Juni


27.Juni 2007


Dutt-Freund

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 ich weiß gar nicht mehr, wie oft mir bereits viele meiner Freunde (Freunde…?) meine Bindungs-Unfähigkeit bestätigten. Noch nicht mal ent-bunden habe ich. Obwohl ich Phasen im Leben hatte, die leicht nach Schwangerschaft aussahen.

 

 Aber nun die positive Nachricht, Freunde des geregelten Lebens: Ich band. Ach was, ich bund! Um nicht zu sagen: Ich – Bond! Und, mal ehrlich: Wenn man es wirklich, WIRKLICH will, ist es gar nicht so schwer, eine Verbindung zu knüpfen.

 

 Bei mir war der gestrige (und heutige) Sturm der Auslöser. Hui. Und hui! Und huihuihui! Stühle, Tisch und Dahlien schossen über die Terrasse. Leider habe ich dort kein Aquarium aufgestellt, denn sonst könnte ich heute über fliegende Fische berichten…

 

 Aber flying petunia ist ja auch nicht schlecht. Die Blüten stromlinienförmig nach hinten gestreckt und den Topf rucksackartig hintendran – schwupps! übers Geländer. Da freut sich der getroffene Passant, denn: Wenn schon erschlagen werden, dann farbenfroh erschlagen werden! Das Auge stirbt mit…

 

 Aber noch während ich „Adios, Petunie!“ gegen den Wind schrie, fielen mir die Mozzarella-Berge in meinem Kühlschrank ein. Und ein unbändiger Bindungsdrang machte sich in mir breit. Ich griff also zu Messer, Gabel, Schere sowie Licht, legte Ersteres, Zweiteres und Letzteres wieder weg, nahm aber noch das von Weihnachten übrig gebliebene grüne Geschenkband mit hinaus in den Windkanal.

 

 Ja, klar doch: Die Haare hatte ich vorher windresistent aufgeduttet. Ein Hinterkopf-Dutt. Der Dutt aller Dutte. Keine Duttzendware! Ein Mann, ein Dutt! Dutt ja nicht weh…

 

 Dann aber tat ich es: Gegen gefühlte acht bis neun Windstärken „Wind, Wind, himmlisches Kind…“ ansummend, vertäute ich sie – meine drei Tomatenpflanzen. Meine Ernährungsgrundlage für August, September, Oktober, und, dank der Klima-Verbesserung, wohl auch noch November, Dezember und Januar (Im Februar sind ja dann schon wieder die Kirschen reif. – Obwohl: Manche Kirschen sind eigentlich immer reif…). Ich band. Das grüne Band der Sympathie. Um jedes einzelne Tomätchen. Um grüne Tomätchen, was bei den Cineasten unter uns gleich wohlige Assoziationen hervorrufen wird.

 

 Ich, der ich nicht einmal einen Binder besitze, band. Und überwand. Meine Bindungs-Unfähigkeit. Tomaten – gekettet ans Terrassengitter. – Damit könnte ich auch in Kassel groß rauskommen. Ich bin mir aber sicher, daß mir dort irgendein Depp meinen documenta-Beitrag wegfressen würde.

 

 Ich merke gerade, daß nun meine Tomaten immer mehr meinen Büchern ähneln: beide gebunden. Sogar Soßen band ich schon! Und ich spiele in ´ner Band! Weiß sogar, wie man Bandoneon schreibt! Kann Band-Nudeln zubereiten. Perfekt wäre noch eine schwarzweiße Bund-Hose (ein Brüller!), aber ich möchte mir ja noch Steigerungsmöglichkeiten offenlassen.

 

 Meiner Bindungs-Unfähigkeit jedenfalls bin ich seit gestern abhold. Huch! Soeben segelt mein Basilikum-Topf übers Terrassengeländer… Fly, fly, fly, kleine Kräuter-Keramik. – „Rrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrummmmmmmmmmms, bums, aua!“ – Wieder einen Passanten zum Schweigen gebracht. Der liegt jetzt unten und wartet auf Tomaten und Mozzarella. Und er wartet, dank meines Gebindes, ummesunst. Aber ´ne leere Olivenöl-Flasche könnte ich, zum Trost, noch hinterherwerfen…

 

 Ja, stürmische Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Auch von mir, vom „Binder der Nation“. Ach, nennt mich einfach Schlips.

