9.April 2008


Einstellungs-Sache

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 wir alle hätten es merken müssen. Denn schon im Liedgut wird es explizit verkündet: „Der Frühling hat sich eingestellt!“

 

 Und danke, Gevatter Frühling. Du warst, zumindest hier in Leipzig, gerademal ca. zwei Tage aktiv, um den seit sechs Monaten vorherrschenden Herbst ein wenig zu entlasten, und nun das.

 

 Keine Lust mehr, oder was? ´ne Art Jahreszeiten-Suizid???

 

 Wenn unsereiner sein Wirken einstellt, heult die ganze deutschsprechende Fangemeinde sowie die musikalische Welt auf. Also drei bis vier Auserwählte.

 

 Bei dir aber sind es mindestens fünf, denn ICH heule ja mit. W. wimmert sogar! – Ergo: sechs!

 

 Die Besserwisser unter euch werden nun rufen „Was hatter denn, unser kleiner Schlingel? Ab heute soll’s doch wärmer werden!“ und damit sowas von Salz in die Wunde streuen, daß ich gleich mal nachgucke, ob da so ein Sado-Spezialist nicht auch noch Pfeffer beigemengt hat. Denn im Wetterbericht wurde zwar Erwärmung prognostiziert, dabei das Saarland aber definitiv ausgenommen.

 

 Und nun ratet mal, wohin Herr R. und ich heute radeln, um bis Sonntag sächsisches Liedgut unter Menschen zu bringen, die Frauen mit „es“ anreden? - Na?  - Richtig.

 Saarbrücken, wir kommen. Jeder mit zwei Pelzmützen im Gepäck. Und Gebäck im Gepäck, denn man weiß ja nie. Und außerdem ist dem Sachsen ja der Unterschied zwischen Gepäck und Gebäck rein phonetisch sowieso nicht erklärbar.

 

 Da erweist es sich wiedermal als unschätzbar wertvoll, daß UNSERE Liedtexte soooo gehaltvoll sind, daß sie nach der Vorstellung vom Publikum grundsätzlich nachgelesen werden.

 

 Unter Aufsicht.

 

 Gleich im Saal.

 

 Und dann wird auswendig gelernt.

 

 Vor allem der Satz: „Eine CD bitte! Egal, was das Meisterwerk kostet…“

 

 Was aber nützt das alles, wenn das Publikum ob herrschender Minusgrade wegen zitternder Finger nicht an die Knete im Portemonnaie rankommt?

 

 Also, lieber Frühling: Überdenke deine Einstellung nochmal. Sodann stelle dein Einstellen ein und stelle dich ein. Mach einen auf Stelldichein. Auf Rendezvous.

 

 Und da es von Saarbrücken gen Fronkreisch ja nur ein Katzensprung (Gut, bei den hiesigen dermaßen fetten Katzen sind’s wohl zwei Sprünge, und nach denen hängt ihnen schon die Katzenzunge zum Halse raus…) ist, schließt sich hier die sprachliche Klammer.

 

 Mit deren Beutel gepudert, verabschieden sich eure zwei Lieblinge (zwei?) gen Westen. Nun nur noch schnell Geld wechseln, dann die gute D-Mark im Brustbeutel verstauen, „Ur-Krostitzer Bier“ für die Bestechung der Grenztruppen der Deutschen Demokratischen Republik, des ersten Arbeiter-und-Bauern-Staates auf deutschem Boden, nicht zu vergessen, das Wörterbuch Sächsisch-Saarländisch eingesackt, und ab aufs Tandem!

 

 Tritt in die Pedale, W.! Ich mache es mir hinten mit einem Buch gemütlich. Nur gut, daß wir vier Pelzmützen haben. Das macht mich a) noch größer und b) eine wohlig warme Kopfhaut. Für Herr R. wäre so ´ne Mütze sowieso nix! Wenn ich schon sehe, wie sich bei dem die Schweißperlen auf der Stirn sammeln. Unglaublich!

 

 Und das bei eingestelltem Frühling!

 

 Keine Angst: Wir kommen wieder. Natürlich nur, wenn W.s stramme Waden den Parforce-Ritt durchhalten. Ich dope ihn vom Rücksitz aus. Mit Worten („Quäl dich, du Sau!“)! MEINE Pedale habe ich vorsichtshalber vor dem Start abmontiert.

 

 Alles eine Sache der Einstellung, meint

 

Jürgen

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