15.Juli 2008


Der Schlüssel zum Unglück

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 die Frage nach einem Hobby, stellt sich mir nicht mehr, denn ich habe ein neues: Schlüssel-Anhänger!

 

 Der eine ist Fan von Andy Borg, die eine steht auf Cannabis, ich aber – ich fahre auf Schlüssel ab. Und mit.

 

 So am Samstagmorgen, als Herr R. und ich – nach einer herrlichen Nacht im Doppelzimmer, wobei ich diesmal, ob der Position der Leselampe, rechts, in „Fahrtrichtung“ gesehen, liegen durfte – den noch herrlicheren Skulpturenpark in Katzow bei Greifswald  (www.skulpturenpark-katzow.eu) gen Leipzig verließen. Hinter uns die noch vom abendlichen Konzert in der dortigen Scheune berauschten Gäste, den Künstler selbst, also Thomas Radeloff, seinen überdimensionierten Hund sowie die abend-, aber leider nicht morgendlich tiefausgeschnittene Silke zurücklassend, jagten wir in die Messestadt, wo ja zwei weitere Drei-Stunden-Konzerte unserer harrten…

 

 Ein Säuseln lag in der Luft, W. bediente Lenkrad und Pedale wie immer gekonnt und kein Risiko scheuend, ich räkelte mich verkrampft auf dem Beifahrersitz und war ganz Auge, damit Herr R. nicht wieder, wie auf der Hinfahrt geschehen, die richtige Autobahnausfahrt verpaßt. Gut, bei gefühlten 500 km/h lassen sich diese Schilder aber auch sowas von schlecht lesen… Zumal W. bereits ab und an über nachlassendes Augenlicht klagt!

 

 Sei es, wie es sei – entgegen jeder Erwartung erreichten wir die Messestadt lebend und pünktlich, und während Herr R. sich sogleich an das Studium unseres neuen Mixers, welcher nicht etwa den Geschmack unserer Getränke, sondern den Sound der allerliebsten Darbietungen in neue Dimensionen steigern wird, machte, sondierte ich den Inhalt meiner Hosentaschen: Hausschlüssel, Autoschlüssel, Autoschlüssel meines Vaters (Hä?) sowie Zimmerschlüssel für die Nr.2 der Scheune in Katzow.

 

 Bingo! Die Peinlichkeitsgrenze wieder weit überschritten.

 

 Gut, Thomas angerufen, mich tausendmal entschuldigt, wie immer alles auf Herrn R. geschoben, der ja gerade beschäftigt war und nichts merkte, und dann erstmal ausgiebig den Kopf geschüttelt. – Aber immerhin: Diesmal keine Reisetasche im Zimmer vergessen…

 

 Also, Hotels dieser Welt: Wenn W. und ich wiedermal bei euch aufkreuzen, dann kontrolliert gefälligst bei der Abreise unsere Taschen, enttarnt uns als Schlüssel-Fetischisten. Was ein Fetischist ist, bringe ich dann Herrn R. schon irgendwie bei.

 

 Im konkreten Fall war er zwar unschuldig, aber eigentlich hätte er mich ja bei der Abreise auch fragen können, ob ich den Schlüssel abgegeben habe. Jener scheint nun auf dem Postweg verschollen zu sein, denn heute rief Silke an und fragte unsicher an, ob wir nicht, eventuell, aus Versehen usw. den Zimmerschlüssel…

 

 Diesmal habe ich gleich alles auf W. geschoben…

 

Anhängliche Grüße von

 

Jürgen

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