21.Mai 2008


Jeder Achte (den anderen)

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 irgendwie bin ich wie die Armut. Nein, ich komme nicht etwa in einem nach mir benannten Bericht der Bundesregierung vor. Gott bewahre.

 

 Aber: Ich schände nicht!

 

 Daß ich ebenso nicht brandschatze, sei nebenbei auch mal ins Weltall hinausposaunt.

 

 Obwohl ich gar nicht Posaune spielen kann. Mein Nachbar aber professionellst und mit zärtlicher Hingabe Oboe. Eigentlich könnte der doch mein Nicht-Brandschatzen und -Schänden in andere Milchstraßen hinaus-oboieren? – Muß ich mal ob (oe) seiner Gage mit ihm palavern.

 

 Jeder Achte in der Bundesrepublik, so teilte es Onkel Gabriel uns mit, ist ein Armer. Gefühlt übrigens auch jeder Zweihundertfünfzigste ein Armenier. – Aber das nur nebenbei.

 

 Also jeder Achte. Deshalb wohl auch die immer wieder vernommene Mahnung: Nehmt euch in Acht.

 

 Darum wird man auch in Acht und Bann geschlagen. Alle Acht-ung!

 

 Auch Herr R. und ich waren in den vergangenen Wochen arm dran, feilten und filetierten ständig an neuen Liedern rum – und sahen nicht einen Pfennig dafür. Nicht mal zwei, also einen Cent.

 

 Dafür ist nun aber, nachdem wir das neue Programm am Wochenende zweimal gespielt haben, unsere Selbstachtung gestiegen. – Denn wir haben den Parforceritt durchs neue Liedgut lebend überstanden, wurden sogar von vereinzelten Beifallskundgebungen zahlender (!) Veranstaltungsbesucher überrascht.

 

 Nun heißt es: Sacken lassen. Mal zwei Wochen nicht an die neuen Lieder denken, um dann nochmal dran zu arbeiten. – Denn so richtig spielen wir das „Damen-Wahl“-Programm erst ab September. Wenn da mal nicht noch der eine oder andere Hit dazukommt…

 

 Apropos Hit: Da wir, in aller Bescheidenheit natürlich, in der nächsten Zeit drei „Best off“-Programme darbieten werden, dabei aber von den Betreibern der Bischheimer Kulturmühle gemahnt wurden, diese doch nicht so „Melankomiker“-untypisch „Best off“ zu benamsen, haben wir uns für eine bescheidenere Variante entschieden. Nun werden die drei Konzerte am 12. und 13.Juli im Leipziger Palmengarten sowie das am 24.Oktober in der Kulturmühle gaaaanz schlicht so offeriert: "Das Beste vom Feinsten - Melankomiker-Hits aus zwei Jahrtausenden".

 

 Da sieht man mal, wie alt W. schon ist. Aber nicht arm! Denn wenn er ab und an an der 781-Euro-Hürde zu scheitern droht, reiche ich in unnachahmlicher Gnade den grenzüberschreitenden Euro rüber. – Schon um in der Bevölkerung aufkeimendes Mitleid mit W. zu unterbinden. – Ja, so selbstlos bin ich.

 

 Obwohl ich manchmal auch kaum über 7800 Euronen im Monat bar auf die Kralle zum Überleben zur Verfügung habe. – Was sag’ ich: Zum DARBEN!

 

 In Durban sind die ausländerfeindlichen Aktionen der Südafrikaner nun übrigens, laut heutiger Nachrichten, auch angekommen. Gut, daß ich Durban vor elf Jahren verließ. Doch das nur nebenbei und weil es wahr ist.

 

 Wahr ist auch, daß ich jetzt gleich noch zum Geburtstag fahre. Zum Kita-Geburtstag. 30 Jahre Kindertagesstätte in Wiederau. Bei all den Armuts-Berichten: Daß heutzutage schon Gebäude wesentlich jünger sind als ich, sollte zu einem wirklichem Aufstand in der Bevölkerung führen.

 

 Obwohl: Das eine Jahr…

 

 Arm-selige Grüße von

 

Jürgen

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