November


29.November 2006


Schwule Monate und Knister-Säcke

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 es gäbe zuwenig Liebe auf der Welt, wird flugsen Wortes immer mal wieder behauptet. Wirklich? Vielleicht ist es gerade genug? Denn wenn jeder jeden liebte – die Eifersuchtsdramen wären nicht auszudenken!

 

 Ein Hauen und Stechen sondergleichen würde ausbrechen. Bei den Männern ein Hauen, bei den Frauen ein Stechen – denn es heißt ja nicht umsonst DER Hau-bentaucher und DIE Stech-Mücke. Aber das war euch natürlich selbst sofort klar…

 

 Und wenn dann noch die gleichgeschlechtliche Liebe dazukommt… - Aber hallo! Das Antidiskriminierungs-Gesetz stellt diese ja sozusagen unter Artenschutz. Und was machen die Meteorologen: Sie diskriminieren. Nicht etwa mich, der ich ja von oben bis unten (und vor allem in der Mitte) hetetetetero bin, sondern die maskulinen Monate, die sich zu ihresgleichen hingezogen fühlen: Der Juli, der Oktober und nun auch noch der November – alle seien sie zu warm!

 

 Was geht das denn das Wetter-Vorhersagen-Verfasser-Pack an? Laßt doch die Monate ruhig mal machen! Zu warm – ha! Vielleicht gar noch zu schwul, äh schwül? Nee, Mädels und Jungs von der Wetterwarte (wo man ja nur das Wetter abwartet, wie der Name schon sagt), laßt mal den Monaten ihre Hobbys. Der Dezember, der Januar und der Februar sind beispielsweise IMMER zu kalt, jedenfalls aus meiner Sicht. IMMER!!! Aber rege ich mich deswegen auf und posaune dies auch noch in die Welt hinaus???? – Ja.

 

 Und ganz ehrlich: Mir war sogar der November zu kalt! Lockere 24 Grad Celsius tagsüber, da fängt doch Wärme und Wohlfühlen erst an! Ach, laß es 25 sein…

 

 Betrachtet all diese Auslassungen heute bitte als „Scoop“, also als exklusive Meldung. Und in „Scoop“, nämlich den neuen Woody-Allen-Fim, verschlug es mich am viel zu kalten Wochenende, sozusagen ins Warme flüchtend. Der Film – Sahne! Die Leute neben mir – Sahnebonbons! Aus der Tüte!! Aus der Knistertüte!!!! Und Chips!!! Die benötigen keine Tüte zum Knistern. Das sind Selbst-Knisterer. Und Getränkeflaschen aus Taschen!!! Das knistert nicht beim Rausnehmen, das klirrt!

 

 Draußen klirrt (jedenfalls beinahe) der Frost, drinnen der Nachbar! Und unter knisternder Spannung im Kino kann ich mir auch was anderes vorstellen als geräuscheerzeugende Deppen!

 

 Welche Hirnis gehen denn, verdammtnochmal, zum Fressen ins Kino???? – Immer mehr!!! Und sie fressen immer lauter!!!! Irgendwann wird es auch unhöflich sein, beim Biertrinken nicht mit den anderen Kino-Gästen anzustoßen. Da MUSS dann jeder eine Flasche dabei haben, sonst gibt’s eins auf die Rübe. Und Knister-Eis steht auch kurz vor der Patent-Erteilung!

 

 Ganz meiner humanistischen Gesamteinstellung und Bildung entsprechend, stelle ich nonchalant meine Bitte in der Raum: STEINIGT DIESE CINEMA-FRESS-SÄCKE!!!!!

 

 Denn, und das unterscheidet sie von den zu warmen Monaten: SIE STÖREN MICH!

 

 Und wer nun noch behauptet, es gäbe zuwenig Liebe auf der Welt, der führe folgende Person als Beispiel an: den frierenden

 

Jürgen




26.November 2006


Gebrechliches

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 ein großes Brechen geht durchs Land! Nein, nicht Angie, die sitzt ja heute, und zwar auf irgend ´nem Sonderparteitag.

 

 Aber der Frühling beispielsweise bricht. Und zwar aus. Gut so, du alter Sack, ich hatte dich schon vermißt!

 

 Und Axel Schulz bricht. Und zwar zusammen. Gut so, du junger Sack (von mir aus gesehen), ich hatte dich nicht vermißt.

