12.November 2009


Drei-Streifen-Wahnsinn

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 ich bin aber auch einer… Nee, ehrlich! Manchmal wundere ich mich über mich selbst!!

 

 Wie, beispielsweise, wie kam ich nur auf den irrsinnigen Gedanken, in einem Schuhgeschäft nach Schnürsenkeln zu fragen? Ist doch voll daneben, oder?

 

 Es begab sich vor ein paar Tagen zu Rostock, jenem niedlichen Kleinstädtchen, das die Ostsee daran hindert, uns hier in Leipzig zuzutsnunamien. – Ey, nebenbei noch ein neues Verb auf den Markt geworfen… Armer Markt.

 

 Und in eben jenem Segelschiff-Eldorado hatte ich das, was sich Herr R. manchmal so wünscht: Zeit.

 

 Ich schlendenderte durchs Einkaufssträßchen, sah in der Auslage eines Verkaufstempels Schühchen über Schühchen und wurde befallen. Nämlich von dem Gedanken an meine meiner daheim harrenden Sport-Treter, die durchaus excellente Dienste leisten, deren Schnürsenkel aber mittlerweile kurz davor standen, das aufzugeben, wovon ich soooooo viel habe: Geist.

 Ich schnurstrackste also in den dreigestreiften Laden und adidaste dem Jüngelchen, das dort Verkäufer übte, ins gegeelte Antlitz: „´n Paar Schnürsenkel, 120 cm lang, für Sportschuhe, bitte!“

 

 Erfreut blickte mich der Schuh-Eleve an, denn er hatte ein neues Wort kennengelernt: Bitte.

 

 Ich aber war nicht gekommen, um neue Worte zu lehren, sondern um den Verkaufsraum zu leeren. Partiell. Aber immerhin. Um Schnürsenkel der widerstandsfähigen Art. Denn ich bin ein fester Zurrer!

 

 Daß ich ein solcher sei, verschwieg ich der Adidas-Pappnase aber vorsichtshalber, denn zwei neue Wörter am Tag – das traute ich ihr nicht zu. So’n Schuhe-über-den-Tisch-Reicher muß sich ja schon die Anzahl der Streifen pro Schuh merken. Und das streßt.

 

 Genauso blickte er mich nun auch an: gestreßt und zweifelnd. An meinem Verstand.

 

 „Schnürsenkel?“

 

 „120 cm!“ fuhr ich ihm ins Wort bzw. in die Frage.

 

 Herablassend formulierte er, grammatikalisch einwandfrei: „Schnürsenkel gibt’s bei uns nicht.“

 

 Sofort ging ich in die Defensive: „Ich Dummerchen. Wie kam ich bloß auf den Gedanken, in ´nem Schuhgeschäft nach Schnürsenkeln zu fragen…“

 

 Und ich erntete. Ein Nicken.

 

 Und noch mehr, denn der Einstein der Fußbekleidungs-Wissenschaften erläuterte gönnerisch: „Wissen Sie, wir haben hier so viele verschiedene Schuhe mit so vielen verschiedenen Schnürsenkeln, da können wir nicht alle parat haben.“

 

 „Mir ging’s ja auch nur um EIN Paar...“, wagte ich einzuwenden. Und verursachte eine hochgezogene Augenbraue. „Für all die verschiedenen Schuhe haben Sie aber wenigstens jeweils einen zweiten passenden dazu?“ gab ich vor, die entstandene Spannung aus dem Kundengespräch heraus-scherzen zu wollen.

 

 „Ja. Klar.“ antwortete der Angescherzte. Und das auch noch stolz.

 

 Himmel!!!!!!

 

 Der Drei-Streifen-Shop hatte nicht ein Paar Schnürsenkel. Nicht mal ein halbes Paar. Es schnürsenkelte überhaupt nicht.

 

 Dann aber machte ich einen entscheidenden Fehler und verließ den Laden, - ohne nach Klettverschlüssen gefragt zu haben. DAS Gesicht hätte ich ihm Nachhinein doch noch sehr gern gesehen.

 

 Ich hab’ jetzt neue Schnürsenkel im Sportschuh . Im rechten. Hellblauer Senkel. Der im linken ist weiß. Das irritiert die Gegner!!!

 

 Den Senkel fand ich noch irgendwo daheim. Demnach wurde der Adidas-Arsch von mir völlig unnötig belästigt.

 

 Ich sollte mich schämen! Ja, ich denke an Suizid! Ich nehme mir den Senkel!!!

 

 Habt ihr einen oder wißt ihr gar, wo ein solcher erworben werden kann, dann informiert bitte

 

Jürgen

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