13.November 2008


Ein Schlacht-Fest!

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 also DAS hat mir damals keiner gesagt. Daß es DAS gibt, wußte ich nicht. Wie anders, um Himmelswillen, wäre mein so schon ziemlich verschnörkelter Lebensweg verlaufen, wenn ich gewußt hätte, daß es DAS gibt, ja, daß man DAS werden kann:

 

 SCHLACHTFELD-ARCHÄOLOGE.

 

 Was’n Beruf!

 

 Soeben sprach ein solcher im DeutschlandradioKultur zu mir, und was er sagte, war mir sowas von egal… Ja, eigentlich habe ich gar nicht mehr hingehört, nachdem die Berufsbezeichnung auf mich geprallt war: Schlachtfeld-Archäologe!!!

 

 Was hätte ich in der DDR-EOS (für Bürger westdeutschen/griechischen Ursprungs und einer solchen Sozialisation: DDErweiterte Oberschule) meine Lehrer, die mich alle gar zu gern zu einem Offizier gemacht hätten, um ihre diesbezüglichen Quoten zu erfüllen, schocken können: „Nö, ich möchte Schlachtfeld-Archäologe werden!“

 

 Ein Brüller!

 

 Vielleicht hätten W. und ich gemeinsam die Qualifikation für diesen raren Job erwerben können und müßten heute nicht mehr liedermachern! Wir würden graben! Und sieben! Und (heimlich) schlachten! – Ein knochenharter Job!

 

 Ja, natürlich, Händewaschen nach der Arbeit – das müßte dann ab und an schon sein. Und die Familie (Welche Familie?) dürfte sich gegebenenfalls auch nicht wundern, wenn sich hie und da mal ein Beckenknochen oder ein Schädel ins Schlachtfeld-Archäologen-Aktentäschchen verirrte und dann in dessen heimischer Umgebung (also der des Schlachtfeld-Archäologen, nicht der des Schlachtfeld-Archäologen-Aktentäschchens, obwohl das ja eigentlich die gleiche heimische Umgebung sein müßte, es sei denn, das Schlachtfeld-Archäologen-Aktentäschchen wohnt getrennt) sein Eigenleben frönt.

 

 Reizend stelle ich mir’s auch bei der Partnerinnensuche vor: „Ey, trinkst du ´nen Kaffe mit mir? Ich bin übrigens Schlachtfeld-Archäologe!“ – Da sind die Weiber doch gleich hin und weg. Ok., mehr weg, aber immerhin hin.

 

 Die Frage ist nur, wie ich’s Mama und Papa hätte erklären sollen, daß ihr Sohn nun doch nicht, wie bereits in der 11. Klasse verkündet, Sportreporter, sondern Schlachtfeld-Archäologe werden möchte. – Andererseits ist das ja nix anderes als eine Art Sportveranstaltungs-Nachberichtserstattung, was der Schlachtfeld-Archäologe da so betreibt.

 

 Gut, ich muß mittlerweile konstatieren, daß ich kein Schlachtfeld-Archäologe bin. Noch nicht! Ich bin ja noch jung! Im Vergleich zu Jopi Heesters sogar wahnsinnig jung. Ein Jüngelchen!! Fast noch in der Ausbildung!!!

 

 Ich werde mal die Uni-Verwaltung in Leipzig anrufen und fragen, ob für die Schlachtfeld-Archäologen-Ausbildung Studiengebühren verlangt und ob meine guten Marxismus-Leninismus-Noten aus dem Journalistik-Studium von anno dunnemals mir angerechnet werden. Letzteres ist wahrscheinlich, Ersteres sollte schon sein. Denn so ´ne Qualifikation möchte man nicht geschenkt!

 

 Zumal – wenn’s richtig teuer ist, kann sich Herr R. dieses Zweit-Studium nicht leisten, denn ich habe ihm bislang erfolgreich verschwiegen, daß wir für unsere musikalischen Darbietungen teilweise Honorar erhalten. Er ist doch schon glücklich, wenn er mit mir zusammensein darf. – Und DAS verstehe ich gut!

 

 Wie glücklich aber wird er erst sein, wenn nicht nur ich im Programm „Mein Freund ist Ingenieur!“ tiriliere, sondern er gar „Mein Freund ist Schlachtfeld-Archäologe!“ anstimmen darf. Oh, dafür lohnt es sich schon zu leben!!!

 

 Und weil das Wort hier und heute eigentlich kaum erwähnt wurde, schreibe ich es euch abschließend nochmals kurz auf und ihr es euch bitte hinter die Ohren:

 

 SCHLACHTFELD-ARCHÄOLOGE.

 

 Wow!

 

 Mit schlachtendem Blick grüßt euch

 

Jürgen

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