26.September 2010


Scherá?

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 es herbstet verschärft, draußen regnet’s, und meine Wohnung hält dicht.

 

 Fast.

 

 Unter einem der schrägen Dachgeschoß-Fenster habe ich stilvoll einen roten Plaste-Eimer (Plaste! Nicht Plastik…) plaziert, ums tröpfelnde Naß nicht aufs Parkett prasseln zu lassen… Ok., noch prasselt es langsam, aber das wird schon…

 

 Ihr merkt es, liebe Ungläubige, - der Optimismus hat mich nicht verlassen! Nein, mein zweiter Vorname ist und bleibt „Optimist“.

 

 Leider wurde mein erster Vorname von „Jürgen“ in „Realist“ geändert.

 

 Letzteres ist natürlich nur ein Scherz. Aber ich habe wirklich zunehmend Probleme damit, mich noch zum Jürgen zu machen. Irgendwie haben die Behörden, als ich vor Jahren nach Leipzig umzog und ´nen neuen Ausweis beantragte, nicht richtig mitbekommen, daß der Vorname meines Papas, also Gerhard (Nennt ihn Scherá, das mag er!), als damals so üblicher zweiter Vorname nur so mitlief. Weit über 40 Jahre.

 

 Und er lief gut. Also unauffällig.

 

 Nun aber dreht sich die ganze Sache immer mehr um, werde ich öfter, als es mir lieb ist, in offiziellen Behörden-Briefen als Gerhard Jürgen tituliert. Eine Frechheit. Und nicht mal mit Bindestrich.

 

 Wenn ich die Beamten-Seelen dann auf meinen einzig richtigen Vornamen verweise, verweisen sie mich ihrerseits. Und zwar des Raumes.

 

 Ich glaube, früher wurde der Vorname, der der richtige Vorname war, irgendwie unterstrichen. All die nachfolgenden, unbedeutenden Anhängsel waren einfach nur solche: unbedeutende Anhängsel.

 

 Bei mir aber drängt sich der Gerhard immer mehr nach vorn.

 

 Ich aber bin von innen heraus Jürgen. Ein Jürgen der Extraklasse. Einer zum Liebhaben. Einer zum Fressen! Einer zum Duzen, zum In-die-Arme-Nehmen. Einer, dem es jetzt gerade sehr schwer fiel, nicht auch noch „Zum-zwischen-die-Beine-Nehmen“ zu schreiben, der aber, weil er Stil hat, gerade dies nicht tat.

 

 „Ein Herz für Jürgen“ – der grandiose Erfolg dieser Internisten-Aktion wäre doch bei „Ein Herz für Gerhard Jürgen“ nie und nimmer erreichbar gewesen.

 

 Frauenherzen stapelten sich in den Aktionswochen gleich neben Männer-Lebern von sogenannten Leber-Männern vor meiner Wohnungstür.

 

 Wie anders sind die vielen herzlosen Frauen auf unserem Planeten zu erklären? Und erst die leb-losen Männer?

 

 Das hängt doch alles irgendwie zusammen!

 

 Oder auch nicht.

 

 Bei unserer „Frauen-Flüsterer“-Premiere vorige Woche in Leipzig waren beide da: Gerhard und Jürgen. – Ein Durcheinander! Nur gut, daß Papa mit Mama auf’m Rang saß. Wir beide auf einer Etage – die Weiber wären durchgedreht!

 

 Sind sie auch so. Ja, sie rasteten aus.

 

 Leider nicht ob meiner, sondern ob Herrn R.s schlanker und ranker Gestalt. Er, der nicht mal über einen Doppelnamen verfügt (Oder versteckt sich hier noch ein kleines, süßes Geheimnis, das es zu erkunden gilt…?), versucht nun dadurch zu beeindrucken, daß er sich ab-rundet.

 

 Na fein. Das freut mich aber…

  

 Bis vor Kurzem war die Mitte seines Körpers noch gaaaanz deutlich durch eine Wölbung der subtilen, aber kräftigen Art gekennzeichnet.

 

 Nun aber – weg. Dem Mann ist seine Mitte abhanden gekommen! Mitten im Leben!

 

 Ich bin durchaus der Meinung, daß auch ein W. mal abnehmen darf. Aber entweder maßvoll oder höchstens Wäsche.

 

 ICH möchte der Schlanke in der Band sein!

 

 „Kuchen für Waldi!“ sowie „Kein Doppel-Name für Jürgen!“ – das sind die beiden Aktionen, die ich hiermit ins Leben rufe.

 

 Jetzt!

 

 Beteiligt euch!

 

 Morgen treibt mich schon wieder was ganz anderes um.

 

 Umtriebige Grüße von

 

Gerhard

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