Februar


26.Februar 2007


Das Leben des anderen Oscars

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 ich höre es immer wieder mal, mahnend irgendwem ins Gesicht baldowert: „Das Leben ist kein Tralala!“

 

 Vor allem aber ist es kein Hoppsasa möchte ich da, bezugnehmend auf meine kürzlich geschilderten Tanz-Erfahrungen, ergänzend hinzufügen.

 

 Obwohl wiederum mein Leben ja ein Tralala ist, denn damit verdiene ich immerhin meine spärlich belegten Brötchen. Und meinen Porsche, mit dem ich immer die hundert Meter zum Bäcker flitze. Ach, ich bin schon ein toller Porsche…

 

 Genau eben dieser fragt sich jetzt, nachdem der Film „Das Leben der anderen“ einen Oscar bekommen hat, was denn nun aus dem Film „Die Blechtrommel“ wird. Denn in DEM Film spielte ja ein Oscar mit. Ist der ab jetzt nicht mehr dabei?

 

 Und erst der Film „Oscar“ selber, für den Louis de Funes zwar keinen Oscar erhielt, selbst aber einer war – kommt dieser Cinemascope-Streifen nun ohne Hauptdarsteller und Titelfigur daher?

 

 Ganz zu schweigen von einem meiner liebsten Film-Sätze: „O Scar-let, ich liebe dich!“

 

 Mit „Let, ich liebe dich!“ kann ich mich jedenfalls nicht begnügen. Der Lette an sich gewiß schon. Aber diesem wird ja schon in dem sowjetischen Kino-Hit „Lette sich, wel kann“ (chinesische Übersetzung des Originaltitels) mehr als genug Ehre zuteil.

 

 Wieviele Oscars verträgt eigentlich ein Land? Eine durchaus berechtigte Frage, die mich ganz wilde macht. Sozusagen Oscar Wilde.

 

 Und was wird nun aus dem Oscar in uns allen? Was macht der ab jetzt in den „Leben der anderen“? Und wer sind sie, die anderen?

 

 Sind’s DIE anderen, die immer schuld sind? Na, dann haben sie aber diese Ehrung nicht verdient. Können aber andererseits auch wieder nichts dafür, denn schuld sind ja immer die anderen. Also wieder andere.

 

 So kommt eins zum anderen. Was’n Leben.

 

 Und ich mitten drin. In meinem eigenen. Frech wie Oscar! Stilsicher wie Kokoschka. Jünger als Lafontaine. Und überhaupt noch nicht hinüber! - http://www.orient.uni-freiburg.de/indologie/lehrkoerper/vonhinueber.html

 

 Mal sehen, was „Die Anderen“ (http://www.die-anderen.de) dazu sagen, daß sie nun alle Oscar heißen sollen, der Toster, der Dafty und Lehrer Lepsch. Oder wird aus dem Trio nun ein Quartett? Samt Oscar? Und war das überhaupt das Leben der drei Musikschaffenden, das da verfilmt wurde? Oder klagen die jetzt, und alles kommt dann ganz anders? Der Oscar wird aberkannt und zur Adoption freigegeben.

 

 Dann stünde ihm, je nachdem, wer ihn „erwirbt“, ein Leben mit Tralala oder aber Hoppsasa bevor. Und er könnte sich gleich „Jürgen“ nennen. Oder zumindest erstmal testen, wie sich’s als Waldemar so lebt.

 

 Wenn er das aushält, kann Ossi immer noch in die Rolle des zweiten Band-Mitglieds schlüpfen. Ins „Leben des anderen“.

 

Ich mach mich derweil zum

 

Oscar

 

 PS. Fein übrigens, daß die Amis wissen, wie’s in der DDR wirklich war, und diese 1:1-Abbildung der Wirklichkeit prämiiert haben. Und Saddam Hussein hatte Massenvernichtungswaffen!




25.Februar 2007


Durchgedreht und abgestürzt... 

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 was bin ich froh! Und erleichtert! Puh, gerade nochmal gut gegangen!

 

 Ich dachte nämlich, es hätte mich aus der Bahn geworfen. „Es“, das Leben. Naja, ich komme manchmal auf solch abwegige Gedanken, wenn etwas Außergewöhnliches passiert. Etwas, das nicht eingeplant war. Was einfach nicht auf dem Plan stand.

 

 Und was ist ihm passiert, dem Tastatur-Betreiber eurer Lieblings-Internetseite? – Er hat getanzt! Also ich! Getanzt! Huch!!!