 

 Den Dutt im Wind, kommen nachtschattige Grüße von

 

Jürgen




24.Juni 2007


Personifizierte Zapfsäule

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 irgendwie fühle ich mich Georgia Brown sehr nahe. Denn auch ich kann Fragen beantworten, auf die Sechsjährige keine Antwort finden. Und, ja, auch ich führe seit mehr als einem Jahr richtige Gespräche. Gut, mit Unterbrechungen. Aber immerhin. Teilweise sogar Selbstgespräche.

 

 Ich war noch nie in Georgia (Bundesstaat), fühle aber, daß mich etwas mit Georgia (Heldin) verbindet. Und heute su/strongmme ich schon den ganzen Morgen in Ray-Charles-Manier (mit geschlossenen Augen): „Georgia“…

 

 Die Frage ist nun, ob ich ein mir unbekanntes Kind habe. In Süd-England. Habe gerade mal unter „Eigene Bilder“ nachgeguckt und festgestellt, daß ich 2003 in London war. Georgia ist jetzt knapp 3. – Das wird eng.

 

 Ach was, eigentlich bin ich mir sicher, denn die reinen Fakten sprechen für sich: IQ von 152. - Alles deutet auf Samenraub hin! Dieser Becker versaut a) die Sitten und setzt b) Worte in die Welt, die ich sonst nie und nimmer verwenden würde.

 

 Die Lösung liegt auf der Hand: Man (Mann?) muß mich, bei meiner London-Audienz unter Drogen (fish ´n’ chips?) gesetzt und dann bestohlen haben. Kann mich aber gar nicht daran erinnern, an irgendeiner Zapfsäule aufgewacht zu sein. Ein Mysterium!!!

 

 Verstehen kann ich die Diebe (Den Dieb? – Die Diebin!!!!) natürlich gut. Aber sowas macht man nicht. Nicht mit mir. Man fragt höflich. Und dann versucht man, mittels eines überzahlten Psychologen, mit der Antwort fertig zu werden.

 

 Zum Trost vermittle ich (gegen Bares!) die Telefonnummer von Herrn R. – Hat mich aber noch keine wirklich danach gefragt. Obwohl er sie immer wieder mit mir übt. Für den (unwahrscheinlichen) Fall der Fälle. Ich glaub’, ´s war die Eins, nochmal die Eins und dann die Null. Oder so ähnlich. Jedenfalls was mit Zahlen.

 

 Zahlen werde ich für Georgia natürlich nicht! Das Kind wird MICH ernähren. - Mein Engelchen. Mein Zuckerschnütchen. Fürs Versorgen des Balges sind die „Eltern“ in Großbritannien zuständig. Ein Land ohne Grundrechte. Das Einzige in der EU. Eu! Danke, Tony. Und tschüß…

 

 Hätten die Engländer Grundrechte, würde ich mich natürlich nie zu meiner Vaterschaft bekennen. Bin ja, siehe Georgia, nicht blöde. Aber so.

 

 Ich möchte sie sehen! Ich möchte, daß sie mich kennenlernt. Damit sie weiterkommt im Leben. Jetzt, wo sie im „Verband der Hochbegabten“ ist, wird es Zeit, daß der Hochbegabteste, ja, der Höchstbegabte in ihr Blickfeld tritt.

 

 „Wie soll ich denn nach England kommen?“ fragt ein gewisser W. natürlich sofort. Ey, Ruhe! Um dich geht’s hier gar nicht!

 

 Also, Georgia, wenn du dann in ein, zwei Wochen lesen kannst, google mal nach dady. Oder gleich nach „Dady cool“. Das war’n Hit und ´n Fake zugleich.

