8.April 2011


Drückt mir die Knie!

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender, liebe Leute,

 

 ich bin depressiv!

 

 Naja, nicht so richtig. Und auch nicht so doll. Aber das eine oder andere Sekündchen des Nicht-vor-Glück-Auf-und-Ab-Hüpfens hatte ich in dieser Woche schon.

 Doch es kam Trost.

 

 Von mir. Von wem eigentlich sonst?

 

 Ich tröstete mich durch Streicheln. Ey, nicht was ihr denkt. Mein Knie war es, das ich mit meinen feingliedrigen Händen umrundete, „Laß mich nicht im Stich!“ flüsternd.

 

 Denn mein Knie hat gestreikt! Nachdem ich ein, nennen wir es ruhig: grandioses, Squash- und Tennis-Comeback gegeben hatte, war natürlich die Nachfrage, sich mit mir zu duellieren, groß.

 

 Größer denn je. – Tja, wer möchte nicht gegen eine Koryphäe der schlägerbetonten Ballsportarten antreten…?

 

 Und da ich ein Lieber bin (Frauen, merket auf!), konnte ich keinen  Match-Wunsch abschlagen, stand an drei aufeinanderfolgenden Tagen jeweils mehr als zwei Stunden auf dem Platz.

 

 Stand? – Ich raste, ich flugste, ich sprintete nicht nur, ich sprintintete! Ich fintierte, schlug Haken, hatte einen Wendekreis von unter zehn Zentimetern, ja: ICH FLOG!

 

 Vögelchen Jürgen. Pfeilschnelles Vögelchen.

 

 Dann aber hinkte nicht nur der Vergleich, denn a) weiß ich gar nicht, ob Vögelchen überhaupt Knie (Kniee?) besitzen, und b) hinkte halt wieder ich. Samt Knie. Samt samtenem Knie!

 

 Dabei hatte ich vorher erst fast drei Wochen pausiert.

 

 Sofort diagnostizierte ich: Das ist a) Zufall und bedeutet b), daß ich keinesfalls einen Arzt aufsuchen darf.

 

 Und dann betätigte ich sie: die Selbstreparatur-Taste!

 

 Seit fast zwei Wochen heile ich nun.

 

 Und was ich dabei überhaupt nicht ertragen kann, sind Sätze wie: „Naja, vielleicht hast du dich ein bissel übernommen…“, „Du kommst jetzt in ein Alter, wo…“, „Du BIST jetzt in einem Alter, wo…“ oder „Geh doch mal zum Arzt!“

 

 Sowas geht mir aufs Schwein!

 

 Wobei einem ja nur etwas aufs Schwein gehen kann, wenn man ein eigenes Schwein besitzt. Dann kann sowas auf dem Schwein rumtrampeln, es begehen…

 

 „Vielleicht geht es dir aber auf den Sack?“ höre ich die Vorlauten und Wollllllllüsternen unter euch zirpen.

 

 Darauf antworte ich nicht. Denn schon allein die Vorstellung entlockt mir ein „Aua!“.

 

 Und noch mal: Aua!

 

 Tja, jetzt werden sich viele, viele, viele enttäuscht die Füße streicheln.

 

 Schade, daß ich kein Frankfurter bin, dann könnte mir die Sache auf den Kranz gehen. Das wäre simpel und würde nicht weiter stören.

 

 Alle Nicht-Backwaren-Fetischisten müssen jetzt googeln. Aber nur, wenn sie wissen, was!

 

 Und das könnte ihnen aufs Schwein gehen.

 

 Bauer müßte man sein!

 

 Oder Bäuerin…

 

 Ich wäre gern Bäuerin. Ach, dann könnte ich jeden Tag morgens um 4 Uhr…

 

 Nee, ich wäre doch nicht gern Bäuerin.

 

 Bleibe ich halt, was ich bin: ein Wunderheiler. Leider nur für mich selbst. Ansonsten würden sich ja Schlangen von Leicht- bis Schwerbeschädigten vor meiner Behausung bilden, die alle nur das Eine wöllten: ein Handauflegen meinerseits.

 

 MEINE Spezialität, wenn ich denn doch mal als Wunderheiler praktizieren sollte, wäre aber das Knieauflegen. – Geile Sache, und die meisten tun dann zumindest so, als wären sie geheilt, um nur schnell wieder aus der unbequemen Position rauszukommen.

 

 Angemerkt sei aber auch noch, daß Wunderheiler ja eigentlich nur dadurch nicht richtig funktionieren, weil sie falsch heißen.

 

 Wunderheiler heilen nämlich nur Wunder. Ok., Wunder gibt es immer wieder, aber wer möchte diese geheilt bekommen.

 

 Wunderheiler MÜSSTEN eigentlich Wunden-Heiler heißen.

 

 Das aber hat die bekloppte Welt noch nicht gemerkt. Erst jetzt.

 

 Durch mich.

 

 Huch, das ist ´n schönes Gefühl. Gänsehaut bis zum Knie…

 

 Hoffentlich ist die heute abend um 18 Uhr wieder weg, wenn ich für zwei Stunden einen Tennis-Platz veredeln werde. Das Comeback nach dem Comeback!

 

 Daß ich dabei gegen einen Arzt spiele, ist reiner Zufall.

 

 Drückt mir die Knie!

 

 Wenn alles gut geht, breche ich mir den Arm…

 

 Arme Grüße vom heilsamen

 

Jürgen

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