 

 Nun ja, andere würden das, was ich da trieb, als Rhythmische Sportgymnastik oder einfach nur als Hüpfen bezeichnen, für mich aber war es die seltene Dreifaltigkeit von Musik, Körper und Schweben. Eiiiiiiinmalig! Ich glaube, daß sogar eine Drehung in meinem Repertoire war und auch zur Aufführung kam. Dieses gewagte Übungsteil, das ja schiere Lebensfreude im Überfluß auszudrücken vermag, baute ich aber nur einmal ins Tänzchen ein, um Schwindelanfällen vorzubeugen.

 

 „Wozu, und vor allem mit wem tanztest du denn, re-inkarnierter Nurejew?“ h&re ich euch lauthals raunen und dabei das Augenbräuchen fragend knicken. War’s Röslers Waldemar, das kleine Funkenmariechen aus Laue? No. Njet. Nein. Fajang (Koreanisch…).

 

 Die mich zu Ausfallschritten inspirierende Musik kam vorgestern abend von der rumänischen Blechblas-Band „Fanfare Ciocarlia“, die in meiner Heimatzeitung wie folgt charakterisiert wurde: „Eine derartige Musizierlust, ein derartiger Überschwang ist seit der Erfindung der Bechblasmusik kaum mehr durch Europa gewandert.“ – Aber hallo! Gewandert? – Gestürmt!

 

 Und meine Tanzpartner waren derer viele, denn nicht einen der rund 600 Leute im Leipziger „Werk 2“ überkam sie im Verlauf der mehr als zwei Stunden Rumänien-Hurrikan nicht: die Hüpf-, Tanz- und Springwut. Demzufolge tanzte ich auch mit Männern, was diesen wiederum wohl Albträume bescherte. Vor Neid. Denn mal ehrlich: Ich hörte mehrfach den hingestaunten Satz „Was’n Hüftschwung!“ Und da ich ihn selbst artikulierte, kann ja auch nur ich gemeint gewesen sein.

 

 So. Wegen all dem aber machte ich mir, im Nachhinein, tierische Sorgen. – Mein Leben verläuft nämlich eigentlich in, wenn auch sehr amüsanten, so doch auch festgefügten Bahnen. Ergo: Ich weiß denn fast immer, was mich erwartet. Tanzen – das war für mich in diesem Leben definitiv nicht mehr eingeplant gewesen. Und deshalb überfiel sie mich, die wilde Angst!

 

 Was würde als Nächstes kommen? Kaufe ich mir meinen ersten Anzug? Gar meinen ersten Schlips? Schocke ich meine Eltern und werde ebenso spät wie überraschend und unpassenderweise erwachsen? Schwöre ich dem an sich ja pekuniär nicht gewinnbringenden Sport endlich ab und konzentriere mich aufs Geldverdienen? Biete ich Herrn Rösler gar das Du an?

 

 Oh, da macht man sich schon Gedanken. Und deshalb beobachtete ich mich gestern den ganzen Tag über aufs Genaueste. Aber und Gottseidank: Alles beim Alten! Pünktlich halb 11 aufgestanden, um eins beim Squash mal mich, mal den Gegner frustriert, in der Sauna dann wie immer eine gute Figur gemacht (Ha!), anschließend nach Hause – und somit zum Höhepunkt des Tages, der alles wieder in anderem Licht erscheinen lies.

 

 Denn, daheim angekommen, ging ich, eines nicht gerade geringen Hungers gegenwärtig, aufs Ganze und beschloß, nach mehr als einem Jahr wiedermal das Zubereiten und Verspeisen einer Pizza zu wagen. So belegte ich denn das das dem Tiefkühlschrank entnommene Fertigteil mit Zusatzstoffen (Was die Industrie auf so’n Teigrad packt, ist ja lächerlich wenig…), gab dem Herd Saures, indem ich ihn auf 200 heiße Grad hochfuhr, und führte den Italien-Diskus ein.

 

 Back und brutzel! Und duft! Herrlich!! Dann massenweise Zusatzkäse auf die schon leicht verkohlten Ingredenzien, und nochmal vier Minuten Fegefeuer. – Fertig!

 

 Nun galt es nur noch, die Herdklappe zu öffnen, was mir spielerisch leicht und mit gierig geweiteten Äugelein gelang. Dann rechts und links am Backpapier, auf dem die Mafia-Schindel lag, angefaßt und die Pizza aller Pizzen maßgerecht auf den bereitgestellten überdimensionierten Teller verfrachtet. Jedenfalls beinah.