 Und dann mach sie fertig! Zuerst deine „Eltern“, und die Dauer-Überweisungen an den dereinst beraubten

 

Jürgen

 

 PS. Fast vergessen - Spiegel online von heute:

Club der Hochbegabten nimmt zweijährige Britin auf

Sie beantwortet Fragen, auf die Sechsjährige noch keine Antwort wissen, und seit mehr als einem Jahr führt sie bereits richtige Gespräche. Mit einem Alter von nur zwei Jahren und neun Monaten ist die kleine Georgia Brown das jüngste Mitglied im Verband für Hochbegabte. London - Die kleine Georgia aus der südenglischen Grafschaft Hampshire habe Experten bei Tests mit einem überdurchschnittlich hohen Intelligenzquotienten (IQ) von 152 überrascht, berichtete der Sender BBC gestern. Damit gehöre sie zu jenen zwei Prozent der Bevölkerung, die als außerordentlich intelligent gelten.Die Psychologin Joan Freeman erklärte, Georgia hätte möglicherweise einen noch höheren IQ unter Beweis gestellt, wenn sie nicht nach intensiven Tests dringend eine kleine Schlafpause gebraucht hätte. "Mit ihren zwei Jahren und neun Monaten beantwortet sie Fragen, auf die Sechsjährige noch nichts zu sagen wissen." Georgias Mutter Lucy berichtete, ihre Tochter habe bereits mit neun Monaten laufen und mit eineinhalb Jahren Gespräche führen können. "Es ist fantastisch, wir sind so stolz auf sie."Laut BBC bestätigte die Begabten-Organisation (Mensa) die Testergebnisse und die Aufnahme Georgias. Sie ist damit das jüngste Mädchen, das jemals Mensa-Mitglied wurde. Ein Junge, der bei der Aufnahme einige Tage jünger war als sie es jetzt ist, war seit den neunziger Jahren zeitweilig Mitglied des Hochbegabten-Verbandes.Mensa wurde 1946 in Großbritannien von dem Australier Roland Berrill und dem Engländer Lancelot Ware gegründet. Dem Dachverband Mensa International gehören nationale Organisationen in mehr als 40 Ländern an, darunter auch Deutschland, wo der Verband mehr als 5000 Mitglieder hat. Als Mindest-IQ für die Aufnahme gilt ein Wert von 130.mik/dpa




20.Juni 2007


Oder-Ode

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 irgendwoher kannte ich diesen Satz „Quadratwurzel oder Tod!“, der mich am Montag auf der SPIEGEL-Titelseite anschrie. Richtig: aus dem Mathematik-Unterricht.

 

 Was wurden wir aber auch gepiesackt in der Tätärä! Denn es hieß ja ebenso „Potenz oder Folter!“ sowie „Integral oder Rübe ab!“. Und hat es uns geschadet? – Außer den Geköpften, Gefolterten sowie Totgegangenen keinem. Und ein bissel Schwund, liebe Gemeinde, gibt’s ja wirklich immer.

 

 Wem aber prophezeit nun das polnische Doppelkopf-Gespann das Dahinscheiden? Sich? Den Polen, die ja sowieso schmelzen? Uns? Gar mir?

 

 Nö, wegen sowas gebe ich weder Messer, Gabel, Schere noch Licht ab. Und den Löffel schon gar nicht. DAS IST MEIN LÖFFEL!

 

 „Schwarzwurzel oder tot“ – würde mir übrigens viel besser gefallen. Wäre doch auch mal ´n Motto für die ganzen bedepperten Koch-Shows im TV, also im Transvestiten. Ha. „Gemüse-Suppe oder richtiges Essen“ – auch ein feiner Titel. Oder: „Überbacken, aber nur den Koch!“

 

 Da höre ich die Hexe schon  wispern: „Knusperknusperknäuschen (Mein Gott, was die sich damals für tolle Worte ausgedacht haben…), wer knabbert an mein’m Häuschen?“ Wobei wir hier in „Wer knabbert an mein’m Hänschen?“ umdichten müßten, sollte der Koch Hans heißen. Bei Klaus wär’s noch einfacher.

 

 Gibt es auch eine Rechteck-Wurzel? Oder ´ne Rhombus-Blüte? Sind hier mehr die Botaniker oder die Nervenärzte gefragt? Also meiner fragt mich sowieso nicht mehr. „Gehorchen oder Tod!“ – was anderes habe ich von ihm noch nie gehört. Werde ich auch nicht mehr hören, denn ich erfüllte den letzteren seiner beiden Wünsche. Er fand das, vermute ich mal, todal gut.

