Mrz


30.Mrz 2007


Schächtet Knut!

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 das ist doch mal ´ne Überschrift, oder? Aber die Forderung an sich ist relativ alternativlos. Schon um dieses Volk wieder normal werden zu lassen. – Was es ja, zugegebenermaßen, nie war.

 

 Es gibt soviel unglaublich Wichtiges, was die Leute tagein tagaus beschäftigen könnte: vier Millionen Arbeitslose, gefangene Briten im Iran, die neue „MelanKomiker“-CD, welche in 14 Tagen erscheint - doch was rotiert unter den Fontanellen der Deutschen: Knut.

 

 Ein Eisbär! Ein Tier, das täglich 300 Gramm zunimmt. Das schafften Herr Rösler und ich ebenfalls, wenn wir wöllten. Wir haben im Laufe unseres Lebens sogar mehr als 70 Kilogramm zugenommen. Jeder! Und ganz ohne Presse! – Wo bleibt das Waldemar-Plüschtier? Oder besser: der Waldemar-Plüschmensch. Ok.: die Waldemar-Plüschpuppe.

 

 Und WAS so ein Eisbär alles frißt! Das ist doch alles andere als liebenswert. Angefangen damit, daß er am Eis der Polkappen rumknabbert, so daß dieses immer weniger wird und die Klimaforscher zu falschen Schlußfolgerungen verführt. Aber wenn er dann auf seiner Scholle mal so richtig Heißhunger hat, dann ist er nicht zimperlich, der weiße Räu-Bär. Mein lieber Scholli!

 

 Robben, Pinguine, Haie, Wale, Giraffen sowie Rehkitze – alles schlingt er wahllos in sich hinein. Schon als Babybär. Und nein, Bär Knut wurde auch nicht, wie die Medien uns weismachen wollten, von seinem Pfleger getrennt: Er hat ihn erst zerfetzt, ausgeweidet und dann gefressen. Samt Innereien. Denn besonders darauf stehen sie, die weißen Ungeheuer! Diese Ekelbatzen.

 

 Und was wohl die wenigsten wissen: Eisbären, vor allem die kleinen, trinken mit Vorliebe Blut! Nix Milch oder so! Lauwarmen Saft des Lebens. Direkt aus der Hauptschlagader des von Knut und seinen Spießgesellen vorher gerissenen Opfers. Da lecken sie sich die Eisbären-Lippen, die kleinen Racker.

 

 Noch zu einem weiteren Mythos. Von wegen, der kleine Knut wurde von seiner Mutter verstoßen… Das ist Eisbären-Sitte! Die Bären-Mama legt ihr Ei in ein Pinguin-Nest und macht sich aus dem Staub. Der weiße Jäger ist der Kuckuck des Polarkreises! Elterngeld nehmen die Aufnimmerwiedersehen entfleuchten Erzeuger aber gerne noch mit. Um sich davon Schärf-Instrumente für ihre Reißzähne zu kaufen. Und CDs mit Tierstimmen, um Pelikane und Eichhörnchen anzulocken. Und niedliche kleine Häschen!!

 

 Ich weiß, alles in euch sträubt sich, während ihr dies lest, dagegen, mir Glauben zu schenken. Aber da ich sowieso ein Heide bin, bedarf es dessen ja auch nicht. Behaltet euren Glauben, und schenkt mir Vertrauen. Mir – dem großen Aufklärer.

 

 Dem martialischen Mörder aus dem ewigen Eis wurde nun sogar ein Lied gewidmet. Nicht um Geld zu verdienen. O nein! Um seine Missetaten zu verniedlichen. Diese Medien-Säcke! Führen ein ganzes Volk in die Irre.

 

 Nicht umsonst wird Knut nur zwei Stunden am Tag der Öffentlichkeit präsentiert. Bliebe er länger draußen, fiele der in Berlin in den letzten Tagen auch so schon rapide Anstieg vermißter Kinder noch mehr auf. Kinder frißt der kleine Polar-Hitler nämlich am allerliebsten.

 Und ich verzichte hier schweren Herzens, aber ob meiner unglaublichen Sensibilität, auf Einzelheiten, WIE er die kleinen Rangen verschlingt. Nie würde ich hier erwähnen, daß er sie dabei so lange wie möglich leben läßt. Das Vieh!

