nervenaufreibende Sache, daß man ja nur NOMINIERT ist. Drei Pärchen, also fünf Leute, sitzen, vor Hoffnung bibbernd, neben der personifizierten Sülze namens Kerner und hoffen auf ein Vorrücken gen Platz zwei. Aber erst mal müssen ja die Polen schmelzen. Obwohl, die Hälfte deren Traumpärchens ist ja auch schon verflossen.

 

 Wie ich’s auch drehe und wende: Es ist eine riskante Sache. Werde ich Silber-Traumpärchen? Oder müßte ich doch noch eine weibliche Kraft akquirieren, um mit ihr Ruhm, Rum, Beet und Bett zu teilen? Wie soll ich mich überhaupt binden? Nicht mal ´nen Binder habe ich!

 

 Obwohl heutzutage ja selbst Frauen manchmal Schlipse tragen bzw. sich nicht scheuen würden, einen solchen mit in die Ehe zu bringen. Als Mitgift! Betont auf der zweiten Silbe. Und dann wird die Schlinge zugezogen.

 

 Wer sich dieser Schlinge entzieht, den stempeln die Weiber dann gleich als Schlingel ab. Doch diesen Stempel trage ich gern. Sozusagen ein Schlingel-Tatoo.

 

 Übrigens: Wenn’s beim Tätowierer brennt – bitte genau hinhören! Denn in solchen Fällen kommt die Feuerwehr doch tatsächlich mit Tatootata! – Mußte einfach sein…

 

 Sich binden endet ja übrigens oft mit einer Entbindung oder der flapsigen Bemerkung „Binden mal weg…“. Noch’n Grund, sich allein für die bald frei werdenden Gerda/Kai-Plätze zu bewerben.

 

 Immer vorausgesetzt, daß diese Erd-Erwärmung endlich kommt. Gestern abend beispielsweise war mir scheiß-kalt. Passendes Wetter zum Grünen-Parteitag. Da sehe ich Roth und verfluche das Lied „Claudia“ auf unserer neuen CD. DIESE Claudia gehört mit all ihren Schals festgebunden. Und das „Bitte nicht füttern!“-Schild hänge ich ihr eigenhändig um. Wenn eine für mehr (soziale?) Kälte eintretende Partei sich sowas an ihrer Spitze leisten kann, klappt es mit der Erd-Erwärmung ganz bestimmt doch noch. Kuschelige fünfzehn Grad mehr im Winter sowie zwei bis drei im Sommer. Irmgard Düren hilf!

 

 Huch. Das wäre ´ne Frau für mich (gewesen?)! Irmchen, die zu meiner Kinderzeit im DDR-Fernsehen die verbalen Schlaftabletten zwischen den einzelnen Beiträgen der „Wünsch dir was!“-Sendung verteilte. – Schade. Beim Googeln kam gerade heraus, daß ich drei Jahre zu spät komme. Die besten Weiber sind immer schon weg. Hier leider im absoluten Wortsinn. Vielleicht hat sie sich’s ja so gewünscht.

 

 Ich glaub’, ich binde mich… bzw. mir erstmal die Schuhe. Übrigens auch (fast) immer Pärchen. Und hierbei fungieren Senkel als Bindemittel. Stricke sozusagen. Wer sich bindet, verstrickt sich! Oder nimmt sich selbigen. Obwohl: Geben ist seliger, denn Nehmen.

 Geben-edeit sei dieser Gedanke!

 

 So. Jetzt habe ich erstmal nachgeschlagen. Im Fußball gäbe es für sowas die Rote Karte. Ich aber schlog nur in meinem Ausweis nach, ließ meine Augen dort mein Geburtsdatum erheischen und muß nun erstmal nachrechnen, ob man soooo jung, wie ich noch bin, überhaupt schon Lebenspartnerschaften eingehen darf. Vielleicht sollte ich erstmal üben. Mit jemandem, der genau so unerfahren ist wie ich. Am besten in irgendeinem billigen Hotelzimmer in der Türkei.

 

 Da sabbert die geile Volks-Seele und möchte mehr Details. Auch ich finde, daß das Wort „Spermaflecke“ viel zu wenig in den Nachrichten auftaucht. Manch Zweit-Klässler kann das nicht mal richtig schreiben! Also „Sperma“ schon. Aber „Flegge“…?