 

 „Geld oder Leber!“ – naja, das kennen wir alle von Überfällen auf Fleischerei-Fachgeschäfte. Und allzuoft gab’s nur Leber. Mit ohne Kartoffelbrei. Bahne frei! Von den fehlenden Zwiebelringen mal ganz zu schweigen.

 

 Soll übrigens olympisch werden: Zwiebel-Ringen. Da zieh’n sich die Probanden nebenbei eine Haut nach der anderen ab. Alle sieben! Auch Maurer. Die wiederum natürlich nur Sand.

 

 „Sand oder Kasten!“ – das fände ich als Motto für die EU-Gespräche am besten. Und das Angela backt mit Förmchen einen schönen Präsidentschafts-Kuchen. Den serviert sie dann mit der lässigen Bemerkung „Essen oder Leben!“, und sofort fühlen sich Bochum und Gelsenkirchen ausgegrenzt und bekommen die Ruhr. – Ein Irrsinn!

 

 Man kann es nämlich niemals allen recht machen. Selbst Mann kann das nicht, obwohl er es immer wieder versucht. Zumindest aber sollte er sich zurechtmachen. – Wenn’s denn noch geht. „Ich geh’ mich mal schnell zurechtmachen“, bedeutet ja für die meisten unter uns „kämmen“. Und da bin ich schon (Achtung, neudeutsch!) außen vor. Ich kämme seit langem nicht mehr. Ich lege.

 

 Ab und an auch um. „Haarwurzel oder Tod!“ mutierte bei mir zu „Haarwurzel tot!“. Sehr mutig mutiert.

 

 Vielleicht aber ist der ganze Kladderadatsch auch nur ein Übersetzungsfehler aus dem Polnischen. Muß ich mal Waldi fragen, der diese Sprache ja in Ansätzen (und bei Zuführung von Alkohol in nicht geringen Mengen) beherrscht.

 

 Am Ende kommt dann raus, daß die Zwillinge „Quadratlatschen oder TED“ meinten, die gute alte Zuschauerbefragung. Und diese wiederum ergäbe, daß kaum noch einer weiß, was denn eine Quadratwurzel ist. Vom Tod ganz zu schweigen.

 

 Fazit: Die Sache wird überbewertet. Wie einst Katharina Witt. „Doppel-Axel oder Todesspirale!“ – jetzt hammer’s. Und da niemand den berühmtesten und wohl auch beklopptesten aller Axel (entscheidet bitte selbst, ob Bulthaupt oder Schulz – wobei das ja der ver-kloppteste wäre) gleich zweifach haben möchte, gewinnt: die Todesspirale.

 

 Sich in diese eindrehend, grüßt

 

Jürgen

 

PS. „Alibaba oder 40 Räuber!“

PPS. BRUST ODER KEILE!




17.Juni 2007


Gestiefelter Katharr

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 die Welt ist aber auch eine Wundertüte! Mannoman! Und gleich noch: Kopfschüttel.

 

 Ich jedenfalls komme aus dem Wundern nicht mehr raus, was wiederum euch nicht wundern wird. „Wundern gibt es immer wieder“, sang ja schon vor Jahrzehnten die sich mittlerweile mit Eigen-Urin junghaltende Katja Ebstein (http://www.bild.t-online.de/BTO/leute/2007/05/16/ebstein-katja-lets-dance/rtl-urin-schoenheit.html). Gut, hält vielleicht die Haut frisch, aber in der Birne verursacht es, wie dieses Beispiel tragischst beweist, irreparable Schäden.

 

 Doch zu MEINEN Wundern: Die Nacht war lang, und die Nacht war auch lang. Schon das an sich ist irre. Aber ganz leicht damit zu erklären, daß ich mich nachts lange rumtrieb, dann aber bis 11 im Bettchen schlaff schlief.

 

 Gegen 12 sollte mein Tag jedoch mit einem Highlight beginnen: ein gar italienisches Frühstück. Italienischer als ganz Italien zusammen. Also: Rührei mit frischem Schnittlauch (mußte mal abgeschnitten werden…), frische Brötchen … aus dem Tiefkühlschrank sowie Kaffee direkt aus Frankreich, nämlich vom Bruder Jacob. Und Wurscht!

