22.April 2011


Besetzung und Verletzung

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 über Religion soll man nicht scherzen! Blöde Witze, wie der, daß heute der autofreie Karfreitag sei, verbieten sich von selbst.

 

 Religion ist nicht lustig!!

 

 Auf den Philippinen zogen heute, laut Deutschlandfunk, mehr als zwei Dutzend Männer (Ich schätze mal, es waren 25…) los, um sich ans Kreuz nageln zu lassen. Nein, das war natürlich nicht alles! Auf dem Weg zum Kreuz schlugen sie sich auch noch mit selbstgefertigten Peitschen den Rücken blutig.

 

 Religion ist nicht lustig!

 

 Religion ist bekloppt.

 

 Das dazu.

 

 Ok., vielleicht verletze ich jetzt einige, aber dies ist halt die Quintessenz dessen, was man mir in der Pionierorganisation „Ernst Thälmann“ beigebracht hat. Oder dessen, was ich mir gemerkt habe… Außer vielleicht noch, daß man Altstoffe sammeln und das so berappte Geld für Vietnam spenden soll.

 

 Die legen dann die Kohle in Flug-Gutscheine an, schicken ewig lächelnde Kinder hierher, die sich dann später Popularität erschleichen, indem sie sich Rösler nennen, und zum Vizekanzler werden.

 

 Ich aber weiß: Es gibt nur ein’ Herrn Rösler!

 

 Meinen!

 

 Womit wir schon wieder bei ´ner Art Religion sind.

 

 Aber da ich ja nun wirklich ein Heide an sich bin (Heidewitzka!), kann ich auch bei der Anbetung des Herrn R. nicht auf dem Status Quo beharren, sondern hole mir ab Mitte des Jahres einen weiteren Gott ins Ensemble: Gitarren-Gott Norman Dassler.

 

 Was wiederum nicht heißt, daß wir nun als Trio unser Unwesen treiben. Nö. Es gibt dann die „Melankomiker“, also W. und mich, und „Die (anderen) Melankomiker“, also N. und mich.

 

 Reiner Zufall ist natürlich, daß ICH in beiden Formationen zugegen bin. Es wurde halt so ausgewürfelt…

 

 Obwohl: Gott würfelt nicht!

 

 Warum würfelt Gott nicht? – Weil Gott nicht säuft!

 

 Ja, auch „Würfeln“ kann ein Synonym sein…

 

 Gemeinsam mit N. bin ich gerade dabei, ein neues Programm zu entwerf…, also besser: aus dem Boden zu stampfen. Zwei Lieder sind fertig.

 

 Immerhin.

 

 Premiere wird ja auch erst am 5.Oktober in Leipzig sein. „LUSTige-OBJEKTE“ nennt sich die ganze Chose. Warum auch immer!

 

 Wer aber ist nun Norman Dassler? Nur ein Gitarren-Gott? Nein! Viel mehr…

 

 Er ist das, was ich sehe, wenn ich mich selbst träume: Halb so alt wie ich, obenrum zehnmal so behaart wie ich, ungefähr 15 Zentimeter größer als ich. Und: Er KANN Gitarre spielen, hat es regelrecht studiert. Außerdem akkordeoniert er auch noch. Und möchte sich alsbald eine Mandoline zulegen…

 

 Alles in allem bleibt für die künftige Zusammenarbeit schon jetzt ein Fazit: ICH werde auf der Bühne mehr leuchten denn je, denn wie immer verstehe ich es, die Aura meines Bühnenpartners so zu lenken, daß sie mich erstrahlen läßt…

 

 Nicht umsonst bekommt in JEDER Spielstätte der jeweilige Beleuchter weit vor unserem Auftritt eine kleine Bar-Überweisung aufs Kontöchen…

 

 Eurer harren also neue Lieder, neue Choreographien, und eine Bandbesatzung, die im Durchschnitt unter 40 Jahre alt, größer als 1,80 Meter sowie durchschnittlich stark behaart ist. – Super-Stars!

 

 Nur: Auf die Bühne muß man mich dann wahrscheinlich HEBEN…

 

 Denn es geschah am Montag dieser Woche: Ich verblüffte all meine Konkurrenten im Squash-Club wie immer nicht nur durch mein filigranes Spiel, sondern vor allem durch meine Laufbereitschaft, Schnelligkeit, Wendigkeit und Schönheit. – Ha! Letzteres hat sich jetzt einfach so mit reingeschlichen…

 

 Dann aber, beim letzten, beim wirklich letzten Ballwechsel, versuchte ich, eine Schrittweite von mehr als fünf Metern zu erZWINGEN…

 

 DAS hatte ich vorher aber nicht mit meinem Knie abgesprochen…

 

 Aua!

 

 Am Dienstag konnte ich gar nicht laufen, was die Knirpse beim Kinderprogramm staunend registrierten, denn WIE ich mich auf meinen Gesangs-Stuhl hievte: Das bietet kein Zirkus Roncalli!

 

 Am Mittwoch war ich der begnadetste Hinker der Nation! Ich hinkte erst für Kinder und abends für die Erwachsenen auf die Bühne…

 

 Bislang verabschiedeten sich „Melankomiker“-Konsumenten meist mit einem „Schön war’s“ aus den überlangen Konzerten. Am Mittwoch aber wandten sich ALLE am Ausgang mit einem „Gute Besserung!“ an mich.

 

 Himmel! An diesem Abend hätten die Frauen dieser Welt mit mir machen können, was sie wollen! Ich hätte mich nicht wehren KÖNNEN! Doch keine wollte irgendwas…

 

 Sollte mir das zu denken geben? – Geht leider nicht: Kopfschmerzen…

 

 Am Donnerstag, also gestern, schaffte ich es, schon wieder allein einzukaufen.

 

 Heute aber möchte ich … Tennis spielen!

 

 Kleiner Scherz.

 

 Nee, irgendwie versuche ich, übers Internet an ´nen Vordruck für ´nen Invaliden-Ausweis zu kommen. Den stecke ich dann ins Eisfach des Kühlschranks, und wenn er die richtige Temperatur hat, kühle ich damit mein derzeit leicht überdimensioniertes Knie.

 

 „Ich hab’ dein Knie geseh’n! Das durfte nie gescheh’n!“ sang einst ein Schlagerfuzzi.

 

 Ich aber gucke nicht mehr hin. Ich warte, wie immer, ab.

 

 Außerdem haben ja nun die „Melankomiker“ in all ihren Besetzungsarten fünf intakte Knie. Das sollte reichen. Sechs geile Knie, das hält die Welt nicht aus… Vor allem die Weiber!

 

 Darüber lohnt es sich, an einem autofreien Tag wie heute, mal nachzudenken.

 

 Präamputations-Grüße von

 

Jürgen

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