3.Dezember 2007


Hallo, bin ich schon auf Sendung…?

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 was sind das eigentlich für seltsame Menschen, die Leserbriefe schreiben bzw., was ich ja noch schlümmer finde, bei Radio-Sendern anrufen?

 

 Nun höre ich ja, wie hier bereits hin und wieder erwähnt, eigentlich nur DLF und DeutschlandradioKultur, doch selbst da gibt es ja immer mal wieder diese 0800-Nummern, unter denen man sich kostenfrei an irgendwelchen Diskussionen beteiligen kann. Was um-alles-in-der-Welt veranlaßt aber Mitbürger, dies wirklich zu TUN? Ok., „tun“ ist schlechtes Deutsch, also: machen.

 

 Bei Privatradios kann ich’s ja noch verstehen. Wer da anruft, hat einfach den Wunsch, Grenzdebile, die sonst in Heimen versteckt werden, also sogenannte „Redakteure“ oder gar „Journalisten“,  mal leibhaftig an den Hörer zu bekommen. Man sollte dann aber auch auf Knaller-Fragen wie „Na, Mandy, was machst du denn gerade?“ oder „Na, Mandy, wie geht’s dir denn so?“ gefaßt sein. Egal, ob man Mandy heißt.

 

 Ganz oft sind übrigens Menschen unter den Anrufenden, die die ganze Welt schlecht finden und das mal sagen möchten. ´n bißchen weinerlich oder volle Kanne im Imperativ! Vielleicht hören diese Mitbürger einfach zuviel Radio??? – Da kann man ja wirklich an der Welt verzweifeln.

 

 Fein finde ich in den von mir abonnierten Gazetten auch jene Leserbriefe, die den „Das geht so aber nicht!“-Duktus haben. Im „Eulenspiegel“ meist mit dem Satz „So weit darf Satire nicht gehen!“ verziert. Anstatt die Scheiße einfach nicht zu lesen, wenn sie ihnen auf den Sack geht… Oder halt auf die Eier, um mal kein Geschlecht aus dem Wirrwarr der Ärgernisse auszuschließen.

 

 Toll finde ich auch jene sich um Umgang mit den Medien noch in der Embryonalphase befindlichen Mitbürger, die an Glückwunsch-Sendungen im Fernsehen (Ich glaube, solchen Dreck gibt es nur noch im MDR…) gaaaaanz peinliche Fotos des Jubilars schicken, welche dann der hämisch brüllenden Öffentlichkeit feilgeboten werden: Jubilar Karl-Heinz in DER Strickjacke, die Mutti ihm selbst gestrickt hat, Inge in ihrem neuen Kostüm, Doris und Rolf am Vogelbauer…

 

 Junge Menschen, also solche wie ich, gucken sich das in der Gruppe an und schmeißen sich dabei weg. Deshalb auch die vielen Vermißten-Anzeigen!

 

 Gern wird auch noch der Gratulanten Selbst-Gereimtes vom mit einem ekligen Sprachfehler geschlagenen „Moderator“ vorgelesen. Immer falsch betont sowie schleimig bis in den Dotter-Bereich! Und stets das Foto der armen Sau, an die sich das Ganze richtet, im Hintergrund.

 

 Möge mir das auf Immer erspart bleiben! Ich könnte allerdings, sollte eines meiner Bandmitglieder mal ´nen runden Geburtstag feiern, durchaus kompromittierende Fotos en masse an den MDR schicken. Und ein beklopptes Gedicht für einen gewissen W. hole ich immer noch aus der Schublade…

 

 Ach ja, bald ist März…

 

 Ein sehr gern genommener Knaller bei den Im-Radio-Anrufern ist übrigens, daß es, gerade in dem Moment, wo der Proband loslegen möchte, zu Rückkopplungen kommt, weil der Depp sein Radio nicht aus- oder leise gestellt hat. Dann rumpelt und pumpelt es im Hörer meist dermaßen, und ich stelle mir sofort vor, wie der mediengeile Irre über Sessel und  Couchtisch stürzt, sich blaue Flecke der tellergroßen Art einhandelt, dann schmerzverzerrten Gesichts wieder am Hörer sitzt, um der Welt kundzutun, daß das mit den Manager-Gehältern ungerecht ist. Noch während er spricht, macht ihm Mutti Umschläge mit essigsaurer Ton-Erde… - Ein Bild für die Götter! Und ich hab’s immer vor meinem geistigen Auge…

 

 Jeden Morgen, außer samstags, gibt es übrigens von eins bis zwei im DeutschlandradioKultur so ´ne „Der Hörer spricht“-Sendung. Ich kenne mittlerweile fast alle Anrufenden. Achtet mal auf die Frau aus Frankfurt/Oder mit der weinerlichen Stimme. – Meine Lieblings-Sängerin…

 

 So. Das war’s für heute. Ach ja, meinen Weihnachtswunsch wollte ich ja noch loswerden: Schreibt bitte mal was in unser Gästebuch! Oder ruft mich an. Egal, was euch bewegt. Jeder zehnmillionste Anrufer gewinnt, eventuell, fünf Euro.

 

  Ich bin immer für euch da! Denn ich bin ja

 

Jürgen

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