 

 Selbst ihr merkt natürlich, daß es hier noch nicht richtig sizilianisch oder gar roman wird. Doch Gemach. Denn um all diese Stino-Sachen machte sich auf dem Tisch-deck-dich Folgendes breit: gegrillte Auberginen, gegrillte Zucchini, mit Käse gefüllte Oliven sowie solche, wo der Käse durch eine Mandel ersetzt wurde, Krebsfleisch in Olivenöl und und und…

 

 Da versteht aber einer zu leben, höre ich euch, bereits auf eine Einladung meinerseits hoffend, raunen. Meine schlichte Antwort: ja. Also, was das Leben betrifft. Sowie: EINGELADEN WIRD NICHT! Und was bestätigt diese Regel? Richtig: die Ausnahme.

 

 Doch zurück zum Frühstücks-Mampf. Denn während ich mir all die südländischen Köstlichkeiten einverleibte und dabei mein italienisches Lieblingswort brabbelte (Razzia!), wurde mir a) eines schlagartig klar sowie ich b) blaß! Denn bei wem hatte ich all die Stiefel-Köstlichkeiten erworben? – Richtig: beim Türken.

 

 Ein Wunder! Oder ein Einwanderer, der den türkischen Dialekt im Deutschen ohne jeglichen italienischen Einschlag perfekt nachahmen konnte.

 

 Ich mutmaßte schon, nie mehr noch blässer werden zu können, als mir einfiel, daß mir vor etlichen Jahren ja sogar „Russisch-Brot“ von Deutschen feilgeboten wurde.

 

 Und tanzte nicht er kürzlich ein Bolivianer mitten in Uganda einen English Walz? Ohne Mathilda!

 

 „Die Globalisierung!!! Nix als die Globalisierung!!!!“ werdet ihr nun verzweifelt aufschreien, um mich zu informieren. Doch: Ich kann euch nicht hören. Obwohl ich hören kann. – Noch’n Wunder!!!

 

 Da man aber, wenn man hören kann, eigentlich immer hört, finde ich den Hörsturz als solchen überbewertet, Herr Platzeck. Denn wenn man schon mal fällt, schalten sich ja die Lauscher nicht automatisch ab. Hörsturz – die normalste Sache der Welt.

 

 Als ich kürzlich in der Kita nach dem Kinderprogramm meine Sachen zusammenpackte, wurde ich Zeuge eines entlarvenden Mutter-Kind-Dialogs: „Nun hör doch endlich mal!“ – „Nein!“

 

 Da sieht man mal, wie wenig die Wänster mitdenken. Denn hätte er, was ja seine Absicht war, nicht gehört, hätte er natürlich auch nicht antworten können. Müssen. Sollen. Oder so.

 

 Ein Irrenhaus, diese Welt. Und mitten im Irrenhaus stehen gaaaaaanz viele Iren-Häuser. Vor allem in Irland. Aber auch in Nord-Irland. Denn Iren leben nicht im Wald oder auf der Heidi. Nein: Iren sind menschlich.

 

 Heute abend spiele ich vielleicht mal Russisch-Roulette mit einem Inder. Indertat ein netter Gedanke. Und so völkerverbindend. Obwohl ich keine Krankenschwester bin. – „Im zweiten Weltkrieg half sie sowohl verwundeten Amis als auch Franzosen. Sie wirkte völker-verbindend.“

 

 Ich aber verbinde auch. Und zwar mit dem Ende dieser Wortmeldung den Gedanken, heute noch auf weitere Wunder zu warten. Doch eigentlich habe ich alles, was es an Wunderbarem auf diesem Planeten geben kann, bereits erlebt. Denn: In Leipzig findet derzeit der World Pyro Award, also die Weltmeisterschaft der Feuerwerker, statt. Voriges Wochenende knallten die Ukraine und Portugal um die Wette, gestern Polen und … Italien.

 

 ITALIEN!!!!

 

 Da schließt sich der Kreis. Mit einem Knall!

