23.August 2007


Hui!!!

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 hat schon mal jemand die Erfindung eines „Zeitungs-Spanners“ angeregt? Wenn nicht, dann rege ich hiermit. Und mich auf. Denn:

 

 WENN ICH BEI HERRLICHEM WETTER ZEITUNGLESEND IM FREIEN SITZE, ENTWICKELT SICH DIES EIGENTLICHE VERGNÜGEN DURCH AUFKOMMENDEN WIND ZU EINER SCHULUNG IN GYMNASTIK, AKROBATIK UND TOLERANZ! UND ICH HASSE DAS!!!!

 

 Erstmal schnell die Kaffeetasse auf die Restzeitung, damit sich diese nicht ins Face des Gegenübers bzw. der Gegenüberin verflüchtigt. – Unabhängig davon, ob das fürs jeweilige Gesicht besser wäre oder nicht. – Naja: meist Ersteres.

 

 Und dann die verblüffte Feststellung: Der Wind kommt schon wieder von vorn! Pustet einem das Presse-Monster direkt in die Fresse. Sooooooo nah muß ich auch noch nicht ran ans Gedruckte, um noch ein paar Buchstaben-Umrisse erkennen zu können. – Wenigstens habe ich die Serviette gespart, denn die Rest-Marmelade des Frühstücks ist nun - wie durch ein Wunder – vom Bart ins Feuilleton gewandert.

 

 Clever, wie ich munteres Kerlchen nun mal bin, drehe ich meinem Tisch-Gegenüber nun den Rücken zu, um das Naturgebläse IN die Zeitung hinein zu locken. – Der Wind dreht mit! Drehende Winde!!! Sowas verkauft Herr Rösler als Ingenieur!!!!! UNVERSCHÄMTHEIT!!!!!!

 

 Na klar: einfach die Zeitung kleiner falten. Faltblatt-Journalismus. Und immer, wenn ich beim Lesen am „Knick“ bin, fängt die ganze Falterei von vorn an. Bin ich ein Schmetterling? Ein Falter? Ich möchte mich frei ent-falten. Mittlerweile sogar sehr gern auch im Gesicht…

 

 Ein gewisser W. und ich nutzten schon während der Schulzeit manch Pause, welche die Mitschüler sinnlos zur Nahrungsaufnahme (Ja, in der Zone gab’s einmal im Monat sogar was zu essen…) mißbrauchten, dazu, einfach nur die Backen, von denen wir erst später erfuhren, daß sie Wangen heißen, aufzuplustern: Falten rausdrücken! – Damals von den Mitschüler belächelt, heute von ihnen, ob unserer Alabaster-Körper, mißgünstig beäugt. Diese gelben Neider…

 

 Mittlerweile hat sich meine Zeitung mal kurz in den Kaffee getunkt. Von selbst! Hatte wohl Durst…

 

 Der ertunkte Kaffee befindet sich nun, aufgrund irgendwelcher physikalischer Gesetze, die ich gern verbieten würde, auf meiner Hose. Hosianna! – Noch. Denn gleich ziehe ich diese aus.

 

 Hätte ich nicht tun sollen. Denn eines kann ich immer nur festhalten, die Zeitung oder die Hose. Letztere: vom Winde verweht. Erstere: vors sich deutlich durch die Designer-Unterwäsche abzeichnende Gemächt (welch passendes Wort!).

 

 Schon bilden sich Frauengruppen! Zwei. Die eine streitet darüber, ob man Exhibitionist nach dem x mit h schreibt, die andere ordert Prosecco und singt „Auszieh’n!“ – Meine Antwort an beide: „Ha!“

 

 Eine Bö befördert aber auch diese lästige Häufung des anderen Geschlechts dorthin, wohin sich leider auch der Sportteil meiner Gazette verflüchtigt hat: ins Nirwana. Schade um den Sportteil!

 

 Doch irgendwie sporte ich ja bei all den Verrenkungen selbst. Beinahe wie einst Heinz Erhardt, der mal ´nen Schachspieler fragte: „Na, heute schon geschacht?“ Ich jedenfalls sporte. Und versuche immer noch verzweifelt, dabei zu lesen. Ein Mann, zwei gleichzeitig angegangene Unterfangen – kann das gutgehen?

 

 Es gab in den „guten alten Zeiten“ mal klitzekleine Heftchen, da standen Schlagertexte drin. Sowas hätte ich jetzt gern. Nicht wegen der Texte. Die kann ich sowieso auswendig. Aber wegen des Formats! Ja, damals hatten die Dinge noch Format!

 

 Da ich sowieso meist nur ein Drittel der von mir abonnierten Zeitungen („Leipziger Volkszeitung“, „Frankfurter Allgemeine am Sonntag“) lese und mich davon nur die Hälfte interessiert, bin ich für Formatverkleinerung. Die LVZ beispielsweise müßte so manchmal nur jeden zweiten Tag erscheinen. Würde mir genügen.

 

 Wenn’s das MDR-Fernsehen als Zeitung gäbe, reichte auch ein jährliches Flugblatt. Ach was, ein Blättchen.

 

 Doch da dem nicht so ist, benötige ich einen Spanner! Einen Zeitungs-Spanner. Der vor mir kniet (!) und dem Sturm sowie meiner schlechten Laune trotzt. Und er kniet mit Augenbinde! Damit er mir nicht auf der ihm zugewandten Zeitungsseite was wegliest…

 

 Für Zeitungs-Spannerinnen würde ich sogar ein Kissen unterlegen, damit sie sich nicht so unterlegen fühlen müßten.

 

 Eine Spannerin! – Welch’ tollkühner und sogleich prickelnd erotischer Gedanke. Vielleicht sogar aus Madrid! Oder Saragossa. – Hauptsache Spannien!

 

 Diese trotzt dann mit mir zusammen dem Sturm, während ich die Gourmet-Seiten überfliege, bei den Wein-Tips hängenbleibe. Wein-Lese. Sehr spannend!

 

 Entspannte Grüße aus dem Gegenwind vom Diplom-Journalisten

 

Jürgen

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