27.Mrz 2010


Ich war’s!

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 vielleicht bin ich schuldig. Vielleicht.

 

 Vielleicht war ich zu offensiv. Naja, ich ging schon in die Vollen. Wie immer.

 

 Wann? Mitten im Hoch-Frühling. Gestern Nachmittag. Schlappe 22 Grad Celsius umhüllten Leipzig, die Leipzigerinnen und die Leipziger sowie die Leipziger Tierinnen und Tiere, Insektinnen und Insekten, Virinnen und Viren sowie alle Leipziger Was-weiß-denn-ich-wer-sich-nun-schon-wieder-ausgegrenzt-fühlt.

 

 Ich aber, ich kleiner Woll-Lüstling, spielte Herbst und entblätterte mich, riß mir sozusagen die Wolle, nicht aber die Lust vom Leib. Ich machte mich naksch!

 

Nein, keine Angst, nicht mitten in der City. - Begeisterungs-Gekreisch ist mir unangenehm!

 

 Auf der heimischen Terrasse, die zwar untenrum undicht, obenrum aber durchaus noch belagerungsfähig ist, war’s. Und keiner konnte mich sehen, denn ich lag. Ja, auch brach, aber vor allem auf der dafür von mir bevorrateten Liege. Ich fläzte mich sozusagen samt Buch in die Sonne.

 

 Und das war vielleicht der Fehler!

 

 Denn die Sonne ist ja auch nicht irgendwer. Eine Sie. Ein heißes Eisen. Oder ein heißes Helium. Oder ein heißes Weiß-der-Teufel.

 

 Stellte ich es mir nur vor, oder ward ich es wirklich gewahr? - SIE erblaßte.

 

 Ja, auch ich war, ob der vielen Jahre Winter, die meinem einst wohlgebräunten Körper zwar fast jede Farbe, nicht aber jede Form entzogen hatten, mehr eine personifizierte Blässe als eine solche Bräune.

 

 Ich aber wollte das ändern. Sie hingegen zog sich umgehend zurück. – Typisch SIE. Da offeriert Mann nun schon mal, alles, was er hat (Und das ist bei mir, weißgott, … nicht wenig, äh, pardon, viel…), sofort wird er brüskiert. Ganz-Körper-Brüskierung nenne ich sowas!

 

 Mutti Natur brach sofort den Frühling ab. Zürnte, stürmte, schickte Donner und Blitz übers Städtele mit dem schönen Red-Bull-Stadion, das nun so heißt, obwohl Bullen ja gar nicht reden können… Gut, außer: „Was haben wir denn falsch gemacht…?“

 

 Fazit: Ich – sinnlos nackt a) auf der Liege, b) auf der Terrasse und c) mitten im Temperatursturz. Ich – ein Auslöser. Und ein Auslöscher! Leider.

 

 Nö, ich wollte den Frühling nicht kaputtmachen. Könnter glauben!!

 

 Ich habe mir SOFORT ein Westchen übergestreift, ums Brüstchen zu bedecken. - ´s half nix!

 

 Dann ein Mützchen aufs bare Haupt. – Immer noch heranziehender Winter!!

 

 Strümpfchen über die gar zu blanken Knöchelchen – es schneite munter weiter!!!

 

 Erst als ich das – sicher nach mir benannte – Gemächt (Was’n Wort!!!) verhüllte (Was’n Pack-Vorgang!), stoppte die Erd-Abkühlung.

 

 Puh!!! Ich hatte die Welt vor einer neuen Eiszeit bewahrt…

 

 Kriege ich nun Schümpe? Seid ihr doll böse? Wollt ihr mich gar schlaan oder puchen? – Ja, so fragt der Sachse, wenn er nach Prügeln lechzt…

 

 Ich verspreche hoch, aber nicht heilig, daß das an einem Märzentag nie wieder vorkommt. Nie wieder werde ich Mutti Natur damit brüskieren, daß sie gerade erst an der Wiederbelebung arbeitet, dann aber durch mich mit Vollkommenheit konfrontiert wird.

 

 Sorry, Mutti Natur.

 

 Erst wenn’s draußen blüht und sprießt, wenn Sonne, Mond und Sterne von all dem Grünzeug, was da weder kreucht, noch fleucht, sondern einfach nur da ist und dabei, sich nicht bewegend, trotzdem verduftet, getoppt werden und die Natur, die alte Einschnapperin, sich zufrieden zurücklehnt, dann erst werde ich wieder zum Terrassen-Highlight, zur Licht-Gestalt. Und das bezieht sich nicht aufs dünne Haupthaar.

 

 Und dann riskiere ich’s, Freunde der im Verein mit Herrn R. dargebotenen Sanges-Kunst und –Lust, dann werde ich zum Radikalen. Dann gehe ich über die Grenze. Dann verliere ich jede Scham. Dann zeige ich ALLES.

 

 Dann nehme ich auch noch die Brille ab.

 

 Brilliante Grüße vom Frühlingstöter

 

Jürgen

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