28.Juli 2007


Gelbe Gefahr!

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 was wurde ich nicht schon oft mitleidig belächelt, wenn ich spätnachts mit Freunden das Restaurant deren Wahl verließ und mich sehnsüchtig nach einem Taxi umschaute bzw. meine Laufschuhe schnürte, während diese (also die Freunde, nicht die Laufschuhe) sich, trotz mehr als fünf Tausendstel Spaßmacher im Blutkreislauf,  auf ihr Veloziped warfen, stolz klingelten, den Helm unters Kinn schnallten und mit der festen Absicht, Fußgänger zu töten, gen Heimstatt strampelten.

 

 Eine Heimstatt nenne ich durchaus auch mein eigen bzw. mein miet, aber ein Fahrrad befindet sich seit Jahrzehnten nicht mehr im Umfang dessen, was die Hausratsversicherung so abdeckt. Nicht mal ´n Tandem.

 

 Obwohl ich mir das seeeehr schön vorstellen könnte, wie ich, hinten sitzend, die Füße hochlege, während ich W. anfeuere bzw. den rechten Weg weise. Herr R. – mein Pedaleur! Oh, das ist eine Überlegung wert.

 

 Die Frage ist allerdings: Wie dope ich ihn? Denn ohne leistungsfördernde Mittel würde ich meinen Alabaster-Körper dem seinen nie anvertrauen.

 

 Müßte W. selbständig entscheiden, kenne ich die Antwort bereits: Schnitzel mit Bratkartoffeln, oder aber der nach mir benannte und vom ihm geliebte „Stramme Max“. Vor Berg-Etappen gar beides, egal in welcher Reihenfolge. – Da sieht man wieder mal, daß Diplom-Ingenieure, die im Zenit ihres beruflichen Erfolges stehen, von Sport keine Ahnung haben.

 

 Nachdem W. sich in die Materie eingelesen hätte, würde er sicher um Fremdblut-Doping flehen. Was heißt „fremd“ – Freund! Doch ich habe keinen Tropfen übrig, Gevatter seit Kindertagen. Geh’ mir von der Vene! Hände weg von meiner Aorta!! Von wegen: Mir die Nase blutig schlagen und dann trinken… Trinken??? Saufen!!!! Und dabei Vergleiche mit dem besten aller Rebsäfte ziehend…

 

 Doch, wie gesagt, da muß ich einen jeden enttäuschen: Von mir gibt’s keinen Schluck. Sollte ich allerdings posthum zu Blutwurst verarbeitet werden, kann ich mir den Menschenauflauf vor der Metzgerei „Fritze Haarmann“ durchaus vorstellen. Und im benachbarten Restaurant „Zum kleinen Kanni B.“ würde er, sozusagen als Leckerlie, dann auch noch warm feilgeboten: der Menschen-Auflauf. Auf Wunsch überbacken! Mjammmm!

 

 Das alles macht meinen Tandem-Motor W. aber noch nicht leistungsstärker. „Epo!“ höre ich euch rufen. Vielleicht noch verabreicht aus der (Achtung, Brüller!) Zabel-Tasse. Schurer Unsinn! (Scherz für Täve-Fans…) Wie wär’s mit (B)Ullrich-Salz? Sowas kann man sich in die Trainings- color= color=Jaksche (Jetzt übertreffe ich mich aber selbst…) stecken.

 

 Gut, das waren abgestandene Scherze. Sozusagen Pointen im Tiefflug. Sinkewitze! – Nun bin ich wirklich in Hochform!!!

 

 Und was ist das Gegenteil von Pointen im Tiefflug? – Solche die gen Himmel, ja bis auf den Mond hinauf schießen: sogenannte Armstrongs. Der wiederum macht sich mittlerweile in einer Liegestatt, erbaut aus gelben Leibchen, einen schönen Lance…

 

 Da habe ich schon was, womit ich Herrn R., dem Pedalritter meiner Wahl, Flügel verleihen kann: ein Gelbes Trikot! Schön eng, damit er schnell schwitzt und ich es hinten schön warm habe. Und natürlich muß er die ganze Fahrt über singen! W.- mein Fahrrad-Radio. Gleichzeitig auch mein CD-Player, denn wenn ich auch nur den Titel einer CD nach vorn, gegen den hurrikangleichen Fahrtwind, brülle, muß er diese sofort AUSWENDIG darbieten. Bislang klappt das mit den Lebenswerken von Udo Lindenberg und Reinhard Mey. Er arbeitet aber gerade an dem von Lutz Jahoda!!! – Wessis: googeln.

 

 Schwarzbier – das Dope überhaupt für den Rennfahrer W.! Nur: Die Dosierung bestimme ich!! Und: In den Kurven wird nicht gesoffen!!! Sonst kleckert das immer so nach hinten. Und mit vollem Munde kann er auch nicht das von mir bei Kurven mit einem Radius von über 30 Grad geforderte „Hui!“ artikulieren.

 

 Ich stelle mir gerade vor, wie wir beide solange in einem Kreisverkehr herumrasen, bis Herr R. heiser ist. Uiuiuiuiui… Dann würde ich ihn natürlich zum Regenerieren ablegen. Auf dem Mittelstreifen der Straße. Und mich tandemschiebend entfernen. Im Ohr das langsam lauter werdende Motorengeräusch eines nahenden Schwerlastzuges.

 

 Ach, wilde Phantasie, mäßige dich. Denn es wäre doch wirklich schade drum. Wo kriegt man denn wieder ein sauberes Gelbes Trikot her…?

 

 „Nun ist es aber gut, Jürgen!“ höre ich die W.-Fans unter euch aufschreien. Alle beide! Ich aber kann da nur sagen: Recht habt ihr. Denn das gönge wirklich zu weit. Ich brauch’ ihn doch zu (brauchen NIE ohne „zu“) noch, den kleinen Racker mit den strammsten Waden von ganz Laue. Der Kenner spricht auch von „lauen Waden“…

 

 Nun bin ich also immer noch radlos, darf meinerseits aber dopen auf Teuf…, äh, Waldi komm raus. Darf. Dürfte! Will aber nicht!! Denn dopen macht doof in der Birne!!! Sieht man an Florian Silbereisen. Der trägt sein gelbes Trikot auf dem dementen Schädel. Als Dutt!!! DEN sollte man mal testen. Macht aber keiner. Nee, auch nicht gegen viiiiiel Knete. DIE Urin-Probe wäre wirklich zu ekelig. Ach, was schreib’ ich:    e k e l i g s t! – Schlürf…

 

 So. Nun stehe ich immer noch leicht angetrunken vor meiner Kneipe, während all die Radfahrer mittlerweile schon daheim weitersaufen. Taxi werde ich auch keins nehmen. Yellow cabs meide ich, schon wegen der Farbe. Trikot-Aversion…

 

 Mache ich mich halt wieder auf die Socken. Was natürlich um vieles besser ist als „mir“. Danke, deutsche Sprache!!!

 

 Und zwei, drei Stündchen später bin ich auch schon zuhause angekommen. Glücklich, durchtrainiert, ungedopt, aber heiser. – Von wegen der vielen „Hui!“s in den Kurven.

 

 Leise „Joa, mir san’ mit’m Road’l doa!“ summend, greife ich zur Luftpumpe, die ich auf dem Heimweg einem vorbeirasenden zugedopten Pedaleur aus dem Gestänge seiner Selbstfahr-Lafette riß, gönne mir noch einen Hauch pneu-geschwängerten Odems und begebe mich in Morpheus’ Arme.

 

 Eure „Gelbe Gefahr“

 

Jürgen

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