26.Juni 2011


Tisch-Suizid?

 Geliebte Lesende, geliebter Lesender, 

 sooo toll ist es auch wieder nicht, Urheber einer Tradition zu sein.  Finde ich.  Gut, damals als der dreifache Salto im Zirkus noch an diesen schwingenden Reckstangen hin- und hergehüpst wurde, waren die „Fliegenden Menschen“ geboren.  Ich aber bin der, beim dem die Tische fliegen.  Unschön. 

 Und nicht ungefährlich.

 

 Einmal, vor ungefähr zwei Jahren, konnte ich hier ja schon von der Flug-Premiere meines damaligen metallenen Terrassen-Tisches berichten.

 

 Auf und davon. Aus der vierten Etage. Hui…

 

 Tisch total demoliert. Und glücklicherweise keiner erschlagen…

 

 Am Mittwoch war es nun so, daß ich gemeinsam mit dem Neu-Melankomiker Norman eine morgendliche Probe beendete, um zur Kinder-Mugge zu sausen.

 

 „Muß nur noch schnell die Terrassen-Blumen gießen“, raunte ich ihm, nach draußen eilend, zu.

 

 Er, mir folgend: „Soll dein Tisch hier so verkehrt herum liegen…?“

 Und ich Depp, der ja den neuen Tisch wegen der seit Tagen prophezeiten Gewitter extra aufs Tischplättchen gelegt hatte, antwortete, in den strahlend blauen Himmel blickend: „Nö, kannste rumdrehen.“

 

 Gesagt, gedreht.

 

 Und ab. Ihr Kinderlein, ich komme.

 

 Schon das Kinderbesingen im nahe Berlin gelegenen Beelitz wurde zum Wettsingen – mit dem herannahenden Unwetter.

 

 Dieses ereilte mich dann auf der Fahrt gen Heimat mitten auf der A 9.

 

 Halleluja, was für ein Wasser-Reservoire Gevatter Gott da aber auch auf engstem Raum auf uns be-autote Menschlein schüttete. Goß! Ach was, jetzt sag’ ich’s: Ejakulierte!!

 

 Gott kam!

 

 Selbst ich, der ich unter Rennfahrern als „König der nassen Fahrbahn“ gelte, mußte passen und steuerte den nächsten Parkplatz an, denn ich hatte meinen Bootsschein nicht dabei.

 

 Per SMS wurde ich von den Nachbarn informiert, daß es bei ihnen daheim durch die geschlossenen Fenster hereinregne, von oben aber, also aus meiner Behausung, ausnahmsweise mal kein Ha-Zwei-Oh ins darunterliegenden Musiker-Heim tröpfele.

 

 Umgestürzte Bäume umkurvend, schlängelte ich mich über Landstraßen nach Hause, Obdachlosen Kleingeld zuwerfend. – Scherz.

 

 Es waren Scheine…

 

 Daheim aber kam ich nicht mal in die Nähe meiner Garage, denn deren Einfahrt wurde von einem Ast blockiert. Ich schleppte mir einen Ast, ehe selbiger beiseite geräumt war.

 

 Dann flugs meinen Boliden in Sicherheit gebracht, schnell ums Haus – und da lagen sie: die Terrassen-Tisch-Überreste.

 

 Regelrecht zerschreddert hatte es den nicht gerade kleinen Hart-Plastling, an dem noch vor kurzem ohne Mühe sechs Personen Tomate/Mozzarella hätten speisen können. Gleichzeitig…

 

 „Vielleicht ist es ein zugewehter Tisch aus den umliegenden Grundstücken, Stadteilen oder gar anderen Metropolen?“ versuchte ich mir selbst Mut zu machen. Na, denen hätte ich aber was erzählt, vonwegen „unbeaufsichtigter Tisch“ oder so.

 

 Doch dann, nachdem ich mich durch die kunterbunt herumliegenden Pflanzkübel und Blumentöpfe auf meiner Freiluft-Balustrade gewühlt hatte und trotz neuer Brille zwar noch seltsam gestapelte Stühle, leider aber nichts, woran man damit heranrücken könnte, mehr fand, wurde es zur traurigen Gewißheit: Mein Tisch hat mich verlassen. Für immer.

 

 Mein Tisch ist tot.

 

 Das ist wie das Ende einer Beziehung. Und ich war lange, lange nicht in der Lage, an einen Neuanfang zu denken.

 

 Erst zwei Tage später erwarb ich ein neues Speisen-Abstell-Möbel.

 

 Welches ich nun in den nächsten Wochen a) einzuweihen und b) zu verankern gedenke. Irgendwie. Irgendwo. Irgendwann.

 

 Ich hab’s satt, verlassen zu werden!

 

 Nicht mal Tische halten es länger mit mir aus…

 

 Wobei ich den schlimmsten aller Gedanken noch (NOCH!) verdränge: War es Tisch-Suizid?

 

 Ist mein „Blauer Engel“ selbst gesprungen?

 

 Vielleicht weil nicht wenige Damen, die seiner ansichtig wurden, ihn als „häßlich“ titulierten und mein „Aber praktisch und flug-untauglich!“ mit einem „Phhh!“ abtaten?

 

 Die Weiber sind schuld. Wieder mal.

 

 Und deshalb werde ich ab sofort die Finger von ihnen lassen.

 

 Sie bringen nichts als Unglück!

 

 So. Das haben sie nun davon.

 

 Tja, jetzt heulen sie… Alle!

 

 Ich aber rufe abschließend: Mein zweiter Vorname ist „Kompromiß!

 

 Ab und an vielleicht doch wieder zu Tisch bittend, grüßt

 Jürgen

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