 

 Wenn aber das Volk sabbert, habe ich doch noch einen zum Binden: einen Latz. Ja, ich trage gern Latz! Finde sowieso, daß der Latz als solcher unterbewertet ist. Ganzkörper-Latz – das allein hilft heutzutage noch. DEN binde ich mir jetzt. Mit nüscht drunter. Wegen der Flegge.

 

 Und dann gucke ich latziv, wenn die Jury nach dem Abschmelzen von Gerda und Kai Platz zwei der Traumpaare neu vergibt. An Jürgen und ihm seinen Latz. – Ich werde ihn James nennen.

 

 Latzt mal gut sein für heute, meint

 

Jürgen




18.November 2007


Weltmeisterer

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 eine  Frage, die mir immer und immer wieder nicht gestellt wird, ist die: Wie sieht sie eigentlich aus, Jürgens Welt?

 

 Nun gut, wenn ihr mich so drängt, kann ich sie ja heute, sozusagen als Sonntags-Rede, mal beschreiben:

 

 Vor allem ist sie rund! Nö, nicht so oben und unten abgeplattet wie Vati Erde bzw. angespitzt wie ein Rugby-Ball. Dann könnte sie nämlich nicht so vor mir her kullern, was ich dann mit Kuller-Augen beobachtetetete. Tetete. – Ich kann nämlich laaaange gucken.

 

 Und was ich nicht noch alles kann: Wahnsinnig werden, um  nur mal ein Beispiel zu nennen. Gestern abend war es wieder soweit. Immer, wenn ich vom unwichtigen Fußball-Länderspiel im ZDF mal zur ARD rüberzappte, mußte ich sie sehen: Massen von entlaufenen Heim-Insassen, die in einer Großraumzelle den „Musikantenstadl“ zelebrierten. Unglaublich, was da so an niederem IQ zusammenkommt. Auf und vor der Bühne. Irre! Substantivistisch gemeint. Total irre. Und: Man muß es gesehen haben, um es zu glauben. – Vor allem: Auch diese Menschen beanspruchen Sozialleistungen!!!

 

 Mit dem Glauben ist es aber nicht weit her in meiner Welt. Das sei schon gleich mal gesagt. Denn ich glaube, wenn überhaupt, erstmal nur an mich. Und da ich mich relativ gut kenne, ist dieser Glaube sehr fragil. Gut, ich glaube auch an Herrn R., aber das werde ich ihm niemals mitteilen, um Größenwahnsinn seinerseits vorzubeugen. Denn ICH weiß, wie schwer es ist, mit Größenwahnsinn zu leben.

 

 Obwohl es sich ja sooo schlecht wiederum nicht lebt, in meiner Welt. Klar, der eine oder andere Euro mehr könnte durchaus auf seiner Rückseite die Inschrift „Dem Jürgen seiner“ tragen, die eine oder andere Frau dagegen sollte sich beim Tätowieren dieser Inschrift das zweite „r“ schenken. Eigentlich kann sie sich die ganze Tätowiererei schenken, denn ich will gar nicht besitzen. Nur mal spielen…

 

 Doch da geht’s mir im Verkehr der Geschlechter wie beim Squash: Keiner spielt mit mir. Und wenn doch, verlieren die meisten. Weil ich einen so komischen Stil habe. Und hier verbitte ich mir das „e“ nach dem „i“. Unorthodox – ja das trifft’s.

 

 Damit habe ich’s im Squashclub trotz eines nahezu methusalemischen Alters wieder in die Gruppe der besten Fünf geschafft und kämpfe tapfer gegen den Abstieg aus der Elite-Klasse.

 

 Was die Frauen betrifft, hat die Ründe (tolles Wort) meiner Welt aber den Nachteil, daß sie die Weiber haltlos werden läßt: Da purzelt einfach alles durcheinander. Und Mann glaubt gar nicht, was das für Spaß macht! Jedenfalls mancher. Mann. Ich schon. Obwohl – auf die Dauer… Andererseits: Was soll’s?

 Habe ich schon erwähnt, daß meine Welt enge Grenzen hat, an die ich immer wieder stoße? Nö? Dann jetzt: erwähn. Und gegen diese Grenzen knalle ich stets dann mit voller Wucht, wenn ich wieder mal nicht damit rechne, daß andere sich selbst ankotzen und die gesamte Welt brechmittelgleich finden.