 Und wir alle brechen. Und zwar Tabus. Ab und zu eine feine Sache. Aber, in Anbetracht der immer blöder und tabu-ahnungsloser werdenden Jungscharen innerhalb der deutschen Bevölkerungs-Pyramide, nicht immer zu empfehlen. – „Maßregelt die Jugend!“ wäre mein pädagogischer, aber leider völlig unbeachtet bleibender Rat an alle Eltern, Erzieher, Lehrer und Disco-Türsteher. Letztere werden den Rat nicht beherzigen können, denn er kann nicht bis zu ihnen durchdringen: Dazu müßten sie ja lesen können. – Sorry.

 

 Auch der Bevölkerungspyramide steht ja ein Brechen bevor. Ein Zusammenbrechen! Ach, mal ruhig mal.

 

 Obwohl das zusammen Brechen an sich ja nur unter seeeeehr guten Zechkumpanen praktiziert wird. Ansonsten ist das Solo-Übergeben immer noch der Normal-Fall. Und laßt uns dieses Tabu bitte nicht brechen. – Ich fänd’s nämlich zum Kotzen!

 

 Leider ist dieses Jahr ausnahmsweise mal kein Brecht-Jahr, in dem ja dann wieder allerorten  folgende Aufforderung ans Volk plakatiert wird: „Brecht!“ -  Und kommt man dem nach,  macht man sich erst richtig zum Bertolt…

 

 Auch Herr Rösler brach übrigens. Und zwar am Freitag. Mitten in der deutschen Hauptstadt. Der Typ brach…te er es fertig, daß im ausverkauften (! und nochmals !!) Alten Ballsaal während unserer durchaus denkwürdigen musikalischen Darbietungen hier nicht namentlich erwähnt sein wollende Damen jeglichen Alters und jeglicher Couleur schon in Erwartung der Nennung seines Namens oder gar seiner Berufsbezeichnung in ein wollüstiges Stöhnen solcherart ausbrachen, daß es wiederum mir das Herz brach. Putt! Und es hatte vorher so schön geschlagen… - Hat nun der Pazifismus in mir gesiegt? Mein Herz schlägt nicht mehr! Derzeit jage ich das Blut allein mit Hilfe des Pulses durch meine Adern. Pulse, mein Puls, pulse!

 

 W. war der Star des Abends! Ich aber spielte die Rollen von Amsel, Drossel und Fink auch nicht schlecht… Danke nochmal an all diejenigen, die das große Brechen an jenem Abend mit uns gemeinsam erleben durften. Genauer: das große Ausbrechen. Der Glückseligkeit! – Ihr habt uns wunderbare zweieinhalb Stunden bereitet. – Ich habe Herrn Rösler gestern auf seiner Wolke 7, auf der er seit Freitagabend residiert, besucht… - Mein Gott, wie kriege ich den nur wieder auf ein normales Level? Vielleicht breche ich einfach, und zwar die Beziehungen zu ihm ab.

 

 Jedenfalls für heute, denn morgen schellt der diplomierte Ingenieur schon wieder an meiner Wohnungstür, um ein Pröbchen zu nehmen, und zwar eins der musikalischen Art.

 

 Nun bricht sich natürlich im ganzen Land die Frage Bahn: „Was, ihr probt noch??? Ihr seid doch schon sooooo gut!!“

 

 Darauf kann ich nur ganz bescheiden antworten: Man kann immer noch besser werden! Ich denke dabei vor allem an Waldemar! Denn: Niemand ist perfekt!!!!!

 

 Außer

 

Jürgen




21.November 2006


Tabletten-Filme

 Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

  sie hat versagt! Meine Stimme! Bin ich deswegen ein Versager? Nein, denn Herr Rösler versagte nicht. Und zwar mir seine Hilfe. Versagt’s denn?

  Das alles am Freitag beim Konzert in Bad Karlshafen, und ob meiner immer mehr zunehmenden Heiserkeit wurde mir im Verlauf der zweieinhalb Stunden „MelanKomiker“-Darbietungen immer heißer. Man nannte mich Tom Waits, aber nachdem ich als Überschrift für die Kritik an dessen neuer Platte las „Singt er noch, oder kotzt er schon?“, weiß ich nicht, ob ich dafür dankbar sein soll.

  Jedenfalls hat Waldemar den ganzen Laden und somit den ganzen Abend geschmissen (im positiven Sinne), während ich (fast schweigend) dirigierte. Ganz schweigen – das geht ja bei mir nicht, wie jene, die mich kennen, nickend bestätigen werden.

