Oktober


28.Oktober 2006


Saug-geil

Liebe Lesende, lieber Lesender,

   ok., ich bin älter geworden. Von einem Tag auf den anderen. Aber da das im Kreis von so vielen mir überaus wohlgesonnenen Freunden geschah, war es wie ein Jungbrunnen. Somit bin ich schon wieder 17! Und nächstes Jahr gucke ich dann meinen ersten „richtigen“ Film…

   Obwohl ich ja immerzu der Meinung bin, im falschen Film zu sein. Wenn gestern zum Beispiel allein dadurch, daß ich in der Küche Spüle Wasser abfließen ließ, sich meine Wanne im Bad von unten her mit gar unedlem Gewässer füllte – dann bringt mich das ins Grübeln.

  Den Klempner übrigens auch. Aber mittels zweier Saugglocken wurde dies Problem gelöst.

   Ich habe noch nie eine, geschweige denn zwei Saugglocken im Einsatz gesehen. Mit Klempner dran. Das alles durfte ich aber vor einer halben Stunde erleben! Live! Und was das absolut Irre ist: Es hat funktioniert! Kein teures Gerät, keine Infrarot-Rohr-Kameras, kein „Ich komme nächste Woche!“ – nee, am Samstag um 11 Uhr kam er, und damit sie, die Hilfe. Es ist immer wieder sehr schön, wenn er und sie gemeinsam kommen!

   Wenn ich nicht schon einen Diplom-Ingenieur persönlich kennen würde, wäre mein Traumberuf nun Klempner.

    Oder Milliardär. Dann aber mit zwei Saugglocken.

   Herr Rösler wird spätestens an dieser Stelle der Wortmeldung baß vor Erstaunen stutzen und murmeln: „Hat er noch immer keinen frauenfeindlichen Scherz über die zwei Saugglocken eingearbeitet… - isser krank?“ – Nein, Waldi: älter und reifer!

   Und damit ist auch die Zeit reif, und zwar reif, sich von euch zu verabschieden: für heute, für morgen, für übermorgen usw. – Nein, erschröcket nicht: Suizid liegt mir fern. Aber fern liegt auch das Reiseziel, in das es mich für drei Tage verschlägt: Madrid. Ich habe nämlich vier Hocker zuhause, denen ich gern eine Lehne verpassen würde. Und wo gibt’s da die größte Auswahl: bei den Madri-Lehnen. Ich weiß – übelster Kalauer. Aber so kurz vor der Abreise…   Vielleicht nehme ich auch eine kleine Saugglocke mit ins Handgepäck, um von den Mitreisenden bewundert zu werden.

   In Madrid selber werde ich dann vorsichtig sein, denn Großstädte haben es in sich. Man wird gar leicht um die Ecke gebracht. Obwohl man gar nicht nach dem Weg gefragt hat. Um-die-Ecke-bringen finde ich eck-lig. Eck-stra eck-lig sogar. Ich würde auch niemals meine  Eck-s um die Ecke bringen. Nicht mal meine beiden richtigen ehemaligen Eck-sen.

   Da fällt mir wiederum auf, daß ich genau so viele Ehemalige habe wie ein Klempner Saugglocken. Das hat was zu bedeuten!!!! Und zwar: nichts. Denn: Saugglocken kommen nicht zu Geburtstagen, ja sie gratulieren nicht einmal. Ehemalige schon. Wenn auch nur zu fünfzig Prozent.

   Was wiederum der Garde der Saugglocken eine wesentlich höhere Geschlossenheit bescheinigt als der der Exen. Und daß Männer sich lieber mit Saugglocken einlassen sollten, liegt ja so abseits des Vorstellbaren nicht.

   Also Männer: Grüßt eure Saugglocken (Habt ihr schon die neue aus rotem Latex mit den grünen Noppen zu 34,99 €? – Ein Muß!)!

   Mädels: Haltet euch weiterhin an Diplom-Ingenieure, Klempner und den nun für vier Tage verstummenden  

Jürgen




23.Oktober 2006


J. und W. in D.

Liebe Lesende, lieber Lesender,

ich lebe noch. Denn: Die Hoffnung stirbt zuletzt!

