31.August 2007


Tage gibt’s…

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 ich bin auf’m Sprung zur Freitag-Abend-Mugge in Lübben, möchte aber schnell noch meine August-Bilanz in punkto Wortmeldungen aufbessern, deshalb die heutigen Zeilen.

 

 Ich bin nämlich ehrgeizig. Manchmal. Meist nur im Sport. Viel Feind – viel Ehr’! Mein Gott, was für ein Ehren-Bombardement da auf mich niederrasselt…

 

 Im Leben bin ich schon nicht mehr der Ehrgeizigsten einer. Da lebe ich lieber. Natürlich nicht so, wie’s das Sprichwort offeriert: „Leben und Leben lassen!“ – Hier werden schon im Deutsch-Unterricht (Gibt’s sowas heutzutage eigentlich noch?) die ersten Suizid-Phantasien geweckt.

 

 Ich aber möchte derzeit mein Leben bei weitem nicht lassen. Nö, ich behalte es noch mindestens hundert Jahre. Grob geschätzt. Sollte mich irgendwann der blitzesschnelle Tod ereilen, werdet ihr, an meinem Grab schunkelnd, diese Zeilen zitieren und gutmütig grinsend ALLE einig sein: HATTE ER SICH MAL WIEDER ÜBERSCHÄTZT…

 

 Wenn nicht, seid ihr alle in hundert Jahren herzlichst eingeladen, ihr alten Säcke! Und Säckinnen.

 

 Man kann aber auch sein Leben leben lassen. Von anderen. Herr Rösler lebt ja manchmal auch mein Leben. Gut, nur partiell. Doch immerhin scheint mir sein Urteil „Da erlebt man was…“ nicht repräsentativ.

 

 Wer käme überhaupt in Frage, mein Leben zu leben? Nur die Harten kommen in den Garten, aber nur die ganz Harten würden mit meinen Daseins-Umständen klarkommen.

 

 Das fängt schon bei meiner unermeßlichen Schönheit an. Ruhe, Herr R.! – Der lacht immer an der falschen Stelle!

 

 Hinzu kommt mein schier überbordender Reichtum! – Warum lacht jetzt keiner?

 

 Dann die offensive Art, wie ich den Tagesablauf angehe. Schon um 11 Uhr, ach, manchmal gar schon um 10 beginne ich mein Tagwerk. Geschniegelt und gestriegelt! Und bei mir gibt’s einiges zu schniegeln. Vom Striegeln ganz zu schweigen!

 

 Ab 12 kommt dann die härteste Phase des Tages: der Feierabend. Da mußte erstmal durch. Da bleiben dir noch 14 Stunden, ehe die dioptrien-geschädigten Äugelein wieder geschlossen werden können. Meist sogar müssen. Ob der Unansehnlichkeit der Beischlaf-Partnerin(-nen). - Kleiner Scherz!

 

 Ab und an kommt der berühmte W. vorbei, und wir spielen Parfümerie. – Wir machen ein Pröbchen. Doch auch diese fünf Minuten sind schnell rum. Da ist der band-interne Abschiedskuß an der geöffneten Wohnungstür, welcher meist im Beifallsrausch meiner Nachbarn sowie deren Zugabe-Rufen ein leicht sabberndes Ende findet, wesentlich länger. Und intensiver. – Der schmeckt aber auch gut, der Herr R. …

 

 Ich selbst habe natürlich, und ihr alle wißt das, einen guten Geschmack! Um nicht zu sagen „lecker“. Da lohnt es sich schon, daß ich dienstags, donnerstags sowie samstags diese dubiosen Geschmacks-Verstärker in meine Lieblings-Vene spritze.

 

 Manchmal weene ich danach vor Glück. Aber nur, wenn ich in Calau bin…

 

 Doch zurück zu meinem Alltag. Ha! Ich im Weltraum!! 24 Stunden lang. Jürgen Gagarin! Was’n All-Tag. Gern auch mal zusammen mit Waldemar Tereschkowa. Dann machen wir tierisch Musik auf unsere (Achtung: hündisches Wortspiel!) Bala-Laika. Wau!

 

 Wer das alles nicht kapiert, der google bitte unter „Kosmos – russischer“ oder gurgle mit Kamillen-Extrakt. Letzteres kann nie schaden.

 

 So. Ich lebe immer noch. In den Tag hinein. Oder, da es gerade 12.17 Uhr ist, mittlerweile schon aus dem Tag heraus. Ein Kommen und ein Gehen. Da schwankt man zwischen Erotik und Leichtathletik-WM hin und her. Viele Athleten, die sich ein Techtelmechtel untereinander nicht versagen, beenden dieses ja mit den Worten „Komm! Laß uns gehen.“ Und dann latschen sie fast 20 Kilometer weit, kommen kurz vorm Stadion vom rechten Weg ab und kollabieren auf der Zielgerade. Gerade da! Auf der Zielgerade sein Leben lassen – das hat was Philosophisches. Aber eigentlich möchte man ja nur ins Fernsehen…

 

 Mein Gott (Jetzt kommt es schon zu Selbstgesprächen…), ich schwoff ab. Oder „schwiff“? Fährt ein weißes Schwiff nach Hongkong? Und was hat es geladen? – Grippe.

 

 Übrigens ein schöner Plural dessen, was meine Autoreifen nicht mehr sooo doll haben. Der Grip – die Grippe. Vögel beispielsweise, um hier auch mal auf ein von mir entdecktes Wunder aufmerksam zu machen, haben keine Reifen. Aber Grippe!!!!

 

 Ja, mit solchen wissenschaftlichen Sensationen muß ich die Menschheit zumindest einmal am Tag beglücken. – Wer möchte da mit mir tauschen?

 

 Schon früher wollte kaum einer mit mir tauschen. Ich hatte nämlich kein Westgeld, und war der Tauschpartner nicht habhaft. Und beim Partner-Tausch bekam ich immer den Mann vom anderen Pärchen und hatte das nach rund hundert Experimenten dieser Art dann auch satt. Zumal ich gerüchteweise hörte, daß manche Männer da Frauen abbekamen.

 

 Ich bekam meist nur mein Fett weg. - Wenn ich hungerte. Einmal zwölf Kilo auf einen Rutsch. Was war ich stolz, als ALLE mich mit „Mein Gott, siehst du schlecht aus!“ begrüßten. Schon wegen der Anrede. Dafür hatte ich nun zwei Tage lang abgenommen…

 

 Nehmt mir nun bitte ab, daß ich wirklich zum Auto muß und somit dieser Kolumne sowohl ein Pointe als auch einen sinnvollen Schluß erspare.

 

 „Ein Tag im Leben von meinem Idol“ – viele haben diese Zeilen gewiß genossen und wollen noch mehr Details aus diesem täglichen 24-Stunden-Streß. Übt euch! Und zwar in Geduld.

 

 Herr Rösler wartet. Jahrelang auf Godot. Heute aber auf Gott! Auf

  

Jürgen

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