Mai


28.Mai 2006


Nicht bongbar!

Liebe Lesende, lieber Lesender,

 ich bin wach. Aber relativ geschichtenfrei, da ich außer dem Squashen, Lesen und Glotzen gestern nichts erlebt habe.

 Umsonst gelebt? Nein, denn ich habe nach dem Squash für einen Latte macciato mit doppeltem Espresso bezahlen müssen. Eigentlich nur mit einfachem Espresso, denn obwohl ich einen mit doppeltem Espresso bestellte und auch erhielt, wurde nur der normale Preis für die einfache Latte verlangt, da diese mit doppeltem Espresso nicht bongbar (neues Adjektiv bzw. Adverb!) war.

 Früher saß man nach dem Schlager-Wertungssendung in der Bong-Bar, um mit Jürgen Karney einen zu schlürfen, heute ist vieles für immer dahin und nicht mehr bongbar. Es gibt aber noch die berühmten Tischtennis-Destillen, die Bing-Bong-Bars. Aber ob dort Jürgen K. kurzbehost hofhält und mit der Kelle kell-nert, steht, wenn überhaupt, in den Sternen. Diese wiederum sind derzeit relativ unsichtbar, da vom Tageslicht überschattet. Lichtschatten! Dieser könnte nur vom beständig stärker werdenden Sturm ins Nirvana gepustet werden.

Dieser Sturm geht mir aber sowas von auf den Wecker. In der DDR hatten wir das nicht. Denn wir hatten ja nichts bzw. kaum was. Außer ´ner Diktatur. Ich erinnere mich noch gut, daß es schon in der zweiten Klasse oft hieß: "Hefte raus - Diktatur!" - Der Beweis!!!!

Aber solchen Sturm hatten wir nicht. Kommt alles von den blöden Windrädern, die wir ja auch nicht hatten. Die blöden Sturmmacher werden wahrscheinlich von dem Atomstrom, den wir jetzt an der Beleuchtung des ehemaligen Grenzstreifens einsparen, betrieben. Und wenn dieses Land was richtig machen kann, dann ist es Wind! Mein Gott, wie oft wollte ich diese doofen Dinger schon anhalten. Heute aber rasen sie wieder wie wild. Und die Konsequenz: Sturm! Was das allein an Strom kostet...

Wer sich das wieder ausgedacht hat.

Wir hatten in der DDR noch Windmühlen! Da wurde der kleinste Hauch, der einen eventuellen Sturm ankündigte, sofort klitzeklein gemahlen, und wir hatten ihn zurück, den sonnbestrahlten windstillen Tag. Und vor allem: sturmfreie Bude! Das hat man ja heute kaum noch...

So, jetzt muß ich gleich zu Pigor und Eichhorn ins Konzert, wenn diese nicht vom Winde verweht bzw. unter die (Wind-)Räder gekommen sein sollten.

Der windige

Jürgen




19.Mai 2006


Kaffee-Kellnerin

Liebe Lesende, lieber Lesender,

 kleine Episode aus der Wirrnis der Welt noch für euch: Dem gegen 8 Uhr mit uns gemeinsam erwachenden Sonntag nach der Mugge in Bad Zwischenahn ins noch leicht verklebte Auge blickend, enterten Herr Rösler und ich kurz nach acht den Frühstücks-Darreichungsraum des Hotels.

 Wir waren allein. Also nur der Raum, das Buffet und wir. Während sich Herr Rösler in eine Semmel (je nach Landstrich bitte ersetzen durch Brötchen oder Schrippe!) verbeißen wollte, stieß sie zu uns: die junge und durchweg unbedarfte (wußte ich da noch nicht) Kellnerin.

