20.April 2008


Das ist die Höhe!

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

was für eine mißverständliche Überschrift: „Moskito-Boxen gegen Jugendliche“. Ich interpretierte diese Schlagzeile, mit welcher mich die „Leipziger Volkszeitung“ in  dieser Woche konfrontierte, tatsächlich so, daß ich an DAS Boxen dachte. Moskito-Boxen – wahrscheinlich bringt man da den Gegner durch ein Hochton-Summen während des Faust-Anflugs durcheinander. Oder aber: Man(n) boxt bis aufs Blut.

 

 Doch Ungemach: Beides falsch.

 

 Denn es ging um DIE Boxen. Nee, auch nicht die mit den Ludern. Gemeint waren die mit den Tönen. Wie sie unsereins zur erbaulichen Beschallung der Zahlungswilligen fast allabendlich in den Kulturpalästen der nördlichen Hemisphäre, unterstützt von einem mehrere Koffer (Warum nur?) schleppenden Herrn R., ans Mischpültchen koppelt, um den gar liebreizenden Gesang sowie dessen melodiöse Begleitung noch zu verstärken. – Was’n Satz. Und noch dazu kein Satz im eigentlichen Sinn. Irre! Da schnalzt der Germanist. Und erst die Germanistin! – Fast schon ein Schmatzen!

 

 Doch zurück zum amüsanten Fakt: Denn den Moskito-Boxen entfleuchen ultraschall-hohe Töne, die nur einen einzigen Zweck haben: Jugendliche vertreiben! Fein. Aber das ließe sich doch in der Masse auch mit einem Stapel Bücher oder ´nem großformatigen Foto meiner Wenigkeit erreichen.

 

 Es soll aber nicht so demonstrativ gezeigt werden, daß die Vanessas und Kevins stören, sondern es gilt, sich ihrer subtil zu entledigen. Mit Hoch-Tönen. Die nur Keimlinge im Alter bis ca. 25 Jahre hören können. Der Normalbürger jenseits des Vierteljahrhunderts klappt dann wahrscheinlich die Löffel zu, bevor er sie abgibt.

 

 Nun bin ich ja ein Verteidiger der Menschenrechte par excellence. Und deshalb finde ich das Ansinnen mehr als berechtigt. Doch ich mahne lauthals: Es gibt Ausnahmen! Es gibt Gefährdete!! Mich!!!!!

 

 Denn ich bin einer jener Deppen (Mehr als Zwei dürften das nicht gewesen s/strongein…), die vor Jahren bereits bei der hier mal ob dieses Produkts geschmähten Versand-Firma „Pro Idee“ einen Hochtöner bestellte und, was der eigentliche Fehler war, auch bezahlte. Jenes Gerät versprach zwar nicht die Vertreibung Jugendlicher, aber die von Mücken und anderen Gesummses.

 

 Das Werbebildchen zeigte eine sich verzweifelt die Öhrchen zuhaltende Mücke auf der Flucht. Und im Text wurde offeriert, daß die Vertreibungstöne sooooo seien, daß nur Insekten ihrer ohral habhaft werden könnten.

 

 Bin ich ein Insekt? Bin ich die Mücke des dritten Jahrtausends? Gewiß. Denn ICH hörte, nachdem ich das unselige Spaßgerät der Stromzufuhr aussetzte, ein deutliches Piepsen. Immerzu. Tinnitus extern. Gegen Geld. Mit Versandkosten.

 

 Den Mücken schien das Ganze übrigens a) nichts auszumachen und b) zu gefallen. Sie versammelten sich zum Reigen-Flug ums Gerät und peinigten mich anschließend, wohlgelaunt, bis aufs Blut.

 

 Deshalb stehe ich nun auch dem tonalen Vertreiben junger Sackgesichter skeptisch gegenüber. Ey, diese Brazen sind doch ob ihres jahrelangen Bass-Wummer-Konsums schon so taub, daß von Hochtönen schon lange nichts mehr ankommt.

 

 Der Feingeist aber, kürzen wir ihn hier mal in aller Bescheidenheit mit einem anonymen „J.“ ab, verfügt auch im methusalemischen Alter noch über soviel Subtilität in der Muschel, daß er den moskito-beboxten öffentlichen Platz schnurstracks zu verlassen gezwungen ist. Rein ins nächste Kaufhaus. Und dort ballert ihn der Kaufhausfunk zu! Nur die Suizid-Bedarfs-Abteilung hat wiedermal gerade Inventur…

 Was also tun? Vor allem eines: Abbitte leisten. Bei den Jugendlichinnen! Denen weiblichen Geschlechts. Manchen von denen würde ich sogar Ohrstöpsel schenken, aber leider komme ich schon lange nicht mehr auf Arm-Reich-Weite an sie heran. Trotzdem möchte ich hier mal Gnade vor Recht gehen lassen, denn man weiß ja nie.

 

 Was noch tun: Immer genau hinhören. Und die Sache weiter verfolgen. Vielleicht werden mal Vertreibungsgeräte für die einem überhaupt am meisten aufs Schwein Gehenden dieser Welt entwickelt. Dann gilt es, flugs den Versand-Auftrag auszufüllen.

 

 Geräte gegen Rundfunk-„Sprecher“ des privaten Dudelfunks, gegen Torschützen im Dienst des FC Bayern, gegen unhöfliche Mitbürger, gegen Doofköppe aller Art, gegen „BLÖD“-Zeitungsleser, gegen Niemals-Zurücklächler, gegen Jürgen-im-Tennis-Besieger, gegen Unmenschen (Und das am 20.April! – Was bin ich wieder politisch korrekt…) an sich, gegen Eisbären-in-Zoos-Bestauner usw.

 

 Fein wär’s dann. Und einsam. – Deshalb überdenke ich die Sache nochmal und setze auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, besser auf die ARD. Denn diese offeriert bald wieder: Boxen im Ersten.

 

 Und viele loben sowas in höchsten Tönen.

 

 Auf tönernen Füßen empfiehlt sich

  

Jürgen

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