 

 Denn mitten in der Transportphase gen Teller riß das poröse Backpapier ohne Vorwarnung ein und änderte so die Flugrichtung des Pizza-Ufos abrupt. Scheiß Erdanziehung. Bzw. Küchenboden-Anziehung. Platsch! Ohne Pitti! Pizza und Jürgen am Boden. Pizza und Jürgen total geknickt!

 

 Gut, ich habe das Mittelmeer-Gebäck anschließend doch noch vom Boden gekratzt und dann zuerst den Teig sowie später den zusammengeklumpten Käse-Wurst-Schinken-Ball verzehrt. Aber ich hatte dabei sowas von gute Laune, wie lange nicht.

 

 Denn ab diesem Moment stand es fest: Der Tanz-Anfall war nur ein Ausrutscher! Ansonsten ist alles wie immer! Wenn man mal davon ausgeht, daß ich seit weit mehr als einem Jahr keine Pizza mehr zubereitet und gegessen habe, dann kann ich heute stolz behaupten, daß mir seit mehr als einem Jahr in schöner Regelmäßigkeit ALLE Stiefel-Leckereien in den Dreck gefallen sind. Sowas gibt dem Leben endlich wieder eine gewisse Beständigkeit. Da hofft man nicht mehr, da weiß man.

 

 So nahm ich’s denn, als ich mir heute früh den Kaffee über die Hose schüttete, wieder gelassen wie immer hin. So isser nun mal, der Jürgen.

 

 Und wenn er auch ab und an mal einen auf Nurejew-Junior macht – aus seiner Haut kann er nicht raus. Schon Stunden später kleckert, stolpert und strauchelt er wieder, das Auge stur in Richtung nächstes Fettnäpfchen gerichtet.

 

 Und ihr könnt gewiß sein: So klein auch das Näpfchen, einer trifft es mit seinen nicht mal gar so zierlichen Füßen immer:

 

Tanzbär Jürgen




22.Februar 2007


Sieben Wochen ohne Geld-Überfall

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 manchmal komme ich einfach nicht mehr hinterher, denn die Welt dreht sich schneller, als ich mich ab und an zum Schreiben bzw. Aufregen aufraffen kann. Deshalb nun heute die News von gestern: Die evangelische Kirche Deutschlands stellt die Fastenzeit unter das Motto „Sieben Wochen ohne!“. Punkt. Und aus.

 

 „Herr Gott!“ möchte man, wenn es nicht blasphemisch wäre, lauthals ausrufen. Überall im Lande wird mehr oder weniger originell plakatiert „Mach’s mit!“, und nun rufen die Evangelen zu einem 49tägigen Kamikaze-Testlauf auf. Die Katholiken halten es ja eh mit Ihrer Unfehlbarkeit, Gevatter Papst, und plädieren für immerwährendes Russisch-Roulett.

 

 Ich wiederum bin der Meinung: „Fickt euch doch ins Knie!“ Ob’s hilft, weiß ich natürlich nicht, aber lebensverlängernd wäre es für diesen und jenen wohl.

 

 Gut, liebreizende Lesewesen, ich weiß wohl, daß es die Kampagnen-Macher von Gottes Gnaden anders gemeint haben, aber könnten sie nicht wenigstens einmal a) ein bissel Verstand und b) ein bissel Sprachgefühl walten lassen. Oder einfach einen fragen, der beides hat, z.B. … (…und hier dürft ihr nun in Handarbeit auf eurem Bildschirm einen Namen eurer Wahl aufbatiken).

 

 Es sind doch wahrlich nicht die schlechtbezahltesten Leute, die für die Findung solcherlei Slogans herangezogen werden. Und trotzdem kommt meist ein derartiger Müll heraus. Fuck off!

 

 Apropos Müll: Gestern lauschte ich, per Auto zum Frühstück meiner Wahl huschend und somit dem Klima an sich den endgültigen Todesstoß versetzend, dem öffentlich-rechtlichen Spaßmacher- und Kalauer-Funk namens „MDR info“. Mal ehrlich, ich kenne alle anderen Inforadios im Land aus eigenem Erhören, aber sowas gibt’s (Gott sei Dank! – und da ist er wieder mit im Spiel, der Allmächtige) nur in Sachsen (eingeschlossen Sachsen-Anhalt und Thüringen, aber das ist ja für die Nicht-Ostdeutschen eh alles Sachsen)! – Und was vermeldete der Jingle-Weltmeister der ARD per nichtqualifizierter Sprecherin: Die Gerichtsverhandlung gegen zwei vermutliche Täter bei einem Geld-Überfall habe begonnen!

