12.November 2007


Wenn das der (Lok-)Führer wüßte…

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 hoffentlich komme ich mit meiner heutigen Wortmeldung nicht zu spät, denn: Ich finde Herrn Mehdorn cool!

 

 Ein Fels in der Brandung! Einer, der gegen den Strom schwimmt, was bei den derzeitigen Energiepreisen sogar doppelt heldenhaft ist! Ein Bollwerk gegen den Faschismus!

 

 Letzteres sollte vielleicht kurz erklärt werden, aber eigentlich spricht die Berufsbezeichnung der Schienenverkehrs-Verweigerer ja für sich und gegen sie: Lok-FÜHRER. – Ist es schon wieder so weit???

 

 Ich bin ja genetisch derart geprägt, daß Arbeit an sich nicht das Ding ist, nach dem ich schallend rufe. Ich lasse rufen. Richte vielleicht ab und an die leicht abstehenden Ohrlöffel auf, um mal verwegen zu lauschen. Kann aber auch wochenlange Stille ertragen. Vielleicht wollte ich deshalb als Kind Lokomotiv-Führer werden.

 

 Das änderte sich natürlich sofort, als ich politisch zu denken begann, also so um meinen 30.Geburtstag herum. Von da an war klar: Ich werde Lokomotive. Ach was: E-Lok.

 

 Nun war ich eh Lok-Fan, drückte als dem 1.FC Lokomotive Leipzig bei dessen fußballerisch getarnten Klassenkämpfen gegen den BFC Dynamo beide Daumen und manchmal sogar die großen Zehen (Zeichnungen davon, wie Letzteres geht, maile ich gern zu…). Nützte nix, Lok wurde aufs Abstellgleis und später sogar tot gefahren, spielte dann Jesus und erstand wieder auf. Leider ebenso wie er in der elften Liga.

 

 Ein gottgleicher Fußballklub, dessen Jünger aber mittlerweile wieder einem Lok-Führer huldigen, weswegen ich da nicht mitmachen kann. Ergo: Wiederauferstehung sollte verboten werden. Bei Gott!

 

 Zumal wir ja Hartmut haben, von dem ich lange, lange, lange annahm, er hieße (hüße? – häße!) mit Vornamen Bahnchef. Irgend so ’n bulgarischer Einschlag, vermutete ich.

 

 Aber Hartmut paßt natürlich besser. Hart wie Schienen-Stahl! Mutig zeigt er den Führern die Stirn, welche bei mir die hohe wäre. Ihm wird ja eine hohle unterstellt, doch ein Bahn-Titan kann nicht hohl sein. Hohleluja!

 

 Nun bin ich ja keine Pferde-, sondern ein (Hobby-)Bahnflüsterer. Und was flüstere ich? – Richtig: „Draisine.“ Und nochmal: „Draisine.“

 

 Zwei Menschen am Schwengel, und ab geht die wilde Luzie! Das funktioniert immer, vor allem: Die Gleise gehören dem Staat. Und der Staat, das sind immer noch wir! Noch.

 

 Was aber total süß ist: Draisinen fahren ohne Strom bzw. Kohle. Letztere lagerte in den Zeiten meiner Kindheit ja noch im Tender der Lok und wurde von Elvis heilig gesungen: „Love me usw.“ Tendenziöse Pop-Musik für Koks-Fetischisten bzw. Drogen-Barone.

 

 „Drogen-Barone“ kommt als Begriff übrigens aus der gleichen Substantiv-Kopplungs-Werkstatt wie „Bahn-Chef“. Substantiv-Kopplungen sollen Haß erzeugen! Und das klappt immer! Beispiele gefällig: Finanz-Hai, Diäten-Erhöhung, Benzin-Preis, Silber-Eisen usw.

 

 Einzelne Substantive jedoch lassen Liebe keimen. Da das eh allen klar ist, hier nur eine einziges Beispiel: Jürgen.

 

 Doch zurück zu Hartmut, dem Schienesen. Halte durch, wackeres Niemals-Lächel-Face, denn ICH fahre sowieso NIE Zug. Für mich ist der Zug abgefahren. Trotz Lokführer-Streiks. Ein Wunder!

 

 Die paar Millionen, die so ein Streik-Tag kostet, übertreffen zwar die Mehrausgaben, welche höhere Führer-Gehälter verursachen würden, bei weitem, aber: Es geht ums Prinzip. Und das Prinzip lautet ja immer noch: Abwarten. Einfach kein neues Angebot machen. Den durchaus unsympathischen Lok-Gewerkschaftsführer weiter geifern und seinen Stellvertreter weiter sächseln lassen. Irgendwann hält das kein Schwein mehr aus. ICH kann’s jetzt schon nicht mehr hören.

 

 Die Bahn ist und bleibt beschränkt bzw. beschrankt, und das ist, schon aus Sicherheitsgründen, gut so.

 

 Wer beim Ballern nicht trifft, schießt nicht umsonst „Fahrkarten“. Alles hat irgendwie und irgendwo einen Sinn. Hartmut und ich, wir kennen ihn. Doch nur er verfügt über Lok-Mittel.

 

 Ich aber beobachte das Ganze, völlig entspannt im Zug, also bei geöffnetem Fenster, sitzend und eine rauchend. Zug um Zug. Dabei zugt mein rechtes Augenlid. Ui, jetzt sogar zug-leich mit dem linken. Lokisch!

 

 Bahnchef – spielt der nicht doch bei Cottbus???

 

Im Besitz eines Führer-Scheins grüßt

 

Jürgen

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