20.Dezember 2007


Glü(h)cksgefühle

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 ich bin am Verglühen! Gewesen. Gestern. Wo ich doch eigentlich so gar nicht für dieses ganze weihnachtliche Brimborium zu haben bin.

 

 Doch der harte Kern der Squasher-Gilde zu Leipzig zwang mich gestern, das zu tun, was ich bei anderen bislang nur kopfschüttelnd und gar nicht milde belächelt hatte: Im Kalten rumstehen und Glühwein saufen. Geplant, getan!

 

 Und wie. Zuvörderst: Es war nicht kalt. Es war arschkalt! Und noch zuvörderster: Ich war der Einzige der Truppe, der pünktlich am dicht umlagerten Alkohol-zu-Geld-mach-Büdchen auf dem Weihnachtsmarkt erschien.

 Die Minuten des Wartens verkürzte ich mir mit einem … Glühwein. Und immer, wenn so langsam der eine oder die andere zu unserer Runde hinzustieß, stieß ich ebenfalls. Und zwar an. Mit diesen potthäßlichen Glühwein-Tassen, welche mit weihnachtlichen Motiven NOCH häßlicher gemacht werden. Für zwei Euro kann man solch Verdikt des schlechten Geschmacks sogar kaufen!!!

 

 Das Getränk als solches aber – nun ja. Wurde von Tasse zu Tasse besser. Und es war, was ja ganz wichtig ist, nicht zu dünn. Machte sogar richtige Rotwein-Flecke auf meiner Hose. Sooooooolche Kavenzmänner von einem Fleck!

 

 Besudelt und betütelt! So stand er da, euer kleiner Racker! Wankte dann aber, in die Gruppe gepfercht, ins nächstbeste Lokal, um dem glühenden Wein ein Speislein nachzujagen. Löschen auf Männer-Art!

 

 Der Taxifahrer hatte später wohl viel Spaß, als er, bei rasender Fahrt, immer nahe des jeweiligen Domizils des Probanden, einen nach dem anderen von uns, aus dem beigen Kfz kippte. Abrollen – das lernt man beim Squash!

 

 Heute abend sehen sich all die kleinen Glühwürmchen ja schon in den Courts unseres Fitneßstudios wieder. Mal sehen, wer als Erster einen Ball trifft…

 

 Was lernt uns das, liebe Gemeinde? Richtig: Meine Verachtung der Weihnachtsrituale war mehr als berechtigt. Alles gnadenlose Abzocke. Menschen werden willfährig gemacht. Und süchtig! Der Teufel Alkohol versucht, das Fest der Christen unter Kontrolle zu bekommen. Erfolgreich!

 Der erwachsene Mensch wird alberisiert, also immer alberner gemacht. Wo ich doch Albernheiten so hasse.

 Aber: Schön war’s.

 

 Das wiederum kann ich nun gar nicht begreifen. Muß ich mal Herrn R. drüber ausfragen, der ja für mich persönlich sowas wie die Nelke im Glühwein ist. – Ohne ihn geht’s nicht.

 

 Da ich jetzt aber einen Anflug von Sentimentalität aufkommen spüre, mache ich für heute schnell Schluß. Ich muß sowieso noch darüber nachdenken, warum jetzt acht dieser scheußlichen Glühweintassen in meiner Küche rumstehen…

 

 Glühende Grüße von

 

Jürgen

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