24.Dezember 2007


Darb-Tage

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 - diese armen Franzosen! Für sie ist es heute die „’eilige Nacht“, da sie ja, aufgrund schwerer Gen-Defekte, nicht in der Lage sind, ein „asch“ zu sprechen. Ein ganzes Land hetzt! Ca va. Geht mir aber irgendwie auch am "asch" vorbei.

 

 Wir aber haben Zeit, nehmen uns, ganz deutsch, in die Arme, feiern ein Fest der Liebe und machen ab Donnerstag (größtenteils aber schon ab morgen) wieder weiter wie bisher.

 

 Was ja auch irgendwie gut so ist, denn mir geht das ganze schein-heilige Fest sowieso, und an diesem speziellen Tag kann ich das ohne Erröten endlich mal aussprechen bzw. -schreiben, auf den Sack!

 

 Was mich nicht hindert, euch ein frohes zu wünschen. Denn all jene, die sich das hier zu Gemüte führen, beweisen ja nicht nur, daß sie intellektuellem Masochismus verfallen sind, sondern auch, daß sie eine gewisse Distanz zum ganzen uns umflutenden Drumherum zu schätzen wissen.

 

 Ihr möchtet mir nah sein! Fehlgeleitete auch Herrn R., aber da habe ich keine Beziehungen, und ihr müßtet schon selbst bei ihm anklingeln. Ich nämlich verabschiedete den lieben W. vorgestern, nachts gegen 2 Uhr, als wir uns nach der letzten „Melankomiker“-Gala 2007 Treueschwüre und Komplimente säuselnd beim Abschieds-Zeremoniell an der Tankstelle in den Armen lagen, bis auf Weiteres.

 

 Ja, Weihnachten – für W. und mich sind es Tage der Enthaltsamkeit, der Entsagung, des Darbens. Vielleicht ab und an ein kleines Telefonat, ´ne SMS, ´ne Mail sowie ein Hineinhorchen in den einen oder anderen Tonträger, den wir gemeinsam zelebriert haben – mehr an Kontakt zwischen uns ist da nicht. Wenn man mal davon absieht, daß ich über die Feiertage immer ein, zwei Waldemar-Poster in meinem Wohn-, Schlaf- und Eßbereich verteilt habe.

 

 Mögen es meine Eltern, bei denen ich nachher zum Geschenkefassen und -darreichen auflaufe, auch noch so seltsam finden: Ohne ein T-Shirt mit dem Konterfei Herrn Röslers gehe ich in den Tagen des Getrenntseins von diesem Großen seiner Zunft nicht aus dem Haus!

 

 Ganz zu schweigen von seinem Sockenhalter, den er mir liebenswerterweise über die Feiertage als Fetisch überließ… Ein geiles Teil! Also der Sockenhalter.

 

 Und W. selbst? Wird er mich vermissen? Gerade heute, am Tag aller Tage? Gut, warum sollte es gerade ihm anders gehen als dem Rest der Deutschen, denen ja eine gewisse Führersehnsucht immanent ist? Und vor allem meine Güte! Du meine Güte! Sicher wird sie nicht durch das aufgewogen, was ihm diejenigen zu bieten haben, die er verschmitzt als „meine Familie“ bezeichnet. Obwohl er anderes behauptet, glaube ich zu WISSEN.

 

 Vielleicht sollte ich heute abend doch noch bei Familie R. reinschneien, um auch dem dortigen Fest als „Flocke der Herzen“ den gebührenden Glanz zu verleihen: „Da bin ich, und ich bleibe! Für immer!“ Sätze nach denen sich neben W. wohl vor allem Frau R. sehnt. Und erst die Kinder! – Jürgen for ever – wenn das kein Grund ist, von einer beseelten Weihnacht zu sprechen…

 

 Lasset es mich so sagen: Ich bin noch schwankend! Vielleicht steigere ich die Vorfreude im Hause R. um ein Vielfaches, wenn ich die ganze hehre Schar noch ein, zwei Jährchen darben lasse, bevor ich zu ihnen ziehe. Um die Sehnsucht nach mir ins Unendliche, ja ins Unerträgliche anschwellen zu lassen. Ich weiß: Ihr alle kennt dieses Gefühl, welches ich nur zu gut verstehen kann, aber, und hier muß ich selbst an einem heiligen Nachmittag mal Tacheles reden: Es gibt mich nur einmal!

 

 Wohl höre ich euer verzweifeltes „Leider!!!!!“ durchs sich im Christenschwange befindliche Land schallen. Aber wisset: Heilande lassen sich nicht klonen!

 

 Machen  sich aber, und da könnt ihr beruhigt sein, auch weiterhin zum Clown. Denn: Warum sollte ich mein Leben ändern?

 

 Es sei denn, daß ich heute Abend mit Geschenken solcherlei Art schier überhäuft werde, die meinen Charakter verderben. Da sei Gott vor!

 

 Doch, und das nun als versöhnlicher Abschluß kurz vor dem Geschenke-Tsunami, dessen ich harre: Wo nix ist, kann auch nix verdorben werden!

 

 Charakterlose Grüße von

 

Jürgen

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