20.Juni 2011


Ohne mich!

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 ich bin jetzt in einem Alter, in dem ich ab und an auch mal sagen muß: „Ohne mich!“

 

 Ok., wenn irgendwo gesungen werden soll, fällt mir dieser Satz schwer bis nicht ein. Ebenso, wenn sexuelle Ausschweifungen (Küsse!) auf der Tagesordnung stehen.

 

 Aber es gibt jetzt, wo ich die 30 überschritten habe, doch schon Dinge, denen ich mich verweigere.

 

 Wimbledon muß in diesem Jahr beispielsweise ohne mich auskommen. Tja.

 

 Obwohl ich gut bis sehr gut drauf bin, was das Tennisspielen an sich betrifft. Also eher sehr, sehr gut.

 

 Aber ich möchte diese deprimierten Gesichter auf der anderen Netz-Seite nicht mehr sehen. Also verzichte ich.

 

 Beim Squash läuft es derzeit nicht so gut, deshalb laufe ich schon heute abend wieder auf, um zu meiner Glanzform zurückzufinden.

 

 Ein „Ohne mich!“ gab es aber auch, als mir von W. kurzfristig noch Karten fürs Gröni-Konzert in Leipzig angeboten wurden. Herbert zuhören – gern! In ´nem Stadion? – Never!

 

 Ich möchte bei sowas a)bequem sitzen und b) in der ersten Reihe. So soll es sein.

 

 Noch so ein „No go“? – Arztbesuche.

 

 Da muß man mich, glaube ich, hintragen. Mein Knie, mein allerliebstes linkes Knie, ist ja auch von ganz allein wieder geheilt. Mein Wunderknie!

 

 Ok., noch nicht ganz, denn zwischen den dreimal Squash und einmal Tennis pro Woche kühle ich das Gelenk wie der Teufel (Wie kühlt der Teufel???), aber in den entscheidenden Situationen hält es jetzt zumindest.

 

 Nicht immer das, was es verspricht, aber immerhin.

 

 Also: Ich gehe höchst ungern zum Onkel Doktor. Vielleicht, weil ich jeden Dienstag gegen einen dieser Zunft Tennis spiele??? – Mehr Arzt pro Leben benötigt keiner…

 

 „Ohne mich!“ war auch meine sofortige SMS-Antwort, als mir gestern simsenderweise vorgeschlagen wurde, mich am Wildwasser-Raftig zu beteiligen. Als Rafter! Nicht als Boot…

 

 Bitte, ihr Freunde der Unterhaltungskunst, ich wäre der Erste, der diesen Spaß erst bezahlt und dann nicht überlebt. Im Verzicht liegt also nicht nur Größe, sondern auch Weisheit. Und pekuniärer Gewinn…

 

 Alles, was mit Geschwindigkeit und Massen-Aufläufen zu tun hat, meide ich. Nudel-Aufläufen hingegen steh ich offenen Mundes gegenüber. Das beweist wiedermal meine ungeheure Flexibilität!

 

 Gleich noch ein weiteres Beispiel dafür: Während ich als Kinderlieder-Darbieter auf so manchem müden Volksfest so manchen müden Euro verdiene, würden mich privat keine 28 Pferde zu solch einem „Event“ bekommen. Selbst 29 nicht…

 

 Ach, laß es 30 sein! – Ohne mich!

 

 Und ich verstehe auch nicht einen der Freiwillig-solch-ein-„Event“-Besucher. Was geht, um Himmelswillen, in denen vor? – Nichts?

 

 Jetzt, wo ich so vor mich hin nörgele, fällt es mir richtiggehend auf: Ich fühle mich immer mehr und immer öfter deplaziert. Ohne t, ihr Rechtschreibreform-Arschlöcher!

 

 Oh, jetzt ziehe ich mich gerade selbst runter. Obwohl ich mich damit eigentlich selbst aufziehe. – Ein Wunder!

 

 Meistens sind es ja diejenigen unter uns, die gerade ziemlich runter sind, welche von den anderen aufgezogen werden. Also „aufgezogen“ im Sinne vom am Schlüssel für die Spann-Feder drehen.

 

 Meine Eltern haben mich jahrelang aufgezogen…

 

 Und jetzt drehe ich am Rad!

 

 Obwohl ich kein Rad habe…

 

 Radfahren: Ohne mich!

 

 Vielleicht bin ich zu pessimistisch für diese Welt? Obwohl ich mich eigentlich immer durch die Tage lache. Durch meine Tage. Die Tage des Mannes. Da gibt’s früh und abends Tag-liatelle. Tagsache!

 

 Tag auch, wünscht

 

Jürgen

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