19.Oktober 2007


Dampfend stampfend

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 immer wieder werde ich ermahnt, mich doch nicht so aufzuregen. Fein.

 

 ICH WILL MICH ABER AUFREGEN!!!!!!!!

 

 Natürlich nicht immer, aber wenn ich, wie eben, in der Senioren(!)-Sendung des Deutschlandfunks höre, man solle sich doch auch mal „mit einem gemütlichen Buch“ zurückziehen, weiß ich nicht, wie ich mich abreagieren soll. Und IHR müßt es aushalten.

 

 Ja – ein gemütliches Buch. Wahrscheinlich im kuscheligen Schutzumschlag, gaaaanz langsam umblätterbare Seite und mit ´ner eingebauten Stimme, die ab und an „Komm Alter, eine Seite schaffst du noch!“ säuselt. Beim Zuklappen der Lektüre raunt dies Stimmlein dann vielleicht noch „´n Nacht, Schatz!“. Hergottnochmal!!! Und: Aufreg!!!

 

 Solltet ihr mich mal, verbissen in den Einband eines durchaus ungemütlichen Buches, vorfinden, dann fand ich darin die mich zur Weißglut bringende Formulierung „eine dampfende Tasse Kaffee“. Oder, für die Gesundheitsbewußten bzw. Bekloppten, „eine dampfende Tasse Tee“.

 

 Nicht mal mehr Lokomotiven dampfen heutzutage mehr. Nicht mal ab. Lucky strike!

 

 Aber Tassen dampfen schon gar nicht. Nur weil die Autoren-Dumpfbacken des Genitivs nicht mächtig sind, verzichten sie auf „die Tasse dampfenden Kaffees“. Und ich könnte ihnen sogar noch verzeihen, wenn sie hier aufs Genitiv-„s“ verzichteten. Sollten sie es allerdings apostrophieren, laufe ich.  Und zwar erst über vor Wut und dann Amok.

 

 Ich weiß: Jeder darf heute, wenn er will, Und wie er’s macht, ist – egal. Ich bin nämlich ein die Umwelt nervender Verbesserer. In der DDR wäre ich zum „Neuerer des Jahres“ gewählt worden. Vielleicht sogar des Jahrzehnts. Man wird es nie erfahren… - Es sei denn, es kommt mal wieder andersrum! Ha! Das möge Gott verhüten!

 

 Der Papst ist aber gegen Verhütung, was mich nun wieder in Rage bringt, denn was mag wohl dem Papst an der DDR gefallen haben? Außer einer korrekten Orthographie und mir gab’s da ja nicht viel Bewundernswertes. Huch! Beinahe hätte ich Herrn Rösler vergessen. Und meine Mutti. Und mein’ Vati. Und meine Schwester. Und Herrn Münchmeyer, meinen Musiklehrer. Und ganze Heerscharen von Tassen dampfenden Moccafix’.

 

 Hier muß nun ein Apostroph durchaus zwingend hin. Aber wer möchte sich heute noch einem Zwang unterordnen. Mutti’s und Vati’s? – So werden die einst gemeinsam ein Kind Herbeikopulierenden nämlich mittlerweile in einer Vielzahl von Kindergarten in schriftlichen Aushängen angesprochen. – Mir wird dann, wenn ich auf die Unsinnigkeit einer Apostrophierung eines Plural-S’ (Welches hier nun wieder hintenrum apostrophiert gehört…) hinweise, geantwortet wie immer: „Ist doch egal…“

 

 Dann aber dampfe ich, nach außen verständnislos lächelnd, innerlich. Kann man innerlich dampfen? Mann kann. ICH kann.

 

 Denn ich habe die Möglichkeit, später Dampf abzulassen. Hier. Und jetzt. Und immer wieder.

 

 Euer Hans-Dampf in allen Kassen (Ha!)

 

Jürgen

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