 

 Nicht genug, daß bei diesem Sender nicht nur „Außenreporter“ dem Heimat-Idiom unheilbar verfallen sind und auch Studio-Sprecher zumeist so artikulieren, als ob sie per Spracherkennung ihren Geburtsort erraten lassen möchten, nun heben sie auch noch neue Straftaten aus der Taufe: Geld-Überfall! Wenn es mal nicht bald einen Tot-Mord zu behandeln gilt. Ich glaube Geschlechtsorgan-Vergewaltigung ist auch nicht erlaubt.

 

 Keine Sorge, DIESER Sender prangert jene schlimmen Dinge beinhart an. Und leicht säch’sch doahergeloabert glingt’s ooch nich mähr so schlümm.

 

 Ich aber sollte all dem vielleicht nacheifern, Sprache Sprache sein lassen, auf Grammatik und Ausdruck pfeifen, alle Genitive in den Suizid quasseln und endlich ruhig sein tun. Das täte ´ne Lösung sein können. Einfach mehr Gelassenheit zeigen tun tun. Oder machen?

 

 Solltet ihr ab heute nichts mehr von mir lesen, dann habe ich diese Ratschläge beherzigt oder aber erfolgreich einen Geld-Überfall initiiert. Die Beute rühre ich aber erst in 49 Tagen an. Bis dahin gilt: "Sieben Wochen ohne!“

 

 Mit vielen Grüßen grüßen tut euch

 

Jürgen




20.Februar 2007


Verfordert?

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 zwischen zwei Kinderfaschingsveranstaltungen und jeglicher Narretei abhold, kann ich euch heute nur mitteilen, daß ich zutiefst verwundert bin.

 

 Jaha!

 

 Denn ich hörte vorhin in den Nachrichten des Deutschlandfunks, daß die Partei „Die Linke“ mehr Rechte fordert. – Gut, ich hielt es für einen Verplapperer, aber es war ja nicht „MDR info“, sondern der Deutschlandfunk. Und siehe da, eine halbe Stunde später kam es nochmals in den Nachrichten.

 

 Wenn die Linken jetzt nach mehr Rechten schreien, fordern wohl bald auch die Grünen mehr Rote. Und die Vegetarier mehr Fleisch!

 

 Die Autofahrerpartei tritt vehement für ein Tempolimit ein. Die Antisemiten harren erwartungsfroh ihrer Beschneidung, und die Polizei applaudiert mir, wenn ich wiedermal zu schnell per Auto durch die Straßen jage. Währenddessen fordert sie mich per Spruchband auf, noch ´nen Zahn zuzulegen.

 

 Ich sehe sie schon, die Feministinnen, welche auf der Prügelstrafe für Frauen beharren. Die Atomlobby investiert in Windräder, und die Atomgegner taufen ihre Sprößlinge auf „Atomino“.

 

 Frau Birthler stellt einen Aufnahmeantrag in die SED und sucht verzweifelt zwei Bürgen! Präsident Bush fragt schüchtern an, ob nach seinem Ableben nicht noch ein Plätzchen neben Towaritsch Lenin im Mausoleum frei wäre. (Keine Chance, habe ich mir schon gesichert…)

 

 Oliver Kahn fängt an, wie wild Selbsttore zu schießen. Martin Schmitt möchte plötzlich Skispringer werden!!!

 

 Deutschland fordert die Handball-Weltmeisterschaft für Frankreich, damit die endlich aufhören, sich über die Schiedsrichter aus dem Halbfinale zu beschweren. Frankreich aber lehnt dankend ab und schlägt seinerseits diese Schiedsrichter für den Friedens-Nobelpreis vor.

 

 Herr Escher vom MDR geht in sich und möchte nie wieder aus sich heraus. Die Deutschen schlagen Thomas Pommer vom NDR als Christiansen-Nachfolger vor.

 

 Alle Menschen dieser Erde treten verbissen für die Klimaerwärmung ein, nur ich fordere Schnee!

 

 Herr Rösler startet eine Solokarriere. Als klassischer Tänzer! Der Blinden- und Sehschwachenverband sponsort ihn…

 

 Ihr merkt schon, was die Linken da angerichtet haben. Nur gut, daß die Rechten keine Nachrichten hören. Und wenn doch, diese nicht verstehen.

 

 Ich aber verstehe so langsam auch nichts mehr. Nicht mal mehr Bahnhof. Aber ehe Mehdorn nun auch noch mehr Lkw fordert und Hitler wiederaufersteht und den Weltfrieden sichern möchte, besteh ich auch mal auf was Ungewöhnlichem: Alle Tage Karneval!

 

 Jetzt werde ich sicher binnen weniger Minuten erschossen. Von einem klardenkenden Pazifisten.

