29.Mrz 2009


Diener for one

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 was haben W. und ich für einen schönen Beruf. Nein, nicht etwa Diplom-Ingenieur bzw. –Journalist. Die muß es auch geben – oder auch nicht.

 

 Ich aber meine den Beruf des Liederträllerers. Wenn man mal von der ganzen Organisiererei, dem ewigen Autofahren sowie dem Liederschreiben und -proben absieht: ein Traumjob.

 

 In unserem Fall sogar eine sitzende Tätigkeit! Das kommt Herrn R. entgegen…

 

 Das Tollste aber: Kaum hat man Feierabend und deutet dies mit einer kurzen Verbeugung an, schon applaudieren die Leute. Also manchmal. Und sie klatschen und klatschen.

 

 Unsereins dienert dann nochmal, wundert sich, daß auch W. beklatscht wird, und legt dann gemeinsam mit ihm sowie mit niedergeschlagenen Lidern noch ein, zwei Liedlein nach.

 

 Am Freitag in Bad Karlshafen gar sechs.

 

 Und dann sagen einem wildfremde Menschen auch noch Dankeschön. Nur fürs Singen…

 

 Wie gesagt – ein Traumjob!

 

 Nun aber mein Vorschlag an euch, die ihr dies tränenden Auges lest: Einfach zum Feierabend mal in Richtung Arbeitgeber trippeln und sich höflich verbeugen! Und noch’n Diener!

 

 Dann abwarten. Die Birne gen Boden.

 

 Wenn der Chef auch nur irgendwo im Arbeitgeberkörper ein Herz, ach, und wenn es nur ein Herzchen sein möge, verborgen hält, wird er es irgendwann tun: applaudieren! Klatschend Dank für die den ganzen Tag über erbrachte Arbeitsleistung sagen.

 

 Ihr aber, die ihr nun errötend vor demjenigen steht, der ansonsten nur mit befehlsartig geschnarrten Anweisungen Kommunikation mit euch betreibt, seid nun – bitte! – clever.

 

 Reizt den Beifall nicht aus!

 

 Denn irgendwann macht es im Arbeitgeberhirn Klick!, und der Schlipsträger beginnt „Zugabe!“ zu säuseln. Erst säuselt er, dann aber nähert sich die Stimme mehr und mehr einem Brüllen, hat nur noch Forderndes.

 

 Und hier nun sind wir Liederer absolut im Vorteil. Wir gaben nämlich gern die eine oder andere Zugabe. Ich übrigens lieber als W., das sei hier mal am Rande bemerkt. Herr R. hat eben Familie und muß mit dem Hund raus…

 

 Für euch aber bedeutet der Zugabe-Ruf: Zurück an den Schreibtisch, die Drehmaschine, in den Stall, auf den Acker, auf die Baustelle oder ins Bett – je nach Beruf –, und eine (unbezahlte!) Zusatzschicht fahren. Danach überlegt sich der eine oder die andere, ob sie nochmals beifallheischend die Rübe neigt…

 

 Und da ist er, der kleine Unterschied. Denn wir neigen gern nochmals, singen wieder und wieder und sagen ab und an sogar dem gar liebreizenden Publikum ein Dankeschön für den höchst amüsanten Abend mitten hinein ins glücksleuchtende Antlitz.

 

 Auch das solltet ihr mal versuchen. Dem Boß am Arbeitstag-Ende für den Spaß, den ihr hattet, mit Komplimenten überhäufen.

 

 Herr R. und ich kommen euch dann in der Anstalt besuchen! Und bringen allen Insassen ein Ständchen. Im Sitzen! Irre!

 

 Ein Traumjob!

 

 Auf Zugabe-Rufe eingestellt, grüßt

 

Jürgen

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