 

 Bleibt also nur: der finale Rettungsschuß. Würde der christlich Angehauchte und dem Muezzin ferne Deutsche sagen. Um aber die dem Schweinefleisch Abholden nicht auszugrenzen, bin ich für Schächten. Ein kleiner Schnitt für den Schächter, ein großer für die Menschheit. Macht uns Bestien-frei! Dann ist Ruhe im Schacht.

 

 Und wenn der Knut-Kadaver dann endlich unter dem Absingen der Internationale verscharrt worden ist, kümmert sich die Menschheit endlich wieder ums Wesentliche. Um

 

Jürgen




28.Mrz 2007


Voten - wo denn?

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 heute schon rundum-befragt worden? Oder zumindest mal per TED abgestimmt?

 

 67 Prozent der Imker dieses Landes würden niemals Bienenstich essen, 16 Prozent summen ihre Kinder in den Schlaf, und nicht zu unterschätzende 24 Prozent der kleinen Bienen-Betreuer leben in Waben. – Hat das Allenfalls-Institut ermittelt. Und, mal ehrlich, genau das war es ja, was wir alle uns seit Jahren gefragt hatten. Nun wissen wir’s. Fein.

 

 Schön ist auch, daß es klare Umfrage-Regeln gibt, denn meistens darf man sich zwischen A, B und C entscheiden: „Das Klima stirbt! Sind Sie A) dafür, B) dagegen oder C) enttäuscht?“ Ergebnis: 20, 20, 59. In Prozent. – Das eine Prozent, welches fehlt, bin ich, denn ich habe bei dieser Frage auf „Focus-online“ sofort  meinen Pomputer zerhackt. Nun geht das Klima erst recht tot.

 

 In der „Super-Illu“ für den grenz-debilen Ostdeutschen ermittelten die Dermatologen, oder wie diese Umfrage-Menschen auch immer heißen mögen, folgendes Resultat bei einer x-beliebigen Befragung: 44, 71 und 16,5. – Ich glaube, daß es darum ging, ob Achim Mentzel A) die neue Bundeskanzlerin sei, B) mit Frauke Ludowig einen Eisbären zeugen oder aber C) Patenkind eines Weisen aus Mogadischu werden soll. Die letzte Variante erhielt wahrscheinlich nur wegen der Aussicht auf einen verschleierten Achim M. die beeindruckende Prozentzahl. Denn in Kolumbien müssen auch dicke Frauen Schleier tragen!

 

 „Würden Sie für den Frieden in der Welt zwei Wochen lang auf ihren Sonntags-Brunch verzichten?“ – Nein, das fragte nicht etwa die „Titanic“, sondern die Fachzeitschrift „Der Hund“. Resultat der total verbellten Tipgemeinde: 67 Prozent: nur samstags. 14 Prozent: gelb. 28 Prozent: Ich habe die „Welt“ gar nicht abonniert. – Sowas macht sprachlos.

 

 Noch Schlimmeres gibt es nur bei ntv, wobei man hier wenigstens noch zahlen darf, wenn man mit abstimmt. Letztens hieß es: „Sollte Deutschland aus dem Commonwealth of Nations austreten?“ Resultat: 81 Prozent der Deppen wollten nichts mit Lateinamerika zu tun haben, 13 Prozent gaben an, sich nicht für Musik zu interessieren, und verblüffende sieben Prozent stimmten mit „Die Bayern werden es wohl diesmal nicht“.

 

 In der Leipziger Volkszeitung, meinem Heimat-Organ, durfte man letzte Woche mal wieder ´ne Alternativ-Frage beantworten, also voten: „Sind Sie für schuldenfreie Städte oder dagegen?“ Ergebnis: 64 Prozent voteten mit „Ja“, 58 mit "Nein“. – Beeindruckend.

 

 Und was man nicht alles aus solchen Umfragen erfährt: Viele Deutsche (76,83 Prozent) hätten nichts dagegen, wenn ihre Tochter einen Neger heiratete. Wobei beeindruckende 79,2 Prozent dieser Nichts-Dagegen-Haber sich vom Begriff „Neger“ distanzierten, wohl aber wußten, was gemeint war. Schön auch, daß 99,21 Prozent der erwähnten 76,83 Prozent angaben, keine Tochter zu haben. Fazit: Die Toleranz ist auf dem Vormarsch.

