23.Dezember 2011


Geflügel-Notstand

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 es ist soweit: Friede, Freude, aber kein Eierkuchen.

 

 Die schluchzende und sich besinnlich gebenden Menschenmasse krallt sich morgen aneinander, läßt sich segnen, verdrückt die eine oder andere Träne der Rührung, und dann geht’s weiter wie immer…

 

Zuerst ärgert man sich über die Geschenke.

 

Das kann dauern.

 

Denn meistens, mal ehrlich, bekommt man dermaßen unnütze Sachen, daß man sie, wäre man nicht so skrupellos wie ich, den ganzen Mist im nächsten Jahr zurückzuschenken, bedenkenlos ohne die Schleifen und das Weihnachtsmann-Papier zu entfernen, der Wiederverwertungs-Industrie, also irgendeiner Spendenaktion, zuführen sollte.

 

 Sarkastisch?

 

 Naja… - ehrlich!

 

 Und nun die Überraschung: Euer aller Engel freut sich trotzdem aufs Fest. Denn erstmal gibt es leckeres Essen bei meiner Schwester und meinem Schwager, und dann sprechen wir, samt Mutti und Vati, die natürlich auch mitessen dürfen, gediegen dem Alkohol zu.

 

 Diesmal dürfen es zwei Bier sein. Bei mir. Obwohl ich danach noch mit dem Auto von der kleinen in die größere Stadt rasen muß. Aber der Heilige Abend hat eigene Gesetze…

 

 Ja, viele Kinderaugen werden an diesem Abend leuchten, und das sollen sie auch.

 

 Viele ehemalige Liebespaare, die per standesamtlicher Vereinbarung noch zusammenleben müssen, werden sich aber an genau diesem Abend auch leuchtende Augen bzw. Veilchen verpassen. Weil sie den ganzen Harmonie-Scheiß nicht mehr aushalten!

 

 Ok., vielleicht wird am 24.Dezember subtiler zugeschlagen. Aber zugeschlagen wird.

 

 Bei mir natürlich ebenso. Wenn auch nur beim Essen.

 

 Essen gegen den Trend! Das praktiziere ich natürlich auch zu Weihnachten. An Weihnachten gibt es nämlich bei mir nicht.

 

 Dafür aber Nudeln, Bratkartoffel, vielleicht mal ´ne Linsensuppe, rohe Leber???

 

 Jedenfalls KEINE Ente, KEINE Gans, nicht mal ´ne goldene.

 

 All das durften wir fröhlichen Sängerknaben im Dezember allabendlich nach unseren musikalischen Faxen in den jeweiligen Lokalitäten genießen. Auf Kosten des Hauses! Und – das ist mir fast peinlich – es war lecker.

 

 Ich, der ich sonst auf sowas gänzlich verzichte, wurde zur Klöße-mit-Rotkraut-und-Gans/Ente-Vernichtungsmaschine.

 

 Ich rechne fest damit, daß bald der Geflügel-Notstand ausgerufen wird, denn wie viele gefiederte Freunde meinetwegen ihren letzten Flügelschlag absolvieren mußten – das gibt das Dezimal-System nicht her.

 

 Mörder!

 Ich.

 

 Wirsing-Eintopf wäre die Lösung.

 

 Wir sing’ aber lieber.

 

 Ein Wortspiel!

 

 Von mir!!!

 

 Ich werde verrückt.

 

 Nee, sorry, geht ja gar nicht…

 

 Ich bin ja schon verrückt.

 

 Irre Grüße vom Vogel-Leichen-Fledderer

 

Jürgen

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