 

 Herrje, was habe ich nicht schon, einfach nur freundlich und lustig parlierend, in schier zugehämmerte Blödgesichter geschaut, denen einfach ALLES im Leben zuviel und vor allem NICHTS angenehm ist. Aber wichtig sind sie! Meinen sie. Und "Die da oben" sind an allem schuld!

 

 Da ist einem die eigene Lebensfreude schier peinlich. Zumal bei mir ja noch das Über-mich selbst-Lachen hinzukommt, also eigentlich immer Grund zum Amüsement gegeben ist, denn ich kleckere, stolpere, vergesse und betrete Fettnäpfchen ohne Ende. – Ein Naturtalent!

 

 Übrigens: Meine verschwundene Hose ist immer noch nicht wieder aufgetaucht! Ein temporäres Wunder!

 

 Ich jedoch gebe die Hoffnung nicht auf, denn auch der verschwundene raspelnde Teil meiner Parmesan-Reibe fand sich, nach monatelanger Abwesenheit, urplötzlich wieder ein. Auf dem Bücherregal. Gaaaanz oben drauf. Da muß ich hüpfen, um ranzukommen! Selbst Auf-den-Zehenspitzen-Stehen reicht da nicht. Surreal!

 

 So betrachtet, ist in meiner Welt das häufige Zusammensein mit W. wie ein Urlaub vom strudelnden Alltag. Denn Herr R. ist, und das ist gut so, bodenständig. Wo er sitzt, da sitzt er. Wichtig ist nur, daß all seine Instrumente rings um ihn herum ERREICHBAR plaziert sein müssen.

 

 Und eine Hose vermißt er auch nicht. Gottseidank ist er aber gnadenlos albern und schier unsäglich bekloppt (jedenfalls, wenn’s drauf ankommt, also er mit mir zusammen ist), denn sonst hätte W. ja einen Hauch von Vollkommenheit. Und ob sich Vollkommenheit mit Verkommenheit, also er sich mit mir, so gut verträgt…?

 

 Keine Angst, wir vertragen uns. Erst letztens haben wir uns vertragen, als wir unsere Boxen vor dem Auftritt auf die falsche Bühnenseite schleppten. Immer diese Kalauer…

 

 Nun aber zum Ärgsten in meiner Welt, denn - ihr alle befürchtet es, und das zurecht -, es wird darin auch wieder neue Lieder geben. Keine Angst: Herr Rösler repariert daran so lange herum, bis sie einigermaßen erträglich sind. Aber angedroht seien sie schon mal. Fürs neue Jahr, denn in diesem spielen wir gnadenlos noch die alten, gut abgehangenen, die sicher auch noch 2008 für viele die „Lieder der Lieder“ sein werden. Also zumindest für W. und mich.

 

 Ach so, natürlich nur, wenn ich die Welt 2008 noch erlebe. Und da hoffe ich verschärft auf die uns immer wieder versprochene Erd-Erwärmung. Wann kommt sie endlich? Mir jedenfalls ist kalt. Draußen.

 

 Aber ich geh’ heute nicht raus. Denn es ist Sonntag, und es ist November. Und das ist nicht meine Welt! Trotzdem meistere ich sie.

 

 Weltmeisterliche Grüße von

 

Jürgen




12.November 2007


Wenn das der (Lok-)Führer wüßte…

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 hoffentlich komme ich mit meiner heutigen Wortmeldung nicht zu spät, denn: Ich finde Herrn Mehdorn cool!

 

 Ein Fels in der Brandung! Einer, der gegen den Strom schwimmt, was bei den derzeitigen Energiepreisen sogar doppelt heldenhaft ist! Ein Bollwerk gegen den Faschismus!

 

 Letzteres sollte vielleicht kurz erklärt werden, aber eigentlich spricht die Berufsbezeichnung der Schienenverkehrs-Verweigerer ja für sich und gegen sie: Lok-FÜHRER. – Ist es schon wieder so weit???

 

 Ich bin ja genetisch derart geprägt, daß Arbeit an sich nicht das Ding ist, nach dem ich schallend rufe. Ich lasse rufen. Richte vielleicht ab und an die leicht abstehenden Ohrlöffel auf, um mal verwegen zu lauschen. Kann aber auch wochenlange Stille ertragen. Vielleicht wollte ich deshalb als Kind Lokomotiv-Führer werden.

