24.September 2009


   

Ganz schlicht: ein Held

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 niemand von euch wird daran zweifeln, daß ich ein Held bin. Nicht auszudenken, beispielsweise, wenn ich bei der Bundestagswahl mit auf dem Kreuzchen-Zettel stünde…

 

Dann würde Herr R. Außenminister! Und Vize-Kanzler!!!

 

Ein guter Grund, nicht zu kandidieren… So vermasselt mir W. jegliche Aufstiegs-Chancen.

 

 Ich aber, und hier zeigt sich wiedermal, daß ich zu gut für diese Welt bin, lasse ihn trotzdem weiterhin an meinem Leben teilhaben. Beispielsweise gestern. Und was er da nicht alles miterleben durfte:

 

 Jürgen, also ich, rabunzelte nach der Mugge seinen Gitarrenkoffer gekonnt wie immer ins Heckteil seines Autos. Da sitzt JEDER Handgriff.

 

 Nur der Gitarrenkoffer hat ´nen schlechten Tag. Denn genau in dem Moment, in dem ich die Heck-Klappe schließe, überkommt ihn der Trennungs-Schmerz – und er stürzt sich mir entgegen. Verständlich!

 

 Jeder andere Mitbewohner dieses einzigartigen Planeten hätte wohl mit einem „Gucke, da rasselt er hienieden!“ reagiert und hinterher den Koffer samt des zertrümmerten Instruments der Wertstoff-Wiederverwertung zugeführt.

 

 Nicht aber euer Held. Ich!

 

 ICH versuchte todesmutig nach dem Newton-bedingt fallenden Instrumenten-Behälter zu greifen. Das allein hätte aber zum Held-Sein nicht genügt. Deshalb drückte ich gleichzeitig und BLITZESCHNELL die Heck-Klappe zu. Genial.

 

 Bedauerlich war nur, daß der Instrumenten-Koffer, als das Auto wieder verrammelt war, schon auf dem Boden lag. – Kann passieren.

 

 Glücklicherweise klemmte nun aber der Ringfinger meiner linken Hand in der geschlossenen (!) Autotür. Das geht nur mit gaaaaanz schlanken Fingern. Sonst platzt bei solcher Belastung ein jedes Auto SOFORT. Selbstmord-Attentate stellen sich in der Recherche meist als ob zu dicker eingeklemmter Finger detonierende Straßenfahrzeuge heraus. Nix Bombe!

 

 Mein Fingerchen aber PASSTE gut zwischen Tür und Verschluß-Gummi. Was’n Finger!

 

 Trotzdem riß ich ihn nach gefühlten drei Stunden durch geschicktes Öffnen der Heck-Klappe wieder heraus, Herrn. R. nebenher mit einem „AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAHHHH!“ über meine Heldentat in Kenntnis setzend. – Oh, was hat der neidisch geguckt…

 

 Vor allem als dann mein Heldenblut in nicht geringem Ausmaß an die Öffentlichkeit drängte. Drängte? Schoß!!!

 

 Um ihn nicht noch mehr zu demütigen, spielte ich ein klein bißchen den Wehmütigen und fing an zu wimmern…

 

 Da erwachte sein (meist im Verborgenen schlagendes) gutes Herz, und er brachte mich zurück an den Veranstaltungsort, da er dort Pflaster-Kontingente vermutete.

 

 Selbst mein schlichtes „Laß mich einfach hier draußen sterben…“ konnte ihn nicht davon abhalten, sich als Retter aufzuspielen. Peinlich!!!

 

 Letztendlich wurde mir der Finger wieder angeklebt. Oder war’s nur verbunden? Jedenfalls beobachte ich nun interessante und kostenlose Farbenspiele: Aus Blutrot wurde in kürzester Zeit Tiefblau! Wie mag das weitergehen…?

 

 Leider sollen W. und ich morgen abend wieder zur musikalischen Erbauung der Mitmenschen aufspielen. Ich bin gespannt, was mein Finger dazu sagt…

 

 Sollte er (wenn auch nur eingeschränkt) mitspielen, wäre das eine Helden-Verdopplung nie dagewesenen Ausmaßes! Ein Held mit einem Helden-Finger.

 

 Darauf muß ich jetzt erstmal einen trinken. Oder essen! Finger-Food!

 

 Blutrünstige Grüße von

 

Jürgen

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