 

 Immerhin 41 Prozent der Deutschen glauben, laut MDR-info, daß schwangere Frauen in der DDR in Käfigen gehalten worden, damit die Neugeborenen nicht etwa der Familien-Aufzucht anheim fielen, sondern sofort dem Krippen-Wesen übereignet werden konnten. Und stolze 21,7 Prozent der Ostdeutschen unterstützen die Aussage, zwei deutsche Staaten seien einer zuviel und die Mauer müsse weg. – Hä?

 

 Leichen – das finden 24 Prozent der Niedersachsen, aber 81 Prozent der Sachsen ekelig. Laichen dagegen halten 66 Prozent der Bayern für normal, 99 Prozent der mecklenburgischen Vorpommerer aber für einen Rechtschreibfehler.

 

 Ich wurde gestern von einer Frau angerufen und vor die Alternative gestellt, tot oder lebendig besser zu finden. Spontan stimmte ich mit 44 zu 28 ab. Es ging um Flugsaurier, erfuhr ich hinterher, und nun wäre meine blöde Antwort im Computer. Ob ich mich nicht schämte bzw. schomm? – Da wiederum plädierte ich für C) Antwort rot.

 

 Ihr merkt schon, Freunde des gepflegten Liedgutes, daß sich der eine oder andere Fehler in meine Aufzeichnungen gemogelt hat, aber ich bin auch völlig durcheinander. Mich quält nämlich die Frage: WER, UM HIMMELS WILLEN, NIMMT DENN FREIWILLIG AN AUCH NUR IRGENDEINER UMFRAGE TEIL? Wer labert in ein RTL-Mikro? Wer hat für die BLÖD-Zeitungstante am Telefon etwas anderes als das angemessene „Verpiß dich, du Medien-Schlampe!“ parat?

 

 Ihr könnt ab jetzt voten. Wählt bitte die 0177/2701474, wenn ihr für „Indianer“ stimmen möchtet. Bei der 0341/5612666 könnt ihr für „Rochen“ plädieren. Und wer mit „Usedom“ abstimmen möchte, der rufe die 110 an.

 

 Die Telefone sind geschaltet. Die Leitungen sind frei. Und die Gedanken. Vor allem die von

 

Jürgen




26.Mrz 2007


Verzettelt

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 es ist erhebend, wenn man von Frauen einen Zettel zugesteckt bekommt, auf dem zu lesen ist „Ey, Jürgen, ich finde dich ganz toll und möchte dich gern wiedersehen!“. – Schon schön.

 

 Nun gut, das ist mir lange, lange nicht passiert. Eigentlich seit der Zeit nicht mehr, als ich aufhörte, diese kleinen Papierbotschaften als Vordruck zu produzieren. Fand ich damals ´ne klasse Idee: Kaum gefiel mir im Restaurant eine Kellnerin (Nie ein Kellner!!!), lies ich das bereits beschriftete Zettel-Machwerk beim Zahlen auffällig aus meiner Tasche fallen. Schwupps! bückte sich das Objekt der Begierde, und steckte mir verstohlenen Blickes die schriftlich formulierte Anhimmlung zu. – Nun konnte sie nicht mehr zurück!!!

 

 Was habe ich auf diese Tour Frauen kennengelernt und dann in übelster Art und Weise benutzt! Laß es zwei oder drei gewesen sein. Oder gar noch … weniger. Dabei bin ich durchaus benutzerfreundlich, was ja auch so’n tolles Wort der Neuzeit ist. Ich denke da vor allem an die Benutzer-Oberfläche. – Ein irres Design. Zum Reinbeißen! Finde zumindest ich.

 

 Doch mein Geschmack ist ja a) ein schräger bis schlimmer und b) nicht relevant. Der der Frauen wiederum ist mir schier unergründlich.

 

 Mal ehrlich, Mädels, was ihr so an Kerlen mit euch durchs Leben schleppt – sowas wäre nicht mal ansatzweise auf meine geniale Zettel-Idee gekommen! Und wie sich das benimmt! Und wie sich das anzieht (Bzw., wie ihr das anzieht…)! Und wie sich das artikuliert! Und, um wirklich auch nichts zu vergessen: Wie das riecht! – Da sieht man, daß Frauen das stärkere Geschlecht sind, denn ich als Mann könnte nie mit einem Mann zusammenleben. Und mit solch einem, wie ihn ihr euch aus dem Füllhorn der angebotenen Nieten rausgesucht habt, schon gar nicht.