 Da kann sich Herr W. noch so schöne Verbrennungs-, Urnenbeisetzungs- oder Seebestattungs-Zeremonien für mich ausdenken – wenn posthum in rund 500 Jahren einen Tag nach seinem Dahinscheiden die ihn darstellende Statue „Der verzweifelte Mandolinen-Spieler beim Stimmen“ im Großen Saal des Gewandhauses zu Leipzig enthüllt wird, dirigiere ich den Chor des Hauses, der dann mit Hits wie „Das war Waldemar“, „Sein Freund war Ingenieur“ oder „Der Ur-Ur-Opa aus seiner Band“ die Himmelspforten für den diplomierten Ingenieur weit aufreißen wird.

 Und keine Angst, Waldi, du mußt die Tür nicht hinter dir zumachen, denn einen Tag später komme ich nach, weil sie noch ´nen Tag später schon ansteht: die erste Himmels-Mugge.

 Gott hat übrigens schon gebucht, nachdem er ja im neuen Programm namentlich sowie sogar mit einem Farbfoto gemeinsam mit uns das Publikum verzaubern durfte.

Welches wiederum uns verzauberte – bei der Vorpremiere von „Alabaster-Körper“ am Freitagabend im Schloßkeller zu Delitzsch, wo ja wir zwei beiden vor gefühlten 20 Jahren das Narva-Licht der Welt erblickten.

 Was haben wir gelacht! Nun gut, nicht bei der Probe am Nachmittag, bei der wirklich alles schief ging, aber dann am Abend: das Publikum über Herrn Rösler, Herr Rösler über sich, Frau Rösler über Herrn Rösler, und ich über das überzeugende Gedicht, welches uns der „Fanclub Universe, Sektion D“ ins Gästebuch schrieb.

 

 Vereinzelt erhielt ich nach der Mugge sogar Angebote zum nächtlichen Kuscheln, die ich aber beharrlich ablehnte! Das zeugt erstens von Charakter, zweitens aber auch von Geschmack, denn sie kamen alle von einem gewissen Waldemar. Und mit dessen Frau möchte ich es mir nun schon gar nicht verscherzen. Sonst sind beim nächsten Mal, wenn ich in ihrer Heimstatt mein kostenloses Mahl einnehme, rein zufällig die Hunde los… Auch der Waldi!

 Am Samstag verfolgten Herr Rösler und ich dann gespannt, wie, mitten in Deutschland, eine neue Mauer ihrer Errichtung harrt. Kölleda soll von der Außenwelt abgeschnitten und –geschirmt werden. In Gänze. Also alles. Ringsrum.

 Zweimal näherten wir uns der geplanten Spielstätte laut Navigationssystem bis auf vier Kilometer – dann waren alle Verbindungswege gekappt. Waldi glaubte sogar, schon Gerüste für den Bau von B-Türmen im Abendlicht zu erkennen. Nett grüßten die Führer der Hundestaffeln, die an uns vorbei zum Einsatz marschierten, und gaaaanz undeutlich vermeinte ich das Wort „Vergatterung!“ zu hören…

 Kölleda, steh’ auf! Heute ist Montag. Zeit für ´ne Demo! Noch ist es nicht zu spät! Denn wenn selbst wir nach vierzig Minuten Fahrt für vier Kilometer Luftlinie die in Bau befindlichen Grenzwälle am Samstag noch durchbrechen konnten, werdet ihr das auch schaffen. Denn ihr seid, wie wir vorgestern dankbar feststellen konnten, mehr als wir!

 

 Kämpft! Baut die Straßen wieder auf! Schüttet die als in Bau befindliche Bahnübergänge getarnten Grenzgräben wieder zu.

Und ´s Gridl soll eure Anführerin sein!

 Denn ich habe es am Samstag in Kölleda gelernt: Die Koseform von Ingrid lautet „´s Gridl“.

 Das möchte ich nie und nimmer gridlsieren!

