15.Juli 2010


Bob schwänzt!

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

- das Wetter. Nö, dazu werdet ihr von mir kein Lebens-, aber auch kein Sterbenswörtchen hören. Dieser Scheiß-Winter war so lang, daß mindestens drei 30jährige Kriege in ihn hineingepaßt hätten. Plus dem Sechs-Tage-Krieg im Nahen Osten! Da werden wir uns doch wohl nicht über 70 Grad Celsius aufregen…

 

 70 Grad sind schön! Denn sie verteilen sich auf zwei Tage. Tja, in Leipzig läßt sich’s aushalten. Leipzig liegt ja auch nicht in einem ICE!

 

 Worüber könnte ich mich denn sonst noch aufregen, wenn nicht übers Wetter? – Richtig: Ich muß mich nicht aufregen.

 

 ICH REGE MICH NÄMLICH SCHON AUF!

 

 SEIT VIER TAGEN!!!

 

 U N D   W I E ! ! ! !

 

 Hach, das tat gut...

 

 Denn mein Aufregen hat einen ungewöhnlichen Grund. Was sag’ ich, bzw. was schreib’ ich, einen außergewöhnlichen: Ich vermisse die Bauarbeiter!!!

 

 Nun werdet ihr kleinen Schäkerchen sicher die botox-glatte Stirn unter Zuhilfenahme beider Hände runzeln und altklug wispern: „Bislang gingen ihm doch Bauarbeiter immer und immer maßlos auf den Sack…“

 

 Ich aber antworte euch: „Maßlos“ und „Sack“ gehören nicht in einen Satz. Nicht wirklich.

 

 Aber ich antworte weiter: Diesmal war ja geplant, daß die Saftärsche BEI MIR bauarbeiten. Bei MIHIER!!!

 

 Denn’s waidwunde Terrässchen sollte abgerissen und durch ein wasserdichtes gleicher Bauart ersetzt werden.

 

 Eigentlich war der ganze Bau-Akt für April geplant, damit’s Jürgelchen seinen Alabaster-Körper im Sommer auf dem wasserdichten Bauwerk den Ferngläsern der Nachbarschaft feilbieten kann. Ging aber nicht: Wetter…

 

 Dann kam eine Trockenzeit – leider hatte da das Bauarbeiter-Volk andere Termine.

 

 Noch danner aber war es soweit: Bob und seine Kumpels hätten gekonnt! Nur standen da für den Verwalter der Hausbesitzer, die für mein Mietobjekt monatlich horrende Summen aus mir herauspressen, just drei Wochen Urlaub an. Andererseits aber wollte er die Werkeleien am Terrassen-Objekt aber auch mitverfolgen, um für wahre Dichte zu sorgen bzw. die Kosten nicht ausufern zu lassen. Als „wachsames Auge“ sozusagen…

 

 Ein Interessen-Konflikt.

 

 Doch geschickt gelang es ihm, den Konflikt zu lösen. – Er fuhr in den Urlaub. Die Bauarbeiten wurden auf Anfang Juli vertagt.

 

 Anfang Juli: Sonne, Hitze, Verwalter ent-urlaubt – alles gut? Nö, die Bobbeles hatten keine Zeit.

 

 Juhu!

 

 Vorige Woche aber hieß es: „Jetzt geht lohos!“

 

 Ich wurde verpflichtet, den Freibereich zu räumen. Ein Gerüst wurde ans Haus geklatscht. Seit Freitag habe ich Terrassen-Verbot. Und Montag sollte es losgehen. Für drei, maximal vier Tage.

 Eine Kennerin der Handwerker-Szene (und der Industrie!), die mit mir sogar mal hiesigen Wohnbereich teilte, lächelte milde ob meines Optimismus’, als ich ihr vom Vier-Tage-Bau erzählte: „Du glaubst auch alles!“

 

 Ich glaubte! Bis Montagmorgen. Denn an diesem Tag verriegelte und verrammelte ich die Bude, verließ, ein von Herrn R. komponiertes Lied pfeifend, Haus und Hof und verbrachte bei herrlichem Sonnenschein einen Tag am See.

 

 Heimkehrend rechnete ich mit Schuttbergen vom weggesprengten ehemaligen Liege-Objekt…

 

 Erst dachte ich: Himmel, die haben ja schon aufgeräumt! Du immer mit deinen Vorurteilen…

 

 Dann aber bemerkte ich: Die Schlawiner waren gar nicht erschienen…

 

 Und vor allem bemerkte ich, daß meine Wohnung, wenn richtig Sommer ist und ich alle Fenster geschlossen halten muß sowie die Markise nicht öffnen kann, durchaus 50 Grad Celsius aushalten kann. In jedem Zimmer! Tolle Wohnung…

 

 Auch vom Verwalter wurden die Kollegen mit der Kelle vermißt, erfuhr ich am Telefon.

 

 Dienstag: Die Bauarbeiter sagten für diesen Tag ab… Das Wetter wäre zu unsicher, denn Regen könnten sie nicht gebrauchen, wenn sie das Haus bis aufs Gemäuer aufbrächen…

 

 Regen??? – Wetter online sowie alle Wetterberichte, außer der für Island, sagten einen solchen nicht voraus.

 

 Wir waren verzweifelt. Der Verwalter und ich.

 

 Und so geht das nun jeden Tag: Bob kommt nicht, ich kann die Bude nicht lüften, kann die Terrasse nicht nutzen, haben keinen Sonnenschutz und werde neuerdings vom Verwalter auch nicht mehr informiert…

 

 Die gute Nachricht: Das Gerüst steht noch!

 

 Wer also bei mir einsteigen möchte: Nur zu!

 

 Ich werde ignoriert. Und komme um vor Hitze! Die Terrasse vor Augen! Aber ich darf sie nicht nutzen! Alle Möbelchen, die mir einst als Liegestatt und Speisenablage dienten, sind zwischengelagert. Die Pflanzen dümpeln in einer lichtlosen Ecke.

 

 Und nichts tut sich!

 

 Morgen spielen wir open air am Leipziger Palmengarten. ´s soll warm werden. Heiß. Schön…

 

 Nur wenn ich gegen 1 Uhr oder so nach Hause komme, in die festverrammelte Bude, singe ich gleich weiter: Das Lied von den zehn  kleinen Bauarbeitern…

 

 Welt, was habe ich dir getan????

 

 Erbauliche Grüße von

 

Jürgen

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