21.Juni 2010


Ganz ruhige Gedanken

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 lange gab es keine Wortmeldung von mir, doch: Mein Winterschlaf ist vorüber. Ha! Ich weiß – ein Brüller!!!

 

 Eine Komik-Bombe!!!

 

 Winterschlaf!!!! – Auf was ich alles komme!!

 

 Ich lach mich selbst scheckig…

 

 Aber: Kann man sich überhaupt noch scheckig lachen, wo doch fast überall mit Karte bezahlt wird?

 

 Scheck ist out! Nicht umsonst heißt es ja „ausschecken“! Oder so ähnlich.

 

 Lachte man sich früher scheckig, dann lachte man sich reich. Nur Mann. Frau nicht.

 

 Frau kichert ja. Und hat schon mal jemand „Sie kicherte sich scheckig.“ formuliert?

 

 Bestimmt. Aber es hat sich nicht durchgesetzt.

 

 Manche Mädels glucksen auch. Ja! Nicht nur beim Ertränktwerden. Auch bei verbalen Amüsements-Äußerungen.

 

 Aber glucksen sie sich scheckig?

 

 Da wage ich mal ein hintergrundloses: Nö.

 

 Wie aber lacht man sich denn nun heutzutage, in unserer modernen Zeit mit all den neumodischen Dingen wie Radio, Fernseher, Telefon und Auto-Atlas?

 

 Man lacht sich entweder ins Fäustchen oder krank.

 

 Ersteres fällt bei beidseitig Arm-Amputierten aus, Letzteres bei jenen, denen die Gesundheit schon „Valet!“ gesagt hat.

 Ein beidseitig Arm-Amputierter mit, sagen wir mal, Grippe hat somit gar nichts mehr zu lachen. Rein logisch gesehen.

 

 Vielleicht aber trotzdem Spaß am Leben, weil das eiternde Bein gerade ein bissel besser wird…

 

 Grausam? – Ja.

 

 Ich habe nämlich heute, nach der langen Schreib-Abstinenz, die ich kinderprogrammend zubrachte, meinen grausamen Tag.

 

 Wäre, ganz nebenbei bemerkt, ja auch ´ne durchaus schreckliche Geschlechts-Krankheit: Grau-Samen. – Tschuldigung…

 

 Denn grausam ist all das, was ich so täglich sehe, erlebe und lese. Im neuen Mankel-Buch, beispielsweise, ist der Übersetzer nicht in der Lage, den Konjunktiv richtig zu formulieren. Statt daß es beispielsweise eine andere Möglichkeit „gäbe“, schreibt der vom Verlag nicht verbesserte Depp immer „gebe“, statt „nähme“ natürlich „nehme“, usw.

 

 Ich wünschte, man nähme ihm die Möglichkeit, weiterhin sein schlicht schlechtes und falsches Deutsch an uns weiterzugeben. Oder, wie er’s wahrscheinlich formulieren würde: weiterzugäben.

 

 Und sähe ich nicht allzu häufig schwarz, würde mir auch egal sein, wie sich immer mehr Menschen in meinem Umfeld amüsieren. Sie fahren, was sie meiner Meinung nach 2006 bei der WM im eigenen Land ruhig durften, jetzt, wo die WM eine weit wegge (Ja, das ist mal richtiges Deutsch!) ist, immer noch mit ca. 400 Flaggen an ihrem Auto sowie mit fahnen-überzogenen Außenspiegeln durch die Lande.

 

 Weil sie’s schön finden.

 

 Weil sie’s schön finden!!!

 

 Und lustig.

 

 Von mir aus auch patriotisch.

 

 Himmel!!!

 Na klar, die dürfen das. Und es machen ja auch fast alle.

 

 Aber wer möchte denn, bitteschön, das machen, was alle machen?

 

 Alle. Also alle anderen.

 

 Ja! Ich laß sie ja. Ich meckere keinen an. Mach ich nicht.