 Wiederbelebte Grüße von

´s Genl




11.Oktober 2006


Für zwischendurch

 

Liebe Lesende, lieber Lesender,

so, nur mal kurz zwischendurch: Das letzte Lied fürs neue Programm ist fertig. Ich bin’s auch.

Herr Rösler kennt das Lied noch nicht, und das ist gut so. Viiiiiiiel Text für ihn!!!

Damit kann der Freitag nächster Woche, und damit die Zelebrierung all der Neuheiten in D., kommen.

Wenn dann noch ein paar Leute kommen, kommen wir auch. In Fahrt. Und in Wallung. Wenn’s anschließend sein muß – auch in Waltraud. Ob sich aber Waldi das traut? Zumal er ja noch getraut ist. Die Traute fehlt im sicher. Mir fehlt Traudel.

„Traudel nicht so rum!“ ruft da mein zweites Ich.

Na gut, das war’s für zwischendurch.

Jetzt traudelt auch noch mein Pullover auf, verzweifelt, wolle-wickelnd,

Jürgen




10.Oktober 2006


Mein Gott!

 

Liebe Lesende, lieber Lesender,

ich werde ganz schön unter Druck gesetzt! Ehrlich! Und wer ist mein Drucker: der allseits bekannte Waldemar, von mir auch Herr R. genannt.

 Bislang war alles so schön einfach. Und normal. Vor allem aber: geregelt. Entfleuchte meinem teilweise ganz sicher nicht normgerecht verkabelten Gehirn ein Liedtext, setzte ich mich hinterher samt Gitarre nieder und vertonte das Konglomerat meiner Ideen. Ja, ich weiß – mehr schlecht als recht. Mit einigen Ausreißern nach oben und unten.

 Immer öfter griff ich deshalb nach Herrn R. und damit mir selbst unter die Arme, indem ich ihm den Text vors gierende Auge hielt und Folgendes ins aufnahmebereite Antlitz lautierte: „Die Musik für den Refrain ist fertig, mach du mal was für die Strophe…“ – Und er machte. Machen kann er übrigens gut. Später sogar ganze Musiken für Texte, zu denen mir musikalisch nun gar nichts einfiel. Irgendwie macht-besessen, der Waldemar.

 Nun aber setzt er mich dermaßen unter Druck, daß ich mich frage: Macht man denn sowas? Oder besser: Macht Mann denn sowas? – Er macht’s:

Wirft mir am Sonntag eine Melodie vor die Füße und fängt dann seinerseits an, verbale Aufforderungen zu artikulieren: „Mach doch da mal ´nen Text zu!“ Selbst mein Einwand, daß man einen Text weder auf- noch zumachen kann, ließ er an seiner stahlharten Miene abblitzen. Blitz!

 Mönsch! Noch eine Woche und zwei Tage bis zum neuen Programm in unserer Geburtsstadt D., und zwölf völlig neue und von uns noch nie öffentlich gespielte Lieder harren der Ohren der Ohr-Einwohner – das ist wahrlich genug, zumal die Liedlein noch gehörig geprobt gehören. Doch nein: Nun sind es 13! Danke, Herr Rösler!

  Das kann nicht gutgehen. Also bin ich nun wiederum gezwungen, ein vierzehntes zu schreiben. Lied natürlich, nicht etwa Suizid-Begründungs-Verdikt.

 Und das bedeutet: Druck!

 Deshalb mache ich heute erstmal gar nichts, fahre auf einen Espresso in die Stadt, lasse es mir gutgehen und ignoriere Herrn R., der tagsüber sowieso auswärts ingenieurt. Pardon: diplom-ingenieurt. Morgen aber, wenn wir uns wieder ins Antlitz blicken, er also, wie es sich gehört, zu mir aufschaut, werde ich ihn mit Textmaterial zuschütten, das er dann auswendig lernen muß.

 Das liebt er! Viel Text! Das hat er richtig gern!!! Davon kann er nie genug bekommen! Das setzt ihn gewaltig unter Druck!!! Mächtig gewaltig!!!! Da hat er dann keine Zeit mehr, noch mehr Melodien herausfordernd in meinen derzeit von Instrumenten übersäten bzw. zugemüllten Wohnbereich hineinzuventilieren.

