August


31.August 2006


Neue Redewendung  

Liebe Lesende, lieber Lesender,

  es begab sich zwar schon vor einiger Zeit, huschte heute aus mir unerfindlichen Gründen aber wieder in mein Hirnchen, und da es mir selbst beim Erinnern Freude bereitete, sei es nun hier in aller Kürze preisgegebenstrong2. Das Anekdötchen.

  Als vor ca. zwei Jahren Umzugs-Wirrwarr meinen Lebensalltag bestimmte, oblag es mir, die mit der damaligen Lebensabschnitts-Gefährtin (Grüße!) georderten Möbel im neuen Heim in Empfang zu nehmen. Der weibliche Teil der damaligen (nicht etwa schlagenden) Verbindung versuchte unterdessen, die Weltmeisterschaften im Gewichtheben (…oder waren’s die im Sumo-Ringen?) nach Leipzig zu holen.

 Beide Unterfangen hatten es in sich, doch das meine war von Erfolg gekrönt. Möbel um Möbel möbelierte das sehr großräumige neue Heim.

 Da begab es sich, daß die Lieferung der Riesen-Couch für das Wohnzimmer anstand, und da das Monster sich in seiner Form nur schwer der Treppe Windung anpassen wollte, hatten die Kollegen Lieferanten ganz schön zu tun. Ich half wie immer selbstlos. Mit verbalen Tips wie „Das wird wohl nichts!“ oder fragte teilnahmsvoll: „Ist wohl ziemlich schwer?“

 Doch nach zwei Tagen, die mir wie 30 Minuten erschienen (oder andersrum?), war es soweit: Das Abruh- und Beziehungs-Anknüpfungs-Mobilar hatte seinen Bestimmungsort erreicht, und ich gönnte mir samt der beiden transportablen Kollegen jeweils ein Täßchen heißen Kaffees. (Nur mal nebenbei, liebe Radiosprecher, von denen ich das immer höre: ´ne heiße Tasse Kaffee ist was ganz anderes und bestimmt nicht das, was ihr, unbedarft daherlabernd, meint. Ihr solltet euch aufs Kaffeesaufen beschränken und schweigen! Macht endlich den Till!)

 Doch zurück: Während des Kaffee-Genusses plauderten die Couchos munter mit mir und brachten ihre Verwunderung ob der Weitläufigkeit des von nur zwei Personen zu bewohnenden Terrains, das ich heute immerhin tagtäglich allein füllen muß, zum Ausdruck. „Ja“, antwortete ich prahlhanslerisch, „wenn ihr vom Bad in die andere Richtung gegangen wäret, hättet ihr noch die Schwimmhalle, den Reitstall sowie meinen Hubschrauber-Landeplatz gesehen.“

 Darauf der jüngere der Möbellieferanten ganz lässig fabulierend:

  „MEIN VATI IST AUCH SCHEICH!“

 Ein gar seltener Gedanke schoß da in mein Oberstübchen, nämlich: „Köstlich!“, und sofort zweckentfremdete ich das neue Möbelstück, um mich darauf zu kringeln. – Was haben wir gelacht!

 Sollte euch das alles nicht interessieren, bitte ich darum, es JETZT sofort wieder zu vergessen.

  Ansonsten flehe ich aber alle Nicht-Vergesser an, dies doch zu einer gebräuchlichen Redewendung im deutschen Sprachraum werden zu lassen.

 „Mein Vati ist auch Scheich!“ – so sollten wir ab heute allen Großkotzen dieser Welt entgegentreten!

 Ab jetzt!

 Total aufgescheicht grüßt, vor allem meine Mutti,

Jürgen




29.August 2006


Abbitte an einen Freund  

 

Liebe Lesende, lieber Lesender,

  oh, fällt das schwer! – Muß aber sein!! Also:

 Ich habe Unrecht getan. Ich habe IHM unrecht getan! Ich, der Gerechtigkeitsfanatiker, der Guru aller Verleumdungshasser, die personifizierte Glättungswoge im Meer der zu Unbill führenden Erregungen, die Tangente am Kreis des Wohlwollens. Es erschüttert mich tief, ja tiefer, doch ich weiß: ICH BIN NICHT SCHULD!!! Oder, neudeutsch: Ich bin’s nicht schuld…

  „Hossa, er redet wieder mal in Rätseln!“ werdet ihr jetzt vielleicht denken. Oder gar: „Was hat der denn geraucht?“ – Doch wisset: Ich rauche nicht! Doch bitte ich heute ihn, den ich hier immer nur in ehrender, ja vergötternder Weise zu erwähnen mir erlaubte, auf ein Pfeifchen. Auf ein Friedens-Pfeifchen!