 

 Letzte linkische Grüße von

 

Jürgen

 

 PS. Ich ahne es übrigens, was heute abend die Schlagzeile in der Tagesschau sein wird: Leipzig bewirbt sich für die Olympischen Winterspiele! – Fast schon wieder normal…




18.Februar 2007


Sauerei!

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 da fängt man doch an, an Wunder zu glauben: Freitagabend, bevor wir in der Kulturmühle gastspielten, kredenzten uns die Wirtsleute die von Herrn Rösler und mit dort bevorzugte Rindsroulade mit Klößen – und wir (vor allem W.) schmatzten lauthals drauflos. Erstens: Hmmm! Und zweitens: Lecker!

 

 Heute aber, nicht mal zwei Tage nach dem kulinarischen  Event – und nun das Wunder – fängt es an: Das „Jahr des Schweins“!

 

 Unfaßbar, oder?

 

 Ich dachte vorhin sogar, es stürme schon wieder! War aber nur mein Kopf, der ob seines minutenlangen ungläubigen Schüttelns dermaßen Wind erzeugte, daß jedes Windrad blaß geworden wäre, ja gekränkt seine Flügel hätte hängen lassen.

 

 Beinahe hätten wir ein heiliges Tier verzehrt, denn auch Schnitzel waren auf der reichhaltigen Mühlen-Karte offeriert... Ui, ui, ui. Ging gerade nochmal gut. Lieber BSE, als sich mit den Chinesen anlegen, denn deren „Jahr des Schweins“ ist es ja. War aber auch irgendwie klar, daß das kommen mußte: allein schon diese kleinen schweinernen verschmitzten Äugelein.

 

 Wir alle können also heute in einem Jahr (und viele von uns erstmals) behaupten: Schwein gehabt!

 

 Die meisten werden dies allerdings mißverstehen, und ihr Leben auch bis zum 18.Februar 2008 wie immer verbringen: als Schwein. Nö, nicht mal als Ferkel, was ja was Liebenswertes hätte. Ich meine durchaus: als Schwein.

 

 Denn, mal ehrlich, viele unserer Mitmenschen haben nicht nur etwas Wellfleischhaftes an sich, sondern sie sondern auch verbale Äußerungen nur als Grunzen ab. Und stecken ihre Steckdosen-Nasen über all rein.

 

 Wie und was sie fressen: Na hallo, da quieken die „Mc Donald’s“-Aktionäre vor Vergnügen. Saufraß!

 

 Selbst ich habe manchmal Eisbeine!!

 

 Andere haben Koteletten!!

 

 In Sachsen wird es ab heute in einem Jahr bei vielen heißen: „Schwein diesem Jahr keine Träne nach!“ Und manche des Dialekts nicht Habhafte werden vor Lachen wiehern, wie sie immer blöde wiehern, wenn sie auch nur einen Hauch des sächsischen Idioms erhaschen.

 

 Dieses Wiehern bedeutet dann aber, daß wahrscheinlich als Nächstes das Jahr des Pferdes via China bei uns einreitet. Unsereiner haut sich deshalb in den kommenden Monaten mit den entsprechenden Buletten nochmal die Hucke voll.

 

 Zumal dann ein Mann namens „Rösler“ wohl endgültig dem Größenwahn verfallen und mehr Soli in unserem Programm einfordern wird. Rossige Zeiten kommen auf mich zu.

 

 Was kann man dann überhaupt noch ohne schlechtes Gewissen essen? Bislang war ich immer froh, wenn man mich aufforderte, mir doch mal ´ne Scheibe von Waldemar abzuschneiden. Und ich tat es gern. Denn ich habe da so’n altes rostiges und schön stumpfes Messer… Macht tolle Narben!

 

 W. wächst ja immer wieder nach. Das Schwein! Oh!! Das ist ja in diesem Jahr  das größte aller Komplimente. Damit macht man ab heute keinen mehr zur Sau! Selbst Beschimpfungen gehen so die Bache runter.

 

 Dann eber nicht.

 

 Und ob unserer Liebesbezeugungen fürs geheiligte Vieh werden wir ab heute alle zu Fußballern und frönen dem an sich leicht anrüchigem Hobby: Schweinsteiger.

 

 Um all das zu ertragen, betrinke ich mich nun ein Jahr lang täglich. Geld dafür habe ich reichlich, denn noch kurz vor Mitternacht meuchelte ich es: mein Sparschwein.

 

Total versaut grüßt

 

Jürgen




1 2 3 

Copyright © 2005-2006 Design by ITS-NETWORK.NET
Sie sind Besucher Nummer: 165108
JW-admin | News-admin