23.April 2009


Ausge-bucht

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 was ist eigentlich ein Welttag? Werden da die Zeitzonen außer Kraft gesetzt – auf der ganzen Welt? Oder ist mal einen Tag lang nur Tag – scheiß auf die Nacht?

 

 Sollte nicht, fürs Erste, auch ein Europatag reichen?

 

 Fragen über Fragen. Und wo findet unsereins die Antworten? Richtig: im Buch.

 

 Und nun das: Heute ist, warum auch immer, der Welttag des Buches.

 

 Nö, nicht etwa der Bücher. Wir wollen’s mal nicht übertreiben. Eins muß reichen. Ein Buch für alle. Alle für ein Buch.

 

 Der alte Bibliotheks-Gedanke lebt: Durchlesen und dann weitergeben. Natürlich vorher die wichtigen Stellen schön bunt unterstreichen.

 

 Es muß aber schnell gelesen werden, denn wenn bei EINEM Buch an einem Tag ALLE drankommen sollen – buistro, buistro! (Hier bleibt der Alt-Bundesbürger ob mangelnder Russischkenntnisse mal außen vor, wie er’s formulieren würde…)

 

 Nun gibt es aber noch den Börsenverein des deutschen Buchhandels sowie die Stiftung Lesen. Letztere liegt mir sehr am Herzen, denn auch ich las schon als Stift! Beide, also nicht etwa mein Herz und ich als Stift, sondern der Börsenverein und die Stiftung, fanden nun, daß „Welttag des Buches“ nicht ausreicht. Sie möchten wirklich alle einbezogen wissen. Und so kletterten sie, vermute ich, auf ihr Haus und starteten – sie nennen es so – eine Dach-Kampagne!

 

 Bingo!

 

 Eine Dachkampagne, wie sie im Buche steht!

 

 Und wie nennen sie die Dach-Kampagne? Genau: „Welttag des Buches – Hier. Und überall.“

 

 Ich schlage nun vor, es noch besser zu verphrasen, um wirklich JEDEN, auch Herrn R., einzubeziehen: „Welttag des Buches – Hier. Und überall. Auch dort.“

 

 Schon genial, oder? Ich sollte Kampagnen-Gestalter werden! Einfach mal Blödsinn formulieren und damit jede Menge Geld verdienen. Obwohl, das gelingt mir ja schon bei den MelanKomikern. Wenn da nicht die fünf Prozent für W. wären…

 

 Am Tag der Arbeit wird ja, zumindest in deutschen Landen, nicht gearbeitet. Das bedeutet, daß am Tag des Buches nicht gebucht wird. Sondern gelesen. Alle 26 Buchstaben. Und – an guten Tagen – noch das russische Mjachkisnjach. Ein Weichzeichen. Mitten in dieser harten Welt. Ein Lichtblick!

 

 Was wettert er nur heute wieder gegen solch einen bedeutungsschwangeren Welttag, werdet ihr euch nun die ganze Zeit über schon gefragt haben. Und einer Antwort harren.

 

 Ich mache mich nun für euch zum Harry und antworte: Besondere Tage finde ich besonders blöd! Frauentage, Festtage, Tagliatelle usw.

 

 Ich bin nämlich ein Tag-Träumer. Ich fantasiere mir meinen Tag zurecht. Und jeder Tag ist der Tag der Tage. Jede Nacht die Nacht der Nächte. Und jeder Morgen ist … ein Grauen!

 

 Morgen haben die Bekloppten dieser Welt doch sowieso wieder vergessen, was das ist: Lesen. Und die Kinder, welche ans Buchstabieren herangeführt werden sollen, müssen für Papa Bier holen. Und werden dafür auf alt geschminkt…  DEN Weg kennen sie wenigstens, den zur Bibo natürlich nicht.

 

 Ich sei ent-illusioniert? Oja! Bin ich.

 

 Ist vielleicht nicht mein Tag heute.

 

 Grüße ins Morgen! Morgen ist der Welttag des Dirks! Welttag in Delitzsch! Schon mal beste Grüße, du alter Sack, vom betagten

 

Jürgen

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