 

 Das änderte sich natürlich sofort, als ich politisch zu denken begann, also so um meinen 30.Geburtstag herum. Von da an war klar: Ich werde Lokomotive. Ach was: E-Lok.

 

 Nun war ich eh Lok-Fan, drückte als dem 1.FC Lokomotive Leipzig bei dessen fußballerisch getarnten Klassenkämpfen gegen den BFC Dynamo beide Daumen und manchmal sogar die großen Zehen (Zeichnungen davon, wie Letzteres geht, maile ich gern zu…). Nützte nix, Lok wurde aufs Abstellgleis und später sogar tot gefahren, spielte dann Jesus und erstand wieder auf. Leider ebenso wie er in der elften Liga.

 

 Ein gottgleicher Fußballklub, dessen Jünger aber mittlerweile wieder einem Lok-Führer huldigen, weswegen ich da nicht mitmachen kann. Ergo: Wiederauferstehung sollte verboten werden. Bei Gott!

 

 Zumal wir ja Hartmut haben, von dem ich lange, lange, lange annahm, er hieße (hüße? – häße!) mit Vornamen Bahnchef. Irgend so ’n bulgarischer Einschlag, vermutete ich.

 

 Aber Hartmut paßt natürlich besser. Hart wie Schienen-Stahl! Mutig zeigt er den Führern die Stirn, welche bei mir die hohe wäre. Ihm wird ja eine hohle unterstellt, doch ein Bahn-Titan kann nicht hohl sein. Hohleluja!

 

 Nun bin ich ja keine Pferde-, sondern ein (Hobby-)Bahnflüsterer. Und was flüstere ich? – Richtig: „Draisine.“ Und nochmal: „Draisine.“

 

 Zwei Menschen am Schwengel, und ab geht die wilde Luzie! Das funktioniert immer, vor allem: Die Gleise gehören dem Staat. Und der Staat, das sind immer noch wir! Noch.

 

 Was aber total süß ist: Draisinen fahren ohne Strom bzw. Kohle. Letztere lagerte in den Zeiten meiner Kindheit ja noch im Tender der Lok und wurde von Elvis heilig gesungen: „Love me usw.“ Tendenziöse Pop-Musik für Koks-Fetischisten bzw. Drogen-Barone.

 

 „Drogen-Barone“ kommt als Begriff übrigens aus der gleichen Substantiv-Kopplungs-Werkstatt wie „Bahn-Chef“. Substantiv-Kopplungen sollen Haß erzeugen! Und das klappt immer! Beispiele gefällig: Finanz-Hai, Diäten-Erhöhung, Benzin-Preis, Silber-Eisen usw.

 

 Einzelne Substantive jedoch lassen Liebe keimen. Da das eh allen klar ist, hier nur eine einziges Beispiel: Jürgen.

 

 Doch zurück zu Hartmut, dem Schienesen. Halte durch, wackeres Niemals-Lächel-Face, denn ICH fahre sowieso NIE Zug. Für mich ist der Zug abgefahren. Trotz Lokführer-Streiks. Ein Wunder!

 

 Die paar Millionen, die so ein Streik-Tag kostet, übertreffen zwar die Mehrausgaben, welche höhere Führer-Gehälter verursachen würden, bei weitem, aber: Es geht ums Prinzip. Und das Prinzip lautet ja immer noch: Abwarten. Einfach kein neues Angebot machen. Den durchaus unsympathischen Lok-Gewerkschaftsführer weiter geifern und seinen Stellvertreter weiter sächseln lassen. Irgendwann hält das kein Schwein mehr aus. ICH kann’s jetzt schon nicht mehr hören.

 

 Die Bahn ist und bleibt beschränkt bzw. beschrankt, und das ist, schon aus Sicherheitsgründen, gut so.

 

 Wer beim Ballern nicht trifft, schießt nicht umsonst „Fahrkarten“. Alles hat irgendwie und irgendwo einen Sinn. Hartmut und ich, wir kennen ihn. Doch nur er verfügt über Lok-Mittel.

 

 Ich aber beobachte das Ganze, völlig entspannt im Zug, also bei geöffnetem Fenster, sitzend und eine rauchend. Zug um Zug. Dabei zugt mein rechtes Augenlid. Ui, jetzt sogar zug-leich mit dem linken. Lokisch!

 

 Bahnchef – spielt der nicht doch bei Cottbus???

 

Im Besitz eines Führer-Scheins grüßt

 

Jürgen




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