2.November 2009


Hörbst

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 so.

 

 Draußen herrschen - ja doch, CDU/CSU und FDP, aber darum geht es gar nicht – draußen herrschen fünf Grad. Beklopptendeutsch: Draußen hat es fünf Grad…

 

 Und es dauerregnet. Grauer Dauerregen. Dunkelgrauer Scheiß-Dauerregen.

 

 Hörbst!

 

 Eine Jahreszeit, die Frauen mögen…

 

 Ich mag Frauen, hasse aber den Hörbst. Kein Wunder, daß da irgendwas irgendwie immer schief läuft.

 

 Vorvorgestern fiel in meinen Gemächern die Heizung aus. Und weit und breit keine Frau! Gerade dann, wenn sie am dringendsten benötigt würde.

 

 Wo waren die denn alle. Soll ja weit über 100 000 geben…

 

 Dem Hörbst zuwinken? Ihm entgegengurren: „Komm, du süßer kleiner Racker, du mein Jahreszeiten-Held!“? Ihn (Und nicht mich, den dem Kältetod ins Auge Blickenden!) wärmend an sich kuscheln, damit er sich noch kälter geben kann…?

 

 Ja, die Heizung heizt wieder… Was hätte sie auch sonst machen sollen? So ´ne Heizung kann ja nur zwei Dinge: rumhängen und/oder heizen. – Kein schönes Dasein!

 

 Manchmal vielleicht noch lecken. Aber das höchstens alle paar Jahre mal…

 

 Und immer dieses Sich-an-mich-Anbiedern in der Gestalt: nüscht auf’n Rippen.

 

 Herr R. bot mir übrigens sofort übergangsweise einen Radiator an. Obwohl ich gar nicht mehr mit Bleistift schreibe. Ob dieser Frechheit wurde mir siedend heiß. Ich unterstelle ihm mal im positiven Sinne, daß er das beabsichtigt hat. Der Gute…

 

 Oh, ich merke schon, der Hörbst stimmt mich (zu) versöhnlich. Vielleicht liegt das am Film „Hannibal“, den ich gestern nachmittag, erschöpft vom sonnabendlichen „Melankomiker“-Konzert im Schloß Belgershain die Couch belagernd, vor meinen Pupillen abflackern ließ. Meist mit geschlossenen Lidern. Denn ich mag brutale Szenen nicht. Hörte sich aber gut an, wenn das Leben der Film-Probanden in seinen extrem kurzen Hörbst glitt, um sofort in einem immerwährenden Winter zu versinken.

 

 Ach du Scheiße! Winter kommt ja auch noch!! Winter – der vollendete Hörbst! Vier Grad und Dauerregen…

 

 In fünf Monaten könnte, wenn nicht vorher schon Gevatter Hain an meine Tür gekrachbummt hat, dessen kleiner Bruder, Gevatter Frühling, wieder das Zepter übernehmen. Aber so’n Frühling hat eben auch nur zwei Hände. Mit denen muß er das Zepter umklammern – und kommt so, logischerweise, zu nüscht anderem!

 

 Sieben Grad. Dauerregen. – Ein Durchschnitts-Frühling…

 

 Hui, ein versprengtes Hagelkorn splatatterte gerade gegen mein Fenster. – Ein Glückstag!!! Weil mein Fenster nicht barst…

 

 Wer Worte wie „barst“ in seinem Sprachschatz hat, dem mangelt es natürlich an Platz für weitere Schätze, beispielsweise Frauen.

 

 Und dem ist kalt. Dem graut.

 

 Wieviele Morgen mir wohl noch grauen?

 

 Ja, das ist heute mal so richtig mein Tag! In zwei, drei Stunden werde ich sogar kurz lächeln, um Abwechslung in mein Leben zu bringen. Naja, vielleicht…

 

 Optimistische Grüße von

 

Jürgen

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