 Vielleicht mache ich dann aber auch noch einen auf versöhnlich und mindere den Druck. Durch Drücken. Ans Herz. Sollte danach einer von uns beiden an Herzdrücken verscheiden, werde ich W. eine schöne Trauerfeier zelebrieren. Mit Texten von mir. Und Musik von ihm. Das macht so munter, daß er der Erste sein wird, der nicht etwa nur aus dem Sarg wiederaufersteht, sondern sogar aus der Urne. Zwar aschfahl (Ha!), aber immerhin wieder unter uns, der Waldi.

Das macht ihn dann zu einer Art neuem Gott. Und so haben wir auch gleich die ganzen Religionsprobleme dieser Welt nebenbei mitgelöst. Waldi ist Gott!!!

 An Gott glaubend und wie immer an ihm verzweifelnd, zumal ich ja jetzt weiß, wie er aussieht, grüßt euch

Papst Jürgen




07.Oktober 2006


Bimsenwahrheiten

 

Liebe Lesende, lieber Lesender,

doch, doch, ich habe ein ganz klein wenig ein schlechtes Gewissen. Aber die verbalen Ergüsse meinerseits mündeten in den letzten Tagen mehr in Liedtexte als in Kolumnen zu „Jürgens Welt“, denn der 20.Oktober, und damit die Vorpremiere unseres neuen Programms rückt verdammt noch mal immer näher.

´s wird also Zeit, und zwar höchste! Wie immer. Hochzeit, sozusagen. Zumal dann ja all die Texte und Harmonien auch noch in Herrn Röslers wohlgeformten Schädel hineingebimst werden müssen. Beamen klappt leider noch nicht. Bimsen schon. Aber bimsen macht Mühe, denn der Dichter spricht ja nicht umsonst: „Anmut sparet nicht, noch Bimsen!“

W. aber besteht auf leichtem Bimsen. Ein auch nur etwas härterer Schlag durch mich mit dem von mir extra erworbenen Bimsstein – und schon ereifert sich der Herr. Und zwar aufs Äußerste! Dabei sagt schon das Sprichwort: „Wer zweimal bimst, den klaut man nicht!“

Ich jedenfalls war extra im Bims-Steinbruch, um ein schönes scharfkantiges Exemplar auszusuchen. Schmerzt zwar mehr, wirkt aber… Und die Reaktion? – Nicht mal „Danke!“ hat er gesagt. Klang mehr wie „Aua!“ – das Weichei. Also: Weich-Ei. Nicht Wei-Chei. Kennen wir ja aus der Klassik: „Oh, Wotan, weichei von mir!“

Mittlerweile meldet sich Freund W. auch am Telefon nur noch mit „Ich bims’!“ – Dabei geht Bimsen ja nur zu zweit. Einer muß doch den Stein auf die aufnahmebereite Birne des anderen dreschen! Und ich bin ein guter Drescher! Früher drosch ich Stroh, jetzt Rösler. Ein wunderbarer Entwicklungsprozeß. Meist komme ich zum Event mit der Droschke. Das hat Stil! Bereitet W. aber Verdrosch… Ich mach aber droschdem weiter. Und spende: Droschd.

Übrigens wollte Herr Rösler besonders clever sein und hat sich für die Phase des Text-Lernens mal kurz an die Ostsee abgesetzt. Nach Rügen, bzw. auf Rügen. Also nach auf Rügen. Genauer, und jetzt kommt’s: nach Bims!!! Das Schaf.

Als ich dann ihn, der immer noch bar jeder Text-Kenntnis war, aus Binz wieder heimholte, artete das für ihn durchaus in eine Heimsuchung aus. Dank meiner. Tja, das ging in die Bimsen…

Jetzt möchte er, daß ich die Texte per Handy übermittle: Simsen statt bimsen! Ja, wo sind wir denn hier????

Alles wird aber irgendwie noch gut, denn ich habe aus den Tiefen meines Hirnchens einen Zauberspruch der Extraklasse ausgegraben, der eigentlich immer hilft und auch hier abschließend alles zum Guten wendet: „Simsalabims!“

Jürgen




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