 

 Ich überleg halt nur, was in einem solchen Kopf vor sich geht, dessen Träger sich irgendwann sagt: „So. Jetzt mach ich mal was Gewagtes! Ich hänge die deutsche Fahne aus’m Fenster, stecke mir 20 Flaggen ans Auto und beziehe alle Spiegel schwarz-rot-gold. Auch auf der Glasseite. – Das ist lustig. Das ist MEIN Ausdruck von Lebensfreude. Endlich habe ich mal Spaß!“

 

 Und was geht in solch einem Kopf vor? Wenig.

 

 Ach, ihr merkt schon, ich meckere mich langsam ein. Dabei finde ich all das gar nicht schlimm, nur traurig.

 

 Gestern abend zappte ich während des langweiligen Brasilien-Fußballspiels immer mal durch die Kanäle… – Man glaubt es nicht!!!

 

 Wenn man danach geht, was dem Volk im TV so angeboten wird, sind die Flagger noch die Intelligenten!

 

 MDR: Eine blonde männliche (?) Fön-Frisur sagte zwischen unsäglichen Schlagern Dummheiten par excellence auf. „Sängerinnen“ und „Sänger“ playbackten sich vor „malerischen“ Kulissen durch ihre, pardon, Scheißlieder und griffen sich dabei immerfort ans Herz bzw. breiteten, „Ich liebe dich so“-singend, deplaziert ihre Arme aus. Ja, sie beherrschten auch die dritte der drei Schlagersänger-Posen, das schnippische den Kopf zur Seite drehen, um eine nicht vorhandene Ironie im Text als solche für die zuhörenden und mitklatschenden Volltrottel hervorzuheben.

 

 Im ZDF sank das Traumschiff…

 

 Ich aber guckte immer mal wieder beim MDR rein, weil ich nicht glauben konnte, was ich sah. Alle, aber auch ALLE, die da „sangen“, sahen aus wie aus dem Heim für Vollbekloppte entsprungen.

 

 ALLE!!!!

 

 Nur der „Moderator“ (nicht Silbereisen, aber sowas wie ein Silbereisen-Klon) sah aus wie der Heimleiter. Auf Extasy.

 

 Ich wollte mich schon scheckig lachen, ging dann aber doch lieber kotzen.

 

 Das Einzige, was mich heute, nach all dem Schrecklichen, was ich erlebt habe, aufbaut, ist die Tatsache, daß ab morgen die Tage wieder kürzer werden.

 

 Dann muß ich dem ganzen Dummbatzen-Gewusel da draußen nicht mehr ins tageslicht-beschienene Antlitz gucken.

 

 Andererseits sehen diese Antlitze im Licht meiner neuen Taschenlampe wohl auch nicht besser aus…

 

 Was Positives zum Abschluß?

 

 Nö.

 

 Oder doch: Ich hatte für vergangenen Sonnabend ´ne Einladung zum Stollenfest der Firma „Quendt“ nach Dresden. Mit Anschnitt einer Riesen-Stolle.

 

 Konnte leider nicht hinfahren, war nämlich Kinder-Besingen und abends mit Herrn R. zum Tanz. Auf dem Vulkan. Cha-Cha-Cha vom Feinsten. W. wagte sogar einen Slowfox!!!

 Ein Slowfoxer vor dem Herren! – Also vor mir…

 

 Daß es Worte bzw. Tänze wie „Slowfox“ gibt, versöhnt mich nun aber doch mit der Welt.

 

 Noch mehr jedoch der Gedanke, daß sich Menschen ernsthaft mit sowas beschäftigen: Slowfox.

 

 Das finde ich ungemein putzig.

 

 „Fox, du hast die Gans gestohlen!“ ruft der wie immer gut gelaunte und die Menschen liebende

 

Jürgen

Copyright © 2005-2006 Design by ITS-NETWORK.NET
Sie sind Besucher Nummer: 165036
JW-admin | News-admin