28.Juli 2009


Ruhe!

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 ich habe mich lange nicht mehr über die Bauarbeiter an sich aufgeregt. Warum eigentlich?

 

 Weil ich mich jetzt über die Bauarbeiten an sich aufrege!

 

 Täglich!!

 

 Und täglich mehr!!!

 

 Himmel, es gibt doch Fertighäuser!! Die kann man, möglichst geräuschlos, dorthin stellen, wo man sie haben möchte – und fertig ist der Lack. Und von mir aus auch das Leder.

 

 Vor allem aber: Ich kann dann ruhig schlafen.

 

 Kann ich aber nicht, denn seit mehr als einem Jahr lebe ich inmitten von Baustellen. Ich werde umbaut! Ich bin der einzige ohne Helm in meinem ganzen Viertel!!!

 

 Und gerade mir würde ein Helm sehr gut stehen! Ach was sag’ ich: Ausgezeichnet stehen.

 

 Aber nee, ich komme nicht zum Helmkauf, da ich mir ständig die Ohren zuhalten muß. Von früh bis spät, und neuerdings von früh bis früh!

 

 Denn als die behelmten Jungs am Freitagmorgen eben mal begannen, eine riesige Fläche für ´ne Tiefgarage mit Beton (Zement? Bitumen?? Uhu-Kleber??? – Was weiß ich…) auszugießen, hatten sie vorher nicht auf den Wetterbericht geachtet. Ich schon! Und sofort schwante mir was. Und das war nichts Gutes.

 

 „Das schaffen die doch nie bis zum Sendeschluß“, schwante ich vor mich hin, denn ICH hatte wohl von den angekündigten unwetterartigen sowie sehr regen Regengüssen gelesen, die Leipzig an eben jenem Tage heimsuchen sollten.

 

 Und im Gegensatz zum manchmal ja auch annoncierten Sonnenschein suchte der Monsum-Regen die Messe- und Helden-Stadt wirklich heim.

 

 Es rattaterte nur so vom Himmel. Und mitten auf die mit einer Art Auto-Scooter-Gefährt, welches noch dazu nach unten wummerte, um was auch immer zu verfestigen, herumkurvenden Helmlinge.

 

 Was ´ne Pause nach sich zog. Und irgendwann noch ´ne Pause.

 

 Und dann noch eine.

 

 Zwischendurch wurde dann aber mal richtig Krach gemacht.

 

 Als ich abends um halb neun mal vom Terrässchen spähte, ahnte ich es bereits – das wird nüscht! Das schaffen die nie. Gleich wird es auch noch dunkel.

 

 Doch es ward Licht. Baustellen-Licht. Das wiederum verjagte den Regen.

 

 Und nun regten sich die fleißigen Bauarbeiter und ich mich auf.

 

 Denn es wurde munter weiter betoniert. Bis nach 22 Uhr! Bis nach 23 Uhr!

 

 Und dann geschah es: Der Tag verschied, aber die Betonierer waren in eine Art Wahnzustand geraten.

 

 Nichts konnte sie mehr bremsen!

 

 Es wurde 1 Uhr, und, wer hätte das gedacht, es wurde 2 Uhr. Nachts. Aber es wurde nicht leiser. Oder zumindest leise. Nö, es wummerte durch die Nacht.

 

 Als um 2.45 Uhr plötzliche Stille eintrat, wußte ich: Das ist nur’n Gag! Denn um 1.45 Uhr war auch schon mal zehn  Minuten nix los gewesen.

 

 So blieb ich, mit dem Schlimmsten rechnend, bis 7 Uhr wachen Auges (das linke) und wachen Ohres (das rechte – vonwegen des Gleichgewichts) liegen.

 

 Doch die Säcke grillten mich nun mental, indem sie einfach nicht weitermachten. Oder wieder anfingen. Sonst waren die auch samstags immer ab 6.30 Uhr zum Krawallmachen erschienen.

 

 Erst gestern früh, ging es dann wieder richtig dezibelastend zur Sache. Und – irgendwie – hatte ich es fast vermißt.

 

 Deshalb frage ich mich nun, warum eigentlich nicht NUR noch nachts gebaut wird. Oder warum nicht wenigstens der Baulärm, der tagsüber feilgeboten wird, auf MP3 oder gar -4 gespeichert und nächstens abgespielt wird.

 

 Ich mag keine Entzugs-Erscheinungen.

 

 Ich will nur endlich, endlich, endlich und dann für immer: meine Ruhe!

 

 Aufbauende Grüße vom unbehelmten

 

Jürgen

Copyright © 2005-2006 Design by ITS-NETWORK.NET
Sie sind Besucher Nummer: 165078
JW-admin | News-admin