  „Waldemar Rösler, verzeih!“

  Am 3.April trug  es sich zu, daß ich mich hier, in meiner eigenen Welt, vergaß. „Ein Kabel locker“ nannte ich Unwürdiger diese Auslassungen, die in der auf Herrn Rösler bezogenen Frage gipfelten: „Warum läßt man solche Leute überhaupt studieren?“ – Heute frage ich mich: „Warum darf sowas wie ich überhaupt leben?“ und werfe mich vor dem damals, wie ich heute weiß, zu Unrecht der Fehlerhaftigkeit Geziehenen in den Schmutz. Gut, das ist bei mir zuhause nicht sooo schwer, ich muß halt nur irgendwo im Wohnbereich vornüberkippen. Der Schmach, die ich empfinde, verleiht es trotzdem nur unzureichend Gestalt.

  Es war der bayerischen Kinder Ruf „Jürgen, wir möchten deine Lieder hören!“, der mich am Sonntag gen München ziehen ließ. Wie immer begleitet von meinem Auto, das übrigens in selbiger Stadt zur Welt kam. Dort, schien es, wollte es denn auch für immer dahinscheiden, denn bereits 100 km vor dem Erreichen des Kinderlieder-Event-Bestimmungsortes begann es zu kränkeln, ja innezuhalten, sich zurückzunehmen. Ach, die Geschwindigkeitsbegrenzungen auf den Schildern links und rechts der Fahrbahn waren keine Aufforderungen zur Mäßigung mehr, sondern stellten Herausforderungen noch oben dar, denen der Wagen (!) nicht gewachsen war. Kurzum: Wir waren die Langsamsten auf der gesamten A 9, mein Auto und ich…

  Doch, Glückes Geschick, wir kamen immerhin noch an, erfreuten die dortige bajuwarische Kinder- und Elternschar, wurden jedoch vom nicht helfen könnenden Automarken-Service gewarnt, einen Heimfahrt-Versuch zu starten.

 Da ein Kolumnen-Schreiber meines Formats überall auf der Welt Freunde hat, stellte die Übernachtung kein Problem dar (Danke nochmal an Regina und Steffen für den Schlüssel zum Obdachlosenheim…), und schon 6 Uhr am nächsten Morgen stand ich dort, wo man sich eigentlich hinlegen, zumindest aber setzen sollte: vor der Niederlassung der Automarke.

  Nein, ich möchte das Hin und Her, das Ob und Wie der Möglichkeit, die Karre noch am gleichen Tag wieder fit zu bekommen, nicht schildern. Ich war aber, scheint’s, überzeugend. Kostenvoranschlag 2000 €! Da wußte ich, warum es Niederlassung heißt. Ich ließ mich.

  Heftige Vermutung der Werkstatt: die Injektoren seien es. Guck an! Das Wort hatte ich schon mal gehört. – Dann aber gegen 16 Uhr Entwarnung von allen Seiten: Erstens – Auto repariert. Zweitens: Es waren nicht die Injektoren, sondern nur ein kaputter Kabelbaum, was sich in einer Rechnung von 200 € niederschlug. „1800 € gespart!“ würde nun jedes Kaufhaus im Lande für die Doofen unter uns plakatieren…

  Ich war sehr froh, doch keimte im Hinterkopf, also im behaarten Teil meines Schulter-Zierers, ein gar schröcklicher Gedanke: Das hatten wir doch schon mal! Der gleiche Fehler am Auto! Vor vier Monaten! Und Herr Rösler wagte es damals, lapidar zu mutmaßen: „Das kann nur ein lockeres Kabel sein!“

  In meiner Heimatwerksatt wurden jedoch defekte Injektoren diagnostiziert, wobei sie nur einen der sechs auswechseln konnten, da nicht genügend auf Lager waren. „Die anderen müssen aber auch bald dran glauben!“ gab man mir mit auf den Weg.

  Dies nun in der Münchener Werkstatt zur Sprache bringend, mußte ich die Antwort „Das wäre sicher alles nicht nötig gewesen!“ über mich ergehen lassen.

