16.Juni 2008


Die Augen … links!

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 im Himmel scheinen Baumaßnahmen zu laufen, zumindest aber werden dort Begrenzungen errichtet. Wie anders wäre es sonst zu erklären, daß der liebe Gott plötzlich über eine Zaunslatte verfügt? – Um mit ihr zu winken! In meine Richtung!!

 

 Denn als nicht anderes als einen Wink mit dem Zaunspfahl betrachte ich die Tatsache, daß ich seit gestern abend meinen Kopf nicht mehr nach links drehen kann. Nur noch gegen Aua! Und was für Aua!

 

 Aua!!!!

 

 Nein, ich gab mich weder der Gymnastik noch dem Kopfrechnen hin, als es passierte. Ich speiste bzw. spoß, wie immer natürlich ausgesuchte Leckereien – in dem Fall selbstaufgetaute und –erhitzte Kartoffelpuffer aus dem Tiefkühlfach, und war gerade dabei den vorletzten Bissen gen Schlund zu balancieren, als es Knacks! machte, ohne Knacks! zu machen. – Es ging einfach nicht weiter und tat nur noch weh.

 

 Nun bin ich ja im Nebenberuf Held und verkniff mir aus diesem Grund die durchaus angebrachten Tränen. – Ich jammerte nur leise. Naja, mehr so ein Winseln.

 

 Im Handbuch für Helden steht allerdings nichts darüber, daß Winseln und leises Jammern unheldisch seien…

 

 Zähneputzen vor dem Zubettgehen war dann schon problematisch, denn wer je mit mir zusammengelebt bzw. Zähne geputzt hat, weiß wohl, daß mein Köpfchen dabei oft unkontrolliert wackelt, ja regelrecht ins Trudeln gerät.

 

 Somit trudelte und wackelte ich in eine wahre Schmerz-Orgie. Dabei winselte und jammerte es aus meinem schaumgefüllten Mund! – Comedy vom Feinsten! Ich hätte Eintritt nehmen sollen.

 

 Nachdem ich seitlich schreitend das Bett erreicht hatte, stellte ich fest, daß ich nur auf der rechten Seite liegen konnte, wenn mein Bett, wie sonst immer, auch am Morgen noch trocken sein soll. Lag ich entgegengesetzt, flossen die Tränen ungehindert… (Im Bett war ich noch nie ein Held.)

 

 Auch die Rückenlage war nicht zum Lesen geeignet, denn durch das Gejammere und Gewinsele konnte ich mich nicht auf die Literatur konzentrieren. Ein Krach!!!

 

 So las ich denn links noch ein paar Seiten, legte dann das Buch beiseite und hoffte auf eine Ohnmacht, denn die gebotenen zehn Stunden Schlaf auf immer der gleichen Seite liegend zu verbringen, erschien mir nicht erstrebenswert.

 

 Was nicht kam, war die Ohnmacht. So saß und stand ich dann diejenige Zeit der zehn Bett-Stunden, in der ich nicht auf der rechten Körperseite ruhte. Dabei trug ich Kopfhörer, um mein Wehklagen nicht in die Öhrchen huschen zu lassen…

 

 Schluf ich? Träumte mir? Nein, ich vertat die ganze Bett-Zeit mit Hoffen. Auf Linde- und Besserung.

 

 Ummesunst gehofft… Denn nun sitze ich seitlich vor dem Pomputer, um euch an meinem Leid teilhaben zu lassen.

 

 Was soll bloß aus mir werden? Und aus euch? Denn so betrete ich nie und nimmer eine Bühne. Denn SO bin ich nicht in der Lage, über Herrn R. und seine Darbietungen den Kopf zu schütteln. Und das erwartet ihr ja berechtigterweise von mir.

 

 Nun aber zurück zu Gott und seinem Wink: Massa, ich habe verstanden!

 

 Denn der Wolke-7-Bewohner kann ja mit dieser Maßnahme nur eines bezweckt haben: Mich daran zu hindern, jemals wieder nach links zu schauen!

 

 Und wer steht, von mir aus gesehen, auf den Bühnen dieser Welt immer links: W.

 

 Zugegeben: Gern schaute ich da noch nie hin. Zumal ich immer schon mit Weghören beschäftigt war. Aber sollte es nach meinem Zusammenbruch, den ich nur als einen Hinweis auf meinen baldigen Tod zu deuten vermag, doch jemals zu einem Comeback der „Melankomiker“ kommen, seid gewiß: Ich schaue nur noch dahin, wo sich’s wirklich lohnt: Auf euch, auf MEIN Publikum.

 

 Sollte ein Arzt im Saal sein, wäre ich allerdings für Tips, wie ich aus dem Schmerz-Martyrium wieder rausfinde, dankbar. Kann man mich einrenken? Oder etwa wirklich: Rübe ab?

 

 Selbst zum Arzt zu gehen, ist eines Helden unwürdig! Das habe ich schon immer so gehalten.

 

 Mal sehen, wie lange ich das noch durchhalte…

 

 Wimmernde Grüße aus der Heldenstadt von

 

Jürgen

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