30.Oktober 2007


Gestundet

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 geht euch das nicht auch aufs Schwein, daß uns immer, wenn alle halben Jahre mal wieder die Zeit (eigentlich ja nur die Uhren) umgestellt wird (werden), alle Medien wie Grenz-Debile auf Freigang behandeln?

 

 Daß man uns bzw. mich mit ´ner kleinen Notiz bzw. dem immer wieder SEHR originellen Foto einer Uhr darauf verweist, es sei mal wieder so weit – bitteschön. Dem sei so, denn sonst würde selbst ich es vergessen. Und ich vergesse sonst fast … alles.

 

 Aber dann schon diese ewigen Fragespiele: vor oder zurück? Herrje! Jeder nach seinem Gusto! Ich stelle IMMER zurück. Schon des Ausschlafens wegen. Und irgendwann ist man so auch wieder in der richtigen Zeit. Wenn auch im falschen Tag. Man kann aber dann die Zeitung von morgen lesen! – Interessant.

 

 Nicht genug damit, daß uns vor dem berühmten Ruck, der beim Verstellen der Zeiger immer durch Deutschland geht, die Laller aus dem Dampfradio jeglichen eigenen Verstand absprechen und damit von sich auf uns schließen, nö, sie starten auch noch wahnsinnig amüsante Umfragen, wie „Was machen sie mit der zusätzlichen Stunde?“

 

 Himmelarschundzwirn, 80 Prozent der Bevölkerung verdämmern diese ebenso wie den Rest ihres Lebens, vergleichen Milch- und Butterpreise, nennen sich Mutti und Vati, warten auf die nächste „Mit mir nicht!“-Kampagne der BLÖD-Zeitung zu den Spritpreisen (Unglaublich bei welch niedrigen Benzinpreis-Niveau die Leute damals die Regierung schrödern wollten…), lernen die Lebensdaten ihrer Soap-Stars auswendig und sind einfach mal so unzufrieden, quengelig und schlecht gelaunt. MDR-Fernseh-Gucker eben.

 Den anderen fällt die Stunde einfach nicht auf. Ob weniger oder mehr – der mittlerweile im Himmel Gesang imitierende Herbert Dreilich wimmerte es bereits zu Lebzeiten ins Karat-Mikrofon: Ich liebe jede Stunde. Und damit hatte er ausnahmsweise mal recht.

 

 Ich übrigens sogar jede Minute! Nö, nicht jede Sekunde. – Soviel Liebe ist nicht mehr in mir!

 

 Und, nein, ich liebe auch nicht jede Frau. Obwohl eigentlich noch sooooo viel Liebe in mir ist, daß, wenn ich mich beim Lieben nur auf die Zeit konzentrieren würde, sogar Zehntelsekunden was abbekämen.

 

 Selbst Frauen dürfen nämlich, meiner Meinung nach, eines nicht: doof sein. Und vor allem: zu spät kommen. Was wiederum nicht bedeutet, daß ich zu früh komme. Komm sie, komm sa – wie der Franzose sagt. Aber nicht so schreibt.

 

 Nun komm mal wieder runter, raunen nun die ersten von euch. Aber dazu besteht kein Anlaß - noch bin ich längst nicht oben. Denn daß wegen EINER Stunde in den Medien Worte wie „Bio-Rhythmus“ und ähnliches gebraucht werden, schlägt ja nun wirklich dem Faß den Boden aus.

 

 Sofern ein Faß zur Verfügung steht. „Faß“ – ein weit verbreiteter Hunde-Name, wie mir scheint, denn alle Frauchen und Herrchen, deren Vierbeiner ich bei zufälligen Begegnungen böse ins knochengeile Antlitz blinzelte, nannten ihren Wiesen-Kacker so: „Faß!“

 

 Der Bio-Rhythmus kommt durcheinander! Wegen einer Stunde. Ja! Und weil in China ein Sack Reis umfällt, darf Piplica bei Energie Cottbus nicht mehr ins Tor…

 

 Andere Sorgen haben wir in diesem Lande ja nicht.

 

 Ich schon. Weiß nur leider gerade nicht, welche. Geldsorgen? Immer. Aber da lasse ich einige Rechnungen einfach stunden. Stundenlang. Und mit einer Stunde fange ich an. Mit der aus der Zeitverschiebung.

 

 Die Kontinente verschieben sich übrigens auch! Seht euch vor! Und haltet euch fest!

 

 Empfiehlt euch euer Stundman

 

Jürgen

Copyright © 2005-2006 Design by ITS-NETWORK.NET
Sie sind Besucher Nummer: 165036
JW-admin | News-admin