  Was aber scherte mich in solchem Moment pekuniärer Verlust, wo ich einem Mitmenschen Unrecht angedeihen ließ,  der mir sein Ingenieurswissen unentgeltlich zur Verfügung gestellt hatte. Spott, Hohn, ja Herablassung prasselten auf ihn nieder! Ich machte ihn, was ich nun bin: fertig!

  Deshalb hier und in aller Form:

  Waldemar Rösler, die letzten vier Monate sah ich dich und deine Schulter in falschem Licht! Es war nicht die Schulter eines bildungslosen Losers, das Armbefestigungsgestänge eines Titel-Trägers aus DDR-Zeiten, der sich heute im Dschungel des kapitalistischen Technik-Alltags nicht mehr bewährt, nein: Es war und ist die Schulter eines ganz Großen der Szene. Der Diagnose-Szene. Der Ingenieurs-Szene. Der Intellektuellen-Innung. Die Schulter eines Allwissenden. Eines Kabel-Innenleben-Kenners. Eines Kabelators. Eines Kabel-Jaus! Einer Heidi K.!!

  Ich rufe es der ganzen Welt, ja Europa, ganz Deutschland in den Grenzen von 2006 sowie Sachsen in den Grenzen des geistigen Horizonts seiner Bewohner und Leipzig in den Grenzen von Egon Grenz zu:

 MEIN FREUND IST INGENIEUR!!!!!

 Ab morgen nenne ich ihn Heidi!

 Auto-gen grüßt 

Jürgen




25.August 2006


Nur geradeaus!

Liebe Lesende, lieber Lesender,

 gerade hat sich Herr Rösler per Mail bei mir gemeldet und verkündete, nur eine Woche nachdem ihm die neue Schulter transplantiert wurde: "Ich kann wieder Autofahren. - Aber nur geradeaus!"

 Eine kleine, aber wesentliche Einschränkung, finde ich. Was er so allein an Stromkosten für die Blinker spart..., der Geizhals. Und dann an den Kreuzungen dieses ständige Belästigen der Mitbürger: "Würden Sie mich, samt meines Autos, mal um die Kurve tragen?" - Widerlich!!!

 Zumal die Formulierung "samt meines Autos" keine Sau mehr versteht. Die hat er nämlich von mir geklaut. Wobei ich natürlich "samt meines Wagens" zu formulieren pflege: "Wurde ich doch gestern, samt meines Wagens, von der Polizei fotografiert..." 

Also: Solltet ihr in den nächsten Tagen hinterrücks auf der Straße mit ebenjenem Wunsch eines leicht verwirrt dreinblickenden Autofahrers konfrontiert werden: Ignoriert ihn! Und informiert mich! - Ich fange ihn dann wieder ein...

 Was werden soll, wenn er vielleicht sogar bald wieder selbständig laufen kann, weiß ich allerdings auch nicht!

 Sorgengepeinigte Grüße vom Pfleger

Jürgen




24.August 2006


Ja und nein

Liebe Lesende, lieber Lesender,

  sie haben ihn! Den zweiten Koffer-Bomber. Soll irgendwie ein Verwandter von Mehdorn sein... - Kleiner Scherz! Das kann ja auch nicht sein, denn der Attentäter wollte den Reisenden ja Schaden zufügen und hat es NICHT geschafft. Zu blöd! Mehdorn dagegen...

 Ich sage also aus vollem Herzen "Ja!" zur Festnahme, denn was man hat, das hat man.

 Und ich sage aus vollem Herzen "Nein!", denn ich werde auch weiterhin nicht mit der Bahn fahren: zu teuer, zu unpünktlich, zu mehdornig. Und außerdem besitze ich keinen Koffer. Nur Reisetaschen. Das disqualifiziert einen ja regelrecht.

 Ich bleibe also auch in Zukunft das, was viele Züge ob des Terrorverdachts in den letzten Tagen nicht sind: abgefahren.

 Mit entgleisten Zügen grüßt

Jürgen

 PS. Das Lied "Ich hab' noch einen Koffer in Berlin..." haben wir kurzfristig aus unserem Repertoire genommen. ´s war einfach lästig: ständig diese GSG 9 auf der Bühne...




23.August 2006


Su-Peer!