  Nun will ich’s aber wissen und habe mir über dunkle Kanäle aus den Sphären der Drogenmafia (Waldi hatte da ´ne Nummer…) Antibiotika besorgt. Heissa! Und vor allem lecker!!! Und noch vor allemner: Man kann unglaublich dabei sparen: Geld und Zeit! Ein Hoch auf die Arzneimittelproduzenten, und all ihre Abzockerei an uns kleinen Beitragszahlern sei ihnen vergeben!

  „Wieso, weshalb, warum?“ höre ich euch rum-sesamen. Keine Angst: Der Onkel erklärt’s euch. – Es sind FILMTABLETTEN!!!!! Ey!!! Cool!!!!

   Damit habe ich mir gestern gleich einen „Tatort“ reingezogen. Mit der, die ich heute um 17 Uhr einwerfen darf, gehe ich auf Woody-Allen-Trip. Und sicher treffe ich irgendwo im Film-Nirwana auch Jürgen Vogel, der ja zur Zeit in jedem, aber auch wirklich jedem deutschen Film mitspielt. Was dem deutschen Film aber ausgesprochen … gut tut. Was ihr unbedingt sehen solltet: „Ein Freund von mir“. – Zur Not gebe ich euch dafür auch ´ne Tablette ab…

  Wenn nun noch meine Nase aufhört zu laufen (teilweise kaum noch einzukriegen, das flugse Ding), meine kleine Freundin Fieber sich wieder mal ´nen anderen Lover für heiße Nächte suchen würde und Kollege Husten das täte, was zwar unappetitlich klingt und aussieht, aber endlich an der Zeit wäre: abhusten, dann ginge es mir schon viel besser.

  Und auf dem „Friedhof der verstummten großen Stimmen“ gäbe es einen Ausbruch, der sich gewaschen hat, denn mein Stimmchen würde die von Herrn R. festverschweißte Grabplatte durchbrechen und als Sonnenstrahl auf all die gierigen Ohren den Balsam wohltemperierten Gesangs aufbringen, der ihnen seit Tagen versagt blieb.

  Herr R. aber könnte endlich wieder verstummen. Genug gejodelt, diplomierter Freund. Ja, immer nur die Aufmerksamkeit auf sich ziehen… Vor allem die der Frauen… - Damit ist jetzt Schluß, denn sobald ich wieder singen kann (Freitagabend in Berlin!), richtet sich der Fokus des Interesses wieder auf den wahren Stimm-Helden aus Sachsen, den ich hier namentlich wohl nicht zu erwähnen brauche.

  Freund W. kriegt zum Dank ´ne Filmtablette und muß sich zum tausendsten Mal meinen Lieblingsfilm ansehen: „Schneewittchen und die sieben Zwerge“, natürlich in der DEFA-Version.

 Und dann muß er alle Namen der sieben Zwerge auswendig aufsagen können, sonst darf er in Berlin nicht mitsingen!!! Und wie lauten die Namen? Richtig: Picke, Packe, Puck, Purzelbaum, Naseweis, Huckepack und … Rumpelbold! Letzterer war der Anführer, aber das ist ja schon eine Millionenfrage beim Bürschchen Jauch. Und die Million gönne ich Waldemar nicht.

  Wohl aber 

Jürgen

 




13.November 2006


Herbstliches Peitschen

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 was’n da draußen los? Regen peitscht, Sturmböen peitschen ebenfalls, sogar die kalte Luft peitscht! SM in der Natur???

 

  Da kann ich ja meine neue Peitsche, die ich so gern in einem gemütlichen Stündchen an Herrn R. ausprobiert hätte, gleich wieder einmotten. Jetzt, wo er schon auf dem Weg zum Musiker-Kollegen gepeitscht wird… - Schade um das schmerzverzerrte Gesicht. Ich hätte es genossen!

 

 „Dann peitsch' doch Ponys!“ schreit da mein zweites Ich aus dem Hintergrund, und ich kann nicht sagen, daß ich abgeneigt wäre. Das ist doch die absolute Rache des Früh-Erkahlten: Frisuren-Peitschen! Statt sinnloser Fransen zieren dann geschmackvolle Striemen die Stirn des Gemaßregelten… Fein!

 

 Wen noch peitschen? – Eltern! Und zwar für die „Erziehung“ ihrer Kinder. Denn leider schaute ich mir, grippal geschwächt und deshalb wohl nicht ganz Herr meiner Sinne, die Famílien-Folge von „Wer wird Millionär?“ an. Alle Sippen, die es auf den ominösen Stuhl bzw. die ominösen Stühle schafften, hatten ihre vor Gier zittrigen weiblichen Nachkommen dabei: Töchter! Und alle wollten: ein Pferd! Obwohl sie noch nicht mal ´ne Peitsche hatten, wie ich mal vermute.