 "Was darf ich den Herrschaften als Getränk servieren?" flötete sie, meinen bemuskelten Körper mit ihren Blicken umschmeichelnd (kann ich mir aber auch nur eingebildet haben...), gen "Die Melankomiker". "Ich hätt' gern Kaffee!" schlagfertigte Herr R. sie ab. Nun war es an mir, möglichst intelligent und dem Wortwitz huldigend ein Antwörtchen zu wagen. "Auch wenn es Sie schocken mag und es vielleicht hier noch nie der Fall war, daß an einem Morgen dermaßen viel von dem gleichen Getränk bestellt wurde - ich nehme auch Kaffee!" scherzte ich unverkennbar in Richtung der Hirnblonden.

 Kurzes Erstarren der Probantin. Anwerfen des Gehirns. Und dann war sie schon da, die Antwort des Grauens: "Jetzt schocke ich vielleicht Sie, aber Sie werden es nicht glauben: Gaaaaanz viele Leute trinken früh Kaffee. Also Kaffee wird zum Frühstück eigentlich am meisten von allen Getränken verlangt! Das hätten Sie jetzt wohl nicht gedacht?" flötete sie allen Ernstes.

 Herr R. und ich waren baff. Wir lallten nur noch: "Das gibt's doch nicht. Und wir dachten, wir seien eine Ausnahme. Und jetzt erfahren wir, daß mehrere andere Mitbürger frühmorgens auch Kaffee trinken. Unglaublich!"

 "Tja, hätten Sie wohl nicht gedacht", kam es schnippisch und stolz aus dem Munde der in Deutschland im Fach Ironie geschulten, aber durchgefallenen Servierkraft.

 Noch auf der Heimfahrt kamen Waldi und ich immer wieder aufs Thema zu sprechen: "Das gibt's doch nicht: So viele Leute trinken früh Kaffee! Hätten wir nieeeee gedacht!"

  Darf man solche nur 1:1-denkenden Mitmenschen wie das Kellnerinnenwesen eigentlich straffrei sofort körperlich züchtigen? Sollte da das Strafgesetzbuch nicht mal alle Augen zudrücken? Oder gibt es eine Regelung, die ein Sprechverbot für irreversibel Geschädigte durchsetzt? Bis vielleicht auf "Sehr wohl, Massa!"?

 Da sitze ich nun, trinke meinen Kaffee und bin mir sicher: Das Mädel war strohdoof. Aber ganz leicht beschleicht mich der grauenvolle Zweifel, daß sie vielleicht bereits auf der dritten Ebene gescherzt hat. Nach dem Motto: "Den alten Scherz-Sack mach ich fertig und setze noch eins drauf!"

 Doch da guckt sie freudestrahlend um die Ecke und winkt lässig ab, die Gewißheit, daß dem nicht so ist, sei und war. Die Getränke-Zuträgerin war wirklich blöde.

 Übrigens verließen wir doch noch lachend, prustend und somit wohlgelaunt Lokal und Hotel, denn nachdem ich mir (heimlich) meine Autofahrertasse (so ´ne große, die ich neben dem Sitz einklemmen kann) mit dem Koffein-Suff aufgefüllt hatte, fügte ich unbedarft Zucker hinzu.

 Nun überkam es mich: Das Bedürfnis umzurühren. Flugs griff ich zum hoteleigenen Tee-Löffel (begrifflich ein völliger Nonsens), ließ ihn im Getränk kreisen und verlor dann den Überblick sowie ihn. Und schwupps! versank er tief im Inneren der durchaus tiefen Thermos-Tasse. Auch meine Versuche, ihn mit Hilfe einer Gabel wieder ans Tageslicht und somit in den Hotel-Besteck-Bestand zurückzubefördern, scheiterten. Für die Finger war der Kaffee zu heiß.

 So verließen wir brüllenderweise das Objekt und hatten neben dem geklauten Kaffe und der Gewißheit, daß gar viele Bürger des Morgens dieses Getränkes frönen nun auch noch ´nen Hotel-Löffel im Gepäck.

 Die Frage ist nur: Wann geben wir den Löffel ab?

 Antworten darauf sowie Protestschreiben der Kellnerinnen-Gewerkschaft bitte an

Jürgen




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