Liebe Lesende, lieber Lesender,

  na, lange nicht wütend gewesen? – Ich bin’s gerade! Und nur, weil ich meine Heimatzeitung, die früher sogar mal mein Arbeitgeber war, also die „Leipziger Volkszeitung“, relativ gründlich las.

  Und was fand ich im immer boulevardesker werdenden Blatt: eine Umfrage zu Peer Steinbrück! Nein, dies ist nicht der kleine Betonfresser, den Loriot alias Professor Grzschgrzimmek (oder so…) einst entdeckte,  sondern unser aller Bundesfinanzminister. Ihm wird ja die Aussage angedichtet, der Deutsche solle doch auf seinen Urlaub verzichten und das Geld lieber für seine Altersvorsorge anlegen.

  Hat er aber so nicht gesagt, denn er erwähnte nur in einem Nebensatz eines sich um völlig andere Dinge drehenden Interviews, daß es doch auch nicht schaden könne, vor der einen oder anderen Reiseplanung mal daran zu denken, daß ja auch die Altersvorsorge nicht gaaanz so unwichtig sei.

  Doch was interessiert das „BLÖD“, „Super-Illu“ oder gar LVZ? – Nein, hier wird dem Volk noch aufs Maul geschaut. Und das reißt es auf: „Drecksäcke, die da oben!“, „Die sollen mal bei sich anfangen zu sparen!“, „Das ist ja wohl das Letzte!“ und dann der beliebte „Escher hilft!“-Satz: „Immer auf die Kleinen!“

 Nun bin ich ja der Meinung, ein Kleiner ist nur, wer sich auch klein macht bzw. machen läßt. Und ich bin vor allem der Meinung: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold!

  Muß denn  jeder Depp vor jedem Mikrofon, an dem einigermaßen normale Mitbürger negierend und um das Prolltum des jeweiligen Senders wissend vorüberschlendern, stehen bleiben und seinen „Volkszorn“ ablassen? Hat wirklich jemand erwartet, daß auch nur EINER, der der Meinung ist, Altersvorsorge sei nicht unwichtig, Zeit oder gar Muße hat, in ein „RTL“-besticktes Mikrofon zu sprechen?

  Könnt ihr nicht einfach mal schweigen, liebe Mitbürger, und euch nicht immerzu schlecht behandelt fühlen? Hallo, es ist eine FREIE Gesellschaft! Ihr MÜSST euren Urlaub nicht canceln! Ihr könnt den Herrn Minister auch einfach sagen lassen, was er möchte! Und er seinerseits hat im Konjunktiv gesprochen.

  Ich kann ja nicht schweigen, deshalb melde ich mich halt ab und an hier. ABER: Das muß auch keiner lesen!!! Muß nicht!! Zumal ich zum Thema Altersvorsorge ebenso wenig zu sagen habe wie zum Urlaub. Letzteren hatte ich lange nicht, vermisse ihn aber auch nur partiell, und alt bin ich schon. Aber jünger aussehend... Was soll da noch die Vorsorge? Ich muß so irgendwie klar kommen. Und darum kümmere ich mich. – Und hänge nicht mein face in irgendeine Zeitung oder einen TV-Sender, um empört auf „die da oben“ zu meckern, die ja doch alle Verbrecher seien.

  Also, Deutsche (!), nehmt euch nicht so wichtig, denkt ab und an mal nach, bevor ihr wiedermal andere für das, was ihr nicht hinbekommt, verantwortlich macht, und lebt ansonsten einfach unbedarft von dem, was ein Minister so sagt oder nicht sagt.

  Und vor allem: Merkt endlich, daß das Kampagnen sind, die „BLÖD“ und die anderen Schweineblätter und –Sender euch aufs Auge drücken. Wer heute noch den „BLÖD“-Aufkleber „Ich hab’ die Schnauze voll!“ zu den Bezinpreisen von vor drei Jahren auf dem Auto spazieren fährt, wünscht sich doch mittlerweile die damals verdammten, aber unter einem Euro liegenden Obulus-Anzeigen pro Liter an der Tanke sehnlichst zurück. Aber er füllt das nunmehr absurd teure Zeug in sein Vehikel und fährt. Schnauzehaltend. Weil „BLÖD“ noch nicht zum Protest aufgerufen hat.

   Einfach mal die eigene Omme benutzen! Das ist mein kostenloser Tip an diesem frühherbstlichen Mittag. Und sei es für Protestschreiben an

Jürgen




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