15.April 2009


Kasting

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 manchmal denke ich, daß ich alles schon kenne. Und heute ist wieder so ein Tag.

 

 Denn heute früh hörte ich im Deutschlandfunk einen Bericht über die Kasten-Probleme in Indien.

 

 Kasten-Probleme hatte ich schon in der ersten Klasse. Sozusagen erstklassige Probleme. Diese wuchsen sich dann zu Bock-, und später gar zu Pferd-Problemen aus. Hätte ich nicht nach zwölf Schuljahren und mit dem Prädikat „Ausgezeichnet“ (Von wem?) auf dem Abi-Zeugnis die Bildungseinrichtung verlassen – meiner hätten Elefanten-Probleme geharrt. Oder gar Giraffen!!!!

 

 Und nun die Indianer! Machen einen solchen Heckmeck wegen der Kasten-Unterschiede. Den niederen Kasten ginge es nicht gut.

 

 Von wegen!

 

 Die niederen Kasten waren doch die einzigen, über die ich, egal in welchem Alter, relativ leichtfüßig hinwegturnte (-flog???). Sie wurden a) von mir gemocht und b) von mir kaum touchiert. – Diese seltsame Kombination prägte übrigens in der Schulzeit auch den Umgang mit den sogenannten Mädels. Ich aber hielt sie für Engelinnen, denen ich kein „Touché!“ hätte zumuten können…

 

 Einer meiner vielen Irrtümer, die mich heute so beliebt machen.

 

 Bei mir.

 

 Die höheren Kasten aber, zu denen gern ein jeder Indio gehören würde, rammte ich. Aus vollem Lauf. Direkt vom Sprungbrett aus.

 

 Ich funktionierte das Sprung-Brett zum Lauf- und Ramm-Brett um! - Rumms!

 

 Oh, da gingen schon manche Kasten zu Bruch.

 

 Und Mitschüler. Ob ihrer freudvollen Lachkaskaden. Auf meine Kosten!!! Oder gar auf meine Kasten???

 

 Diesen Spieß aber habe ich heutzutage umgedreht, denn heute müssen die Leute bezahlen, um über mich zu lachen. – Wenigstens ein Erfolg.

 

 Außer wenn ich beim Squash wieder mal übermütig und OHNE Sprungbrett mit dem Gesicht die Wand durchbrechen will… Dafür nehme ich kein Geld. Nur Gratis-Pflaster und –Verbände.

 

 Wären die Kasten in Indien Wände, sähe alles anders aus. Das wäre sozusagen die indische Wände! Und wer sich dabei das Genick bricht, wird sofort als Wände-Hals tituliert!

 

 Wo ich im Sport noch miserabel war? - Reck- und Bodenturnen!

 

 Am Reck quetschte ich mir Sachen ein, die ich damals noch gar nicht benennen konnte, was mich aber heute noch vor jeder Kommode zurückschrecken läßt. Ich komme keiner Kommode zu nah. Denn ich weiß, wie sich Quetschen anfühlt.

 

 Andererseits – mal wieder so richtig Quetsch machen, das wäre doch was für den Sommer 2009!

 

 Bodenturnen aber – oh, da war ich durchaus der filigrane Held der Klasse, der Schule, ja, der sozialistischen Staatengemeinschaft. Inklusive Jugoslawien! Und der KVDR.

 

 „Federgleich!“ – Das war es, was meine Kumpels mir zuriefen. Wenn sie aus dem Lach-Koma erwachten…

 

 Pferd, Bock und Kasten verweigerte ich aber standhaft. Seit der achten Klasse! Ich sprintete wie Bolek (Oder war’s Lolek?) auf den zu überwindenden Feind zu, sprang ab – und stand dann wie eine Eins!

 

 VOR dem Gerät!

 

 Schade, daß DAS nicht olympisch geworden ist.

 

 Dann wäre ich heute euer Goldjunge.

 

 So aber grüße ich euch unmedailliert, aber als einer, der was auf dem Kasten hat, schlicht als

 

Jürgen

  

 PS. Ich sage nur noch eins: Bier-Kasten.

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