1.Juni 2008


Kinder, Kinder...

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender, liebe Kinder,

 

 so kann es wirklich nicht weitergehen. Nö!

 

 Und nochmals: Nö!

 

 Das darf ich denn am heutigen Kindertag, der zumindest im ehemaligen Osten, der ja jetzt Mitteldeutschland sein soll, fleißig wie eh und je (vor allem wie je) begangen wird, mal verlauten lassen.

 

 Obwohl, „verlauten“ reicht gar nicht! Man (in diesem Falle ICH) möchte es schreien. Brüllen!! Oder, wie’s der Sachse und die Sächsin bzw., der Etikette wegen, die Sächsin und der Sachse so trefflich zu formulieren wissen: Blääääken!!!

 

 Und so blääääke ich es denn ins gar nicht so grobmaschige Netz hinaus: Immer mehr Eltern sind absolut zu blöd, um ihre Kinder auch nur einigermaßen in den Griff und somit später auf die richtige Bahn zu bekommen.

 

 Kind kann machen, was es will. Und es will! Und wie!!! Mutti ist es wurscht, denn Mutti ißt gerade Wurscht. Und Vati ist Mutti Wurscht. Zumal er nach Bier ansteht.

 

 Und ICH bin für die Kinder zuständig! Für alle!! Also zumindest für diejenigen, die sich bei der von mir mit Kinderliedern und vielerlei hier nicht weiter beschriebenen Großartigkeiten gestalteten Dreiviertelstunde verlustieren sollen.

 

 An Wochentagen, also in Kitas und Grundschulen, ist ja alles noch in Butter, auch wenn hier das Ranzen schon anfängt. Gut, da werden die Kleinen mal angeranzt – und gut ist. Denn die Vierkäsehochs benötigen zwar keinen vor den Ranzen, aber ab und an mal – und nun werden 80 Prozent der Nachwuchs-Erzeuger googeln müssen – Autorität.

 

 ´ne richtige Erzieherin hat diese. ´ne wahre Lehrerin auch. Sogar Lehrer. Manchmal.

 

 Aber Muddi und Babba lassen ihre Sprößlinge mittlerweile dermaßen un-begrenzt walten, daß ich mich immer öfter frage, ob sie nicht einen an der Waffel haben, obwohl sie sich, wie gesagt, gerade durchwurschteln…

 

 Wenn unsereins (also schon wieder ich…) für mehr als hundert Kinder (Die Deppen nennen sowas „Kids“!) ein Programm gestaltet und in dieser Zeit die Eltern für Jonina und Kevin (Gibt es immer wieder neue…), nennen wir es mal „aufsichtspflichtig“, sind, kann es ja durchaus vorkommen, daß ein neugieriger Dreijähriger zum überaus sympathischen Liedermacher (Ha, schon wieder eindeutig ich!!!) nach vorn drängt, um mit seiner Patschehand die Gitarre zu berühren. 

 Fein! Ich erkläre ihm, daß das gerade nicht geht und bringe Kind fein zurück an seinen Platz.

 

 ´ne Minute später steht es wieder vor mir, faßt in die Saiten und ist glücklich. Ich nur noch teilweise, geleite ihn aber, mich von meiner besten Saite (die hohe E-) zeigend, nochmals ans Plätzchen, welches nicht gerade für ihn gebacken scheint.

 

 Und schwupps! - zwei weitere Minuten später steht klein Tunichtgut wieder vor mir, versucht, mit ´nem Stein ins Innere der Gitarre vorzudringen, und zwingt mich, erneut mein Tagewerk zu unterbrechen.

 

 Allerorten Heiterkeit. Nur nicht beim überaus talentierten Interpreten (Ich!!!) mitreißender Kinderlieder, die er (Ja, ICH!!!!!) selbst schrob.

 

 Mein verzweifelte Frage, wessen Kind es denn sei, das es da so zu mir drängt, wird von der teilnahmslosen Erwachsenenschar (Wurscht!!!!) ignoriert bzw., wie ich dann feststellen muß, nicht verstanden. Denn auf die umformulierte Erkundigung „Wem sein’ Kind isssen das?“, meldet sich Mutti. Und das mit stolzgeschwellter Brust!

 

 Sie saß die ganze Zeit munter im Publikümchen und amüsierte sich wie Bolle übers Söhnchen, das da den Fortgang der Darbietungen für die anderen ca. hundert Mägde- und Knäblein behinderte. Ein behinderndes Kind, welches natürlich nix dafür konnte, sondern einfach nur interessiert war. Mutti hingegen ordne ich hier mal ganz unverschämterweise in die Rubrik „blöd“ ein.

 

 Und derer werden immer mehr, wobei ich nicht die Rubriken meine. Feinstens auch, daß im Zuge der Gleichberechtigung die Vatis oft nicht gerade die Meßlatte überspringen können, die da auf dem niedrigsten Level des verträglichen Umgangs im Miteinander liegt.

 

 Wie immer bestätigen Ausnahmen die Regel. Aber die Ausnahmen müßten eigentlich die Regel sein. DAS würde ich (Immer noch ich!) zu gern regeln.

 

 Doch mir obliegt es ja nicht, Regeln aufzustellen, denn mir obliegt ja nicht mal der Ob. – Andererseits wäre ich schon dafür: Jedem seinen Fluß!

 

 Wer das jetzt nicht versteht, hat sowieso in dieser Schmähschrift nicht bis hierher durchgehalten und muß sich dessenthalben auch nicht grämen.

 

 Ob der Sonne eingegrämt, grüßt

 

Jürgen (Ich!!!!!!!!)

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