 

 „So isser halt!“ ist übrigens eine vielgebrauchte Entschuldigung fürs makelbehaftete männliche Pendant jedweder Weiblichkeit. Die wiederum trifft sich dann in Frauengruppen, um über den ihnen jeweils Zugelosten zu lästern. Jede über ihren! Das verbindet.

 

 Die Kerle ihrerseits hüten in dieser Zeit daheim die Kinder. Oder verhüten. Bei der Geliebten. Jene wiederum muß dann dermaßen strunzdoof sein, daß es bereits über die Maßen quietscht! Denn mit ´nem Deppen rummachen – ok., aber mit ´nem verheirateten Deppen… Nichts ist allerdings gegen die verheirateten Intelligenten einzuwenden. Oder gar die intelligenten Geschiedenen!

 

 Ich aber möchte, wie immer, die Welt, die Menschheit, die Natur (ok., die weniger) und vor allem mich retten. Deshalb nutze ich die nächsten ins Haus stehenden Frühlingstage und stelle mich sowohl in den Park als auch zur Verfügung! Zettel habe ich dabei! Und ´nen Kamm auch! – Denn ich weiß wohl: Frauen haben Haare auf den Zähnen!

 

 Also, Mädels aus Orléans sowie die gebrauchten, nutzt eure Chance. Lange währet sie nicht mehr, denn bereits ab Freitag widmen sich Herr R. und ich wieder dem musikalischen Gelderwerb – und Stars sind für euch unerreichbar. Da macht W. ganz kategorisch keinerlei Ausnahme. Er nennt sich „Der Unantastbare“.

 

 Ich dagegen bin nicht so rigoros, aber das interessiert eben keine Sau.

 

 Vielleicht sollte ich es doch nochmal mit den kleinen papierenen Vordrucken versuchen? – „Nimm mich, ich bin anders!“

 

 Wenn ich Pech habe, halten mich dann aber alle für Christian, den ich übrigens auch in diesem Jahr wieder auf der Leipziger Buchmesse herum-irrlichtern sah, und verfrachten mich in die Klapse. Da aber draußen dermaßen viele Irre rumlaufen, kann es dort ja ganz gesittet zugehen.

 

Verzettelte Grüße von

 

Jürgen




22.Mrz 2007


Tête à tête mit Tete

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 das war’s dann ja wohl mit der versprochenen Erd-Erwärmung. Man hat uns belogen und betrogen!! Wenn’s nicht so abgegriffen wäre, würde ich hinzufügen: Schlimmer wie unter Honeckern! Dabei weiß ich wohl, daß es „als unter“ heißen müßte. Doch das alles ist ja Schnee von gestern.

 

 Der Schnee von heute aber bringt mich auf die, ob seiner, nun langsam erfrierende und wedel-abwerfende Palme. Bald sitze ich nur noch auf dem kahlen Stamm. Mein Stamm-Platz sozusagen. Dabei möchte ich gar nicht Weltmeister im Pfahlsitzen werden, pfahls ihr versteht, was ich meine.

 

 Ich möchte nur meine Ruhe. Und die versprochene Erd-Erwärmung. Heute früh wurde mir die von Al Gore im Deutschlandfunk noch explizit zugesichert: „Der Planet hat Fieber!“ – Von Schüttelfrost kein Wort!

 

 Den aber haben wir nun in Leipzig. Also den Frost (und den Schnee!!!!) draußen, das Schütteln (meines weisen Hauptes) drinnen. In meinem wohlbeheizten Etablissement. Und um den Scheiß-Politikern nicht jeden Vertrauenszuspruch absprechen zu müssen, unternehme ich wirklich alles mir Mögliche, um das Klima aufzuheizen: Heizkörper erglühen lassen – und alle Fenster auf! Mehr kann ein Einzelner nicht tun.