 

 Und einen solchen hat gaaaanz bestimmt auch

  

Jürgen

 PS. Das mit dem Link zu "BLÖD" tut mir unendlich leid. Lest ja nie dieses Schweineblatt. Wird ja auch von Pissern gemacht...

 

 




15.Juni 2007


Beet-zlebub

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 nein, ich bin noch nicht dem Hitzetod anheim gefallen, was ihr vielleicht vermutet oder gar (die wirklich Bösen unter euch sowie ein anonym bleiben wollender Herr R.) gehofft hattet. ´s ist nur so, daß einem beim derzeitigen Wetter ja ständig Körperflüssigkeit in die Tastatur tropft…

 

 Und wer ist schuld: Waldemar. Denn ich kann mich noch genau erinnern, wie er in der fünften Klasse während des Russisch-Unterrichts immer „Buwsjegda budet sontze“ trällerte. „Immer lebe die Sonne“ – für die nicht Kyrillisierten unter euch. Und das haben wir nun davon.

 

 Vorhin habe ich mit ihm telefoniert, und er tat ganz unschuldig. Ich aber weiß wohl, wer die Klimakatastrophe auf dem Kerbholz hat.

 

 Und sollte mal wieder ein schweinekalter und schnee-en-masse-bereithaltender Winter über uns hereinbrechen, kenne ich natürlich den Schuldigen auch schon. – Er spielt bei den „MelanKomikern“! Und ich bin es nicht!

 

 Gerade habe ich darüber nachgedacht, ob es Gott vielleicht doch gibt. Das hat nun wirklich nichts mit Waldemar zu tun, denn da wären Gedanken an den Teufel schon naheliegender.

 

 Aber wie anders ist es zu deuten, daß vorhin, als ich mit einer gefühlt tellergroßen Oberlippe und Taubheit von der Nase bis zum Gaumen vom Zahnarzt, der mich auf meinen Befehl hin schmerzresistent spritzte, kommend, mich JEDER Händler auf dem Markt aufforderte, doch mal zu kosten. Mal’n Erdbeerchen, mal ´ne Olive, sogar der Blumenverkäufer streckte mir ´ne Gladiole hin und meinte, die sei zum Anbeißen…

 

 Lag es an meinem Latz, den ich vorsichtshalber immer beim Rückweg vom Dentisten trage? So’n hellblauer, schicker. Nicht so neumodisch, mit Klettverschluß. Nee, noch richtig ordentlich, mit Schleifchen im Nacken. Das bindet mir mein Zahnarzt immer selbst. – Herzallerliebst…

 

 Natürlich war ich eigentlich in der Lage zu kosten. Funktionierte ja alles, bloß der Gefühle war ich bar. – Die Mundöffnung hätte ich bestimmt auch noch getroffen, doch wenn sich dann der Nahrungsbrei wieder gen Erdmittelpunkt durchs frisch renovierte Beißerchen-Geflecht schöbe, wäre mir das nicht bewußt geworden. Erst später. Beim Latz-Abnehmen. An den Gladiolen-Spuren hätte ich’s erkannt.

 

 All die feinsinnigen Leipziger aber, die mich als Ästheten vor dem Herrn kennen, wären aber abgeschreckt und würden ihre vom Bratwurst-Senf verschmierten Gesichter runzeln.

 

 Mittlerweile bin ich mir sicher: Gott hat den Händlern ein Zeichen gegeben, mich kostprobenanbiedernd unter Druck zu setzen. Gott – ein Spaßvogel. Mein Gott!! MEIN Gott. Ok., irgendwie auch eurer.

 

 Ich jedenfalls fahre gleich nochmal auf den Markt. Jetzt, wo ich in und an der Birne wieder alles unter Kontrolle habe, läßt mich bestimmt niemand mehr kosten. Ich bleibe kostenlos. Aber, da ich nun der Religiosität verfallen bin, habe ich auch anderes im Sinn. Ich kaufe rote Beete.

 

 Und dann beete ich die ganze Nacht durch. Für mich. Für euch. Und, weil ich eben zu gut für diese Welt bin, auch für Waldemar. Er wird schon sehen, was er davon hat.

 

 Seid umarmt von Beet-Schwester

 

Jürgen




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