12.Dezember 2008


Schnauze!

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 was war das denn? – Schlendere ich gerade inmitten Leipzigs durch die Galeria Kaufhof, also durch den Einkaufstempel schlechthin, und muß beobachten, wie zwei Pärchen mittleren Alters, also jünger als euer Wonnepröppchen, verdutzten Auges aufeinanderzustürmen und Folgendes lauthals artikulieren: „Was macht ihr denn hier?“

 

 Ich verharrte, schüttelte baß erstaunt ob der Blödheit dieser Frage das spärlich behaarte Haupt und machte mich flugsesten Schrittes von dannen. Und von hinnen!

 

 Denn eines wollte ich wirklich nicht hören: den Dialog, der sich nun gewiß zwischen den Vieren entspann. Ich erahne ihn aber:

 

 „Einkaufen.“

 

 „Das gibt’s doch nicht!“

 

 „Und ihr?“

 

 „Auch einkaufen.“

 

 „Ich werd’ irre!“

 

 „Und wo?“

 

 „Galeria Kaufhof.“

 

 „Wir auch!“

 

 „Nicht möglich!“

 

 „Doch!!!“

 

 „Das glaubt uns keiner!“

 

 Da aber möchte ich einhaken: Ich glaube ihnen! Für solche Menschen werden Unterhaltungssendungen im Fernsehen gemacht. Für solche Menschen gibt es Event-Manager.

 

 Und bei solch einem gemanagten Event treffen sie sich dann und BRÜLLEN aufeinander ein: „WAS MACHT IHR DENN HIER????“

 

 Fragile Grüße von

 

Jürgen

 

Sehnen und Strecken

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 letzte Nacht schneite es mächtig gewaltig. Was heißt „schneite“? Es schnoo! Es schnuu regelrecht!! Ja, um ehrlich zu sein: Es schnie!!!

 

 „Nur gut, daß du bei diesem Scheiß-Wetter nicht draußen sein mußt“, dachte ich mir.

 

 Denn ich saß ja im Auto.

 

 Und fuhr, aus der Kulturmühle Bischheim kommend und mit ca. 20 bis 40 km/h die Flockenwand zerteilend, in schier rauschhafter Geschwindigkeit gen Leipzig.

 

 Huch! In der Kurve gedreht!! Wie ein Karussell! Und ganz ohne Bezahlen!!! Danke, du arschblöder Winter.

 

 Doch dann: Schon wieder gedreht! Mir wurde langsam schwindelig…

 

 Ok., irgendwann bekam dann ich die Straßenverhältnisse oder eben die Straßenverhältnisse mich in den Griff, und so tuckerte ich, „Es schneit, es schneit! Es wurde höchste Zeit!“ tirilierend, durch die Nacht. Immer mal Herrn R. anrufend, der den Ort unseres liedermacherischen Triumphes 20 Minuten vor mir mit seinem Auto verlassen hatte und mir so Schnee-Höhen-Meldungen durchgeben konnte: „Ski und Rodel gut!“

 

 W. hatte es aber auch nicht leicht: Er fuhr direkt hinter ´nem Schneepflug! Da haste zwar ´ne freie Fahrbahn, wirst aber durch die Rundum-Leuchte auf dem Niederschlagsbeiseiteschaffungsgerät in den Wahnsinn getrieben. Das Leben übertrifft sich manchmal selbst…

 

 Ja, nennt mich ruhig „Leben“.

 

 Wir beiden, ja auch W., überlebten aber und haben heute den ganzen Tag nur eines im Sinn: Beten! Und zwar dafür, daß die Rum-Sauerei mit geschnetzeltem Eis endlich aufhören möge.

 

 Bevor ich aber wieder in den Boliden steige, stippviste ich erst nochmal kurz den Weihnachtsmarkt. Ein bißchen Karussell fahren…

 

 Und Menschen gucken! Müßter mal machen!! Menschen auf dem Weihnachtsmarkt gucken! Mitten am eisgrauen Tag! Grauselig!! Soooooooolche Ellenbogen!!! Selbst in den Gesichtern sind Ellenbogen drin! Manchmal gar die von Fremden!!!

 

 Ja, auch ich habe ab und an einen Ellenbogen abzugeben. Aber Vorsicht! Nicht daß dabei die Strecksehne im Finger draufgeht!!

 

 Ja, Finger haben Strecksehnen. Das habe ich heute gelernt. Und das wiederum, nämlich etwas gelernt zu haben, macht diesen Tag zu einem großen. Was’n Tag!

 

 Strecksehnen!

 

 Ich fühle so ein Strecksehnen in mir. Mein Sehnen bringt mich zur Strecke. Mein Strecken dehnt mir die Sehnen. Sehnsationell!!

 

 So. Draußen schneit es nicht. Noch nicht! Ich sitze ja auch noch nicht im Auto!

 

 Wenn ich dann aber nachher im fahrbaren Umweltverschmutzer logiere, dann gilt mein Sehnen und mein Strecken nur einem: W.! Denn dieser steigt nahe der Autobahn zu mir ins Gefährt, der treue Gefährte! Diesmal bewältigen wir die Strecke (!) zum Kultur-Event im gleichen Auto. Der Umwelt zuliebe…

 

 Und sollte es dann doch wieder Flocken regnen, wird mich Herr R. bekehren. Dafür habe ich ihm einen kleinen Schneebesen geschenkt, mit dem er dann, vor dem Wagen herhechelnd, die Fahrbahn zu säubern hat. Ich glaube, er sehnt sich regelrecht danach…

 

 Vielleicht bringe ich ihn so aber auch zur Strecke?

  

 Flockige Grüße von

 

Jürgen

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