 

 Daß meine Aufopferung bei weitem nicht genügt, um die Planeten-Abkühlung bzw. die ins Haus stehende neue Eiszeit aufzuhalten, zeigt ein Blick aus dem Fenster. Jedenfalls wenn das Fenster nicht gerade in ein Haus in Mosambik eingebaut wurde. In dem Fall wohl ja auch mehr Hütte als Haus. Während im dortigen Pemba heute schlappe 30 Grad erwartet werden, bringt es Nampula immerhin auf 32. Mich aber zieht es gen Tete und Maputo, wo ich bei 36 Grad Celsius im Schatten den Herrgott einen guten Mann sein lassen möchte.

 

 Isser aber nicht. Denn sonst würde er Leipzig nicht am zweiten Tag des Frühlings beschneien. Ey, ihr Angst-Mach-Politiker: 2007 hat es bis heute JEDEN Tag im Frühling geschneit! DAS ist eine Klimakatastrophe!!!

 

 Und eine Katastrophe jagt die nächste: Denn nun sind sie wieder allerorten aktiv, die Schieberbanden. Die Drogen-Mafia! Schnee-Schieber!! Und das alles, weil wir das schöne Ceozwei nicht mehr rauslassen wollen. Man kann sich auch totsparen!

 

 Ich habe nun leider keine Zeit mehr, mich weiter gefaßt, durchdacht und unaufgeregt zu den Klima-Unbillen unserer Zeit zu äußern.

 

 Denn ich kümmere mich nun um das Booklet unserer neuen CD, die wohl schon in drei Wochen zu haben sein wird. Da ist dann ja auch das mehr als schöne Lied „…ist’n bißchen wie Frühling“ drauf.

 

 Und um das nicht löschen zu müssen, kaufe ich jetzt zehn Heizsonnen, verkabele sie über ca. 20 Meter, stelle sie auf unseren Hof, drehe alle Regler auf „10“ und lasse dann den Stromzähler mal so richtig kreisen. Den meiner Nachbarn, denn an deren Keller-Steckdose komme ich relativ leicht ran…

 

 So kümmern sich auch andere mal ein bißchen um die Umwelt, und nicht nur der sich nach Tete wünschende

 

Schnee-Hase Jürgen




20.Mrz 2007


Was erlaube W.?

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 es gibt immer wieder neue, erschreckende Formen, mit denen ein gewisser Waldemar versucht, sich bei mir einzuschleimen. So schenkte er mir vergangene Woche, nachträglich zu SEINEM Geburtstag zwei (!) Bücher. Fast wäre ich geneigt zu sagen „Nur zwei!“, aber meine mich seit Kindertagen prägende Bescheidenheit und Selbstzurücknahme läßt mich diese durchaus angebrachte Bemerkung verschlucken.

 

 Nun werdet IHR vielleicht empört ausrufen: „Was, nur zwei Bücher? Mehr bist du ihm, dem doch von dir zu SEINEM Geburtstag mit EINEM Buch mehr als überreich Beschenkten, nicht wert? Schneide es durch, nein, zerfetze es, das Tischtuch zwischen euch!“

 

 Gewiß, ihr habt recht. Doch neben Bescheidenheit ist es eben auch eine unendliche Güte, ja eine fast schon an Unterwürfigkeit grenzende Demut gegenüber dem Dorfbewohner in unserem musikalischen Ensemble, die mich anders handeln läßt. – Mit einem hingeheuchelten „Danke, wie komme ich denn zu der Ehre?“ erfüllte ich Herrn R. seinen innigsten Wunsch und nahm die Darreichung an.

 

 Gewiß, das „Danke!“ fiel mir mehr als schwer, denn was hatte ich nicht vorher durch W. alles erdulden müssen! Wenn er was kann, dann provozieren!! Der Sauhund!!!! Wo ich so gut zu ihm bin!!!!! Zu gut!!!!!!! VIEL ZU GUT!!!!!!!!

 

 Als ich ihn nämlich zu Weihnachten mit meinem voller Gefühl hin-gelapidartem „Frohes Fest!“ schier zu Tränen rührte, versuchte er, der seine Gefühle ja nie so recht zeigen, geschweige denn formulieren kann, mir mit einem für mehrere Euro erworbenen Geschenk zu imponieren. - Ein Buch! Nur um mich, der ich, wie jedes Jahr, der materiellen Darreichungen entsagte und für ihn mit den oben erwähnten Worten für die Krönung des Weihnachtsfestes (Noch tagelang flüsterte es in seiner Familie tonlos, ergriffen und ehrfurchtsvoll: „ER hat ihm ein frohes Fest gewünscht! Wie überaus großzügig…“) sorgte, zu demütigen.

