25.Oktober 2007


Numeriertes Alphabet

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

nur gut, daß es das Alphabet gibt. Meinen Nachbarn, jedenfalls, freut dies ganz ungemein.

 

 Er wies mich nämlich auf die Werbung hin, welche die jetzt herauskommenden Telefonbücher (Wer nutzt sowas eigentlich noch…?) ziert.

 

 „Das Telefonbuch. Einfache Nutzerführung, alphabetisch sortiert.“

 

 So prangt es auf der Titelseite des Nachschlagewerks, und der Kunde ist … fasziniert!

 

 Diesmal also nach Buchstaben geordnet! Wow! Mütze ab! Diese Teufelsjungs und -mädels von der Post aber auch. Was für eine irre Idee!

 

 Der Schippi, also mein Nachbar (Der wiederum ja eigentlich mein Unterbar ist, da er ja nicht neben, sondern unter mir wohnt – also eigentlich ein Untergebener. Obwohl ja Nachbar dann eigentlich Nebenbar heißen müßte! Ich verzettele mich…) jedenfalls zeigte sich hoch erfreut, ja behauptete sogar, bislang der fünfmillionsechshundertvierzigtausendeinhundertevierte Eintrag gewesen zu sein. Damals, als das Telefonbuch noch nach Zahlen sortiert wurde…

 

 Wem aber sagt er das? Ich selbst war, wie ihr alle wißt, der fünfmillionsechshundertzwölftausendsechshundertsechsundsechzigste Eintrag. Wenn man da von vorn zu blättern anfing, mußte man sich zwischendurch immer mal die Nägel schneiden, ehe man bei mir ankam.

 

 Nun aber ist alles gaaaanz einfach. Egal, unter welchem Buchstaben man nachschlängt, ich bin mir eigentlich sicher, daß ich zu finden bin. Unter A wie Adonis, B wie Brüste-Liebhaber, C wie Chemie-Baukasten-Nichtbesitzer, D wie „doller Düb“, E wie Eleganzverströmer, F wie Fotogener, G wie Genialer, H wie Hastesowasschongesehn, I wie iberragend, J wie Juwel, K wie Kannmannichtinwortefassen, L wie Lustobjekt, M wie Mann, N wie Nichtfrau, O wie Ogottogott, P wie Penisverlängerungsmailablehner, Q wie Milch, R wie Rubin, S wie Sagenumwobener, T wie Kaffee, U wie Unvergleichlicher, V wie W, W wie Jürgen, X wie Xahnschmerzignorierer, Y wie Yamahagitarrenbesitzer sowie unter Z wie Zehnanderekerleersetzer.

 

 Schlagt nach. Nö, nicht bei Shakespeare. Aber die Frauen werden trotzdem hin sein, um mal die Musical-Liebhaber („Kiss me, kate!“) zu bestätigen. Ich allerdings frage mich schon, wie ein Operettchen solchen Titels zu Weltruhm gelangen konnte. Wer möchte denn schon von seinem heruntergekommenen Eigenheim abgebusselt werden???

 

 Meine Wenigkeit aber ist nun, da ihr mich im Zahlen-Dschungel des neuen Telefonbuchs mühelos (Ein Zustand, den die Welt ja nun leider seit einigen Monaten ertragen muß…) findet, zum Busseln bereit. Ruft mich an! Ruft! Mich! An!

 

 Alphabetische Grüße von

 

Jürgen

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