 

 Aber was sich im Antlitz der Unter-Zehnjährigen bei steigenden Gewinn- bzw. Verlustsummen so abspielte, wie Geschwister-Haß und Gier immer deutlicher wurden und das Wort „Teilen“ regelrechte Pestbeulen hervorrief – ausgesprochen niedlich. Und der Einzige, der immer wieder versuchte, den verzogenen Gören kleine Brücken hin zum Sympathischen zu bauen, war der nette Herr Jauch. Mutti, Vati, Oma und Opa waren mit Gewinnen beschäftigt. Und teilweise, zugegebenermaßen, auch einfach doof.

 

 Der Doofste war natürlich ich, denn ich guckte zu. Bis zum bitteren Ende. Dann nahm ich die neue und, wie gesagt, eigentlich für Freund W. gedachte Peitsche und geißelte mich selbst. Für die versaubeutelten zwei Stunden Lebens.

 

 So schöne Sachen hätte ich in dieser Zeit machen können: zum Friseur gehen, Pferde züchten, Herrn Jauch heiraten oder Lieder über Kinder, die jegliche Dimensionen im Anspruchsdenken verloren haben, schreiben.

 

 Doch all dies tat ich nicht, sondern ging in mein Gestüt und peitschte meine Araber-Herde. Verbal. Und voran. Das alles mit den Worten: „Laßt euch nie von Kindern kaufen!“

 

 Ein zustimmendes Wiehern traf auf

  

Jürgen




09.November 2006


Nein, Eleven!

 

Liebe Lesende, lieber Lesender,

 

 schon wieder nine-eleven! Jetzt übertreiben sie’s aber. Hatten wir doch erst vor zwei Monaten. Aber unsereiner kann sich ja gegen den Kalender nicht wehren. Möchte er auch gar nicht. Zumal an nine-eleven immer so schön was zusammenbricht. Vor siebzehn Jahren gar die Mauer. Schwupps – schon war das Luder weg. Und ich stand da, ganz ohne antifaschistischen Schutzwall.

 

 Wie so’n Schüler vor dem neuen Leben, halt ein Eleve. Alles wollte ich haben! Und sofort! Die anderen wollten gar noch mehr. Nie sah ich gierigere DDR-Bürger.

 

 Doch dann sprach der große Wessi: „Nein, Eleven!“

 

 Und uns war klar: Schenken würde man uns nichts. Obwohl Weihnachten vor der Tür stand. – Doch was für Türen waren das damals schon… Da kam Weihnachten gar nicht gern rein.

 Zumal wir nicht mal wußten, wie Weihnachten mit Vornamen heißt. Wir zonale Deppen dachten immer, der Vorname von Weihnachten wäre „zu“, und so saßen wir zu Weihnachten um den ach-so-kärglich gedeckten Gabentisch und stopften die Stolle in uns hinein, von der wir später dann auch noch hören mußten, daß sie eigentlich der Stollen war. Und Weihnachten heißt vorne „an“. – Danke, kaputte Mauer!!!

 

 An Pfingsten habe ich schon an Weihnachten gedacht! Oder heißt es hier nun „zu“? An Pfingsten habe ich schon zu Weihnachten gedacht, was mich aber so ermüdete, daß mir die Augen anfielen. Nur gut, daß ich im Bergbau arbeite, im Stollen, denn da sah das keiner. Zu und für sich.

 

 Und das alles um Viertel nach Zwei, wenn ich es recht erinnere.

 

 Hier nun schwinge ich mich aber vom Eleven zum Lehrer auf und schreite verbal mit einem die Wessis zu Schülern degradierenden „Nein, Eleven!“ ein: Ihr dürft zwar weiter bescheuertes Deutsch labern, aber blickt, bitte, wenigstens herablassend auf die ostdeutsch-anpasslerisch euch Nachahmenden herab. Diese könnten es besser wissen, ahmen euch aber nur nach!

 

 Denn mal ehrlich: Zu Weihnachten werde ich, und zwar um dreiviertel acht, wieder Stolle essen. Bis viertel neun! Und zwar acht Stück. Dann esse ich ungebremst weitere drei Stück, so daß ich 45 Minuten später ausrufen kann: „Nine! Eleven!“ – Dies stehe ab heute auch für Uhrzeit mit Stolle.

 Und daran werde ich mich ewig erinnern! 

 

 Elfenhafte Grüße vom

 

Eleven Jürgen




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