 

 Aber was für ein Buch! Den dritten Teil einer Trilogie! Da steckt doch Absicht dahinter. Der wollte mich fertig machen! Und ich Depp fange dann auch noch an, das Druck-Erzeugnis zu lesen. Ob meines jüngst in einem Internet-Schnelltest ermittelten 135er IQs merkte ich natürlich bereits nach 200 der fast 250 gebundenen Seiten, daß da was nicht stimmt. „Worum geht es hier eigentlich?“ war die Frage, die mich von Seite 1 an bewegte.

 

 An Cleverneß gebricht es mir ja nicht, und so recherchierte ich im Einband. Und siehe da: Dort wurde des Rätsels Lösung offeriert! Ich las den dritten Band, ohne die beiden anderen zu kennen!

 

 Nennen wir es ein kleines Handgemenge, womit ich Herrn Rösler zur Rede stellte. Ein Privatpatient wäre nach solch einer kleinen Rangelei bereits nach vier, fünf Tagen wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden. Herrn R.s Kasse mußte zehn Tage Vollpension löhnen… Der vernarbt aber auch so langsam!!!

 

 Zumal immer wieder Reue-Tränen seinen Schorf näßten und den Heilungsprozeß innehalten ließen. Noch im Krankenbett entwarf er Wiedergutmachungs-Strategien, dieser Mißgeschicks-Vortäuscher. Denn als solches hatte er die Ein-Drittel-Beschenkung bezeichnet.

 

 Seitdem darf er zwar noch mit mir auftreten, erhält auch (für die Steuer-Abrechnung) weiterhin unerhörte 50 Prozent unseres Honorars, muß dies aber eine Stunde nach dem „MelanKomiker“-Event zuzüglich 20 Prozent Verzugszinsen mit einem „Bitte, Massa!“ bei mir abliefern. Das haben wir für die nächsten sieben Jahre so vereinbart. Dann, so versprach ich ihm in meinem mir selbst zu Herzen gehenden Großmut, senke ich die Verzugszinsen auf für ihn geradezu phänomenale 19,5 Prozent.

 

 Und nun die Sache mit den zwei Büchern für mich. Zu seinem Geburtstag. Meint Waldemar vielleicht, mich damit unter die 19-Prozent-Marke drücken zu können? Kommen diese literarischen Geschenke eventuell gar nicht von Herzen, sondern sind Ausdruck schierer Berechnung?

 

 Das muß ich morgen, wenn wir uns zum Abmischen der letzten Titel unserer neuen CD im Studio treffen, mal mit ihm klären. Also, Jürgen: Morgen nicht die Daumenschrauben vergessen! Die Streckbank habe ich ja schon im Studio „geparkt“, um in den Pausen zwischen meinen Gesangsaufnahmen, die die Welt nach ihrer Veröffentlichung um einiges reicher und schöner machen sowie wohl die Klimakatastrophe stoppen werden, mit Herrn R. ein wenig Spaß zu haben. Die Fuß-Riemchen kann er schon ganz allein anlegen!

 

 So. Nun aber genug von den Erniedrigungen, die ich mir von W. tagtäglich zufügen lassen muß. Ich recherchiere jetzt im Internet, ob es vielleicht schon einen Band 4 der Romanreihe, in deren Besitz ich nun dank Herrn Röslers bin, gibt. Sollte dies der Fall sein, wird all meine Güte, mein Hingezogensein, meine Herzenswärme mit der ich Waldemar in den Jahren unseres gemeinsamen Auf- und meines Über-ihn-Hinaus-Wachsens bedachte, von mir abfallen. Dann mache ihn RICHTIG fertig!

 

 Was provoziert der auch immer wieder den von euch allen ob seiner Sensibilität, seines In-sich-Gekehrtseins und vor allem seiner an Selbstverleugnung grenzenden Lobpreisung seines Kollegen ins Herz geschlossenen

  

Jürgen

 

PS. Waldi, es gibt bereits die Hörbuchfassung dieser Krimi-Reihe!!!!




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